Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Stoffel » Mi 28. Nov 2018, 15:04

Ich frage mich seit einiger Zeit, ob der schöne Spruch

Der Weg ist das Ziel

für Menschen mit HS überhaupt funktioniert.

Wenn es in den Urlaub geht, zur Arbeit oder sonstwo hin, ist der Weg für mich Stress. Wenn ich dann am Ziel bin, bin ich so fertig, das ich eigentlich nur noch schlafen möchte.
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon hs_positiv » Mi 28. Nov 2018, 15:19

Den Spruch hatte ich bisher immer nur im übertragenem Sinne verstanden, nehme ihn jetzt aber wörtlich:

Warum alle HSP grundsätzlich Stress auf Wegstrecken haben sollten, kann ich nicht nachvollziehen. Stress kan so viele Gründe haben, warum sollte ausgerechnet Hochsensibilität dafür verantwortlich sein? Es gibt auch jede Menge Menschen mit Burn- oder Boreout, die genervt sind. Das sind aber nur zwei Beispiele.
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Gürkchen » Mi 28. Nov 2018, 16:30

Ich kenne diesen Spruch auch eher im übertragenen Sinn, als Lebensphilosophie.
Ihn wörtlich genommen, kann ich als Hundebesitzer nur nicken, denn täglich ist der Spazierweg das Ziel den Hund auszulasten und für mich den Kopf unterwegs etwas frei zu kriegen.
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Fledermaus » Do 29. Nov 2018, 21:07

Doch, das kann ich nachvollziehen...wenn ich zwei Haltestellen mit der Straßenbahn gefahren bin, habe ich so viele Eindrücke mitbekommen, wie die Menschen wirken, was sie sich erzählen, das bleibt irgendwie haften, beschäftigt mich...oder Urlaub...das Packen, hat man alles, die gewohnte Umgebung verlassen sich auf etwas neues einlassen...eigentlich letzteres....mein Innerstes muß sich umstellen auf eine andere Situation, das braucht Energie.
Ankommen und wieder Ruhe finden ist dann wichtig.
Grüße
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Stoffel » Do 29. Nov 2018, 23:40

Ankommen und wieder Ruhe finden - ist bei mir bei der Arbeit leider nicht möglich.

Im Urlaub habe ich das Problem, daß ich erst lernen muß, nicht mehr alles mitzunehmen was geht. Aber ich schaffe es noch nicht, mein erhöhtes Ruheverlangen mit einzubauen. Das ist auch schwer, da ich es gewohnt bin, das gesamte Programm für die Familie zu planen und durchzuführen.

Das ist im Alltag leider ebenso, darum finde ich keine Ruhe. Egal was gemacht werden muß, ich plane und kümmere mich drum.
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 30. Nov 2018, 01:19

Ich finde auch, es ist sicher schwer in dieser Hinsicht eine allgemeingültige Aussage zu treffen.

Für mich unterscheide ich konkret, geht es um den Weg zur Arbeit, bzw. generell zu einem Termin bei dem auf Pünktlichkeit Wert gelegt wird, oder aber ist das zeitliche Eintreffen flexibel vorgegeben und kann ich mir Zeit lassen. Bei Stress sind vermehrte Sinneseindrücke dann möglicherweise als Overload zu empfinden, wenn es ein entspannter Weg ohne Zeitdruck ist, kann eine überdurchschnittliche Wahrnehmung doch ganz toll sein; ich kann mich jedenfalls sehr an Kleinigkeiten erfreuen, die es unterwegs zu sehen gibt, und ich erwische mich oft dabei, wie ich dann in meine Gedanken versinke.

Dabei ist ein weiterer Faktor sicherlich das gewählte Transportmittel, momentan bin ich meistens mit dem Rad oder mit dem Pkw unterwegs, was ich beides recht angenehm finde. In meinen Großstadtzeiten bin ich auch ganz gerne mit der Straßenbahn gefahren. Busfahren mag ich hingegen nicht so gerne und versuche ich immer zu vermeiden.

Wenn man das Gefühl hat keine Atempause zwischen Anfahrt und Termin/Arbeit zu haben, dann kann es helfen sich Rituale anzugewöhnen, z.B. immer eine Viertelstunde vorher am Ort ankommen und kurz zur Ruhe kommen. Dafür je nach Geschmack und Neigung vlt Musik hören oder einen kleinen Spaziergang machen etc..
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon wassertropfen » Fr 30. Nov 2018, 01:57

Hallo,
ein interessanter Gedanke jedenfalls.
Ich finde, das Thema hat auch mit der Gabe zu tun, im Hier und Jetzt zu leben.
Daran muss ich auch immer wieder arbeiten. Wenn ich nur ein Ziel vor Augen habe, verpasse ich oft die schönen Eindrücke des Weges/ des Augenblicks.
Ein großes Beispiel wäre der Wunsch/ das Ziel, eine (glückliche) Familie zu gründen. Diese lange Zeit/ Wegstrecke möchte ich auch genießen. Sonst ist am Ende irgendwie das Ziel nicht erreicht, zumindest der "glücklich"-Part nicht.
LG
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Stoffel » Mi 19. Dez 2018, 01:54

Heute war mein Test als HS mit dem Wissen HS auf dem Weihnachtsmarkt. Der Weihnachtsmarkt war also der Weg und das Ziel gleichzeitig.

Mittags um 12, wenn alles Grad aufgemacht hat und nur wenig los ist, ist es für mich noch auszuhalten. Aber ab dem Zeitpunkt wo Schul- und Schichtende ist, wird es schon voller und mir zuviel.

Ich rieche aus der Entfernung Sachen, die andere nicht wahrnehmen. Das habe ich mit meiner Frau getestet. Ich habe gesagt dahinten gibts gebrannte Mandeln. Der Geruch war eigentlich von Bratwurst, Steak und anderen Sachen überdeckt. Aber mir hat er sich sofort in der Nase festgebrannt. Die Bude war nicht zu sehen, aber wir sind weiter gegangen bis wir sie gesehen haben.

Weihnachtsmarkt ist für mich vom Geruch schon eine Herausforderung. Aber sowie dann Menschenmengen dazu kommen, flüchte ich wieder nach Hause.

Ein Teil von der Weg ist das Ziel verstehe ich momentan allerdings nicht:

- wenn ich im Kaffee in einer Ecke sitze, und die Leute in der Fußgängerzone durchs Fenster rumhetzen sehe ist das OK - das kann ich problemlos ne Stunde oder länger - wenn Kaffee und Kuchen gut sind _grin_

- wenn ich aber am Gang sitze, und die Kellner ständig vorbeikommen um andere Leute zu bedienen, kriege ich keine ruhige Minute im Kopf zusammen. Dann stürze ich den Kaffee nur runter und geh wieder.

Wo ist da der Unterschied ?
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon Sonne-über-der-Stadt » Mi 19. Dez 2018, 15:58

@Stoffel: Das kenne ich auch, bei mir hat es mit räumlichen Grenzen zu tun. Ist der Raum geschützt, klein, unterteilt...dann bin ich auch innerlich entspannt. Am Gang sitzen macht mich irre und unruhig, ich fühle mich dann stark exponiert und auch die Ich-Grenzen verschwimmen.
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Re: Der Weg ist das Ziel - als HSP unmöglich ?

Beitragvon hs_positiv » Do 20. Dez 2018, 11:50

Stoffel hat geschrieben:Ein Teil von der Weg ist das Ziel verstehe ich momentan allerdings nicht:

- wenn ich im Kaffee in einer Ecke sitze, und die Leute in der Fußgängerzone durchs Fenster rumhetzen sehe ist das OK - das kann ich problemlos ne Stunde oder länger - wenn Kaffee und Kuchen gut sind _grin_

- wenn ich aber am Gang sitze, und die Kellner ständig vorbeikommen um andere Leute zu bedienen, kriege ich keine ruhige Minute im Kopf zusammen. Dann stürze ich den Kaffee nur runter und geh wieder.

Wo ist da der Unterschied ?


Diese Frage lassen sich in den Bereichen (Innen-)Architektur, Raumausstattung, Dekoration, Bühnenbild, Feng Shui und Wahrnehmungspsychologie aufklären. Ich hatte dieses Thema zum ersten mal im Kunstunterricht. Es bezieht sich aber nicht auf Hochsensibilität, sondern auf ganz durchschnittliche Menschen (Normalverteilung), an welchen getestet wurde. Kein durchschnittlicher Mensch fühlt sich in Durchgängen wohl.

Der Weg ist das Ziel - egal, ob du nun den Weg in die Bibliothek oder Buchhandlung einschlägst oder direkt Fachleute fragst, Hochsensible sollen ja sehr kreativ und multibegabt sein, daher sehr viele Probleme mit links lösen.

https://www.redensarten-index.de/suche. ... 5D=rart_ou

Zu deiner Ausgangsfrage:
Gerade als HSP hat man durch kreative Problembewältigungsstrategien und Multibegabung, die anderen oft fehlen, einen ganz großen Vorteil, sein Ziel oder ein ähnliches zu erreichen.
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