Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon Katha21 » So 11. Feb 2018, 13:50

Hallo liebe Forumfreunde

Ich habe ein allgemeines Interesse am persönlichen Umgang mit Mitmenschen, denn mir fehlt einfach das Verständnis warum man Sie in den deutschen Wortschatz eingefügt hat?

Der Zwiespalt entsteht dadurch das es natürlich Respekt zollt, allerdings kann man genauso gut ohne dem Wörtchen Sie dem Menschen Respekt zukommen lassen. Im Englischen gibt es auch nicht Sie da heißt es einfach YOU

Was haltet ihr davon ich erwisch mich oft dabei dass ich bei Menschen die ich gut leiden kann ein DU rausrutscht obwohl wir uns nie geeinigt haben DU zu sagen. Natürlich ist es schön um sich abzugrenzen.

Die DU oder SIE Regel stiftet einfach viel zu viel Unsicherheit, wie findet ihr das gut oder schlecht. Eure Meinung ist mir wichtig

Wenn ihr euch wundert warum ich überhaupt so eine Umfrage starte, ich habe darüber einen interessanten Artikel gelesen
https://www.welt.de/wissenschaft/articl ... ieder.html

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

Katha21
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon rene261 » So 25. Feb 2018, 19:22

Hallo Katha,

ich stimme dir zu, dass die DU / SIE Regel die eine oder andere Unsicherheit stiftet, aber nur manchmal.

Zunächst: Für mich hat ein DU oder SIE nichts mit Respekt zu tun, jedenfalls nicht das Wort an sich. Respekt zollt man einem anderen Menschen im Gesamtkontext der ihm gegenüber verwendeten Sprache - nicht durch das verwenden einzelner Wörter.
Klar - ich kann mit einem DU meine Respektlosigkeit verstärken. Andersrum ist das eher schwierig.

Für mich ist ein DU oder SIE wichtig, um meine Distanz zu anderen Menschen zu erklären. Wem ich ein Du anbiete (wer mich "ungestraft" duzen darf), den lasse ich näher an mich heran. Und wenn ich selbst jemanden mit Du anspreche / ansprechen möchte heißt das auch "Hey, ich mag dich!"

Anders herum: Wem ich das Du verweigere, dem drücke ich damit meine Distanz aus.

Bei uns im Kollegium an der Schule ist das Du eigentlich normal. Fast alle duzen sich. Aber es gibt halt auch Ausnahmen: Manche ältere Kollegen werden mit "Sie" angesprochen und wollen das auch.
Und mit einer Kollegin, die von allen geduzt wird, bin ich nach wie vor per SIE und das wird auch so bleiben. Ich komme mit ihr hin, doch es ist mir grade bei ihr wichtig, eine gewisse Distanz zu bewahren, denn sie vereinnahmt viele andere. Das will ich vermeiden.

Von daher finde ich - als Fazit - das Du/Sie der deutschen Sprache eigentlich ganz schön.

Hoffe du kannst da jetzt was mit anfangen.

LG René
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rene261
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon hmmm » So 25. Feb 2018, 20:05

Nabend!

Als Kind fragte ich mich öfter, warum ich Sie sagen soll, wo doch nur einer mir gegenüber steht, wer wird gemeint, wenn von Sie die rede ist. Später wurde mir dann bekannt, dass das wohl noch aus der Anrede der "höheren" Schicht, dem Adel stammt, Eure Hoheit und so. Aber auch hier warum die Mehrzahl als Anrede, oder "Eure Hoheit, Ihr habt dies oder jenes..." Was stellte diese Mehrzahl eigentlich hervor? Also das Ihr war vor dem Sie, oder ist Sie einfach bürgerlicher als das Ihr?

Grundsätzlich sage ich nur zu einem von hundert Menschen Sie und das sind dann in erster Linie ältere Menschen, die sehr verschlossen, kontrolliert zu sein scheinen und diese Haltung wohl nach meinem Empfinden auch im Umgang mit anderen Menschen "benötigen", von daher schenke ich das dann auch in diesen Momenten. Das Du ist einfach gleichmachender, geschwisterlicher, eine für mich universale Ebene der Kommunikation. Sie als Distanzmittel ist eigentlich keine Lösung für mich, um den Umgang zwischenmenschlich zu "verbessern", das Du konfrontiert, ist echt, natürlich... habe hier im Forum noch niemanden gelesen, der/die Sie benutzt, warum eigentlich nicht? Ist die Distanz eh schon groß genug?

FG, Hmmm
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon EireenFox » So 31. Mär 2019, 14:19

Im Berufsleben bei Vorgesetzten sage ich immer Sie. Unter Kollegen, die man lange kennt, sagt man auch du. Und bei neuen Menschen, mit denen man zusammenarbeiten muss, da fragt man ganz einfach, ob man du sagen darf. Nicht jeder mag das, aber es ist auch dann vollkommen ok, wenn man weiterhin die Person siezt.

Ich habe einen Zahnarzt, der mich seit ein paar Jahren duzt, das hat er irgendwann mal angefangen und ging von ihm aus. Und nun duze ich ihn auch.
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon Golbin » So 31. Mär 2019, 20:14

Hallo Katha,

Ich denke, das Du/Sie ist einfach in der Sprache gewachsen. Es ist ja nicht nur Deutsch, auch in anderen Sprache nwie Spanisch gibt es ein vertrauensvolle und eine distanzierte Form der Anrede.

In der Regel spreche ich fremde Menschen mit Sie an. Das gilt auch für weite Kreise im Berufsleben. Es gibt natürlich Ausnahmen. Ich kann bei vielen Menschen ein Du vertragen, manchmal forciere ich es, häufiger nicht. Was ich nicht mag, ist ein Ungleichgewicht, also zu mir Du und zurück Sie oder umgekehrt.

Auch ich kenne es, dass mir bei Perosnen, die mir sympathisch sind oder die ich sehr lange kenne, ein "Du" herausrutscht. Wenn ich mich unterhalte und spreche von einer Gruppe, der mein Gegenüber angehört, passiert mir noch leichter ein "ihr" obowhl ein "Sie" auch hier korrekt wäre. Nur in ganz seltenen Fällen nehmen es Menschen krumm und vor allem bei jüngeren Menschen sind die Umgangsformen deutlich lockerer und damit weniger formell geworden.

Wenn es passiert, dass mein Gegenüber ungerechtfertigterweise das "Du" benutzt, ich dieses gerne aber offiziell hätte, ist dies für mich auch ein Anker nachzufragen: "Ich habe festgestellt, wir mischen Du und Sie. Lassen wir es beim Sie oder gehen wir auf das Du über?" Meistens kommt es dann zum Du. Wenn mein Gegenüber es nicht möchte, respektiere ich dies, und es bleibt beim Sie.

Die kuriosesten Erlebnisse, die ich hatte waren zwei Fällen: Im ersten kannte ich den Gegenüber 18 Jahre. Im zweiten Fall sind eine Mitarbeiterin des Kunden und ich aufs du übergegangen, nachdem unsere Firmen sieben Jahre lang zusammengearbeitet haben und niemand bisher auf das Du übergegangen ist.

viele Grüße
Wolfgang
Zuletzt geändert von Golbin am Mo 1. Apr 2019, 19:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon john-o » Mo 1. Apr 2019, 08:47

Hallo Katha,

ich sehe das ähnlich wie Golbin...

Vor allem denke ich, dass es darauf ankommt, wie das tatsächliche Verhältnis zum anderen sich darstellt.
Das vertrauliche Du leistet zwar, dass der formelle Abstand zu anderen Menschen geringer wird, ich bin aber nicht so sicher, dass die unter der Oberfläche liegende "Beziehung" allein dadurch schon besser oder belastbarer wird.
Manchmal gibt es eine "Schein-Vertrautheit", die in Wirklichkeit nichts leistet...

Darum pflege ich das "Sie" ganz gerne, solange, bis ich jemanden ausreichend gut kenne oder der mich...

Grüße,
John-o
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon Der Koala » Fr 5. Apr 2019, 23:50

Hey,

Ich selbst hab lange versucht das Du oder Sie zu vermeiden und in Ich Botschaften zu sprechen. "Kann ich XY bitte haben?" Oder so.

Langsam traue ich mich an das Du heran, wenn es keine Vorgesetzten oder andere Leute sind, denen man formal gegenüber tritt.

Ein Du lockert Situationen ziemlich auf und macht es mir leichter mit anderen zu reden. Normalerweise Frage ich aber die Person, ob es okay ist, sie zu dutzen.

Intuition ist da ganz wichtig, denk ich
No one can know
No one will know the things I'd do to be back there with you
No one can know, no one will know that I'm all alone with nothing to show

~Fearless Vampire Killers - Regret
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon Lylia » So 7. Apr 2019, 09:24

Ich halte es im RL genau wie in Foren, wo ich bin wird geduzt, alle Mitarbeiter der Tankstelle wo ich fast täglich Tabak hole duzen mich, auch die welche neu dort anfangen und so duze ich sie auch. Ich mag das DU lieber wie das SIE und fühle mich irgendwie gekränkt, wenn man mich siezt. Im Ortssupermarkt duzen mich auch alle und ich sie auch, öfters shakern wir auch mal rum, wenn es nicht so voll ist.

Ich sieze nur, wenn ich jemanden nicht leiden kann und weil es keine Strafen nach sich zieht, wie z.b eine Beleidigung (aber Spass beiseite) #bäh#
siezen bedeutet bei mir auch einfach Distanz, Fremdheit und das DU ist, bei mir ein Zeichen von Nähe oder auch Sympathie.

Ich finde das Siezen irgendwie zu sachlich und zu "steiff" ich habe es lieber persönlich und so halte ich es auch meist, ich merke zudem den meisten Leuten ist das DU auch lieber, mit denen ich so zu tun habe. _yessa_
"Eine traurige Seele kann einen schneller töten als jeder Krankheitskeim."
Zitat: Hershel aus The Walking Dead
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Re: Du oder Sie -notwendig oder aufgezwungene Konvention

Beitragvon songbird86 » So 7. Apr 2019, 13:51

Ich finde die Auswahl an Anreden in unserer deutschen Sprache auch nicht so gut.

Dabei geht es mir nicht nur um das Sie und Du sondern auch um das Er/Sie und Herr/Frau und dass fast jedes Wort ein Geschlecht hat sozusagen. Ich würde es manchmal viel besser finden, wenn man sich mit Vornamen ansprechen, aber siezen würde, nur um die Anrede zu entgehen (ich fühle mich nämlich nicht einem Geschlecht hingezogen und wäre lieber neutral, aber dank unserer Sprache ist es sehr schwierig). Im Englischen hingegen kann man das er/sie durch they/them umgehen.
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