Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichkeit?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichkeit?

Beitragvon Farbenhören » Mo 30. Jun 2014, 09:06

Ich denke mal - diese Frage wäre eher in Richtung Introvertiertheit zu stellen. Introvertierte muss ja nicht gleich hochsensibel sein.

Nun ja - ich hatte schon geschrieben - ich bin extrem introvertiert. Lange Zeit glaubte ich ja - ich wäre autistisch - weil ich sehr gerne allein bin - und mich das Zusammensein mit anderen Menschen auslaugt. Als Kind verstand ich das überhaupt nicht - merkte nur - ich muss allein sein.

Auf diese Frage komme ich nun aufgrund einem anderen Posting über die schweigsamen. Entschuldigt - aber wenn ich Sachen lese - denke ich nach - und hin und wieder kommt es - dass mir für mich neue Fragen auftauchen.

Ich bin zwar introvertiert - ABER bei weitem nicht schüchtern oder still. Komme ich mit anderen Menschen zusammen - rede ich. Es sei denn - es sind viele - da kann ich einem Gespräch nicht folgen. Oder es ist laut um mich herum - dann verstehe ich gar nichts mehr. Wohl auch eine Auswirkung des Introvertiert seins.

Also andere Menschen - ich spreche. Am meisten mache ich Witze. Ich erinnere mich an meine Jugendzeit - da meinte eine Bekannte - sie glaubt - ich hätte 2 Seiten - und diese redselige - wäre nur Schutz. Danach war ich verunsichert. Redete ich nur zum Schutz mit anderen. Machte ich Witze nur zum Schutz?

So versuchte ich in Gegenwart anderer still zu werden - was ja anscheinend mein Wesen war. Sprechen und Witze machen - musste ja dann eine Ausformung meiner Nichtakzeptanz und meiner Angst vor Ablehnung darstellen. Gut - zudem Ironie - Sarkasmus und Zynismus auch noch als Schutz gelten.

Ich habe lange überlegt - nachdem ich zig fach gehört habe - diese Art von "Humor" gilt als Selbstschutz. Den wendest Du nur an - um Menschen von Dir fernzuhalten. Also versuche ich im Beisammensein mit anderen - den Mund zu halten - keine Witzchen mehr zu reißen. Weil ich ja gelernt habe - ich bin ruhig (introvertierte sind das mal nun) und Ironie - Sarkasmus und Zynismus sind Verteidigungsmechanismen.

Die Folge? A) es klappt eh nicht. Mein Mund ist schneller als alles andere. B) es macht mir keinen Spaß den Mund zu halten. C) ich mache wieder alles wie zuvor.

Dann las ich mal - es gibt Introvertierte - die haben eine öffentliche Seite und eine persönliche. Ok? Wenn ich das interpretiere - dann hatte die Bekannte vor Xig Jahren irgendwie recht und doch unrecht - denn beide Seiten wären dann ich - OHNE - dass ich mich verstelle - nur weil ich öffentlich sehr viel reden kann.

Ich bin redselig und still in einem. Ich kann jemanden ein Ohr abquatschen - aber auch tagelang allein sein - und gar nicht sprechen. Fühle ich mich bei jemanden richtig wohl - wird auch das Schweigen kein Problem. Oder auch dort kann ich quatschen wie sonst nichts. Vor allem - wenn ich weiß - mein Gegenüber versteht meinen Humor.

Was sich nach all diesen Informationen änderte? Ich bin verunsichert was meinen Humor anbetrifft. Ich weiß ja - die meisten verstehen ihn nicht. Daher versuche ich mir - sämtliche Kommentare zu verkneifen. Fällt sehr schwer.

Warum sollte Ironie oder Zynismus ein Schutz sein? Ich habe halt einen sehr trockenen schwarzen Humor. Lache über Douglas Adams - Terry Pratchett - und Monty Pyton (nicht die Filme). Ironie und Sarkasmus ist für mich teilweise ein Wortspiel. Worte verdrehen macht mir unglaublich Spaß. Menschen mal die Worte im Mund verdrehen auch. Z. B. wenn jemand kommt und mich fragt - Ihr Name war XYZ? Nein - antworte ich dann - ist er noch. Haben Sie Treuepunkte (die Verkäuferin). Nein - bin auch ohne treu. Super - einige verstehen es - lachen auch - oder grinsen - andere schauen nur - was ich will.

Wenn ich das unterdrücke - fehlt mir was.

Nun ja - ich habe auch lange gebraucht um diese 2 Seiten zu akzeptieren. Vielleicht gibt es wirklich introvertierte - die 2 Seiten haben: eine öffentliche und eine private. Zumindest erklärte es meine zwei Persönlichkeiten - ohne mir zu sagen - dass immer noch etwas mit mir nicht stimmt.
Farbenhören
 

Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon jjn » Mo 30. Jun 2014, 09:51

Mir geht das ziemlich genau so wie dir. Und ich finde dein Humor klasse. ;-)

Ich treffe immer mal wieder auf Leute die ähnlichen Humor haben. Der ist eben schwer zu erkennen und zu verstehn. Ich kann da auch nix machen der Humor ist einfach da und will raus. Umso wohler ich mich fühle, umso mehr viel er raus. Ich habe mal gelesen, dass meine ich trockene Ironie eher von intelegenten Menschen verwendet und verstanden wird.
Der mit den Treuepunkten ist aber schon alt. Den hab ich schon in diversen Varitanten an den Kassen gehört. Da verdrehen auch einige die Augen. :-P

Die Antwort auf den Namen find ich top. Da prägt sich der Name doch gleich viel besser ein.

Terry Pratchett ist übrigens klasse. Regt finde ich auch zum Nachdenken an.
jjn
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Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon mariposa » Mo 30. Jun 2014, 13:37

Ironie & Zynismus sind deshalb ein Schutz, weil sie von deinen wahren Gedanken & Gefühlen ablenken. Weil sie von DIR ablenken. Du kannst dich in deine Witze flüchten, wenn du deine echten Gefühle nicht zeigen willst...

Ich habe viele Jahre lang genau die gleiche Strategie angewandt. Und ich tu das auch jetzt noch, wenn ich Leute nicht gut kenne, auf einer Party bin oder so. Und das ist auch OK so finde ich. Ich denke, du solltest das nicht immer unterdrücken, wenn du dich wohl fühlst damit. Aber du könntest drüber nachdenkne, warum dir das in gewissen Situationen hilft... das soll dich aber nicht bremsen, ich finde es herrlich wenn Leute Humor haben!
mariposa
 

Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon atemlos » Mo 30. Jun 2014, 14:35

Hallo Farbenhören iwikx
Was du schreibst, kommt mir dermaßen! bekannt vor, es ist fast erschreckend. Allein schon die ART wie du deine Gedanken hier niedergeschrieben hast. (Ich hau mich weg..) _hih_

"Ferndiagnosen" gibt es eh nicht und Experte bin ich auch keiner, aber ich denke da ist nichts verkehrt mit dir! (Wenn ja, dann bin ich auch gestört. Tatsächlich versuche ich das (auch) rauszufinden)). Ich denke du bist du (bzw. alle deine Seiten sind du, im Sinne von: Du hast nicht mehrere Persönlichkeiten), du passt dich deiner Umgebung / deinem Gegenüber an.

Ich möchte/werde zu deinem Beitrag noch was schreiben, hab leider jetzt schlecht Zeit. Sorry.

_cre_

NACHTRAG:
Farbenhören hat geschrieben:.. Was sich nach all diesen Informationen änderte? Ich bin verunsichert was meinen Humor anbetrifft. Ich weiß ja - die meisten verstehen ihn nicht. Daher versuche ich mir - sämtliche Kommentare zu verkneifen. Fällt sehr schwer.

Warum sollte Ironie oder Zynismus ein Schutz sein? Ich habe halt einen sehr trockenen schwarzen Humor. Lache über Douglas Adams - Terry Pratchett - und Monty Pyton (nicht die Filme). Ironie und Sarkasmus ist für mich teilweise ein Wortspiel. Worte verdrehen macht mir unglaublich Spaß. Menschen mal die Worte im Mund verdrehen auch. Z. B. wenn jemand kommt und mich fragt - Ihr Name war XYZ? Nein - antworte ich dann - ist er noch. Haben Sie Treuepunkte (die Verkäuferin). Nein - bin auch ohne treu. Super - einige verstehen es - lachen auch - oder grinsen - andere schauen nur - was ich will.

Wenn ich das unterdrücke - fehlt mir was.

Ich bin auch sehr dem Sarkasmus, Zynismus zugewandt. Manchmal ist es (für mich) witzig, manchmal aber auch ernst. Ich habe gelernt dass das oft nicht gut ankommt (pessimistisch, negativ, ..) weswegen ich dann oft auch den Mund halte - und dann noch introvertierter rüberkomme als ich bin. Hab auch die blöde Angewohnheit 'positive' Dinge negativ zu formulieren (doppelte Negationen etc.) u.a. weil es für mich ein adäquates Ausdrucksmittel ist - ich nicht gern in Superlativen kommuniziere, weil das ja heute ohnehin so inflationär gebraucht wird. Kommt nicht gut an, besonders bei Komplimenten.

Manche Sachen möchte ich mir abgewöhnen bzw. es würde sich lohnen. Aber kann / soll man seine Art von Humor umkrempeln? Nur weils bei Menschen die einen nicht so gut kennen nicht gut ankommt? Was ist es einem wert? Du sagst ja selbst, dass dir dann was fehlen würde. Ein guter Freud von mir, der meine persönliche Seite kennt (ich kann ich sein), kann gut mit meinem Humor umgehen. Manchmal setzt er, wenn ich etwas gar so "arg" formuliere mit Absicht noch einen drauf (Sarkasmus), und dann werd ich mir meiner Aussage bewusst und wir müssen beide lachen.

Ob dein Humor ein Schutzmechanismus ist kann ich nicht beurteilen. Andere machen vielleicht Smalltalk. Ich kann/mag das gar nicht, es ist auch seeehr anstrengend für mich. Aber es ist so wie du geschrieben hast, man kann auch problemlos zusammen schweigen. Ich finde das kann auch sehr schön sein. Kommt halt auf das Gegenüber drauf an!
atemlos
 

Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon atemlos » Mo 30. Jun 2014, 16:01

Farbenhören hat geschrieben:Nun ja - ich habe auch lange gebraucht um diese 2 Seiten zu akzeptieren. Vielleicht gibt es wirklich introvertierte - die 2 Seiten haben: eine öffentliche und eine private. Zumindest erklärte es meine zwei Persönlichkeiten - ohne mir zu sagen - dass immer noch etwas mit mir nicht stimmt.

1) Ja, warum nicht? Wobei ich das nicht "zwei Persönlichkeiten" nennen würde. Du redest mit deinem Chef/Chefin ja auch anders als mit deiner Mutter, oder?
2) Wo siehst du hier die Verbindung zu Introversion?
atemlos
 

Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon spirograph » Mo 30. Jun 2014, 20:51

interessante diskussion!

ich möchte auch etwas beisteuern: zwei seiten/ mrs. duplicity...

...jeder mensch hat viele Facetten. Wenn ich "auf Arbeit" mit sage ich auch nicht zu meinem Chef: Whats up? See, what i´am saying? Verstehste? Nein, ich sehe seriös aus (korrekt gekleidet) und spreche/ drücke mich seriös aus. komme ich nach hause, ist die erste amtshandlung, dass ich assi-klamotten anziehe:t-shirt, jogging-buxe. fertig. mit den leuten aus der wg spreche ich slang, dialekt. da kenne ich nichts. merkt ich an dem post? ist umgangssprache. morgen schreibe ich wieder lustige forschungsarbeit und alles wissenschaftlich fresh. heute abend aber bin ich noch so. beide arten sind keine verstellungen, sind facetten meiner person. wie ein diamant viele facetten hat oder ein würfel. ein regenbogen hat auch viele farben. ich kenne leute, die sind von oben bis unten tättowiert und sind profs. die sehen nach knast aus, total wie die motorradrocker, sind aber hochgebildet. es gibt alles.
ich mache auch kampfsport und hebe gewichte, gleichzeitig bin ich hs und unterrichte kinder. ich würde mich ohne mit der wimper zu zucken bis aufs blut selbst verteidigen (und meine kids), wage aber niemals den ersten schlag. jemand, der gut zu mir ist, zu dem bin ich dreifach gut. jemand, der uncool zu mir war, säht meine verachtung. das sind alles flächen einer sache. macht euch keine sorgen, ihr seid alle cool hier!

greetz, spiro! smasz
spirograph
 

Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon ray » Mo 30. Jun 2014, 20:52

Farbenhören hat geschrieben:Ich bin zwar introvertiert - ABER bei weitem nicht schüchtern oder still. Komme ich mit anderen Menschen zusammen - rede ich.


Wenn ich nach den klassischen Kategorien von Intro- und Extrovertiert bewerten sollte, würde ich zunächst wohl behaupten, Du seist alles andere als Introvertiert, denn durch Dein Reden, durch die Bemerkungen die Du nicht zurückhalten kannst, gibst Du Dein Inneres Denken zu dem Zeitpunkt öffentlich preis.

Allerdings halte ich von den Kategorien Intro-/Extrovertiert überhaupt nichts mehr. Ich wurde seit meiner Kindheit an lange Jahre als still, verschlossen, ruhig, im besten Falle "höflich" beschrieben und sah mich selbst in einer sehr unglücklichen Rolle damit, denn mit diesem Stempel wird man auch wieder in eine bestimmte Rolle gedrängt. Mittlerweile bin ich dem glücklich entronnen und ich bin meiner Meinung nach weder Intro- noch Extrovertiert sondern einfach lediglich entsprechend sensibel, oder von mir aus HS. Dieser Schlüssel passt, damit erklärt sich alles in meiner Vergangenheit. Diese Schere der Authentizität zwischen öffentlicher Rolle und privatem Leben habe ich mittlerweile auch geschlossen. Es ist interessant, vor wenigen Jahren hab ich einer guten Freundin mal geschildert, was ich so beruflich mache (Führungsposition) und hab damals tatsächlich kritisch dazu gesagt, dass jedoch "eigentlich" eine Rolle verkörpere. Mittlerweile hat sich einiges geändert in meinem privaten Leben und erziele beruflich wohl noch die gleiche Aussenwirkung, seh mich jedoch jetzt in meinem Tun, reden und Handeln, sehr authentisch. Das bin ich, egal ob privat, anonym oder öffentlich. Fühle mich jetzt endlich angekommen. War aber ein langer beschwerlicher Weg.
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Re: Eine öffentliche und eine private Seite der Persönlichke

Beitragvon Farbenhören » Di 1. Jul 2014, 09:24

Zwei Persönlichkeiten ist wohl etwas falsch ausgedrückt. Vielleicht einfach nur 2 Seiten.

Introvertiert bedeutet ja einfach nur - man braucht Ruhe um neue Kraft zu tanken - während extrovertierte neue Kraft aus dem Kontakt mit anderen Menschen ziehen. Introvertierte laugt der Kontakt zu anderen eher aus. Das ist der große Unterschied - soweit ich es beim Lesen verstanden habe.

Daneben gibt es viele Gesichter von Ex- oder Introvertierten. Der wichtigste Unterschied ist halt - wie die Kraft geschöpft wird.

Bei Kontakt mit fremden Menschen vermeide ich meistens zu sagen - dass ich wohl introvertiert bin. Es hat - so habe ich es bisher kennengelernt - einen negativen Touch. Wer introvertiert ist - muss eigenbrödlerisch sein. Gut - auf mich passt das dann schon eher - weil mich der Kontakt zu anderen dermaßen auslaugen kann - dass ich mehrere Tage allein sein muss.

Davon aber ganz ausgenommen ist meine 2. Seite - die es mir ermöglicht mit allen Menschen zu quatschen. Ich kann auch mit jemanden - der sich verwählt hat - stunden lang reden. Hatte ich wirklich schon mal. icon_winkle Trotzdem brauche ich Zeit für mich um meine Batterie wieder zu laden.

Zynismus und Co. können eine Art von Humor sein - die andere fernhält. Jep - habe ich auch schon gemacht. Vor allem Selbstironie - als Schutz - dass andere Dich verletzten. ABER - es muss nicht nur Selbstschutz sein. Ironie ist für mich eine Art Wortspiel.

Ein Chef von mir meinte auch mal - Ironie und Sarkasmus seien etwas für intelligente Menschen. Also auch für ihn - denn er verstünde das immer. Nun ja. Gut - man sollte jemanden - der vor Wut glüht - weil der PC die ganze Nacht brannte - nicht noch sagen - dann hätte ich die Feuerwehr geholt. _grinsevil_ Und das ist nun kein Witz - der hätte mich daraufhin fast verprügelt.

Oder ein Kollege. Wir fuhren mal zu einer Burgerkette. Auf dem Weg dorthin hielten wir bei einem Zoofachgeschäft. Wochen später - die Mittagspause näherte sich - fing der betreffende Kollege an - ob wir nicht wieder Katzenfutter kaufen wollten. Meine andere Kollegin schaute ihn nur begriffsstutzig an - nö - warum sollte ich? Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen - er - meinte ich - will zur Burgerkette.

Ironie ist dann eine Art Humor - die einfach mal so ein paar Dinge unterschlägt. Man muss hin und wieder um Ecken denken. Das macht mir richtig Spaß. Bei Sarkasmus und Zynismus kann es auch so sein. Beides muss nicht unbedingt gleich was mit Selbstschutz zu tun haben - auch wenn man es dazu nutzen kann.

Ich spreche auch nicht davon - dass ich mit Gruppen von Personen anders spreche(n) (muss) als mit anderen. Es geht allgemein um eine Außenpersönlichkeit und eine Privatpersönlichkeit. Gut - jetzt kommt wieder das Wort Persönlichkeit in Ermangelung einer besseren Formulierung.

Vielleicht spürte diese Bekannte damals - dass ich auch eine ernste Seite habe. Diese habe ich aber nach außen nicht gezeigt. Nein - kein Selbstschutz. Auch heute nicht. Mich verunsicherte dann die Aussage - dass ich den anderen was vorspiele - weil ich ja anscheinend nicht so bin wie ich mich gebe. Eine ernste und eine redselige Seite scheint es nicht in einem Menschen geben zu können.

Also versuchte ich mein anscheinend verunsichertes Außenwesen sicherer werden zu lassen - und nicht mehr zu sprechen - weil das ja meiner Natur entsprach. Introvertierte sind ja so. icon_winkle Dann las ich aber in einem Forum für Introvertierte auch diese Beschreibung - dass es wohl auch introvertierte geben kann - die eine Art Außenpersönlichkeit haben - also reden und viel Kontakt mit Menschen haben - dann aber wie jeder andere Introvertierte unbedingt die Ruhe benötigen um sich wieder Kraft aufzuladen.

Mir hat das Wissen - dass Introvertiertheit "nur" bedeutet - dass man seine Kraft allein auflädt - im Gegensatz zu den extrovertierten die dazu andere Menschen benötigen - sehr geholfen. Ich weiß nun - warum ich zwar mit Menschen reden kann - mich das aber absolut aussagt und müde macht. Ich weiß nun - warum ich Gesprächen nicht unbedingt folgen kann - oder warum ich die "nervende" Angewohnheit habe - Tage später nochmals auf ein - für andere schon abgeschlossenes - Thema zurückzukommen. Die verstehen dann gar nicht mehr - wo von ich spreche. Ich aber brauchte mal ein paar Tage um über ein paar Dinge - die gesagt wurden nachzudenken. icon_winkle

Ich denke - ob jemand Introvertiert - Extrovertiert - HSP - oder sonst was ist - es erklärt nur einiges - sagt aber nicht wie man ist. Jeder ist anders. Bei jedem das anders ausgeprägt. Bei mir sagt introvertiert nur aus - ich brauche Zeit allein um Kraft zu schöpfen. Der Kontakt mit anderen laugt mich aus.

Entschuldigung - wenn ich nicht auf alles geschriebene eingehe - ich lese alles - mache mir Gedanken - und schreibe dann was ich dazu fühle. Vielleicht lese ich anders als andere. Ich lese und spüre - darauf schreibe ich dann. Daher kann es sein - dass ich nicht auf alles eingehe.

PS. warum ich auch nicht jedem sage - dass ich so viel Zeit für mich allein benötige? Bisher kenne ich nur Menschen - die ständig aufeinander hocken müssen. Die suchen auch Menschen - die ständig irgendetwas mit ihnen unternehmen wollen. Kaffee trinken. Shoppen gehen. Quatschen. Telefonieren. Das kann ich nicht. Und hier ist vielleicht eine Art Schutz - da ich viel Zeit für mich benötige - obwohl ich ja mit anderen reden kann - vielleicht einen anderen Eindruck erwecke (ungewollt) - habe ich das Gefühl - jemand - der so viel Zeit allein braucht - ist dann nicht das was die anderen suchen. Also sage ich nichts - warte wie sich der Kontakt entwickelt - vielleicht ja so - dass man meine Eigenart akzeptiert. Gerade bei Menschen - die ich für Aktivitäten kennen lerne - da müsste es egal sein. Daher erwähne ich es ihnen gegenüber auch nicht.

Das hat aber nichts mit meiner "Außenpersönlichkeit" zu tun.
Farbenhören
 



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