Die Unfähigkeit zu genießen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Sa 21. Dez 2013, 12:27

Hallo Leute,

Ich wollt mal ein Thema diskutieren, das mich schon etwas länger beschäftigt und ich bin mir nicht sicher inwiefern andere Leute ein ähnliches Problem haben.

Kurz gesagt, mir fällt es wahnsinnig schwer, zu genießen, einfach alles sein zu lassen. Mal ein paar Beispiele:

Wenn ich zum Beispiel einem Orchester zuhöre, live, und jemand spielt ein Solo, dann bin ich so angespannt und hoffe, dass ers nicht vermurkst, so dass ich da schon gar nicht mehr richtig mithören kann. Und das, obwohl ichs nicht mal selbst spielen muss. Einfach nur, weil ich diese Versagensangst auf den anderen projiziere.

Ne andre Sache ist zum Beispiel das entspannen. Es fällt mir wahnsinnig schwer, einfach nur was zu tun, was entspannen soll, ich kann die Stimme im Kopf einfach nicht abschalten. Das is wie im Urlaub, wenn man immer die Tage mitzählt, an denen die blöde Arbeit wieder losgeht und dann gar nicht richtig zur Ruhe kommt. Gleiches beim Schlaf. Ich schlaf teilweise so schlecht, weil mir so vorm Aufstehen graust, anstatt, dass ich den Schlaf in dem Moment genieße, in denen ich die Zeit habe. Ich denk irgendwie immer weiter an das nächste unangenehme Ereignis, so dass ich den angenehmen jetzigen Moment gar nicht genießen kann.

Es sind also zwei Sachen, die mich belasten. Zum einen das Problem, "im Moment" zu leben und das andere, Ängste auf andere Leute zu übertragen und mich dann hineinzuversetzen. Ich hoff, das ist einigermaßen nachvollziehbar geschildert. Bin noch etwas ungeübt im widergeben von Gefühlen, da verlier ich doch schnell den Überblick.

Danke fürs Zuhören :)
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon habnochbisslhoffnung » Sa 21. Dez 2013, 13:13

Leonard hat geschrieben:Es sind also zwei Sachen, die mich belasten. Zum einen das Problem, "im Moment" zu leben und das andere, Ängste auf andere Leute zu übertragen und mich dann hineinzuversetzen. Ich hoff, das ist einigermaßen nachvollziehbar geschildert. Bin noch etwas ungeübt im widergeben von Gefühlen, da verlier ich doch schnell den Überblick.
Danke fürs Zuhören :)


grüss dich leonard :=)

zu 1)
im moment zu leben (und abzuschalten/ etwas geniessen) ist tatsächlich schwierig für HSPs: Voraussetzung ist, dass die Lebensbedingungen stimmen!
wenn man eine depression hat, ist das noch zunehmend erschwert (möchte dir nicht unterstellen, dass du eine Depression hast, versteht sich, dass kann sowieso nur eine fachperson beurteilen). hast du dir schon mal überlegt, eine psychotherapie zu machen (gesprächstherapie, ev. medikamente)?

zu 2)
das zweite, dass du schilderst, hat denke ich, insb. mit der Empathie der HSPs zu tun, der Schwierigkeit, sich abzugrenzen und stattdessen mitzuschwingen mit anderen (bei mir allerdings gesellt sich auch eine soziale Ängstlichkeit dazu, die ich mit einer kleinen Temestadosis deutlich abmildern kann (ich will hier nicht Werbung für Medikamente machen, weise auch immer wieder auf das Suchtpotenzial von Benzodiazepinen hin, aber man soll Psychpharmaka doch nicht von vornherein verteufeln, wenn sie einem helfen können, sein leben zu bewältigen, stimmts oder hab ich recht?)
es scheint mir auf jeden Fall angebracht, dass du dich mit einer Fachperson (sprich Psychotherapeut) auseinandersetzt. Vielleicht kann dir diese (wenn du eine kompetente Person findest) helfen!

PS: hey übrigens, dein wiedergeben von gefühlen find ich schon richtig gut _yessa_
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Stimmungsaufhellerin » Sa 21. Dez 2013, 13:38

Lieber Leonard!

Ich glaube, dass erstaunlich viele Menschen nicht im Moment leben. Egal ob hochsensibel oder nicht.
Schau sie dir an, wie sie umgehen mit ihrer Zeit, das Smartphone in der Hand, in Gedanken allzuoft in der Zukunft oder in der Vergangenheit...
Ich nehme mich selbst nicht aus. Ich träume in diesen Tagen oft. Bin in meiner Gedankenwelt.
Das kann ich stundenlang. Aber mir Vorwürfe zu machen, weil ich den Moment vergessen habe, macht es nur schlimmer.
Ganz im Moment bin ich mit Kindern, Hunden, in der Natur, manchmal beim Musikhören und wenn ich mit manchen Menschen spreche. Ich lerne es...

Die andere Situation, die du beschreibst kenne ich auch.
Möglicherweise handelt es sich um eigene projizierte Ängste, manchmal glaube ich, fühle ich "stellvertetend" oder ich fühle mit. Entspannen ist dann schwierig.
Aber daran können wir wachsen.

Liebe Grüße,

Stine
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was doch nicht zu ändern ist.
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Sa 21. Dez 2013, 16:41

Danke für eure Beiträge. Schön zu wissen, dass es wohl anderen genauso geht. Ich frag mich nur, wie man die Stimme im Kopf einfach mal zum schweigen bringen kann, nur für einen Moment. Manchmal klappt das bei Traumreisen oder Meditation, wäre aber schön, wenn das auch in anderen Situationen auf Abruf ginge.

In der Tat neige ich zur Depression und war auch erst wieder beim Arzt und hab sogar Medikamente (Neuroplant) verschrieben bekommen. Ich mach nun schon den dritten Anlauf, einen Therapeuten zu finden, leider bin ich schon wieder enttäuscht. Ich sprech auf den Anrufbeantworter und bekomme keinen Rückruf. Das nervt mich, weil ich halt wirklich Hilfe benötige und diese zu finden so schwer ist, gerade weil auch innerhalb meiner Familie Depressionen Spinnerei sind. Ich krieg immer nur zu hören: "du bist einfach faul, du musst nur wollen. Du hast zu viel Zeit, um über dich nachzudenken, such dir nen Nebenjob". Das kränkt mich sehr und ich fühl mich sehr wenig wertgeschätzt, auch wenn meine Eltern natürlich keine Fachärzte sind, erhoffe ich mir doch etwas Anteilnahme. Vielleicht nehme ich auch gerade deswegen so verstärkt Anteil bei anderen Menschen.
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Lalona » Sa 21. Dez 2013, 18:35

Hi Leonard,

ich kenne die Probleme, die du beschreibst, sehr gut...
Im Augenblick zu leben und nicht innerlich alles mitzukommentieren, das ist aber meines Wissens für die meisten ganz schön schwierig (sonst müsste man soetwas wie die Achtsamkeitsmeditation ja nicht erst üben ;) )... aber wenn des ganze noch mit einer Depression verdunkelt wird, ist es echt nicht schön.
Es tut mir auch leid, zu hören, dass deine Familie dich nicht ernst nimmt... leider haben viele Menschen immer noch keine Ahnung von Depression und davon, dass es eine echte Krankheit und keine Marotte ist.

Die Therapeutensuche gestaltet sich allgemein meistens schwierig. Am besten suchst du zum Beispiel bei der Kassenärztlichen Vereinigung nach allen Therapeuten in deiner Nähe, machst eine Liste mit 20 (mindestens) davon, telefonierst sie ab, und hörst erst auf, wenn du drei Vorgesprächstermine hast. Anders geht es fast nicht, soweit ich weiß... es ist sehr schwer, einen Platz bei einem Therapeuten zu kriegen, der irgendwie zu einem passt...
Aber gib die Hoffnung nicht auf!

Wenn du lernen willst, die Stimme in deinem Kopf sofort zum Schweigen zu bringen, dann kannst du vielleicht tatsächlich versuchen, irgendeine Form von Achtsamkeitsmeditation zu lernen. Viele basieren zum Beispiel darauf, den eigenen Atem zu beobachten... wenn du ein bisschen Übung darin hast, kannst du dann jederzeit deine Aufmerksamkeit auf die Atmung lenken und dabei deinen Kopf beruhigen ;)

Übrigens, wegen der Solisten in Orchesterkonzerten: du brauchst dich nicht für sie zu quälen... wenn es nicht gerade Laien sind, haben die meistens Routine und vergessen beim Spielen alles um sich herum... richtig schlimme Aussetzer sind da wirklich extrem selten. Und es macht auch Spaß, kann ich dir versichern! Viele von uns sind traurig, wenn das Konzert dann aus ist und der Schlussapplaus kommt... also, du kannst es ruhig genießen ;) Und glücklicherweise ist Musik ja keine Sache auf Leben und Tod ;)

Alles Gute,
Lalona
Lalona
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Sa 21. Dez 2013, 20:00

Hey Lalona, danke für den Zuspruch. Ich werd bei der Therapeutensuche dranbleiben! Interessant find ich den Punkt mit der Achtsamketsmeditation, werd ich mal ein bisschen einlesen, klingt auf jeden Fall hilfreich :)

Ich glaube gerne, dass das Routine für Profis ist, insoweit ist das auch kein Problem. Ich fühl vor allem bei Amateuren sehr mit. Ich spiele selbst ein Musikinstrument und muss auch öfter als mir lieb ist ein Solo spielen und bin dabei immer richtig aufgeregt. Das ist in den letzten Jahren auch irgendwie schlimmer geworden, obwohl es immer geklappt hat. Ich hab aber auch schon Soli von Mitmusikern den Bach runter gehen sehen und das bricht mir immer das Herz.
Heute ist auch etwas passiert, was auch symptomatisch ist. Mir ist jemand ans Auto gefahren und das war eine ältere Frau, der das unheimlich Leid getan hat. Und mir war das so unangenehm, dass ihr das so unangenehm war. Ich find das gar nicht schlimm und möchte nicht, dass es andren deswegen schlecht geht.

Aber du hast natürlich recht, dass nicht alles unendlich wichtig ist. Das Leben geht weiter. Das Problem bei Hochsensibilität ist vor allem, dass sich emotionale Momente so sehr ins Gedächtnis brennen und man große Ängste und Enttäuschungen immer mit sich rumschleppt und das nicht mehr erleben möchte. Dadurch wird man so vorsichtig. Ich versuch schon, mehr und mehr das Denken der anderen in den Hintergrund zu stellen. Man nimmt auch immer an, dass sich alles nur um einen selbst dreht, weil man selbst alles auf sich bezieht.
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Eremit » Sa 21. Dez 2013, 20:23

Hallo Leonard,

wenn ich es auch noch nicht so extrem hatte wie du kann ich dein Thema völlig nachvollziehen und geb den anderen mal Recht, das geht nicht nur HSPs so - wir reagieren vielleicht nur sensibler drauf _yessa_

Ich frag mich nur, wie man die Stimme im Kopf einfach mal zum schweigen bringen kann, nur für einen Moment. Manchmal klappt das bei Traumreisen oder Meditation, wäre aber schön, wenn das auch in anderen Situationen auf Abruf ginge.

Dazu hätte ich allerdings einige Tips zum Üben, die mir sehr geholfen haben. Ich muss nochmal kurz lesen, ob sich das auf was Bestimmtes bezog - Moment bitte _läch_ ah ja, hier

Es sind also zwei Sachen, die mich belasten. Zum einen das Problem, "im Moment" zu leben und das andere, Ängste auf andere Leute zu übertragen und mich dann hineinzuversetzen. Ich hoff, das ist einigermaßen nachvollziehbar geschildert. Bin noch etwas ungeübt im widergeben von Gefühlen, da verlier ich doch schnell den Überblick.

Zunächst mal ein paar nähere Verständnisfragen dazu, wenn das ok ist?

Ist das eine einzige Stimme oder sind es mehrere?
Liegt dein Problem tatsächlich eher in den Ängsten, die dich vom Moment ablenken oder in der Stimme?

Ich hatte früher sowohl mit solchen Ängsten zu tun - wenn auch nicht ganz so deutlich bewusst - als auch mit mehreren Stimmen, die mir "reinquatschten" sowie mit einem nichtendenwollenden Gedankenkarussell.

Zunächst haben mir wie auch dir Entspannungsübungen und erste Meditationen geholfen. Dann hatte ich auch gute Erfolge darin, die Stimmen inneren Figuren zuzuordnen - weiser Mann, Machtmann, weise Frau, Machtfrau - innere Familie - und diese nach oben ins Licht zu schicken. Alles innerlich gefühlt und visualisiert. Letztlich waren es eigene Persönlichkeitsanteile von mir.

Dann gab es noch etwas, was ich zunächst für mich selbst entwickelt und hinterher in einem schlauen Buch unter dem Begriff "Initiation im Alltag" wiedergefunden habe. Normalerweise visualisiert man im Positivismus das absolute Gelingen einer Situation, eines Ziels oder Vorhabens. Ganz plastisch als wär alles längst da und wunderbar reibungslos gelaufen empfindet man das Angestrebte oder die Situation nach. Hmm - vielleicht kann das allein schon helfen? Falls nicht gibt es zusätzlich zur Initiation noch die Möglichkeit danach genau das Gegenteil zu visualisieren. Die simple Frage - was kann denn im allerschlimmsten Fall passieren? Wenn man Beides hat - bester Verlauf, schlimmster Verlauf - und mit beidem gut leben kann - dann kanns losgehn _yessa_

Gedanken zu beruhigen, Stimmen zu beruhigen gelang mir zunächst durch Atemübungen am besten. Aufmerksames Atmen und Gedanken quasi ausatmen, wegpusten. Dabei entsteht auch eine Lücke zwischen den Atemrichtungen. Genau in dieser Lücke z-B. nach dem Ausatmen und vor dem nächsten Einatmen - so meine Erfahrung - hört der Verstand auf. Nach dem Einatmen geht das genauso - Lücke, Stille, keine Stimme. Das natürlich nur als Übung für wenige Sekunden um mal zu erleben, dass das überhaupt geht. Und im Alltag vielleicht leichter mal auszuatmen und in die Stille der Lücke zu gehen als aufwendigere Meditationsübungen für die vielleicht Ruhe und Konzentration fehlen _yessa_

Dann haben mir noch Übungen zu No-mind und Schmerzauflösung geholfen wie sie Eckhart Tolle oder Schüler von Ramana Maharshi anbieten. Mit Eckhart Tolles "Jetzt - die Kraft der Gegenwart" Hörbuch hab ich beste Erfahrungen gemacht, kam gut in die Übungen und sie haben auch was für den Alltag hinterlassen _yessa_

Hoffe, das war hilfreich und nicht zu aufdringlich - nimm was du brauchst und lass den Rest liegen _läch_ Ich kenn das einfach zur Genüge noch in Ängsten und geistigem Geplapper gefangen zu sein - da helf ich zu gern bei der Befreiung.

iwikx smop Eremit
Eremit
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Leonard » Sa 21. Dez 2013, 21:23

Danke Eremit,

also zuerst zu deinen Fragen.

Die Stimmen, die mir den Moment kaputt machen, sind unterschiedlich. In Prüfungssituationen ist es vor allem der Gedanke "was kann alles schiefgehen? was muss ich tun, damit es gelingt?". Das kann hilfreich sein, ist in den meisten Fällen sehr kontraproduktiv. Denn gerade in Situationen, in denen der Erfolg das Normalziel ist (Eroberung der Frau, fehlerfreier Vortrag sind so Beispiele) ist die Liste, was man falsch machen kann sehr groß und man ist so richtig unter Druck alles richtig zu machen und sieht sich im Falle des Versagens so am Pranger, weil es ja das Gegenüber unweigerlich mitkriegt, das man versagt hat. Hier macht mir Versagensangst ein souveränes Auftreten kaputt.

In Entspannungssituationen sind es vor allem Gedanken an nächste Probleme, die einem bevorstehen. Zum Beispiel steht bei mir in 9 Monaten das 1. Staatsexamen an, auf das ich mich bis jetzt mehr schlecht als recht vorbereitet habe. Ich steh da sehr unter Druck und kann keine Situation zur Entspannung wahrnehmen ohne das schlechte Gewissen, dass ich noch diese schwere Aufgabe vor mir habe. Genauso mit dem erholsamen Schlaf. Ich kann eine Stunde vor Aufstehenszeit schon nicht mehr richtig schlafen, weil ich weiß, dass ich in einer Stunde aufstehen muss, total müde bin und zur Uni gehen muss, worauf ich null komma null Lust habe. Hier machen mir negative Zukunftsgedanken den Moment kaputt.

Ich hab auch schon viele Sachen gelesen und Videos geschaut, die sich mit solchen Ängsten beschäftigen. Mir sagt auch Eckhart Tolle was, weil das von einem Coach, dessen Beiträge ich auf youtube gerne angeschaut hab, immer erwähnt wurde. Ich seh mich nur an der Umsetzung scheitern. Ich kann mir ja nicht selbst in die Tasche lügen und behaupten, dass sich in Zukunft alles von selbst regelt. Genausowenig kann ich mir vormachen, dass ich ein super Redner oder Womenizer bin, bei dem das locker aus der Hüfte geht. Ich hab das Gefühl, wenn man einmal anfängt, nachzudenken, wird es wahnsinnig schwierig, das beiseite zu legen. Man braucht eine unbewusste Kompetenz. Das ist wie die Geschichte mit dem Tausendfüßler, der so toll tanzen konnte und dann nach der Frage, wie er das machte, plötzlich zu grübeln anfing und nicht mehr tanzen konnte. Wie gesagt, ich hab schon einige Bücher und Beiträge gelesen und gesehen zu diesem Thema, meistens ist mir das etwas zu abstrakt. Ich kanns nicht richtig beschreiben. Mir wäre was konkretes lieber. Wie die Konzentration in Stresssituationen auf den Atem, das ist was konkretes, womit ich etwas anfangen kann. Sich selbst Lockerheit zu verschaffen, indem man sich aus dem Matrixdenken einfach herausnimmt, hat für mich irgendwie was mit sich-selbst-was-Einreden zu tun, das funktioniert nicht.
Leonard
 

Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon HopingSoul » Sa 21. Dez 2013, 21:40

@ Eremit: witzig, mir kam Eckhart Tolle auch gerade in den Sinn, allerdings ein Vortrag, den ich auf youtube gesehen hatte. Leider scheint es den nicht mehr zu geben.


Hallo Leonard,

ich finde, du beschreibst sehr gut, was dein Problem ist und ich kenne das auch sehr gut.

Zur ersten Situation möchte ich einen kleinen Denkanstoß liefern: Was passiert eigentlich, wenn der Musiker die Töne nicht trifft? Was passiert: er trifft die Töne nicht! Das ist alles. Alles andere, was dir bei dem Gedanken ein ungutes Gefühl vermittelt, sind Bewertungen. Dein Kopf sagt dir nämlich: wenn er das verhaut, dann ist das schlecht, peinlich, dann hat er versagt. Aber ist das auch so? Ist es nicht menschlich, wenn einmal etwas nicht funktioniert? Passiert uns das nicht allen immer wieder, im Alltag, dass etwas nicht so funktioniert, wie es soll?
Und warum hörst du dir das Stück an?
Um dem Musiker beizustehen?
Vielleicht kannst du einfach mal versuchen, jedem Ton gedanklich zu folgen.


Zum Leben im Moment:

Es ist nicht leicht, immer im Moment zu leben. Versuche aber, immer wieder mal daran zu denken : dass du im Moment leben möchtest. Beginne, wenn du etwas tust, hineinzufühlen, ob du auch wirklich da bist. Oder sind deine Gedanken vielleicht gerade wo anders? Wieviele Dinge tust du gleichzeitig?
Achte einmal darauf, wie oft vom Hier und jetzt die Rede ist. Wenn du aufmerksam liest, wird dir das auch hier im Forum regelmäßig auffallen.

Sehr passend dazu ein Text von Robert Betz:
Wertschätze die vielen kleinen Tätigkeiten des Alltags – und sei dabei!

Unsere Tage sind gefüllt mit Tausend verschiedenen Tätigkeiten. Wir gehen, wir kleiden uns an und ziehen uns aus, wir kaufen ein, benutzen viele Gegenstände und räumen auf, fahren Auto, Fahrrad, Bus oder Bahn, verrichten kleinere und größere Arbeiten, gehen aufs Klo, wir denken, sprechen, hören zu und handeln, begegnen mehr oder weniger vielen Menschen persönlich, am Telefon, im Internet usw.

Unser Verstand hält die meisten dieser Tätigkeiten für ‚nicht besonders wichtig’. Er sagt, ‚das muss ich halt machen!’. Es gibt jedoch keine unwichtigen Dinge, alles ist gleich wichtig. Warum? Bei jedem Tun findet dein Leben statt, du verbringst damit deine kostbare Lebenszeit.

Die Frage ist: WIE tust du die Dinge? Bewusst oder unbewusst? Mit Achtsamkeit und Liebe? Mit Dankbarkeit und Freude? Bist du bewusst mit dir und bei dir? Bist du präsent?

Unser Leben findet in jedem einzelnen Augenblick statt, egal, was wir gerade tun oder nicht tun. Wenn wir das Geschenk des Lebens, seine Fülle und Schönheit wahrnehmen wollen, müssen wir JETZT da sein, bei dem, was wir gerade tun. Die Präsente des Lebens empfangen wir nur im Präsens, in der Gegenwart.
Ein befreiendes Gefühl, wenn man merkt, dass man wieder ein Stück loslassen kann- und losgelassen wird. Ich atme Sonne und Leben. Habt einen schönen Tag voll positiver Momente und wenig Blicken zurück. Das Leben ist JETZT. Ihr steht mit euren Füßen drauf, umarmt es, umhüllt euch damit. Wie wollt ihr etwas belastendes festhalten, wenn eure Arme schon voller Leben sind?
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Re: Die Unfähigkeit zu genießen

Beitragvon Shivani » Sa 21. Dez 2013, 22:10

Lieber Leonard,

was für einen Schatz an Feinfühligkeit Du da in Dir trägst ist wirklich beeindruckend.

Die Ängste, die ich auf andere projiziert habe lösten sich bei einer Therapeutin, die mit Metamorphose arbeitet. Vielleicht findest Du ja so jemanden in Deiner Umgebung?

Meine Erfahrung ist: Wenn die Angst sich löst, dann können die Sinneseindrücke wirklich ein Genuss sein.

Alles Gute
Shivani
 

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