Fremd im eigenen Körper

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Fremd im eigenen Körper

Beitragvon Citron » Sa 2. Mai 2015, 10:10

Hallo Ihr Lieben,


fühlt Ihr Euch auch manchmal wie im falschen Körper? Ich habe es, wenn ich mit vielen Leuten zusammen bin. (Vor allem, wenn auch neue Bekanntschaften dabei sind) Dann werde ich so starr und unlocker. Fühle mich befremdlich im eigenen Körper und die ganze Situation ist mir unangenehm. Ich kann mich dann auch nicht so gut an Gesprächen beteiligen - ich glaube, dass dann einfach alles zu viel ist. Dieses Fremdheitsgefühl projiziere ich zudem auf mein Gewicht. Ich gehe im Moment ungern nach Draußen, weil ich mit Beginn meines Masterstudiums – läppische 5 Kilo – zugenommen habe. Ich will diese unbedingt wieder verlieren, damit ich mich wohl fühle, obwohl es im Sinne meiner Mitmenschen dann wieder heißt „krank“ auszusehen.

Wie kann man lernen sich selbst anzunehmen? Es kann ja nicht nur an Gewichtsreduktion hängen. Irgendwie muss man doch seinen Körper und sich selbst akzeptieren. Darum geht es doch im Leben? Darum geht es doch, wenn man glücklich sein möchte?

Herzlichst,

Citron
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Re: Fremd im eigenen Körper

Beitragvon Waldtänzerin » Sa 2. Mai 2015, 12:03

Hi Citron,

ob es genau das ist, was du meinst, weiß ich nicht, aber solch ein Fremdheitsgefühl kenne ich; geht dann in Richtung Depersonalisierung/Disssoziation. Ist bei mir allerdings nicht an das Gewicht oder das Akzeptieren meine Körpers gekoppelt, sondern, so, wie du auch schreibst, dass es zu viel an Input ist und ich überfordert bin in diesen Situationen. Vielleicht hat es bei mir manchmal eher mit der Akzeptanz meiner Person an sich zu tun.
Ich stehe in solchen Situationen neben mir und reagiere eher automatisch auf Dinge. An sich sehr anstrengend und auslaugend. Passiert jetzt eher selten; aber hatte ich eine zeitlang sehr oft, da ingesamt psychisch überdorfert und am Limit.

In diesem Sinne hat die Akzeptanz für mich dann auch damit zu tun, zu akzeptieren, dass es für mich Grenzen gibt und dass ich diese einhalte. In meinen Augen war/ist u.a. Yoga hier für mich sehr heil- und wirksam.

Es mag vlt kleinlich klingen, aber ich glaube, ich stehe mir selbst im Weg, wenn ich mir sagen "ich muss meinen Körper und mich akzeptieren." - das würde auf mich sehr viel Druck ausüben, dass ich das jetzt akzeptieren müsste und nur dann glücklich werden kann. Im Kern gebe ich dir in den Aussagen Recht - Glück hat auch etwas mit Akzeptanz zu tun. Vielleicht auch die Akzeptanz dessen, dass ich mich derzeit mit allem so noch nicht annehmen kann und etwas dazwischen steht. Auch die Akzeptanz dieses Fremd-fühlens im eigenen Körper (was ich nach wie vor sehr schwierig finde ... ).

Liebe Grüße :-)
Waldtänzerin
u.n.e.n.t.b.e.h.r.l.i.c.h.
 
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Re: Fremd im eigenen Körper

Beitragvon Julie » Sa 2. Mai 2015, 12:36

Hallo Citron,


lange Zeit habe ich mich selber als zu dick empfunden. Nun ist es so, dass ich durch die Wechseljahre und zu wenig Bewegung ziemlich auf den Hüften zugelegt habe, inzwischen kann ich es auch akzeptieren, ich bin halt so im Moment, was sich auch wieder ändern kann. d.h. ich gehe gut mit mir um, und setz mich nicht unter Zwang.

Geholfen hat mir dafür glaube ich, dass ich mich viel mit mir selber beschäftigt habe, mit meinen Themen, meinen Stärken, was kann ich gut. Ich hab auch angefangen, mich selbst wichtig zu nehmen, was ich jetzt möchte, was ich brauche, wie ich mich fühle, ich sorge für mich.
Ich stelle für mich immer wieder fest, dass ich eher darauf achte, welchen Augenausdruck mein Gegenüber hat, und ob ich mich mit ihm unterhalten kann, das ist mir viel wichtiger als seine Körpergestalt.

Wie geht es Dir, wenn Du mit Deinen Freunden, die Du gut kennst, zusammen bist?
Julie
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Re: Fremd im eigenen Körper

Beitragvon atemlos » So 3. Mai 2015, 19:37

Hallo Citron
Vorweg: Also ich bin u.a. ein Körper. So Formulierungen wie "ich habe einen Körper", "mein Körper und ich" (als ob es einen Unterschied gäbe) gehen denk ich primär aus dem allgemeinen Sprachgebrauch hervor. Ich versteh das jetzt einfach mal so, wenn du es anders gemeint hast, gib Bescheid..

Dieses fremdsein, wie du es beschreibst kenne ich nicht direkt. Aber krankheitsbedingt weiß ich leider zu gut wie es ist, sich nicht wohl in seiner eigenen Haut/im eigenen Körper zu fühlen. Das ist besch##### und sehr zermürbend, denn sein physisches Vehikel kann man ja nicht einfach wechseln, wie Kleidung. HS ist hier definitiv auch nicht sehr hilfreich im Sinne erhöhter Selbstwarhnehmung.

Citron hat geschrieben:..Wie kann man lernen sich selbst anzunehmen? Es kann ja nicht nur an Gewichtsreduktion hängen. Irgendwie muss man doch seinen Körper und sich selbst akzeptieren. Darum geht es doch im Leben? Darum geht es doch, wenn man glücklich sein möchte?..

Das ist die Frage, bzw. sehe ich auch so! _yessa_ Kann es sein, dass du hohe Ansprüche an dich selbst hast, sehr kritisch, akurat oder perfektionistisch veranlagt bist? Wie du schreibst, 5 Kilo sind nicht die Welt (wenn man nicht gerade ein Skispringer im Weltcupzirkus ist..), und trotzdem...

Julie hat es schon angedeutet. Man hat vielleicht eine verzerrte Eigenwahrnehmung, ist zu sehr auf etwas fokusiert. Jeder Mensch ist ein "Gesamtpaket", mit Stärken und Schwächen. Macht das sich annehmen eventuell leichter. (Wenns denn so einfach wäre.) Sich auf etwas Negatives zu konzentrieren ist, ja.., suboptimal und macht natürlich was mit einem, vom Selbstwert angefangen bis zu Kommunikation/Konzentration etc. wie du geschrieben hast. Vielleicht ist es aber auch ein 'anderes' Bedürfnis das befriedigt werden will? Bestätigung? Vielleicht kann man sich die von wo anders holen, und nicht an den besagten 5 Kilo festmachen, wenns denn so ist, kA. Aber das ist ja etwas das du selbst in der Hand hast, veränderbar ist. Das ist nicht bei allem so..

Aber diese Thematik ist für mich auch noch eher eine Baustelle.. soakes

Viele Grüße
atemlos
 

Re: Fremd im eigenen Körper

Beitragvon Citron » Mo 4. Mai 2015, 09:39

Herzlichen Dank für Eure Antworten. Ihr bringt mich gerade sehr zum Nachdenken...

Waldtänzerin hat geschrieben:
Es mag vlt kleinlich klingen, aber ich glaube, ich stehe mir selbst im Weg, wenn ich mir sagen "ich muss meinen Körper und mich akzeptieren." - das würde auf mich sehr viel Druck ausüben, dass ich das jetzt akzeptieren müsste und nur dann glücklich werden kann.



@Waldtänzerin: Bei mir ist einerseits genauso, wie Du beschreibst. Dass man seine eigenen Grenzen hin und wieder überschätzt und sich deshalb fremd fühlt – dann vor allem in Situationen mit anderen Menschen. Ich finde es so unfassbar schön, dass Du schreibst, dass es auch darum geht zu akzeptieren, wozu man noch nicht in der Lage ist. Das ist doch so oft ein Problem, oder? Dass man sich selbst so sehr kontrollieren möchte, dass man akzeptieren will, was ist … aber mit dem akzeptieren schon wieder gegen eine Akzeptanz spricht, weil der Ist-Zustand im Moment ein anderer ist.

Julie hat geschrieben:
Geholfen hat mir dafür glaube ich, dass ich mich viel mit mir selber beschäftigt habe, mit meinen Themen, meinen Stärken, was kann ich gut. Ich hab auch angefangen, mich selbst wichtig zu nehmen, was ich jetzt möchte, was ich brauche, wie ich mich fühle, ich sorge für mich.

Wie geht es Dir, wenn Du mit Deinen Freunden, die Du gut kennst, zusammen bist?


@Julie: Du hast Recht. Ich möchte es unbedingt lernen und mich auf die Stärken fokussieren.

Es geht mir genauso mit anderen Menschen. Seien es Fremde, die Familie oder Freunde. Es kommt auf die Persönlichkeit an, das Vertrauen, das man aufbaut. Die Gespräche und das gemeinsame Lachen. Die Körpergestalt spielt für mich bei Anderen auch keine Rolle.

atemlos hat geschrieben:
Vorweg: Also ich bin u.a. ein Körper. So Formulierungen wie "ich habe einen Körper", "mein Körper und ich" (als ob es einen Unterschied gäbe) gehen denk ich primär aus dem allgemeinen Sprachgebrauch hervor. Ich versteh das jetzt einfach mal so, wenn du es anders gemeint hast, gib Bescheid..


@atemlos: Deine Aussage ist wunderbar! Ich gebe Dir Recht. Man ist ein Körper. Wobei man da vielleicht bedenken sollte, dass doch viel Kontrolle über den Körper – oder alle? - dem Unterbewusstsein zuzuschreiben ist. Kann man dann noch vom Körper sein sprechen? Oder kann man es gerade dann besonders gut, weil man Körper und Geist zugleich ist und dies einfach nur ausdrückt, dass beides in Wechselwirkung zueinander steht?

Ich würde mich definitiv als sehr kontrolliert, übermäßig selbstkritisch und manchmal auch angehaucht perfektionistisch beschreiben. Es ist gut möglich, dass ich die Zunahme als falsch ansehe, weil ich dadurch etwas Kontrolle abgegeben habe. Vielleicht ist es sogar Bestätigung nach der ich mich sehne, wobei mir meine Familie so viel Kraft schenkt und sie glauben so sehr an mich, dass es dann ja nicht an dem gelegen sein kann. Oder es ist Sehnsucht nach Partnerschaft, nach der Fähigkeit sich realistisch zu verlieben ... oder oder oder soakes (Wirklich blöde Baustellen!)

Herzlichst,

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