emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon chlorophyll » So 5. Aug 2012, 13:35

Wenn ich das richtig verstehe teilst du die gesamte Gesprächswelt erstmal emotional in zwei Lager
1. Alles was dich beschäftigt. Das ist dann, unabhängig davon ob du dem Thema positiv oder negativ gegenüberstehst, erstmal emotional positiv belegt da es dich ja interessiert.
2. Alles was dich nicht beschäftigt. Das ist dann erstmal negativ belegt das es dich nicht interessiert und hier wärst du allenfalls bereit auf Wissensebene das wiederzugeben was du so weißt.

Für Lager 1 gibt es dann zwei Zustände. Zustand eins wäre dann: du stößt auf emotionale Resonanz, d.h. der andere erzählt dir seinen Standpunkt so, dass du annimmst er sieht es genau so wie du, was bei dir dann dazu führt das du das Gespräch als emotional angenehm wahrnimmst. ( je nach Thema kann er es auch anders sehen, aber dir wurde auf jeden Fall der Eindruck vermittelt, das Gesprächsthema wurde von dem Gegenüber verstanden und, wenn möglich, auch persönlich durchlebt. )

Zustand zwei wäre dann, dass das Gesprächsgegenüber zwar Ahnung hat, du aber annimmst das demjenigen die Komponente "persönliche Betroffenheit fehlt"

Bitte nicht böse sein wenn ich das falsch sehe.

Persönliche Meinungen und Gefühle kann man dann, nach deiner Theorie das es nur durch persönliches durchleben geht und keinesfalls über Internet, eigentlich zu 99.x % aller interessanten Themen niemals entwickeln.

Ich zum Beispiel aber fühle immer mit wenn ich etwas lese, sehe, entdecke. Ich muss nicht selbst 10 Jahre an einem Baum gekettet sein um mir den Horror, die Entmenschlichung und die Verzweiflung eines geistig Behinderten vorzustellen, der in Somalia, Somaliland o.ä. aus Ermanglung an therapeutischen Einrichtungen wie ein Tier festgekettet wurde.
Ich würd natürlich im Traum nicht daran denken sowas zu sagen wie "Ich kann mir vorstellen wie das ist" oder "ich weiss wie sich das anfühlt". Aber allein die Tatsache das ich ein mitfühlender Mensch bin, der zumindest weiß wie Einsamkeit, Traurigkeit, Alternativlosigkeit sich anfühlt macht so etwas doch zu einem höchstemotionalen Thema für mich, das mir jetzt schon Gänsehaut auf den Rücken treibt.
Wenn man dieses, oder auch die geschätzten zwanzig Millionen anderer Themen die vom gleichen Kriterium betroffen sind aus seinem eigenen Weltbild ausschliesst, was bleibt denn dann noch über?

Deshalb meine Frage an dich: kann man denn etwas lesen und verstehen, das ansatzweisemit Menschen zu tun hat, ohne sich dazu eigene Gedanken und Gefühle zu bilden?
chlorophyll
 

Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon Brigitte » So 5. Aug 2012, 14:02

Auch mir fällt es schwer Menschen zu finden, mit denen ich bei Gesprächen und anderem wirkliche Gemeinschaft finden kann, das Gefühl, sich WIRKLICH zu verstehen. Das kann man nicht an Fakten oder bestimmten Merkmalen festmachen, das spürt man irgendwie. Manchmal kann die andere Person auch ganz anders sein, aber "es stimmt" irgendwie miteinander (ich würde es auch nicht unbedingt an HSP/Nicht-HSP festmachen).
Wenn jemand etwas sagt, kann es sich authentisch anfühlen oder nicht. Letzteres irritiert mich immer wieder ohne daß ich es zu fassen bekomme. Früher hatte ich schon Probleme mit den Höflichkeitsfloskeln. Ist "Guten Tag" ehrlich gemeint? usw. ..... (Heute kann ich sie als nützliche Hilfsmittel ansehen und bin dankbar dafür.)
Manchmal tut es auch gut, sich auf Plauderei einzulassen. Aber das geht wohl nur, wenn an anderer Stelle, die Sehnsucht nach verstanden werden erfüllt werden kann.

Ja, daß Thema Essen als Ersatz für erfüllendes Input (anmerkung von sanfte_wellness) könnte mich auch interessieren.

Liebe Grüße!
Brigitte
 

Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon felidae » So 5. Aug 2012, 18:37

Hallo chlorophyll,

nein, das trifft es nicht. Ich überlege noch, wie ich es in verständlichere Worte packen kann. _nüxweiss_
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Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon felidae » So 5. Aug 2012, 19:27

Du schreibst über Dich:

Ich zum Beispiel aber fühle immer mit wenn ich etwas lese, sehe, entdecke. Ich muss nicht selbst 10 Jahre an einem Baum gekettet sein um mir den Horror, die Entmenschlichung und die Verzweiflung eines geistig Behinderten vorzustellen, der in Somalia, Somaliland o.ä. aus Ermanglung an therapeutischen Einrichtungen wie ein Tier festgekettet wurde.
Ich würd natürlich im Traum nicht daran denken sowas zu sagen wie "Ich kann mir vorstellen wie das ist" oder "ich weiss wie sich das anfühlt". Aber allein die Tatsache das ich ein mitfühlender Mensch bin, der zumindest weiß wie Einsamkeit, Traurigkeit, Alternativlosigkeit sich anfühlt macht so etwas doch zu einem höchstemotionalen Thema für mich, das mir jetzt schon Gänsehaut auf den Rücken treibt.


Genau diese emotionale Beteiligung ist das, was mir bei ANDEREN fehlt. Wodurch ich leer bleibe. Das Mitfühlen oder der Versuch sich in die Lage des anderen zu versetzen fehlt.

Es geht nicht darum, dass ich allein Emotionen zu einem Thema habe, das erfüllt mich nicht. Ein Gespräch wird für mich erst erfüllend und zu einem guten Gespräch, wenn der andere sich emotional beteiligt. Das ist aber bei vielen Menschen nicht gegeben.

Vielleicht empfindest du es anders oder erlebst es anders als ich, so dass wir da deshalb nicht auf einen Nenner kommen _gruebel_

Ab wann wird ein Gespräch für Dich erfüllend ? Nur wenn du selbst Emotionen dazu hast oder dein Gegenüber auch ?
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Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon chlorophyll » So 5. Aug 2012, 19:37

Für mich sind vor allem intellektuell anspruchsvolle Gespräche erfüllend. Zu solchen Gesprächen kann man sich in der Regel sowieso nur aufschwingen wenn beide Seiten da emotional investiert haben, da sich sonst niemand die Mühe machen würde in einem normalen Gespräch den Grips anzustrengen. Da spiegeln sich dann auch am ehesten Emotionen und unabhängig davon ob man gleicher oder unterschiedlicher Meinung ist, ist das Gespräch halt gut.

Sonst erwarte ich eigentlich keine emotionale Beteiligung mehr - außer halt bei den 5-6 großen Themen rund um Familie etc.

Was hilft ist tatsächlich zu identifizieren was einen interessiert und dann ganz gezielt mit Leuten darüber in einen Dialog einzutreten. Halt, wie du schon gesagt hast - Foren, Literaturzirkel, Debattierclubs oder halt Stammtische.

Ich denke so sieht das bei mir aus.

EDIT: dieser Mangel an emotionaler Beteiligung bei anderen ist übrigens auch der Grund warum ich mich hier angemeldet habe, weil ich mich gern offiziell im echten Leben mal mit jemandem treffen möchte der das ganze zumindest ähnlich sieht wie ich.
chlorophyll
 

Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon GoldenTulip » So 5. Aug 2012, 20:28

Dann fühle Dich mal eingeladen. Raum Stuttgart.
Lieben Gruß
Conny
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Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon chlorophyll » So 5. Aug 2012, 20:31

Ja ich bin leider im Raum Ruhrgebiet, Bochum. Aber danke schön, das ist wirklich nett :)
chlorophyll
 

Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon Annina » So 5. Aug 2012, 20:48

Die Frage für mich ist, ob das "Thema" für eine emotional sättigende Begegnung überhaupt so relevant ist.

Stattdessen prüfe ich schon länger die Hypothese, ob "Inhalt" nicht immens überschätzt wird.

Ein emotional sättigendes Gespräch läuft für mich persönlich auf noch viel mehr Ebenen ab als der inhaltlichen.

Genauso wichtig- nein, wichtiger - ist für mich die Interaktion - die Art, wie jemand auf mich reagiert, einen Ball auffängt, der zugespielt wird, sich in meinen Gedanken reindenkt und ihn fortführt, oder zulässt, dass ich das beim Gegenüber tue, wie der Andere auf Tempowechsel, Stimmnugswechsel, Pausen etc. reagiert....

So kann beispielsweise hochwertiges, oder auch komplett bescheuertes, Blödeln, bei mehr als fragwürdigem Inhalt, mich noch stundenlang anschließend "emotional sättigen", ebenso wie ein liebes Wort, manchmal nur ein kurzer Blick oder ein kleiner Händedruck, von Jemand, der empathisch in diesem Moment genau erfasst, wie es mir geht.

Zum Thema Empathie möchte ich noch sagen, dass ich neulich wieder an die Differenzierung zwischen kognitiver und emotionaler Empathie erinnert wurde. Sich vorstellen zu können, wie es jemand wohl geht, der in so und so einer Situation ist, ist, so definiert, eher die kognitive Empathie, das intuitive Spüren, dass mit dem Gegenüber "etwas ist", oder, beispielsweise, das Mitbekommen, wenn plötzlich die Stimmung "kippt", das ist eher die emotionale Empathie.

Gespräche, (überhaupt der Kontakt) mit Menschen, die authentisch und emotional empathisch sind (und die dabei nicht besonders intelligent sein müssen!), hinterlassen mich emotional gut gesättigt. Ich denke da an die Großeltern von meinem ersten Freund, "einfache" Bauersleute mit Herzenswärme, Einfühlungsvermögen, Diskretion, Güte... da hab ich viel Positives, Sättigendes bekommen, muss gleich ein paar Tränchen verdrücken, wenn ich mich daran erinnere...

Es gibt auch das Phänomen intellektueller Sättigung, wenn man mit Neuem konfrontiert wurde, wenn diskutiert wurde, die eigene Meinung feingeschliffen oder umgestoßen und durch eine vorläufig überzeugendere "Wahrheit" ersetzt werden konnte - das gibt für mich eher eine Art "Kick", der auch glücklich macht und eine Art kurzfristiges Hochgefühl auslöst.

Aber wenn die (emotional) empathische Kommunikation zu lange ausbleibt, werde ich trübsinnig und unzufrieden.
Und für mich persönlich ist die, glaube ich, schwerer zu finden als der "intellektuelle" Kick.
Annina
 

Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon Visenya » Di 7. Aug 2012, 17:32

Annina hat geschrieben:
[...]
Genauso wichtig- nein, wichtiger - ist für mich die Interaktion - die Art, wie jemand auf mich reagiert, einen Ball auffängt, der zugespielt wird, sich in meinen Gedanken reindenkt und ihn fortführt, oder zulässt, dass ich das beim Gegenüber tue, wie der Andere auf Tempowechsel, Stimmnugswechsel, Pausen etc. reagiert....

So kann beispielsweise hochwertiges, oder auch komplett bescheuertes, Blödeln, bei mehr als fragwürdigem Inhalt, mich noch stundenlang anschließend "emotional sättigen", ebenso wie ein liebes Wort, manchmal nur ein kurzer Blick oder ein kleiner Händedruck, von Jemand, der empathisch in diesem Moment genau erfasst, wie es mir geht. [...]



Hallo Annina,

ich finde es sehr interessant, was du schreibst und kann es auch gut nachvollziehen. Selbst vom Inhalt her "belanglose" Gespräche mit meinen Schwestern "sättigen" mich und machen mich zufrieden. Bei belanglosen Gesprächen mit anderen Personen (z. B. mir nicht sehr sympathisch erscheinende Kommilitonen) bin ich wiederum regelrecht gelangweilt. Ist es vielleicht die berühmte "Wellenlänge", die hier Einfluss auf die Sättigung nimmt?
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Re: emotional satt werden - HSP/Non HSP Dilemma

Beitragvon Cassy5 » Di 7. Aug 2012, 21:11

Hallo alle zusammen,

ich habe mir nicht alle Beiträge durchgelesen aber mir ist zu der Überschrift direkt etwas eingefallen _12_ .
Also ich wusste auch nie was genau mir fehlte und warum ich nicht "emotional satt" wurde. Ewiglang war es ein dilema ohne Lösung und ich hatte es nach einiger Zeit auch einfach gelassen darüber nachzudenken, denn dann fiel mir nur noch mehr auf wie sehr mir z.B. menschliche Nähe fehlt. Es kann auch sein, dass dies hier etwas übertrieben ist/klingt, da das Erlebniss von mir was sich hierauf bezieht erst vier Tage her ist. also entschuldigt, wenn dies der Fall sein sollte. Jedenfals war ich nie auf längere Zeit wirklich zufrieden, also emotional gesehen. Doch ich war im Urlaub, auf einer Freizeit und einer der Mitbegleiter (Teamer) konnte ziemlich gut Klavier spielen und hatte den Vorschlag gemacht doch nach dem kirchenschlüssel zu fragen und eine Improvisation auf der Orgel zu spielen. Und wir saßen da in dieser leeren Kirche und lauschten dem improvisierten gewaltigen klang der Orgel. Und spielte er laut so war es wirklich gigantisch. alle hatten ihre Augen geschlossen und jeder war für sich selbst, man saß auch sehr weit von einander entfernt. Jedenfals, ich weiß gar nicht wirklich wie ich e beschreiben soll, aber als ich die Kirche verlass war ich zufriedener denn je. Ich habe es als Baff beschrieben weil man auch irgendwie so mitgerissen wurde von der Musik, dass man ersteinmal "auf den Boden der Tatsachen" zurückkommen musste. Den ganzen Abend habe ich an diesem Gefühl des Baff-seins festgehalten, natürlich war mir klar das es irgendwann verschwinden würde. Aber ich war einfach so glücklich und das bin ich jetzt immernoch. Zwar nicht mehr so intensiv aber immernoch etwas. Es wird nicht für immer anhalten aber was ich damit sagen will, ist das man emotional satt werden kann.

LG Cassy
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