Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Wie viele gute Freunde hast Du?

Keinen
17
18%
Einen
11
11%
1 - 3
39
41%
unter 5
19
20%
unter 10
7
7%
über 10
3
3%
sonstiges
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 96

Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos?

Beitragvon herzblut » Di 5. Feb 2013, 13:11

Hallo Ihr Lieben,

voran möchte ich mal eine interessante Umfrage stellen zum Thema Freunde - nämlich wie viele wir hier so
jeder im Durchschnitt haben _yessa_

gerne könnt ihr dazu posten, besonders interessant ist auch, wie lange diese schon bestehen - ich berichte gleich mal über meine..*

Aber zur Überschrift - wie seht ihr das, braucht Freundschaft Kritik und wenn, in welchen Bereichen?

Ich selbst halte es immer so, dass ich gute Freunde schon öfters kritisiere, WENN ich da eine Aufnahmebereitschaft und -fähigkeit
vermuten und/ oder erkennen kann.

Als HSP weiß ich aber zu gut, dass man tagelang an unbedachten oder gar an als schlimm empfundenen Kommentaren verdauen kann,
diese können übelste Magenschmerzen verursachen, aber ich sehe das mittlerweile auch irgendwo als MEIN Privat-Problem!

*Zu meinen Freundschaften - ich habe derzeit vielleicht 3 ziemlich enge Freunde, wobei ich bei einer Person auch sagen muss, dass mir die Macken manchmal zu viel werden smur darauf würde ich ggf. im geschützten Bereich irgendwann mal näher eingehen..

Eine Freundin kenne ich schon fast 10 Jahre, die beiden anderen sind letzten Sommer dazu gekommen!

Wie ich Freund definiere: jemand, dem man wichtig ist, der gerne Zeit mit einem verbringt, der einem was zu sagen hat und mit dem man ähnliche Wertvorstellungen teilt! Für mich ist okay, nicht täglich zusammen zu glucken und wenn jemand wegzieht und man sich sehr selten sieht, kann die Freundschaft trotzdem ihre Intensität und ihren Stellenwert beibehalten.


Gegenüber dieser kleinen Zahl habe ich in den letzten 10-12 Jahren mindestens 5 oder 6 gute Freunde verloren, eben weil es an Kritikpunkte und/ oder Wertedifferenzen kam.
Eine wollte mich erziehen - mit Mitte 30, das ging natürlich absolut zu weit und zeigte auch offensichtlich, dass der Gehalt dieser Freundschaft
in Punkto Wertschätzung seitens der Dame nicht besonders glanzvoll war - denn bei aller Kritik, die auch ich bereit bin, auszuteilen - wenn man einen Menschen nicht nimmt, wie er ist, kann es keine gute Freundschaft sein!

Zu meinem besten Kumpel sage ich immer, wenn ich ihn kritisiere - was ich leider öfters tue, da er sehr sprunghaft in seinen Aussagen ist
und ich ja nun mal Menschen grundsätzlich in ihren Belangen SEHR ernst nehme :
"Sei nicht sauer, ich kritisiere nur Menschen, die es mir wert sind! Bei anderen gebe ich mir den Stress gar nicht, doch ich möchte, dass du weißt, wie ich darüber denke."

Mein haupt Kritikpunkt ist immer wieder, wenn Leute sich selbst verarschen ( sorry, für die Wortwahl) - wenn es bei ihnen selbst klappt, ist es ja gut - aber einzufordern, dass andere da mitziehen, macht mich stinkig - und dafür sind Freunde doch da, oder?


Freue mich auf eure Antworten!

Liebe Grüße, herzblut
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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon ja » Di 5. Feb 2013, 14:44

Hallo herzblut!

Welch ein thema.
Kritik – alle fordern sie, können selbstverständlich damit umgehen und „schlagen dem boten den kopf ab“ wenn sie wirklich kommt.
Ich habe mir angewöhnt kritik als feedback zu beschreiben, das wort kritik an sich ist doch sehr negativ belastet und allzuoft angst besetzt.
Nun aber zu deiner frage,
ich erwarte und lebe mit meinen freunden
TREUE und KRITIK (ehrlichkeit)
Wenn das jemandem zu anstrengend ist
– ok, nette bekannte zu haben ist auch fein!

Die menschen die ich als (herzens-)freunde bezeichne sind langjährig,
sich gut kennen gehört für mich dazu vertrauen zu bilden und das braucht zeit.
Ansonsten gilt wohl „Jede Zeit hat seine Helden“ – menschen die mir temporär extrem nahe waren sind es irgendwann nicht mehr, man hatte einen menge spass und guten austausch, doch eben für einen zeitraum.

Und spass kann man mit vielen menschen haben, die not mir ihrem ernst zeigt dann wer da ist. Banal, trotzdem wahr.


Freundliche grüsse,
ja.
weniger ist mehr

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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon herzblut » Di 5. Feb 2013, 14:59

super gesagt _mjh_
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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon Maggie123 » Di 5. Feb 2013, 18:07

Hallöchen und danke für den Thread! iwikx

Meine Freunde nehme ich als Geschenk, ich lerne von ihnen, sie von mir. Wir spiegeln uns.
Für mich sind Freunde eine Lebensaufgabe, ich fühle mich verantwortlich für das, was ich
für sie tue, was ich ihnen sage und übermittle.
Sind sie einmal in meinem Herzen, dann für immer, egal, wann ich sie kennen lernte.
Meine Freunde sind in der Zahl unter fünf beheimatet. Die meisten davon kenne ich fast schon
mein ganzes Leben, auch die anderen schon sehr lange.

Neben der Liebe bedarf der Mensch der Freundschaft, wenn er nicht Schaden an seiner Seele nehmen möchte.
Für die griechischen Philosophen ist die Freundschaft immer auch ein Ausdruck von Tugend.
Pythagoras nennt die Freundschaft die Mutter aller Tugenden.
Zu Freundschaften sind nur Menschen fähig, in denen ein guter Kern ist.
Wer stets nur um sich selbst kreist, um sein eigenes Wohlergehen besorgt, in sich selbst gefangen ist,
der ist zur Freundschaft nicht fähig.

Platon sagte, "Gott macht die Freunde; Gott bringt den Freund zum Freund."
Freundschaft ist auch Schicksal, sie erhebt die Menschen zu den Sternen.
So eine Freundschaft kann man ruhig auch Liebe nennen.

Eine höhere Macht ist es letzlich, die Menschen mit gleichem Seelenklang zueinanderführt. Meist weiß man
gar nicht um das Zustandekommen einer Freundschaft, und das gibt ihr etwas sehr Geheimnisvolles,
fast Überirdisches.
Auf einmal ist sie da.
Die Türe meines Herzens wurde gerade zu einem bestimmten Zeitpunkt für diesen Menschen geöffnet.
Ich werde diese Türe zum Schicksal niemals zuschlagen, schlimmstenfalls nur anlehnen.

"Und spass kann man mit vielen menschen haben, .................................."

Für mich ist die vorherige Aussage nicht zutreffend, denn ich habe nicht Spaß mit vielen Menschen, da ich
mich als HSP nicht mit vielen Menschen umgebe, sondern nur mit ganz, ganz wenigen, die Schicht ist hauchdünn!
Viele Menschen um mich herum sind mir ein Graus, das war es schon immer, und das wird es auch immer sein!
Deshalb werde ich niemals Spaß mit vielen Menschen haben, sondern nur mit ganz, ganz wenigen, wenn überhaupt.
Freundschaft ist nämlich nicht immer spaßig!

In der griechischen Philosophie kennt man drei Arten der Freundschaft:

die Freundschaft um des Nutzens, der Lust und des Guten willen. Die beiden ersten sind für Aristoteles im Grunde
egoistisch und sind meist nur von kurzer Dauer. Nur die um des Guten willen geschlossene Freundschaften sind
dauerhaft und verdienen eigentlich den Namen Freundschaft. In ihnen wird sichtbar, dass beide das Gleiche wollen,
oder, wie Aristoteles sagt, dass Freunden alles gemeinsam ist. Für Cicero und Seneca ist Freundschaft die
Übereinstimmung in allen heiligen und weltlichen Dingen, verbunden mit gutem Willen und Zuneigung.

Ganz ohne Freundschaft wird das Leben in der Tat dunkel und freudlos. Psychologen wissen davon zu berichten,
dass Menschen, die keine Freunde haben, an Schicksalsschlägen und Krisen wesentlich mehr und länger leiden.
Sie kommen manchmal sogar überhaupt nicht über die Erfahrung eines tiefen Leids hinweg.
Gerade im Leiden, im Mitleiden, bewährt sich der Freund. Sein Leid ist mein Leid.
Wer da einem treu und aufopferungsvoll zur Seite steht, das ist ein wahrer, ein wahrhaftiger Freund.
Er scheut keine Unbill!
Cicero hat das in dem berühmten Satz zum Ausdruck gebracht:
"Amicus certus in re incerta cernitur.
Ob einer ein zuverlässiger Freund ist, das erkennt man bei Gefahr!"

"Echte Freundschaft beruht auf einem Gefühl
der gegenseitigen Nähe und auf der Bereitschaft,
miteinander zu teilen."
(Tenzin Gyatso, 14. Dalai Lama)

Liebe Grüße von Maggie _moin_
Pax!
Maggie123
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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon Kleeblatt » Mi 6. Feb 2013, 19:39

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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon Lim » Do 7. Feb 2013, 00:18

Ich finde, dass Menschen die hochsensibel sind - mich mit eingeschlossen - selbst ausserordentlich kritisch anderen gegenüber sind.

Jemand der nicht kritikfähig ist, hält das gar nicht aus.

Ich persönlich nehme Kritik generell als Angriff wahr und diese aus Prinzip dann auch nicht an.

Magenschmerzen habe ich deswegen nicht (mehr). Sondern es gibt dann halt eine Retourkutsche. Irgendwas findet man ja immer beim anderen - besonders als Hochsensibler )wwq
Lim
 

Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon bumblebee » Do 7. Feb 2013, 10:37

Freundschaft kann hier und da meiner Meinung nach Kritik vertragen. Man kann sich mit seiner Kritik ja auch irren und das kann einem verziehn werden. Aber es ist doch auch schön zu merken, dass Freunde sich Gedanken über einen machen und deshalb den Mut haben, Kritik zu äußern. Ich habe damit allerdings auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Meine 14 jahrelange beste Freundin hat den Kontakt zu mir abgebrochen, als ich es bemängelte, dass sie, seitdem sie ihren Freund hat, nochnichtmal einmal im Jahr mehr für uns Zeit hat. Tja, da ging eine Freundschaft verloren. Aber so oder so wäre sie verloren gegangen. Denn der Kontaktwunsch nahm ja sichtlich zur 0-Grenze ab.

Man kann natürlich auch die Variante wählen, dass man seine Freunde Erfahrungen sammeln lässt - auch genannt, ins offene Messer laufen lässt. Hat den Vorteil, dass wenn man sich geirrt hätte, damit nicht aufgeflogen ist. Kostet dem Freund ggf aber einiges an Lebensqualität o.ä.

Ich bin ein Freund von Ehrlichkeit. Gutgemeinte Kritik ist für mich ein Zeichen von Freundschaft. Liebe ist, wenn man jemanden so nimmt, wie er ist. Man kann einen Freund auch lieben, wie er ist - bedingungslos und gleichzeitig aber kein guter Freund sein. Aber wenn man jemanden als Freund hat, der keine Kritik hören will, dann ist man dem glaub ich ein guter Freund, wenn man diese lässt )wwq . Aber man muss ja widerum wissen, ob ers zu hören verträgt. Also ruhig Dinge mal anschneiden, wenn einem diese auf der Zunge liegen und wenn der/die Freund/in dann blockiert, dann kann man ihm oder sich immer noch seine Erfahrung machen lassen.
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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon cindy sun » Do 7. Feb 2013, 18:06

Freundschaft ist für mich etwas sehr Kostbares. Freundschaft bedeutet für mich, dass der andere mit mir durch dick und dünn geht und meine Eigenheiten respektiert wie ich seine.
Aber ich erwarte auch, dass diese Person offen und ehrlich mit mir umgeht. Ein absolutes Muss. Das alles gilt natürlich auch im Umkehrschluss für mich.

Deshalb habe ich wohl auch nur sehr wenige sehr gute Freunde. Zwei Freundschaften davon sind über Jahre langsam entstanden und bestehen auch schon lange. Bei zwei weiteren war es wie Liebe auf den ersten Blick. Es passte auf Anhieb. Seelenverwandte.

Von diesen wenigen Menschen kann ich auch Kritik annehmen. Das geht aber nur, weil ich weiß, dass ihre Kritik aus Fürsorge geschieht und nicht, um sich einen Vorteil zu verschaffen oder mir weh zu tun. Ich gebe zu, dass mir das Annehmen nicht immer leicht fällt. Aber meist haben sie ja recht.


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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon oceanna » Do 7. Feb 2013, 18:10

Ob Freundschaft Kritik nun wirklich braucht lässt sich schlecht verallgemeinern.

Was ich brauche ist eine ehrliche Grundbasis in beide Richtungen, doch es ist und bleibt eine Gratwanderung.
Zuviele Menschen sind mir begegnet, die meinten, dass sie ein Recht auf Kritik hätten, dass sie doch nur die besten Interessen der anderen Person im Blick hätten usw.
Fast nie ist mir jemand begegnet, der wirklich in der Lage war konstruktiv Kritik zu üben, also auch mit machbarem Lösungsansatz.

Wenn nun etwas kritisiert wird, was der andere einfach nicht ändern kann, weil es zum Beispiel eine angeborene Charaktereigenschaft oder ein gewisses Körpermerkmal betrifft, was bringt das?

Man darf sagen: Hör mal, das und das hat mich verletzt, doch trotzdem gibt das einem nicht das Recht eine Änderung einzufordern.

Für mich bedeutet Freundschaft in erster Linie Toleranz, Akzeptanz, Loyalität, auf gleicher Wellenlänge liegen und Kritik ist etwas, was nur im Notfall angewendet werden sollte.
Die Menschen,die du auf dem Weg der Heilung triffst sind wie die Blumen am Wegesrand.
Geniesse sie in ihrer einzigartigen Schönheit und gehe sorgsam mit ihnen um.
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Re: Freundschaft - braucht sie Kritik oder ist sie kritiklos

Beitragvon cindy sun » Do 7. Feb 2013, 18:48

Kritik ist etwas, was nur im Notfall angewendet werden sollte.


hallo Oceanna,
vielleicht ist Kritik auch Sache der Definition jedes Einzelnen. Da ich sehr kritkempfindlich bin und schnell persönlich nehme, kann ich so etwas von meinen Freunden annehmen. Ich fordere sie nicht dazu auf. Aber manchmal verenne ich mich und dann bin ich froh, wenn sie meinen Blickwinkel dann mal hinterfragen oder auch in Frage stellen.

Aber das ist auch nur meine Sicht der Dinge.

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