Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Tofi » Fr 9. Aug 2013, 11:29

Hi,

bitte den Titel nicht falsch verstehen, das soll nicht so rüberkommen als würde ich das von ihr denken. Ganz im Gegenteil: Das ist das, was sie sehr oft von sich denkt.

Es passiert öfter, dass irgendwas passiert und daraufhin der folgende Satz von meiner Freundin (sind seit 20 Monaten zusammen; Sie 19, ich 23) kommt:
"Ja, ich mach je eh immer alles falsch." - Dieser ist dann auch nicht ironisch oder ähnlich gemeint, sondern wirklich ernst und sie macht sich Vorwürfe ohne Ende.
Ich vermute, dass sie ihre Erwartungen an sich selbst viel zu hoch schraubt, denn oftmals ist eben genau das gar nicht der Fall, dass sie alles falsch macht (nie der Fall), sie denkt es eben nur und nimmt es dann aber so auf. Ich versuche ihr dann immer zu erklären, dass das Quatsch ist und sie das nicht immer alles so schnell auf sich beziehen soll, denn es hat fast immer was mit der Art und Einstellung des Gegenübers zu tun.
Als Beispiel und Auslöser, dass ich drauf gekommen bin es hier mal zu versuchen:
Sie ist gerade für 2 Monate ca. 400 km von mir weg (wohnen normalerweise ca. 8km entfernt) und hat generell sehr starkes Heimweh. Nach 10 Tagen ca. war ich das erste mal da und wir haben uns knapp 2 Wochen gesehen. Jetzt sind wieder ca. 2 Wochen um und in 1 Woche werde ich erneut zu ihr fahren. Das erstmal als Vorgeschichte.
Auf der Arbeit sitzt sie mit 2-3 Kolleginnen zusammen, die sich natürlich schon jahrelang kennen. Zu Beginn war sie ziemlich still und hat dann aber gesagt bekommen, dass sie etwas kommunikativer sein solle. Das Problem: Immer, wenn sie mal versucht etwas zu erzählen, kommen negative Kommentare zurück oder es hört ihr nach einiger Zeit einfach keiner mehr zu. Meiner Meinung nach ein absolut.... naja... Verhalten von den Kollegen. Dazu ist sie gewohnt Lob dafür zu bekommen, wenn sie etwas fertig erledigt hat (in der Schule z.B., da sie eine der besten in ihrer Klasse ist), jedoch bekommt sie da eher sowas wie "Das war auch mal Zeit." usw. zu hören, genau an einem Zeitpunkt, indem sie innerlich schon erwartet "Juhu, jetzt habe ich das fertig und vielleicht ist es ja auch gut und gefällt und ich bekomme ein positives Feedback"... Pustekuchen, genau dann kommt natürlich so ein negativer Kommentar.
Ich denke ihr könnt es jetzt so grob nachvollziehen und seid auch der Meinung (wie ich), dass die Kollegen wohl eher nicht so sanft mit ihr umgehen. Vielleicht ist es dort gang und gebe, aber meiner Meinung nach muss so ein Verhalten gegenüber einer Praktikantin nicht unbedingt sein. Aber wie auch immer, das eigentliche Problem an der ganzen Sache ist jetzt: Meine Freundin gibt sich natürlich für alles selbst die Schuld. Sie sagt dann immer "ich mach ja eher immer alles falsch" und sieht alles negativ. Natürlich versuche ich ihr ununterbrochen gut zuzureden und zu sagen, dass es eben nicht an ihr liegt, sondern eben auch an den anderen Menschen, aber das will sie dann nicht so wahr haben, bzw. vielleicht irgendwann nach stundenlangem Gut-Zureden. Ganz schlimm ist es, wenn ein Wort persönlich gegen sie fällt, wie z.B. eine Beleidigung (jetzt nicht unbedingt nur auf der neuen Arbeitsstelle sondern generell), dann regt sie sich über das Wort extrem lange auf und kann es eben nicht einfach nach einiger Zeit "runterschlucken", wie es als Beispiel bei mir der Fall ist. Ich denk bei sowas vielleicht auch noch etwas drüber nach und denk mir dann aber "ach was soll's, zwar Mist von dem, dass er sowas gesagt hat, aber wenn er meint..." oder ähnlich. Schwierig zu beschreiben. _gruebel_

Dazu kommt dann noch, dass sie Abende hat (auch zu Hause und nicht 400 km weit weg), an denen sie im Bett liegt und es ihr plötzlich so schlecht geht, dass sie anfängt zu weinen, über jedes mögliche schreckliche Szenario nachdenkt (Verlustängste), dadurch auch Kopfschmerzen und Bauchschmerzen bekommt und dann kaum schlafen kann.

Ich würde gerne mal eure Meinung hören, bzw. Tipps für mich, wie ich ihr helfen kann, da ich mir dann auch ziemlich hilflos vorkomme, bzw. mir es dann auch extremst schlecht geht, wenn es ihr schlecht geht... Ich leide quasi immer mit und habe schon immer eine Art "Angst", wenn sie von der Arbeit erzählt, dass an dem Tag wieder irgendetwas vorgefallen ist... Ist schwierig zu beschreiben, aber ich hoffe immer innerlich, dass der Tag gut bei ihr verlief und es ihr gut geht, damit ich mich auch gut fühlen "kann".

Danke für das Lesen, auch wenn der Text etwas länger ist, und ich freue mich über Kommentare.

Liebe Grüße
Tofi
 

Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Die Kleine » Fr 9. Aug 2013, 12:08

Hallo und herzlich Willkommen!

Eine Antwort auf Deine Fragen zu finden ist schwierig, das Problem wie Du es beschreibst scheint ziemlich komplex zu sein.

Ich möchte Dir Feedback geben, was ich so herausklingen höre:

Hat Deine Freundin in ihrer Kindheit gelernt, nur wertvoll zu sein, wenn sie etwas Tolles geleistet hat? Wenn ja, defniniert sie sich vielleicht darüber und fühlt sich bei Nichtbeachtung oder gar Schlechtmachen ihrer Leistung nicht gemocht/geliebt.

Kann es sein, dass sie deswegen in eine Depression rutscht? Schlafstörungen, körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Weinen - das hört sich für mich ein bisschen danach an.

Scheinbar leidest Du auch unter der Situation und fühlst die (negativen?) Schwingungen mit. Wie ist es bei Dir, hast Du ein starkes Harmoniebedürfnis? Kannst Du es als "Ihres" annehmen oder machst Du es zu "Deinem"?

Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt...
Eigentlich bin ich ganz anders - ich komme nur so selten dazu...
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Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Tofi » Fr 9. Aug 2013, 12:31

Die Kleine hat geschrieben:Hallo und herzlich Willkommen!


Hallo und danke!

Die Kleine hat geschrieben:Eine Antwort auf Deine Fragen zu finden ist schwierig, das Problem wie Du es beschreibst scheint ziemlich komplex zu sein.

Ich möchte Dir Feedback geben, was ich so herausklingen höre:

Hat Deine Freundin in ihrer Kindheit gelernt, nur wertvoll zu sein, wenn sie etwas Tolles geleistet hat? Wenn ja, defniniert sie sich vielleicht darüber und fühlt sich bei Nichtbeachtung oder gar Schlechtmachen ihrer Leistung nicht gemocht/geliebt.


Ob sie es so gelernt hat, kann ich leider nicht sagen, könnte aber schon der Fall sein. Da könnte ich mit ihr in Ruhe auch nochmal drüber sprechen, das möchte ich sie nur jetzt nicht so spontan fragen. Dass sie sich dann nicht gemocht/geliebt fühlt, kann ich denke ich so unterschreiben. Sie ist enorm enttäuscht, wenn sie z.B. etwas fertiggestellt hat, sei es jetzt ein Bild (sie ist eher der künstlerisch-begabte Typ) oder etwas anderes, und dafür einen kritischen Kommentar bekommt. Natürlich wäre das wohl jeder ein wenig, doch konstruktive Kritik nimmt sie leicht als eine Beleidigung auf.

Die Kleine hat geschrieben:Kann es sein, dass sie deswegen in eine Depression rutscht? Schlafstörungen, körperliche Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Weinen - das hört sich für mich ein bisschen danach an.


Das kann ich selbst nicht beurteilen, ich habe natürlich auch schon einmal drüber nachgedacht, jedoch weiß ich nicht wann die Schwelle zur Depression genau anfängt. Wie oft müsste sowas vorkommen? Wie intensiv? Etc., da kenn ich mich leider nicht weit genug mit aus. Das Weinen kommt zumindest oft dadurch zustande, dass sie dann genau in dem Moment über alles, was auch nur annähernd irgendwie schlecht sein könnte, schlecht nachdenkt und es höher spielt als es ist. Also Kleinigkeiten, die vielleicht ein wenig negativ sind, kommen dann alle auf einmal zusammen und werden schlimmer gesehen als sie es eigentlich sind. Dazu noch Gedanken wie: "Was mache ich, wenn die und die Person irgendwann nicht mehr da ist?!" Also Verlustängste?

Die Kleine hat geschrieben:Scheinbar leidest Du auch unter der Situation und fühlst die (negativen?) Schwingungen mit.


Zu mir persönlich kann ich nur sagen, dass ich sehr, sehr mit anderen Menschen mitfühle. Also geht es anderen Menschen schlecht, tun mir diese meist sehr leid, obwohl ich natürlich gar nicht weiß wie es dazu gekommen ist und ob sie es selbst zu verschulden haben. Da wünsche ich mir, dass ich selbst manchmal härter wäre, aber sonst bin ich psychisch denke ich sehr stabil.

Die Kleine hat geschrieben:Wie ist es bei Dir, hast Du ein starkes Harmoniebedürfnis? Kannst Du es als "Ihres" annehmen oder machst Du es zu "Deinem"?

Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt...


Uii schwierig zu sagen... wenn ich es richtig verstehe. Also bei mir ist es so, dass ich möchte, dass es ihr gut geht, weil ich dann eben nicht das gerade eben beschriebene "Mitleiden" habe und mir es dadurch persönlich natürlich auch besser geht.
Ihr geht es schlecht -> Ich fühle mich mit ihr schlecht, weil ich mich in sie hinein versetze -> Ich versuche sie aufzumuntern und zu trösten -> Sie ist glücklich -> Ich bin dadurch auch glücklich, da ich weiß, dass es ihr gerade gut geht

So grob würde ich es zusammenfassen.
Tofi
 

Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Die Kleine » Fr 9. Aug 2013, 12:53

Ui, Du bist aber schnell! _yessa_

Mir fällt gerade auf, dass die Beschreibung die Du über Deine Freundin gemacht hast, auch auf mich hätte zutreffen können als ich in Eurem Alter war...

Sprich doch mal vorsichtig mit Deiner Freundin darüber, ob sie sich nur gut fühlt, wenn sie die Erwartungen Anderer erfüllt. Das muss sie nämlich gar nicht, aber das muß ihr erstmal klar werden und das ist ein Prozess, der über Jahre hinweg andauern kann.

Wenn diese depressionsartige Verhaltensweise länger andauert, so ca. ein halbes Jahr, kann man vermuten, dass es sich wirklich um eine depressive Verstimmung handelt und nicht nur um ein momentanes "sich nicht gut fühlen". Das sollte aber ärztlich abgeklärt und ggf. therapeutisch behandelt werden.

Das Mitfühlen mit Anderen und das Übernehmen derer Stimmungen kenne ich auch nur zu gut. Ich versuche im Moment, mich langsam davon zu verabschieden. Das heißt nicht, dass man seinen Mitmenschen gegenüber nun gleichgültig werden soll; aber ein bisschen Selbstschutz brauche ich in der Richtung, damit ich nicht immer von den Stimmungen anderer abhängig bin. Ich lerne auch erst langsam und mühselig, was es bedeutet, "bei sich zu sein"; ich frage mich immer, wie gehts es dem Anderen, was kann ich tun, damit er sich gut fühlt etc.. Dabei habe ich jahrelang mich vergessen, nicht gefragt: "Wie geht es mir? Was brauche ich, damit ich mich gut fühle?". Da habe ich mich weniger wichtig genommen als die anderen, und das führte dazu, dass ich irgendwann total leer und ausgesaugt war und im Burn-out gelandet bin. Ich versuche nun, mich ein bisschen so zu sehen, als wäre ich meine beste Freundin; das hilft mir, zu erkennen, wann jemand über meine Grenzen tritt und "Stop!" zu rufen, bevor alle meine Ressourcen aufgebraucht sind.
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Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Tofi » Fr 9. Aug 2013, 13:42

:-)

Ja ich denke das mit den Erwartungen trifft es sehr gut. Ich sage es ihr dann auch immer, dass die anderen Leute auch mal Schuld sind und nicht SIE selbst immer alles falsch macht, doch das klappt wohl noch nicht so ganz bei ihr, dass sie es akzeptieren kann. Nach stundenlangem Reden schaffe ich es auch fast immer, dass sie es irgendwann einsieht, jedoch ist das dann auch eben nur für den Moment, leider. Dass es dauert, ist verständlich, ich hoffe nur, dass ich sie dazu bekomme, dass sie es mit aller Kraft versucht und sich selbst immer wieder sagt, dass sie es in den meisten Situation nicht selbst schuld ist.

Das Mitfühlen irgendwie zu schwächen, wäre auch ein kleines Ziel für mich. Sowas wie "Schadensfreude" habe ich z.B. gar nicht, das war früher aber auch mal anders, keine Ahnung durch was sich das so sehr geändert hat. Wobei ich nicht sagen will, dass Schadensfreude ja irgendwie gut wäre, sondern nur, dass es mich wundert, dass ich mich in der Richtung stark verändert habe. Das muss schon eine Person sein, die ich - wegen was auch immer - absolut nicht ausstehen kann, um irgendwie sowas in die Richtung zu empfinden.

Also dein Ratschlag ist es, ihr immer wieder zu sagen, dass sie die Erwartungen anderer nicht erfüllen muss?
Tofi
 

Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Stimmungsaufhellerin » Fr 9. Aug 2013, 15:16

Lieber Tofi,
du erinnerst mich sehr an meinen eigenen lieben Freund.

Er sagt gern zu mir: Stine, hab nicht immer so hohe Erwartungen an andere Leute, dann bist du hinterher auch nicht so enttäuscht.

Ich habe diese hohen Erwartungen an mich und an andere.

Und ich wünsche mir oft Lob für meine Leistungen.
In diesem Bereich geht es mir viel besser als früher, seitdem ich angefangen habe, mich selbst am Ende eines Arbeitstages zu loben. Wenn es mir gut geht, auch gerne mal laut.

Ich glaube, für jeden Menschen ist es wichtig, zu erkennen, dass er letztlich selbst
dafür verantwortlich ist, sich glücklich zu machen. Andere können das nicht leisten und sind wiederum für sich selbst verantwortlich.

Auch in der Partnerschaft ist es meines Erachtens zu viel verlangt, zu sagen: Mach du mich jetzt glücklich!
Alles, was von selbst kommt ist natürlich wunderbar.

Vielleicht können deiner Freundin Bücher zum Thema Selbstliebe oder Stärkung des Selbstbewusstseins helfen. Sie kann so vielleicht erkennen, wie wertvoll und einzigartig sie ist. Und zwar einfach nur, weil sie ist wie sie ist.
Sie muss nichts tun, um sich Anerkennung und Liebe zu verdienen.

Schöne Grüße,
von Stine
_Mij_
Glücklich ist, wer vergisst,
was doch nicht zu ändern ist.
aus: Die Fledermaus, Johann Strauß
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Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Die Kleine » Fr 9. Aug 2013, 15:24

Hm, es ihr immer wieder zu sagen ist das Eine - ob sie es wirklich annimmt das Andere. Ich habe ein Buch gelesen und den Kurs dazu mache ich im Moment, es heißt "Liebenswert bist Du immer" von Dr. Udo Derbolowsky und behandelt u.a. genau dieses Thema. Allerdings ist in dem Buch sehr viel von Gott die Rede, ich weiß nicht, in wie weit Du oder Deine Freundin dazu steht; ich bin dazu übergegangen, das Wort "Gott" durch "Universum" zu ersetzen, für mich passt es so wieder. Ich würde Deiner Freundin dieses Buch gerne ans Herz legen.

Ob Du Dein Mitfühlen wirklich schwächen kannst, weiß ich nicht, aber vielleicht kannst Du Deine Einstellung dazu ändern? Mir geht es z.B. so, wenn ich meinen Sohnemann wegen etwas schimpfen muss halte ich als harmoniebedürftiges Wesen diese Mißstimmung nur schwer aus. Aber wenn ich ihm alles durchgehen ließe, würde er nie Grenzen lernen und ständig über diesselben gehen - daraus könnte sogar im schlimmsten Falle ein Verbrechen entstehen. Also ist meine Aufgabe, ihn für ein Vergehen zu tadeln, um ihn vor Schaden zu bewahren. Wenn man das so sieht, brauche ich also deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben! Verstehst Du? Manchmal muß man seine Glaubenssätze überprüfen, ob sie wirklich stimmig sind. Z.B. "wenn ich nicht immer brav bin und mache, was die anderen von mir erwarten, bin ich weniger liebenswert". Stimmt das wirklich? Solange man diesen Glauben intus hat, tut man sich schwer, auch mal darüber weg zu gehen und nicht "brav" zu sein, also nicht in der gewünschten Art und Weise zu handeln wie es von einem erwartet wird. Darin liegt der Knackpunkt.

Ich hoffe, ich texte Dich nicht grade zu und Du kannst einigermaßen nachvollziehen, was ich sagen will...
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Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Tofi » Fr 9. Aug 2013, 18:23

Ja das stimmt. Man ist selbst dafür verantwortlich, jedoch nehme ich mir dann trotzdem vor und sehe es als meine Aufgabe, dass ich ihr versuche das nahe zu bringen, was du gerade sagtest -> Sich selbst nach der Arbeit loben. Ich weiß nicht wie sie es findet, wenn ich es ihr vorschlage, aber ich werd es schon schaffen ihr das nahe zu bringen. :-)

Das Buch werde ich mir mal anschauen und wenn ich auch denke, dass es passt, es ihr mal vorschlagen. Mit Gott haben wir eigentlich eher nichts am Hut, aber du sagst ja man kann das Wort z.B. ersetzen.

Jetzt hast du sogar genau den Punkt erwischt, weswegen ich mir größtenteils Gedanken mache mit meinem Mitgefühl -> das eigene Kind. Mir ist klar, dass man sein Kind tadeln muss, wenn es etwas falsches macht, das gehört zur guten Erziehung dazu und genau das stelle ich mir zur Zeit wirklich schwierig für mich vor, da ich das kaum über's Herz bringen würde, auch wenn es richtig ist! Noch ist es nicht so weit und ich bin noch nicht in der Situation, aber das ist einer der Hauptpunkte weswegen ich hoffe, dass ich mich in der Sache ein wenig ändern kann und dann auch das richtige tun kann, wenn das Kind eben etwas falsches getan hat.
Achjaaa... das ist jetzt auch nur in die Zukunft gedacht und ich denke schon, dass ich das schaffen werde. Das Wichtigere ist auf jeden Fall, dass meine Freundin auf Dauer mal glücklich sein kann!

Ja kann ich nachvollziehen! Und du textest mich alles andere als zu, dafür hab ich ja hier geschrieben und ich bin euch für jede Antwort dankbar. _yessa_
Tofi
 

Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon baumratte » Fr 9. Aug 2013, 19:05

Hallo Tofi,
es ist schön, wie Du Dich um Deine Freundin bemühst und ihre Sorgen ernst nimmst! Das wird ihr mit Sicherheit am meisten helfen. Vielleicht gelingt es Dir, die Konzentration mehr auf das Positive in ihrem Erleben zu legen, weil man sonst zu sehr an dem hängt, was heute nicht gut lief und verstärkt das dadurch. Das führt dann zu einer Erwartungsspirale. Kann sie sich denn an Zukünftigem freuen, so dass Ihr Pläne machen könnt für wenn sie wieder da ist?

Von einer richtigen Depression kann man ausgehen, wenn der Grund für das Niedergeschlagensein oftmals ohne bestimmten Auslöser ist. Der Zustand hält dann mindestens eine Woche dauerhaft an und ist begleitet von körperlichen Symptomen wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, ständiges Gedankenkreisen. Man kann sich für NICHTS begeistern und alles, was sonst Freude machte, ist bedeutungslos. Man sieht schwarz für die Zukunft und hält sich für einen Versager.
Tritt die depresssive Verstimmung nach einem bestimmten Ereignis (wie Kritik u.ä.) auf, sind es normale reaktive Muster, die nicht gleich eine Therapie brauchen. Entweder Du kannst ihr helfen, oder sie geht zu einer psychologischen Beratungsstelle.

Es ist übrigens auch schwer, wenn man von etwas überzeugt ist, davon loszulassen weil der Andere nur sagt "das stimmt nicht". Denn SIE sieht es ja so. Frag doch gezielter nach, was sie mit "alles" falsch meint und ob das schon immer so war oder wer ihr sowas eingeredet/vorgeworfen hat. Vielleicht kann sie so eher den Auslöser einkreisen.
Das, was wir oft als falsch an uns betrachten, ist nur der Ausdruck unserer eigenen Individualität. (Louise Hay)
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Re: Freundin "macht ja eh immer alles falsch"

Beitragvon Phönixfeuer » Fr 9. Aug 2013, 19:50

Ich möchte dazu sagen, dass es sich meiner Meinung nach um einen Glaubenssatz handelt "Ich mache immer alles falsch."
So etwas lernt man quasi in der Kindheit von Eltern oder anderen Bezugspersonen. Das ist dann in einem verankert und man bricht das nur auf, wenn man erkennt, dass der Satz so nicht gültig ist. Da gibt es verschiedene Methoden, das aufzulösen. Du kannst ihr noch so oft sagen, dass es nicht so ist, aber letztendlich "sucht" sich so ein Glaubenssatz immer Beweise dafür, dass er "richtig" ist. Der Fokus liegt einfach darauf und sie findet ihre Fehler.

Ich würde hier erstmal mit Fragen arbeiten. Weniger Zeit für "ich mache alles falsch" und dafür soll sie mal hinschauen, was sie richtig gemacht hat an diesem Tag. Und dann könnte man fragen "immer"? "alles"? "falsch"? oder nur "anders"? Es sind ganz allgemeine Worte, die in diesem Satz stecken, mit spezifischeren Ausdrücken wird der Satz abgemildert.
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Je mehr ich weiß,
umso mehr weiß ich,
dass ich nichts weiß.
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