Auto fahren mit Angst?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Andy » Di 9. Dez 2014, 00:41

Mein Problem ist auch, dass mich alle fragen WARUM ich nicht Auto fahre. Dann erfinde ich immer irgendwelche Ausreden, ich kann doch nicht sagen , ich habe ANGST. Wie schaut denn das aus? Immer diese verständnislosen Blicke...
Und manchmal habe ich dann eine Wut auf mich selbst, weil ich so feig bin. Ich trau mich nachts allein auf den Friedhof und ich jogge nachts durch unseren Ort, aber ich trau mich nicht Auto zu fahren.
Und wenn ich höre, wie mein Mann, der gute Autofahrer, über die "Sonntagsfahrer" schimpft, die dahinschleichen statt Gas zu geben, dann vergeht es mir sowieso .

Gute Nacht

Ps : Ich werde auf der Sommerrodelbahn üben.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Di 9. Dez 2014, 08:52

Andy hat geschrieben:Und wenn ich höre, wie mein Mann, der gute Autofahrer, über die "Sonntagsfahrer" schimpft, die dahinschleichen statt Gas zu geben, dann vergeht es mir sowieso .


Das gehört übrigens auch zu den Faktoren dazu, die mir das Autofahren verleiden: denn dann stelle ich mir immer vor, wie sie in den anderen Autos über mich, den "Sonntagsfahrer" schimpfen könnten... und aus deren Sicht bin ich ja ein Sonntagsfahrer ohne richtige Routine.

Auch ich werde oft gefragt, warum ich nicht Auto fahre. Für einen Mann ist das anscheinend sehr ungewöhnlich - jeder Mann scheint gern Auto zu fahren, nur ich nicht. Meistens rede ich mich auf den Umweltgedanken raus, oder ich sage, dass ich als Großstadtbewohner kein Auto bräuchte. Das wird dann z.T. positiv bewertet, aber mit dem Nebensatz "also, ich könnte nicht aufs Auto verzichten. Toll, wie du das hinkriegst..."

Wenn die wüssten, dass es teilweise nur meine Angst ist, die mich am Autofahren hindert...
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Ellie » Do 11. Dez 2014, 11:03

Hallo,

also Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, Eure Zeilen zu lesen und zu sehen,
dass ich nicht allein bin mit diesem Problem.

Für mich ist ja schon das Mitfahren stressig, geschweige denn, ich müsste selbst fahren.
Ich war gestern mit meinem Mann im Rhein-Main-Gebiet unterwegs, ca. 150 Km einfach,
viele Baustellen und dann so eng, dass ich auch schon die Augen zu mache, wenn er auf der
Überholspur in der Baustelle an einem LKW oder Bus vorbeifährt. Ich könnte das gar nicht
abschätzen, ab der Abstand reicht, mir fehlt dieses "Autofahrergen".
Es ist ja nicht so, dass ich nicht fahre, Landstraßen sind eigentlich kein Problem bei mir,
aber Großstädte und Autobahnen.

Ich glaube, dass HSP oft schlichtweg mit diesen Situationen eine Art Reizüberflutung erleben,
zumindest spüre ich das bei mir und dann werde ich nervös. Ich denke auch, es ist einfach
besser, wenn ich es sein lasse. Nur leider bin ich schon ziemlich eingeschränkt, denn das
Zugfahren mit Umsteigen und Anschlußzüge nehmen, erzeugt bei mir leider auch große
Ängste, dass ich irgendwo stehe und den Anschlußzug verpasse, das entspr. Gleis nicht finde
usw. Ich bin mit dem ICE in eine Rehaklinik bei Bielefeld gefahren, als ich dort ankam,
war ich fix und alle, weil beide Male auf den letzten Drücker den Anschlußzug schaffte
und mich ja dort überhaupt nicht auskannte, es war die Hölle für mich. Zum Schluß
musste ich mich so beeilen, dass ich die ganze Zeit nicht wusste, ob ich wirklich
im richtigen Zug sitze OIO

Liebe Grüße von Ellie
Ellie
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Do 11. Dez 2014, 12:03

Ellie hat geschrieben:Ich glaube, dass HSP oft schlichtweg mit diesen Situationen eine Art Reizüberflutung erleben,
zumindest spüre ich das bei mir und dann werde ich nervös. Ich denke auch, es ist einfach
besser, wenn ich es sein lasse. Nur leider bin ich schon ziemlich eingeschränkt, denn das
Zugfahren mit Umsteigen und Anschlußzüge nehmen, erzeugt bei mir leider auch große
Ängste, dass ich irgendwo stehe und den Anschlußzug verpasse, das entspr. Gleis nicht finde
usw.


Ja, so ähnlich erlebe ich das auch. Die vielen Eindrücke, die auf einer Autofahrt im Großstadtverkehr auf mich einprasseln sind mir zu viel, ich kann sie nicht schnell genug verarbeiten, um richtig zu reagieren. Evtl könnte es auch dazu führen, dass ich überreagiere oder erschrecke, was dazu führen könnte, dass ich das Lenkrad verreisse oder versehentlich auf die Bremse trete. Also, es ist sicherer für alle, wenn ich es lasse.

Zum Glück macht mir Bahnfahren nichts aus, da muss ich mich ja größtenteils auf nichts konzentrieren, und ich kann nicht so viel falsch machen.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Andy » So 14. Dez 2014, 12:03

Eigentlich könnte ich das Thema "Autofahren" nun abhaken, für eine HSP wie ich es eine bin, ist das nichts. Aber etwas lässt mir keine Ruhe. Ihr seid lauter Autofahrer und könnt das besser beurteilen , aber ich bin ja über das Führerscheinneuling-Anfängerstadium nie hinausgekommmen. Wenn ich mehr Übung hätte, vielleicht wäre ich gar nicht so schlecht. Nach den ersten traumatischen Erlebnissen (Absterben des Motors mitten auf der Kreuzung, Hupkonzerte usw) habe ich sofort aufgegeben. Ich bin grundsätzlich ein ängstlicher Mensch, Angst vor Neuem, , aber wenn ich es dann schaffe, tut es meinem Selbstbewusstsein so gut. Und ich möchte jetzt nicht die Tatsache, dass ich eine HSP bin ,als Ausrede für alles verwenden . Aber das gehört jetzt wahrscheinlich in einen eigenen Thread.
Ich komme gut mit dem Rad und den Öffis überall hin und solange nicht ein zwingener Grund ist, werde ich nicht selber fahren.Ich muss eh beim Radfahren genug auf die Autofahrer aufpassen. Trotz Stopptafel wird mir der Vorrang genommen, ich werde geschnitten, knapp überholt , ignoriert und schon zweimal beinahe überfahren. Obwohl ich ein langsamer , vorsichtiger Radfahrer mit Licht und Helm bin .
Aber ich wurde auch schon einmal bewundert, dass ich alles ohne Auto schaffe!
Lg Andy
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Mo 15. Dez 2014, 11:56

Andy hat geschrieben:Ihr seid lauter Autofahrer und könnt das besser beurteilen , aber ich bin ja über das Führerscheinneuling-Anfängerstadium nie hinausgekommmen. Wenn ich mehr Übung hätte, vielleicht wäre ich gar nicht so schlecht. Nach den ersten traumatischen Erlebnissen (Absterben des Motors mitten auf der Kreuzung, Hupkonzerte usw) habe ich sofort aufgegeben.


Bei mir war das im Prinzip auch so ähnlich. Ich habe zwar einen Führerschein, bin aber eigentlich ein lebenslanger Anfänger geblieben.

Womöglich habe ich da einen Schlag abbekommen, weil ich in meinen jungen Jahren (zwischen 18 und 22) gleich bei mehreren Unfällen beteiligt war. Ich bin da nie selber am Steuer gesessen, aber als Beifahrer mit dabei gewesen. Es gab mehrere Kollisionen (u.a. eine mitten auf einer belebten Kreuzung in München), wir sind mal in einen Graben gerutscht, usw. Mit jedem Vorfall hat mich die Autofahrerei immer weiter verunsichert. Vor allem ist mir das Gefühl abhanden gekommen, dass Autofahren im Prinzip sicher sei.
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon Biene0570 » Mi 17. Dez 2014, 14:58

Hallo iwikx
auch ich habe Angst vorm Autofahren. Tagsüber geht es noch wenn ich in die Arbeit muss.
Aber falls es mal dunkel wird, wirds mir ganz komisch...Trotz Brille habe ich so meine Probleme.
Deswegen vermeide ich so gut wie es geht im Dunkeln zu fahren. Im Winter ist das natürlich eine Herausforderung U72(
Gestern musste ich meinen Freund vom Flughafen abholen und beim zurückfahren war es eben schon dunkel, es hat geregnet und neblig wars auch noch. DAS war nun mein letztes mal dass ich Nachts bei solchen Bedingungen Auto fahre. Musste überwiegend Landstrasse fahren mit 80, mehr traute ich mir eben nicht zu.
Auf dieser Strecke ist sogar Überholverbot fast durchgehend, weil eben schon soviel passiert ist.
Also hatte ich am Anfang schon einen Drängler mit Lichthupe, irgendwann überholten mich einige.
Ich hab echt gedacht ich überleb das nicht, dann bei der Ausfahrt wurde ich auch noch angehupt. Bin aber die ganze Zeit 80 gefahren, war eben wohl doch zu langsam.
Da ich schon ein Erlebnis mit einem LKW hatte der mir so aufgefahren ist, dass ich vor lauter Schreck in einen Waldweg gefahren bin. Ganz tolles Erlebnis *+*
So und nun? Am liebsten würd ich gar nicht mehr fahren so stresst mich das, auch dieses rücksichtslose fahren von anderen. Da ich aber beruflich aufs Auto angewiesen bin, gehts leider nicht ganz auszusteigen.
Ich biete mobile Fußpflege an und da wärs jetzt irgendwie doof nicht mehr Auto zu fahren. Zum Glück hatte ich bis jetzt einfache Fahrten und meistens am Tage.
Wenigstens bin ich nicht allein mit meinem Problem... U72(
Aber das gestern hat mich wieder so geschafft das ich nicht schlafen konnte.

LG
Biene
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Re: Auto fahren mit Angst?

Beitragvon derKleine » Mi 17. Dez 2014, 15:39

Ja, diese Drängler finde ich auch furchtbar stressig. Ich werde nie verstehen, warum manche Autofahrer so dicht auffahren, denn dann kann man im Notfall gar nicht mehr gefahrlos bremsen. Wenn ich selber fahren würde, würde ich vermutlich in solchen Fällen bei der nächsten Gelegenheit kurz rausfahren, und den Drängler vorbei lassen. Dem Drängler selber würde das trotzdem nur kurzzeitig einen Vorteil bringen, weil er wahrscheinlich nach kurzer Zeit dem nächsten Auto hinterherfahren müsste.

Sowas fällt mir immer wieder auf: hat uns so ein Drängler irgendwann riskant überholt, dann kann es sein, dass er trotzdem noch viele Kilometer lang nur unwesentlich weiter ist als wir, und an einer der nächsten Ampeln sieht man ihn drei Autos weiter vorn in der Schlange stehen.

Oder neulich saß uns ein arger Drängler im Nacken, überholte riskant in einer Kurve, um kurz danach in eine Einfahrt abzubiegen. Über die Motivation, sich so zu verhalten kann ich bestenfalls spekulieren...

Generell stelle ich immer wieder fest, dass ich die Psyche der meisten Autofahrer nicht so recht nachvollziehen kann. Auch das übermäßige Ärgern über andere Verkehrsteilnehmer verstehe ich nicht, aber manche Menschen geraten hinterm Steuer regelmäßig in Rage.
derKleine
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