erkennen wir uns untereinander?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon gyn » Fr 26. Sep 2014, 03:03

else hat geschrieben:Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass HS sich untereinander erkennen können. Mein Mann und ich sind beide HS und wir tauschen uns auch gerne darüber aus, wen wir für HS halten in unserem Umfeld. Zum Beispiel haben wir einen gemeinsamen Bekannten, bei dem wir uns einig sind, der weiß aber von sich noch nicht, dass er es ist. Wir machen uns auch oft Sorgen um ihn, weil er unserer Beobachtung nach beruflich und priavat schon lange über die Grenzen seiner Kräfte geht und sich nur noch mit Bier betäubt. Wir fragen uns dann manchmal, ob man jemanden auf seine HS aufmerksam machen sollte?????????



Unbedingt! Ich kann mir nicht vorstellen, daß es euch Spaß macht, zuzuschauen, wie er sich langsam umbringt.

Ihr müsst es ihm ja nicht direkt sagen, aber Z. b. könntet ihr ihm ein Buch darüber geben, falls ihr eins habt. So bin ich überhaupt erst drauf gekommen, daß bei mir was im Argen liegt. Da war ich Mitte 20, und hatte eine Arbeitskollegin, die ich sehr mochte. Irgendwann erfuhr ich von ihr, daß sie an Bulimie litt. Ich hatte von dieser Thematik damals keinen Schimmer, und sie lieh mir ein Buch darüber aus. Als ich es las, kam ich von einem Schock in den Nächsten. Ich habe mich in den Problemen, die in dem Buch beschrieben wurden, so oft wiedererkannt, das war echt unglaublich. Das war für mich der Startschuß, mich mit Psychologie zu beschäftigen, der Anfang, mich um mich selbst zu kümmern. Meine Arbeitskollegin, mit der ich immer noch befreundet bin, hatte mir dann irgenwann mal gesagt, sie hätte gespürt, daß ich ähnliche Probleme habe, und deshalb hat sie mir das Buch gegeben. Dafür bin ich ihr heute noch sehr, sehr dankbar!
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon klecks » Sa 27. Sep 2014, 06:50

gyn hat geschrieben:Meine Arbeitskollegin, mit der ich immer noch befreundet bin, hatte mir dann irgenwann mal gesagt, sie hätte gespürt, daß ich ähnliche Probleme habe, und deshalb hat sie mir das Buch gegeben. Dafür bin ich ihr heute noch sehr, sehr dankbar!


Oh das ist aber eine schöne Geschichte zu dem Thema... und bringt mich auch gerade etwas zum Nachdenken... ich wäre sicherlich auch froh darüber gewesen, wenn jemand so aufmerksam gewesen wäre und mir solch einen Hinweis gegeben hätte... also ich meine... letztendlich bin ich total froh darüber, wie auch meine nicht so einfachen Zeiten abgelaufen sind, weil ich in dieser Zeit sehr viel gelernt habe! Aber dennoch frage ich mich gerade, ob ich mich vielleicht auch bei anderen Menschen trauen sollte, ihnen irgendwie einen Hinweis zu geben... seitdem ich von meiner HS weiß (was ja noch nicht gerade lang ist) schaue ich natürlich auch etwas bewusster. Und da ich in einer Arztpraxis arbeite und täglich viele Menschen sehe und auch teils längere Gespräche mit ihnen führe, habe ich mich schon bei dem ein oder anderen gefragt, ob da nicht vielleicht HS hinter steckt. Ich meine, in der Situation würde ich das nicht so einfach "raushauen", aber ich sehe diese Menschen fast alle 3 Monate und wenn ich zu einigen eine festere "Beziehung" (weiß grad nicht wie ichs anders nennen soll.. lach) aufbaue, könnte ich in der passenden Situation ja wirklich mal einen Hinweis geben... grübel grübel... gar nicht schlecht! Danke für den Gedankenschupps _Mij_ _thum_
Wir können damit sicher an der richtigen Stelle ziemlich gut helfen und das Leben einzelner sehr positiv verändern! Sieht man ja (vielleicht?sicherlich?) an sich selbst _grin_
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon Die_Lucy » Sa 27. Sep 2014, 10:31

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich Hochsensibilität bei Frauen leichter erkennen kann als bei Männern. Ich denke, Männern wid es aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungen, wie ein Mann zu sein hat, leider immer noch sehr schwer gemacht, dazu zu stehen, hochsensibel zu sein. Ich sehe es häufiger bei Männern, die auf mich eigentlich sehr sensibel wirken, wie sie sich scheinbar bewusst überfordern/verstellen, um "mithalten" zu wollen. Der Druck auf Männer scheint da enorm zu sein, und es tut mir immer weh, wenn ich sowas mitbekomme, auch bei Kindern.
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon else » Sa 27. Sep 2014, 10:49

Ja Lucy, den Eindruck hab ich auch von meinem Bekannten. Er zeigt eine recht harte und rauhe Schale nach außen. Zudem ist er in einem Beruf (Zimmermann), wo "Männlichkeit" unter Männern sozusagen täglich neu zelebriert und gefeiert wird. Ich kann mir sogar vorstellen, dass er meinen Hinweis sogar ziemlich abwehren würde. Ich stimm dir auf jeden Fall zu, dass es für Männer unverhältnismäßig schwerer ist als für Frauen, ihre HS anzunehmen, dabei ist es so sexy:).
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon klecks » Sa 27. Sep 2014, 13:22

Was ihr beide schreibt würde ich gern einfach mal so bestätigen _thum_ da ist bei vielen wohl der Vergleich hochsensibel = Weichei... so ein Blödsinn! s_032
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon Vinkona » Sa 27. Sep 2014, 14:49

Oh ja, ich glaube schon, dass wir uns untereinander erkennen.

Bevor ich mir selbst darüber bewusst geworden bin, dass ich hochsensibel bin, spürte ich es zwar intuitiv schnell, wenn jemand sensibel ist. Aber es war noch nicht so benennbar.

Jetzt mit dem Wissen um meine und um Hochsensibilität generell, beginnt sich dieses Spüren zu vertiefen.

Ich entdecke, dass ich mir intuitiv Freundinnen gesucht habe, die hochsensibel sind - ohne es jedoch beim Kennenlernen gewusst zu haben. In einer relativ neuen Freundschaft habe ich mir aus einer Gruppe Frauen unbewusst, aber zielsicher diejenige herausgesucht, die ebenfalls hochsensibel ist.

Im Kontakt ist es jedoch so, dass unser beider Hochsensibilität zwar bewirkt, dass er sehr intensiv und nahe sein kann, dass es umgekehrt aber auch immer wieder zu - anfangs für mich unerklärlichen - Rückzugszeiten voneinander kommt.

Dieser Freundin habe ich gesagt, dass ich meine eigene Hochsensibilität entdeckt habe und vermute, dass auch sie ..... Sie war sofort offen dafür.

Bei anderen Freundinnen/Bekannten sage ich es jedoch nicht so einfach.

Was Männer betrifft, glaube auch ich, dass sie es noch schwerer haben als Frauen, zu ihrer Hochsensibiliät zu stehen.
Mir fällt da z.B. auch ein Mann wie Sebastian Deisler ein, der in dieser harten Männerdomäne Fußball mit seiner Hochsensibilität nicht bestehen konnte und aufgeben musste.


_Mij_
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon Insuffizienz » Sa 27. Sep 2014, 17:44

Elpis hat geschrieben:Ich bilde mir auch fest ein, HSP z.B. an Gesprächen mit ihnen zu erkennen. Mit den meisten Menschen entsteht oft nicht viel mehr als small talk und das auch noch recht steif. Dann gibt es Leute, mit denen komme ich aus dem Reden nicht mehr heraus, weil ein Thema zum nächsten führt, fast so als würde man Selbstgespräche führen. Die dazukommende subtile Abstimmung von Mimik, Gestik, freundlicher Offensive und sensibler Defensive macht mich sicher, [eine] HSP vor mir zu haben.


Ich will kein Besserwísser sein, aber möchte gerne eine Lanze brechen für schizoide, schizotype Personen und Aspies, und möglicherweise Schizophrene.
Manche Menschen sind nicht in der Lage oder sie strengt es zu sehr an, (intuitiv) Mimik anzuwenden, da sollte man differenzieren und darauf achten, finde ich.
Bspw. wirken die oben genannten Menschengruppen eher distanziert und unnahbar, im ersten Augenblick hauptsächlich wegen der starren Mimik.

Ich will das Thema nicht wechseln, aber vielleicht ausweiten. Für die oben genannten Menschen besteht die besondere Schwierigkeit, soziale Interaktionen genau zu interpretieren. Dabei kann es teilweise zu unfreiwilligen "groben", verletztenden Aussagen kommen, weil wie gesagt das soziale Bewusstsein in Zügen nicht verstanden wird resp. verinnerlicht ist.
Trotzdem kann HS vorliegen. Es wird sogar schon lange vermutet, dass zwischen der schizoiden bzw. schizotypen Persönlichkeitsstörungen und der HS eine starke Beziehung besteht.
(En passant, es wird mitunter geschätzt, dass die beiden "Störung" jeweils bei 1% der Bevölkerung vorliegen, also hat jeder wahrscheinlich so eine Person schonmal zumindest entfernt kennengelernt.)

Weiterhin verhindert das große Misstrauen gegenüber anderen seitens der Betroffenen ein richtiges Bild als Außenstehender von diesen Personen zu bekommen.


Ich finde zudem gut, dass du Elpis noch einmal erwähnt hast, dass z.B. extrem introvertierte oder schüchterne Menschen sich nicht so schnell offenbaren; weshalb man genauer hinschauen sollte, wenn man HS bei anderen erkennen will.


Um zum Kernthema zurückzukommen: Ich kann nur bestätigen, dass sich im Verlauf von Gesprächen, die vor allen Dingen für jeden Gesprächspartner entspannt ablaufen, schnell ein Verdacht auf HS bilden kann, die Kriterien dafür wurden schon sehr gut expliziert.

Die_Lucy hat geschrieben:Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich Hochsensibilität bei Frauen leichter erkennen kann als bei Männern. Ich denke, Männern wid es aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungen, wie ein Mann zu sein hat, leider immer noch sehr schwer gemacht, dazu zu stehen, hochsensibel zu sein.


Das sehe ich genauso, Männer müssen in unserer Gesellschaft so oft Härte zeigen und dürfen sich sehr selten ihren Gefühlen hingeben.
Aber wenn man sich lange genug mit jemandem auseinandersetzt, kann man denke ich HSP ziemlich gut erkennen, denn man kann ja bspw. nicht ewig Härte zeigen und muss irgendwann in, speziell für einen persönlich, schwierigen Situationen irgendwie reagieren.

L.G.
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon Pusteblümchen » Do 2. Okt 2014, 16:00

gyn hat geschrieben:... grübel grübel... gar nicht schlecht! Danke für den Gedankenschupps _Mij_ _thum_
Wir können damit sicher an der richtigen Stelle ziemlich gut helfen und das Leben einzelner sehr positiv verändern! Sieht man ja (vielleicht?sicherlich?) an sich selbst _grin_

Ein Hinweis"schubser" schadet sicher nicht, wenn sich das Gespräch ergibt. Ob die Leute das dann annehmen ist ja ihre Sache. Ich gebe gern Bücher an Bekannte weiter, deren Kinder hochsensibel sein könnten. Das kommt gut an - bisher _yessa_
Ich muss aber ehrlich sagen, dass sich das Gespräch nicht bei allen ergibt. Grad in meinem erweiterten Freundeskreis ist das schwer, find ich, Erwachsene drauf zu stoßen...



klecks hat geschrieben:Was ihr beide schreibt würde ich gern einfach mal so bestätigen _thum_ da ist bei vielen wohl der Vergleich hochsensibel = Weichei... so ein Blödsinn! s_032

Seh ich auch so. Die richtige Portion Einfühlungsvermögen macht noch lange kein Weichei *+*
Ich glaube echt, dass das Problem in der Jugendzeit liegt. Da wird doch alles in "Klischees" gelebt. Männer haben so zu sein, Frauen haben so zu sein. Den Jungs ist nicht klar, dass sensibel sein bei den Mädels gut ankommt...
Pusteblümchen
 

Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon Pusteblümchen » Do 2. Okt 2014, 16:03

...hingegen das Erleiden einer echten Männergrippe einen Mann in meinen Augen wirklich zum Weichei macht, ob sensibel oder nicht _läch_
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Re: erkennen wir uns untereinander?

Beitragvon gyn » Do 2. Okt 2014, 22:05

Pusteblümchen hat geschrieben:
gyn hat geschrieben:... grübel grübel... gar nicht schlecht! Danke für den Gedankenschupps _Mij_ _thum_
Wir können damit sicher an der richtigen Stelle ziemlich gut helfen und das Leben einzelner sehr positiv verändern! Sieht man ja (vielleicht?sicherlich?) an sich selbst _grin_

Ein Hinweis"schubser" schadet sicher nicht, wenn sich das Gespräch ergibt. Ob die Leute das dann annehmen ist ja ihre Sache. Ich gebe gern Bücher an Bekannte weiter, deren Kinder hochsensibel sein könnten. Das kommt gut an - bisher _yessa_
Ich muss aber ehrlich sagen, dass sich das Gespräch nicht bei allen ergibt. Grad in meinem erweiterten Freundeskreis ist das schwer, find ich, Erwachsene drauf zu stoßen...


War nicht mein Zitat, was das von Klecks. icon_winkle U72( Macht aber nix. _Mij_
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