Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon cyrill » Sa 4. Apr 2015, 00:07

Hi ich melde mich hier mal wieder.

Mir ist in letzter Zeit wieder etwas aufgefallen, eine Eigenschaft an mir die eigentlich immer schon da war und die mich jetzt gerade besonders beschäftigt.
Immerzu und besonders wenn ich nichts zutun habe, habe ich das Gefühl etwas tun zu müssen, aber ich weiß nicht was. Im laufe der Zeit besaß ich unzählige Hobbies, habe mich über jede Kleinigkeit, die ich auch nur im entferntesten interessant fand schlau gemacht um meinen Wissensdurst zu stillen. Es gab Zeiten da habe ich jeden Tag etwas neues ausprobiert und führte Experimente durch um mich zu beschäftigen.
Ich tue das alles weil ich mich ansonsten irgendwie leer fühle, nutzlos und niedergeschlagen. Ich verspüre ein Gefühl als ob etwas unerledigt ist, als ob ich meine Zeit verschwenden würde wenn ich mich nicht beschäftige. Als hätte ich eine Lücke in meinen Leben und ich habe nichts passendes um sie zu füllen. Ich habe das Gefühl das ich etwas brauche, etwas tun muss und das alles was ich bisher getan habe nur eine Ablenkung für mich ist.

Kennt ihr dieses Gefühl?

liebe Grüße Cyrill
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon gyn » Sa 4. Apr 2015, 00:48

Vielleicht weiß ich, was du meinst.

Kann es sein, daß du all diese Ablenkung, diees "etwas tun müssen". nur dazu benutzt, um dich nicht dieser Leere stellen zu müssen? Ist es ein Weglaufen davor?

Kannst du dir vorstellen, dich einfach mal dieser Leere zu stellen?

LG Günter
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon Histamina » Sa 4. Apr 2015, 10:17

Hallo Cyrill

schön dich wieder mal hier zu sehen! Ich erinnere mich gut, daß du der Erste warst, den ich anschrieb hier.

Diesen Drang, den du hier ansprichst, kenne ich gut. Als Kind hatte ich den noch nicht verspürt - ich gab dem Gefühl des "Nichtstuns" einfach nach, ich tat "Nichts" wenn es nichts gab das augenscheinlich getan werden wollte von mir.
Leider funktioniert das nur solange, solange jemand anderer die notwendigen Dinge für mich tat: nämlich für meine Grundbedürfnisse zu sorgen.

Es gibt , mal sehr vereinfacht dargestellt, meiner Meinung nach 2 Grundcharaktere: die "Macher", die die von sich aus den Impuls spüren etwas zu tun, und die "Nichtmacher" , die auf ganz wundersame Weise mit sich und der Welt wie sie ist, im "Reinen" sind.

Für die eher lethargischen, fängt es dann an schwierig zu werden, wenn ihr Umfeld etwas von ihnen erwartet.
Ich schätze jetzt mal, daß diese äußere Erwartungshaltung dich dazu treibt, dich glauben zu machen, dich "adäquat" beschäftigen zu müssen.

Leider ist das alles das mir im Augenblick dazu einfällt, und ich weiß nicht, ob dies auch tatsächlich dein Dilemma ist

herzliche Grüße dir
Histamina
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon Nistaneuling » Di 7. Apr 2015, 08:23

Das kann ich glaub ich ganz gut nachvollziehen.
Ich hab lange Zeit, und selbst heute noch, einfach nicht abschalten und nichts tun können. Mal sitzen bleiben, Mal alleine sein und zu entspannen. Das kann ich auch einfach nur sehr schwer. Muss immer was unternehmen, immer was tun, sonst lauf ich durch die Wohnung wie Falschgeld.
Ich kann noch so kaputt und ausgelaugt sein ich finde einfach keine Ruhe.
Mittlerweile ist es ein wenig besser geworden. Ich leg mich schon mal hin und schlaf ne std nachmittags. Oder setze mich tatsächlich mal auf die Couch.
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon cyrill » Do 9. Apr 2015, 00:54

Ich weiß nicht wie ich mich dieser Leere den stellen soll, wenn ich nichts tue dann juckt es mich in den Fingern und ich entwickle im Geiste unzählige Pläne(wo von die meisten ziemlich utopisch und kaum zu realisieren sind) und möchte sie in die tat umsetzten was nicht selten dazu geführt hatte das ich mit unzähligen Gerätschaften und sonstigen Dingen um mich verteilt dann herum stehe. Wenn ich mich dann frage warum ich das überhaupt tun will finde ich keine Antwort und muss dann erstmal diese Unordnung die ich mal wieder umsonst veranstaltet habe aufräumen.
Das einzige was mich bisher daran gehindert hat meine Wohnung mit unzähligen Büchern, Experimenten und anderen Projekten zuzumüllen sind meine Faulheit und diverse Geldsorgen meinerseits.

Dann gibt es noch meine Tagträume, ich muss mir ständig etwas ausdenken und auch meine Gedanken sind voll mit unzähligen Plänen und Projekten. Nur leider sind imaginäre Konstrukte nichts worauf man stolz sein sollte und tragen nichts zum reellen Leben bei. Deswegen versuche ich auch im echten Leben möglichst viel auszuprobieren, stürze mich von einem Hobby ins nächste um irgendwie ein Erfolgserlebnis zu bekommen und in irgendeinen Gebiet etwas zu erreichen was mich mit stolz erfüllt.

Selbst jetzt habe ich mehrere Projekte am Laufen, doch ich bin zu ungeduldig und fühle mich nicht richtig ausgelastet um mich Abzulenken. Ich habe oft das Gefühl das ich mir immer zu viel Sorgen mache und deswegen fürchte ich mich auch vor der Zukunft ich brauche immer etwas an dem ich mich festhalten kann etwas worauf ich mich freuen kann. Der Tag kann noch so schlimm sein doch ich weiß das zuhause etwas auf mich wartet, dass die Pflanzen etwas gewachsen sind, das es meinen Tieren gut geht, das meine Experimente/Projekte erfolgreich waren. Manchmal habe ich das Gefühl, das ich immer etwas brauche worauf ich mich freuen kann, sodass die Vorfreude die Angst überwindet.

Doch ich habe dieses Etwas noch nicht gefunden, ich habe irgendwie das Gefühl das ich auf der Such bin, nach etwas das ich nicht kenne aber unbedingt brauche.

Liebe Grüße Cyrill
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon Sabo » Do 9. Apr 2015, 04:12

Suchst du einen Weg oder sucht du ein Ziel?
Suchst du einen Weg, der dich mit jedem Schritt lebendiger macht? Einen Weg, der dich mit scheinbar unsterblicher Leidenschaft erfüllt,den du tagelang am Stück gehen kannst und alles andere sogar dich selbst vergisst.
Einen Weg der nicht dazu gemacht ist ihn wieder zu verlassen, sondern den du dein ganzes Leben laufen wirst, dem du dein Leben widmen kannst? Einen Weg, der kein Ende hat und daher scheinbar zeitlos ist. Ein Weg, der die Gestalt eines eingestampften Wanderpfads haben kann, dessen namenlose Fussspuren deiner meist vergessen Vorgänger dir gesellschaft leisten.Einen Weg, der verschlugen und versteckt sein kann und dich durch Lichtungen führen wird, die scheinbar niemand vor die bestaunen konnte.....oder vieleicht einen Weg, den man nur zu zweit gehen kann?
Oder sucht du doch nach einem Ziel?
Etwas nachdem du streben kannst, etwas von dem du träumen kannst.
Etwas das dich stärken und antreiben wird. Ein Ziel, dessen Existenz dich auffüllt und dich voller Ehrgeiz in die Zukunft blicken lässt. Ein Traum, dessen Melodie dich in dunklen Tagen darin hindert aufzugeben und dich dazu zwingt wieder aufzustehen.Ein Tag, der dein Tag sein wird, an dem du dich verwirklichst und deinen Traum, deine Gedanken realisieren wirst und damit Beweist,dass du existierst, dass du lebst.

Was suchst du?

Und was die Faulheit angeht: Meiner Meinung nach haben sich manche Menschen für ein "faules Leben" entschieden und geniessen es, für andere kann es aber ein Tor zur Depression sein. Pass auf das du dich nicht darin vergiftest und ein verbitterte Mann wirst der voller Reue in der Vergangenheit zurürckschaut.
Der Segen und Fluch eines Skeptikers ist der Zweifel an sich selbst.
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon derKleine » Do 9. Apr 2015, 12:23

Ich bin da irgendwie beides in einem. Ich würde mich als "lethargischen Macher" bezeichnen, der gern mal nichts tun und einfach entspannen mag, aber andererseits auch von einen starken inneren Antrieb verspürt, sich für dieses oder jenes zu interessieren, einen Ausflug zu machen, zu lesen, zu lernen, Sport zu machen, usw.
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon gyn » Fr 10. Apr 2015, 23:11

@ cyrill,

führst du Tagebuch? Wie sieht es denn aus mit Schreiben? Ich finde, du hast da in dieser Richtung ein ganz außergewöhnliches Talent. Die Geschichten, die ich hier von dir gelesen habe, haben mich schlichtweg umgehauen! Ich bin da richtiggehend reingesogen worden, sowas hab ich selten erlebt.

LG Günter
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon cyrill » Mo 13. Apr 2015, 00:10

Hallo gyn,

Ich führe kein Tagebuch, denn dafür bin ich viel zu faul _läch_ . Ich führe aber ein Traumtagebuch und versuche jeden Traum an denn ich mich nach dem Aufwachen erinnern kann aufzuschreiben, wobei ich mich selbst damit recht schwer tue.

Schön zu wissen, dass dir meine Beiträge gefallen. Wie ich in in einem anderen Thread schon erwähnt habe schreibe ich hier weniger als ich gerne würde, weil mich das Schreiben auslaugt, obwohl es sich auch sehr befreiend anfühlt sich hier mitzuteilen.

Ich habe auch das Gefühl das ich beim schreiben oft sehr viel Energie benötige um die ganzen Bilder und Gefühle in meinem Kopf in Wörter zu übersetzen. Deswegen bemühe ich mich auch sehr wenn ich versuche mich mitzuteilen.

Grundsätzlich bin ich nicht sehr gesprächig aber die wenigen Worte/Gedanken die ich nach außen dringen lasse, in die stecke ich eine menge Herzblut

und es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich damit auch andere Menschen erreichen Kann.

Liebe Grüße
Cyrill
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Re: Den Drang etwas zu tun zu müssen, aber keine Ahnung was?

Beitragvon Histamina » Mo 13. Apr 2015, 08:44

Hallo Cyrill

ich kann Günther nur beipflichten: du hast eine klare , verständliche Sprache. Du verstehst es , dich schriftlich gut
auszudrücken. Toll das Günther darauf aufmerksam gemacht hat!
Daß das Schreiben dich anstrengt ist verständlich, denn wenn du schreibst, dann gibst du dir Mühe wie man ja deutlich erkennt, und wie du selbst auch sagst.
Es bereitet dir deshalb so viel gefühlte Mühe meiner Meinung nach, weil du beim Schreiben sortieren, aufräumen musst in deinen Kopf. Und das fühlt sich ungeübt genauso mühevoll an wie bspw., das Joggen in den Anfängen.
Irgendwann aber bist du "routiniert" , du wirst dir die Mühe gerne machen und sie auch nicht mehr als anstrengend empfinden - eher vielleicht das Gegenteil: du fühlst dich freier und gut danach. So ist es doch mit allen Dingen in denen wir uns diszipliniert haben und die unser System mal "durchschüttelt um wieder alles an Ort und Stelle zu bringen?
Leider ist auch hier die Theorie mal wieder schlauer als die Dinge in die Praxis umzusetzen sind.
Ich selbst habe bis in meine 30er gebraucht um der Vernunft mehr Raum in mir zu geben. Und eigentlich hat mir nichts so sehr dabei geholfen wie die Verantwortung für mein Kind. Leider erst als ich mit den Augen eines andren sah , hab ich vieles verstanden und dann auch für mich umsetzen können. Mein Kind hat zu meinem großen Leidwesen auch die Veranlagung eher theoretisch als praktisch an die Dinge ran zu gehen, und ich kann trotz meines Wissens um die Dinge ihn zu selten nur wirklich anspornen.

Du sagst, die Dinge hängen oft an deiner Faulheit oder an Geldnöten. Ja schade, daß dir nicht die Mittel dafür zur Verfügung stehen um deine Ideen in die Tat umsetzen zu können. Aber das wird ja vermutlich mal anders sein, entweder verdienst du dir diese Mittel, oder du arbeitest mal wo, wo dir die Materialien zur Verfügung gestellt werden.
Was die Faulheit betrifft, so ists echt schwierig da ein Maß zu finden - gerade wenn man zu Lethargie neigt.
Doch ich könnte schwören, daß du sie eines Tages überwindest!

Daß du etwas brauchst um stolz auf dich sein zu können, ist nur natürlich, und diese Veranlagung ist überhaupt auch der Motor sich für Dinge Mühe zu geben , sie so gut zu erledigen als möglich.
Natürlich darf es nicht so sein, daß du ohne "Erfolge" dich wertlos fühlst. Aber sein Leben mit Interessen zu füllen, nach Möglichkeit konstuktiver Natur, ist sicherlich nicht die schlechteste Lebensvariante.

Du bist noch so jung, so vieles liegt noch offen vor dir - du kannst es dir aussuchen, nur verzettel dich dabei nicht zu sehr, versuche dich zu fokusieren auf einen Bereich. Und wenn du dann da einen befriedigenden Überblick hast, kannst du dich dem nächsten zuwenden.
Du hast wissenschaftliches Potential - vielleicht fällt es dir leichter dich fest zu legen, wen du dein Können in die "Dienste er Menschheit stellst". Manche brauchen ein klares Ziel, andre nur den Weg...ich würde sagen die Mischung aus beiden ist die Kunst zum Glück


Meiner Meinung nach , solltest du dich körperlich auch mal auspowern. Egal, finde irgendwas das dich motiviert nach draußen zu gehen, dich zu bewegen.
Das Gedankenkarusell würde weniger - versprochen!

Wenn ich dir zu "schulmeisterlich" rüberkomme, sags ruhig. Das halt ich aus
bissl viel isses in jedem Fall....sorry

liebe Grüße dir

H
Histamina
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