Die Unfähigkeit zu genießen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » So 22. Dez 2013, 22:49

Würd mich auch interessieren, wie du die passiv-friedliche Natur zu deinem Vorteil einsetzt in einem Umfeld, in dem doch eher die coolste Sau die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Als wertvolles Talent hab ich meine Sensibilität eigentlich nie gesehen. Klar, wenn mir jemand die Chance gibt, ein intimes Gespräch zu führen, dann kann ich da schon sehr viel machen, das tun aber die wenigsten. Das Gesprächsbedürfnis bezogen auf tiefsinnige Themen und Gefühle ist bei meinem Umfeld wohl sehr begrenzt.
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon habnochbisslhoffnung » Mo 23. Dez 2013, 01:17

Leonard hat geschrieben: hab sogar Medikamente (Neuroplant) verschrieben bekommen.

hab schnell nachgeschaut: das ist ein pflanzliches präparat - ich halte nich viel von diesen dingen (ausser placebowirkung; lasse mich aber gerne vom gegenteil überzeugen)
http://www.neuroplant.de/neuroplant-aktiv/wirkung/

cipralex von lundbeck ist ein bewährtes antidepressivum - wirkungsvoll (im positiven sinne) + sehr wenig nebenwirkungen (hab ich von mehreren psychotherapeuten bestätigt bekommen). könntest dies ja mal ausprobieren. bei mir wirkt es. vielleicht bei dir auch?
oder bist du schon zufrieden mit der wirkung von neuroplant?
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Mo 23. Dez 2013, 02:00

Ich kenn mich da wenig aus, mein Hausarzt hat mir das Rezept in die Hand gedrückt und ich hab das abgeholt, er meinte aber, dass das auf jeden Fall eine Wirkung hätte und nicht lediglich ein Placeboeffekt. Ich finde doch, dass es etwas besser geworden ist, vor allem die intensiven Grübeleien haben nachgelassen, die mich teilweise mal mitten in der Nacht für 2 Stunden wach sein haben lassen. Zudem bin ich nicht mehr so arg am Ende, wenn ich morgens aufstehe. Es ist einfach etwas entspannter geworden. Mehr erhofft hatte ich mir dennoch. Wenn ich denke, was für Energie andre Leute haben, dann hätt ich das auch gern. Ich könnte mich fast schon alle 3 Stunden für ne Stunde ins Bett legen.
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon ChanChan » Mo 23. Dez 2013, 02:17

Hallo Leonard,

ich finde pflanzliche Mittel generell besser und spreche auch gut darauf an, vorallem verzichtet man dabei auf eine lange Liste an Nebenwirkungen. Wenn es dir hilft, ist es doch super, zumal HSP sowieso besser auf pflanzliche und homöopathische Medikamente ansprechen.

Mir wollte ein Arzt einmal Anti-Depressiva verabreichen, ich habe das dann abgeholt und als ich in die Nebenwirkungen (u.a. Koma) geschaut hab, hab ichs erst mal entsorgt. Zumal das ja auch das Problem nicht löst, sondern verdrängt.

Ich kenne diese inneren Dialoge nur zu gut und sie können wirklich sehr quälend sein und einem den Schlaf rauben etc. Leider kann ich dir dazu noch keinen Tipp geben, da ich da selbst noch am ausprobieren bin. Aber so grundsätzlich finde ich Meditation immer recht entspannend und danach fühlt man sich irgendwie "aufgeräumter" von der Gedankenwelt her.

Ich finde es auf jeden Fall super, dass du dich so gut kümmerst und dir aktiv Hilfe suchst, dass zeugt von Stärke. Und ich hoffe du hast Erfolg bei der Therapeuten-Suche. Und lass dich bloß nicht von deinen Eltern entmutigen, sie sind wahrscheinlich einfacher gestrickt und können das nicht nachvollziehen. Ich kenne solche Reaktionen, dass kann echt frustrieren, aber sie kennen das von sich nicht und verstehen nicht wo komplex das Ganze ist. Du kannst ihnen zum Beispiel Artikel zu dem Thema zu lesen geben, das mache ich dann manchmal, das bringt sie dann evtl. zum Nachdenken. Dann wird erkannt, dass es doch ein häufiges, anerkanntes Problem ist und es wird nicht mehr so schnell abgetan.
ChanChan
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Eremit » Mo 23. Dez 2013, 09:11

Hallo zu Ellana und Leonard _yessa_

wie geht ihr bislang mit sowas um, was hat euch bereits gut geholfen? Das ist dabei das Wichtigste!

Zu Ellana - Gute Freunde und Helfer sowohl verkörpert als auch geistig und der dringende Wunsch, wirklich zu wissen wie es geht. Ich glaub, es braucht den starken Impuls der Selbsterkenntnis. Daraus haben Stress und Sucht mich so sehr genervt, dass ich mir Hilfe suchen musste. Dadurch wurde mein Bewusstsein auf Passenderes aufmerksam. Und dann gings vom Groben zum Feinen - heute noch die Feinarbeit, der letzte Feinschliff . . .

Zu Leonard - solange ich in der Situation mit Prolls war - aushalten, abschalten. Dann natürlich raus da wo mich keiner sieht und keiner will. Dann hat sich wie zu Ellana beschrieben vieles für mich gewandelt hin zu denjenigen, die besser verstehen, wie ich bin, mich so akzeptieren, mir ein deutlich besseres Ziel vorleben und mich daran teilhaben lassen. Hin zu Menschen, die auch mal mein Leben und meine Besonderheiten teilen.

Positives Ziel im Ewigen - klares Unterscheidungsvermögen - alles Förderliche annehmen, alles Hinderliche ablehnen - auf Herz und geistige Führung achten - Bewusstsein ausrichten - Rückschläge aushalten, analysieren und nutzen - warten und akzeptieren was kommt - immer wieder Bilanz ziehen, Realitäts-Check.

Manchmal fühlt sich das an wie beim Augenarzt mit dem großen Testgerät mit den Brillenscheibchen - linkes Auge - klack - besser oder schlechter - klack - besser oder schlechter - dann rechtes Auge- klack - besser oder schlechter - bis ich klar sehen kann _yessa_

Früher hab ich oft stärker die schlimme Seite gespürt, falsch gelandet, nicht geliebt, unverstanden zu sein. Dann allmählich spürte ich stärker die gute Seite der Medaille, dass meine Natur friedlich, liebevoll und glücklich ist und ich mich nach Erfüllung, Erleben, Spiegelung davon sehne.

Das ist kein Kraftakt, kein Perfektionismus, ich muss niemandem was beweisen. Und das allein schon als gesicherte Erkenntnis - vom Zweifel ins Vertrauen - vom Glauben zur Gewissheit - fühlt sich richtig gut an. Und dieses gute Gefühl, die gute Seite der Medaille, das positive Ziel im Ewigen kann eine eigene Zugwirkung entfalten _yessa_

Hoffe, ihr könnt damit was anfangen iwikx

"Lass alles los und jedes Ding fällt auf seinen Platz"
(ohne Quellenangabe)
Eremit
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Mo 23. Dez 2013, 18:52

Das klingt auf jeden Fall super. Der erste Punkt, an dem ich arbeiten werde, ist meine Selbstakzeptanz. Der wichtigste Punkt, der hier gefallen ist, ist "es geht immer weiter". Und das stimmt. Ich werde auch versuchen gerade gute Momente eindringlicher zu speicher, als mit den negativen zu hadern. Das ist zwar nicht ganz einfach, aber auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt :)

Ich hätte mir nicht erträumt, dass das Thema hier so viel bewirkt und die Beiträge dazu so wertvoll sind. Danke Euch :) Wenn ich mal für euch was tun kann, lassts mich wissen!
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Eremit » Mo 23. Dez 2013, 19:40

smgp* smop
Eremit
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Sonni » Mo 23. Dez 2013, 21:57

Noch einmal Hallo,

Weißt du Leonard, meine Erfahrung ist, dass die Gefühle die du beschreibst, die Versagensangst, das sich nicht genügend fühlen, das nicht kennen des eigenen Wertes, den Verlust von Leichtigkeit und Freude im Moment, die ewigen Ansagen im eigenen Kopf….
alle Menschen kennen
UND
das besonders Sensible heftigst darunter leiden, zur Depression neigen und soooo selten wirklich innerlich mit sich zu frieden sind.

ABER schon sich darüber bewusst zu sein, schmerzlich zu wissen, ich kann nicht so sein wie ich will, oder wie andere im Vergleich zu mir sind und damit erfolgreich sind, war für mich ein erster riesiger Schritt in Richtung Selbstakzeptanz.
Damit verbunden habe ich gelernt mich als S. zu beobachten, aber nicht mit dem was ich beobachtete zu identifizieren, ein langer, sehr langer Prozess.

Meditation, extremer Sport, viele Bücher über die Wirkungswiese des Gehirns, die Rolle und Bedeutung der Gefühle im Zusammenhang mit den Gedanken, Üben von Verhaltensweisen, Gespräche, Seminare…. haben mich zu einem immer ruhigeren mit mir klarkommenden Menschen werden lassen.
Alle neuen Herausforderungen wollen wieder neue Lösungen, immer im Bewusstsein ich bin so wie ich bin und das ist ok.

Es ist schön zu lesen das du anfangen willst, das du dich nicht mehr ergeben, willst sondern agieren, tun… viel Mut und Kraft

Herzlich Sonni
Sonni
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon 1753 » So 5. Jan 2014, 13:01

Hallo Leonard,

deine Freunde können sich glücklich schätzen, jemand liebenswertes so wie dich zu haben.

Ich habe mich vor 10 Jahren in einer ähnlichen Situation befunden. Immer diese Gedankenkreise, warum, wieso, weshalb...

Irgendwann habe ich mich mal drauf konzentriert, wie ich die Gedanken wieder in etwas geordnetere Bahnen bekomme. Habe mir überlegt, was mir selbst Freude und Spaß bereitet - meine Wahl fiel auf Ausdauersport (Laufen) und Gesellschaftsspiele mit Freunden. Wenn man Dinge tut, die einem früher viel Freude bereitet haben, ist es auch viel leichter, seine Konzentration dorthin zu lenken und auch dort zu bleiben. Die Selbstakzeptanz steigt dann irgendwann automatisch da du ein gutes Gefühl bekommst, etwas für dich getan zu haben. Es hat auch etwas damit zu tun, mit sich selbst auskommen zu können ;-) Da hab ich auch eine kleine Geschichte parat - ich war dieses Jahr 5 Tage auf einer Hüttentour in den Bergen - allein - und was soll ich sagen? Ich kann gut mit mir selber ;-) An den ersten beiden Tagen war es noch etwas ungewohnt, aber dann war es einfach nur noch ein wahrer Genuss - die Natur für mich zu erleben - abends auf andere Menschen zu treffen. Herrlich!
Du weißt innerlich, was dir gut tut. Schreibe dir mal ein paar Tätigkeiten auf, was das sein könnte und nimm dir einmal am Tag was Schönes vor. Zu Beginn werden die Gedanken natürlich noch abschweifen, das ist normal. Aber irgendwann kommt wieder der Punkt, wo man in sich selbst ruht.

Ich habe mir vor ein paar Tagen ein tolles Buch mit Übungs-CD gekauft: "Achtsam leben mit Hochsensibilität" von Susan Marletta-Hart. Es sind 2 Meditationen auf der CD (wirklich herrlich zum sich Fallen lassen) und ein kleines Buch, wo sie ihre eigenen Erfahrung und die von anderen Hochsensiblen preisgibt.

Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende!
Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. (Antoine de Saint-Exupéry)
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Dominik » Mo 6. Jan 2014, 11:24

Hallo Leonard,

ich kenne das mit dem Gedankenkarussel ebenfalls sehr gut.
Meines Erachtens kann es auch durchaus helfen, zu verstehen, "wer oder was" diese Stimme/diese Gedanken sind und warum sie Dir die ganze Zeit reinquasseln.
Mir hat meine Therapeutin in einer ähnlichen Situation das Buch "Ich, Dein treues Ego" von Brigitte Kaplik zu lesen gegeben. Für mich sehr lehrreich und durch die humorvolle Art und Schreibweise auch angenehm zu lesen.

Mir hat es geholfen, diese Stimmen/Gedanken im Kopf zwar nicht verschwinden zu lassen, sie aber auf liebevolle Art und Weise nicht ganz ernst zu nehmen und ihnen somit Gewicht und Eiunfluss zu nehmen...

Viele Grüße,
Dominik
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