Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang damit

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang damit

Beitragvon Moondream » Di 9. Jul 2019, 16:20

Hallo in die Runde,

es geht um ein Thema, von dem ich eigentlich noch nicht genau weiß, wo ich es einordnen kann, aber es beschäftigt mich schon sei langem, und ich komme zu keiner wirklichen Lösung für mich.
Ich bin mir nicht mal sicher, in welchem Forum es am besten untergebracht ist, aber ich denke, das es im weitesten Sinn mit Hochsensibilität, fehlender Abrgrenzun g und vielleicht emotionaler Spiegelung/Projektion zu tun hat. Damit ist vielleicht das Allgemeine HS Forum das passendste.

Worum geht es eigentlich. Eigentlich immer noch die geschochte die mich hergeführt hat und die ich im Grunde in meinen Vorstellungsthread ausführlich beschrieben habe. Deswegen möchte ich die Vorgeschichte hier auch nicht nochmal aufwärmen.

siehe: https://www.xn--treffpunkt-hochsensibilitt-4hc.de/11590502nx46300/vorstellungsrunde-f6/ein-ganz-herzliches-hallo-in-dir-runde-t10423.html

Auch wenn der Punkt 'Verliebtheit' im Prinzip vom Tisch ist, beschäftigt mich das Ganze immer noch sehr stark und beeinflusst meine Stimmung und mein Denken/Fühlen immer noch mehr als mir lieb ist.
Am Anfang bin ich davon ausgegangen, das es einfach eine (intensive) romantische Schwärmerei ist, die ich schon seit der Schulzeit mit mir herumtrage und sich sich schnell relativiert, wen ich mit ihr erst einmal darüber gesprochen habe.
Mir ist schon releativ schnell klar geworden, das eine romantischen Beziehung (Affäre?/Seitensprung?) mit Ihr, auch wenn ich unterschwellig vielleicht immer noch davon träume, wahrscheinlich sehr enttäuschend wäre, für uns beide. Zum einen wäre meine Erwartungshaltung wohl unerfüllbar hoch, ganz einfach weil meine Fantasie, die ich diesbezüglich mein ganzes Leben lang hatte, wohl sicher ein Idealbild einer solchen Beziehung erschaffen hat, mit dem die Realität sicher nicht konkurrieren könnte. Zum anderen sind wir wohl doch unterschiedlicher, als ich in Erinnerung habe. Entweder war das schon immer so, oder wir sind durch unsere sehr unterschiedlichen Lebenswege einfach zu zu dem geworden, was wir jetzt sind. Und nicht zuletzt sind wir ja auch beide glücklich verheiratet, und ich habe nicht den Wunsch daran etwas zu ändern.

Damit könnte die Sache für mich einfach erledigt sein. Damit ist ja alles klar, oder?

Nein, und damit bin ich bei dem Punkt, an dem ich Rat suche. Ich weiß nicht, ob das Ganze direkt mit meiner Sensibilität zu tun hat, aber ich vermute es zumindest.
Wenn ich einmal die romantischen Fantasien weglasse, die am Anfang mehr oder weniger alles überdeckt haben, bleibt trotzdem eine sehr intensive, ich würde sagen, freundschaftliche Zuneigung über. Deswegen möchte ich mich einfach so oft wie möglich mit ihr unterhalten und über vieles austauschen. Und ich habe das Gefühl, das sie das selbst auch möchte. Momentan beschränkt sich das Ganze auf mehr oder weniger relmäßiges chatten via Whatsapp oder Telegram. In Zukunft sicher auch mal ein Telefonat und irgendwann vielleicht auch mal treffen. Ich weiß nicht, ob das realistisch ist, wünsche mir das aber sehr.

Auf der anderen Seite möchte ich aber auch nicht aufdringlich sein, sie nicht überfordern. und damit vielleicht unsere Freundschaft infrage stellen oder kaputtmachen. Und dazu muss ich erst einmal das richtige Maß and Distanz und Abgrenzung finden, und eben das gelingt mit im Moment nicht nicht so recht.
Es ist im Grunde so, das wir uns unregelmäßig zu verschiedenen Themen schreiben (ich schreib meist viel mehr, liegt aber wohl daran, dass ich kurz fassen nicht kann und sie einen eher effizienten Kommunikationsstil hat), zudem weiß ich, das sie oft sehr viel um die Ohren hat. Ich reagiere aber auch sehr sensibel auf kleine Änderungen in ihrem Schreib-/Kommunikationsstil, die sie selbst wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Und wenn diese Modulation in mir den Anschein erweckt, das es ihr oder Ihrer Familie vielleicht nicht gut geht, fange ich an mir Sorgen zu machen. Dabei weiß ich nicht mal, ob das überhaupt gerechtfertigt oder nur Einbildung ist. Ich kann das aber irgendwie nicht abstellen, und das beeinträchtigt auch ganz real mein eigenes Befinden. Es ist so, als ob ich ihre vielleicht realen, vielleicht aber auch nur eingebildeten Probleme oder Sorgen irgendwie selbst verinnerliche und spiegele. Ich weiß nicht, ob man das als eine Art Übertragung bezeichen kann, ich glaube aber eigentlich nicht an so etwas.

Wenn ich dann nachfrage und eine erklärende Antwort bekomme, bin ich dann auch erst mal beruhigt und entspanne mich. Aber sobald ich wieder das Gefühl habe, das bei Ihr etwas nicht in Ordnung sein könnte, fange ich mir wieder an Sorgen zu machen. Irgendwie ist es mir einfach nur wichtig, das es ihr gut geht und sie glücklich ist, auch wenn es mich im Detail eigentlich gar nichts angeht. Denn so gut kennen wir uns eigentlich noch gar nicht wieder (oder nicht mehr, je nach Sichtweise), das ich da irgendwelche Rechte oder Pflichten meinerseits ableiten könnte oder wollte.
Deswegen möchte ich nun auch nicht alle paar Tage nachfragen wie es ihr geht. Damit würde ich ihr sicher eher lästig werden und damit vielleicht das Gegenteil von dem erreichen, was ich eigentlich möchte. Nämlich eine ganz normale, offene und ehrliche Freundschaft. Vielleicht auch, wenn das möglich ist, eine besondere Freundschaft? Ich bin mir da nicht ganz sicher.

Vielleicht noch eins: Diese Verhalten, diese Spiegelung oder Übertragung wenn man so will, ist nicht nur auf sie bgegrenzt. Das geht mir eigentlich bei allen Menschen so, die mir irgendwie wichtig sind (Auch wenn es nicht so viele sind), bei ihr ist es nur besonders deutlich und intensiv. Vielleicht fehlt mir da wirklich die Fähigkeit zur Abgrenzung/Distanzierung?
Wie kann ich damit umgehen, ohne mich gleich komplett von ihr oder dem jeweiligen Menschen zu distanzieren/abzuwenden? Ich möchte da gern eine gesunde Distanz aufbauen, aber gleichzeitig verhindern, das mir dieser Mensch dann einfach gleichgültig wird.

LG
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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Jackie » Di 9. Jul 2019, 17:54

Lieber Moondream,

Ich kann mich in deinem Beitrag in so vielen Punkten wiederfinden! Zwar nicht auf romantischer Ebene, sondern in Bezug auf die Abgrenzung bzw die Frage nach einem ‚normalen‘ Umgang mit anderen Menschen (vor allem mit denen, die mir am Herzen liegen).

Ich kenne das Gefühl sehr gut, dass man dem Anderen wünscht, dass es ihm gut geht, minimale Änderungen im Verhalten oder der Schreibweise registriert und sich demnach Sorgen macht...
Ich weiß auch nicht wirklich, wie ich damit umgehen kann/soll. Leider hab ich es mir in den letzten Jahren anscheinend mit dem/r ein oder anderen verscherzt bzw abgeschreckt mit dieser meiner Art, so dass sie sich von mir abgewendet haben. Und dass ‚nur‘, weil ich einfach nicht weiß, wie ich ein normales Pensum an Kontaktaufnahme oder ‚Gemeinschaft‘ herstellen kann, so dass beide Seiten sich wohl fühlen...

Ich habe mal in den Weiten des Internets einen Satz gelesen: ‚Ich komme mit den Menschen eigentlich ganz gut klar, aber sobald ich jemanden mag, wird es kompliziert!‘... wie man so schön auf Neudeutsch sagt: Story of my life!!

Mittlerweile flüchte ich einfach nur noch, wenn ich merke, dass ich beginne, jemanden zu mögen, weil ich ganz genau weiß, dass es eh nicht klappen würde, einen ‚normalen‘ Umgang geschweigedenn eine Freundschaft aufzubauen.

Dein letzter Satz blieb mir noch im Kopf hängen... du fragst, wie es möglich ist, sich so abzugrenzen, dass einem der besondere Mensch nicht egal wird. Bei mir ist es leider genau andersherum! Ich habe Angst, dass wenn ich mich abgrenze, ich dem anderen egal werde. Daher wähle ich lieber direkt den kompletten Rückzug. Beides tut verdammt weh, aber ich komme emotional nicht damit klar, jemanden, den ich mag und der mich vielleicht auch mag, so zu enttäuschen bzw zu nerven, weil ich dann aufdringlich wirke, so dass er/sie sich von mir abwendet...

Ich weiß, ich konnte jetzt leider keine deiner Fragen beantworten, sorry! Ich wollte dir nur aufzeigen, dass du mit diesen Fragen und dieser Problematik nicht allein bist!!

Ich bin sehr gespannt auf die Antworten der anderen!!

Alles liebe dir erstmal,

Jackie


PS: Je mehr ich mich jedoch in das Thema HSP, Empathie, etc hineinlese, umso mehr lerne ich, diese Seiten an mir nicht zu verteufeln, sondern ich möchte sie versuchen anzunehmen! Manches kann man einfach nicht ändern und ich ertappe mich mittlerweile oft dabei, wie ich denke: Hey, this is me! Das bin einfach ich!! .... hilft leider momentan erst noch nur für kurze Zeit, aber ich arbeite dran, dass sich diese Einsicht vielleicht dauerhaft einnistet ;)
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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Stoffel » Di 9. Jul 2019, 22:33

Ich kann euch beide sehr gut verstehen. Mir ging es auch eine Weile so, aber ich habe irgendwann festgestellt, das es einen großen Unterschied zwischen dem Gefühlschaos gibt.


Es ist sehr schwer auseinander zu halten, ob es Liebe, Zuneigung oder ähnliches ist, wenn man jemand erst kurz kennt. Auch wenn man eine Person schon länger kennt, muß das nichts mit Liebe oder ähnlichem zu tun haben.

Ich habe für mich inzwischen gelernt, daß es keine Liebe oder etwas ähnliches ist, wenn ich das selbe fühle wie eine andere Person. Zusammen die gleichen Gefühle in einem gemeinsamen Moment zu haben ist schön, es verleitet dazu, mehr hinein zu interpretieren, auch wenn es das nicht ist.
Selbst wenn du deinen Seelenzwilling gefunden hast, den du lesen kannst wie ein Buch, weil du in jedem moment fühlen kannst, was diese Person fühlt, heißt das leider nichts. Selbst wenn es der Person genauso geht, heißt das leider nicht, daß es in einer Partnerschaft endet.

Ich hoffe, ich habe euch hiermit jetzt nicht komplett verwirrt. _%_
Wissen macht krank, nix wissen auch, ist aber nicht so stressig
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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Träumerle » Di 9. Jul 2019, 23:10

Hallo Moondream :-)

Erwarte von meiner Antwort bitte nicht allzu viel, ich weiß auch noch nicht so genau, wie sehr ich einen Rat geben kann. icon_winkle

Wie Jackie schon meinte, bist du nicht der Einzige damit. Interessanterweise kenne auch ich dieses Phänomen zwar schon länger, doch so richtig bewusst geworden ist es mir erst neulich. Bei mir kommt es hingegen nicht unbedingt auf die Inhalte der Nachrichten an (die erklären sich von selbst), sondern primär auf die Zeit, in der ich auf eine Antwort warte. Obwohl ich mich selbst generell als einen sehr geduldigen Menschen betrachte, merke ich, dass ich innerlich umso unruhiger werde, je länger sich die erwartete Antwort hinzieht. Gerade dann, wenn das Gegenüber eigentlich Zeit hätte. Wenn dann aber die Antwort kommt, bin ich dafür richtig erleichtert und fühle mich allgemein viel besser als vorher. Dazu muss ich sagen, dass ich meist sehr schnell antworte, viel schneller als die anderen, was natürlich auch etwas Anpassung an diesen für mich vielleicht ungewohnten Antwortsrhythmus verlangt. Bisher war auch jede Pause, bzw. jedes längere Warten auf eine Antwort eigentlich nie die innere Unruhe Wert und immer mit einer verständlichen Begründung einhergegangen, was mir auch ganz wichtig ist. Kurz gesagt scheinen wir beide Gewissheit zu brauchen, da es uns andernfalls verrückt macht. Bei mir kommt vielleicht noch zusätzlich die Tatsache hinzu, dass es sich ausschließlich um Menschen handelt, die ich in diesem Forum kennengelernt habe und mir im Leben außerhalb des Virtuellen richtige Freundschaften und dementsprechend eine Möglichkeit für tiefere Gespräche und emotionale Verhältnisse fehlen. Klar, dass ich sie als meine einzige Anlaufstelle erst recht nicht verlieren will. :-)
Sorgen und Probleme der anderen habe ich da natürlich auch schon mitbekommen, da ging es mir wie dir.

Aber du kannst dich auf jeden Fall glücklich schätzen, sie "wiederentdeckt" zu haben! Da scheint wirklich die Chemie zu stimmen und ich hoffe natürlich, dass ihr euer Verhältnis wie gewünscht halten könnt. :-)
Und du scheinst dich emotional wirklich sehr zu ihr hingezogen fühlen, so etwas erlebt man wirklich nicht alle Tage. Deine Anteilnahme und deine Sorgen verdeutlichen dies nochmal, sodass du in meinen Augen einen guten, treuen Freund abgibst.
Vielleicht empfindet sie deine Aufdringlichkeit, sie alle paar Tage nach ihrem Wohlergehen zu fragen, ja auch ganz anders? Nämlich zum Beispiel als eine aufmerksame und sympathische Geste. Die Wahrnehmung kann von Mensch zu Mensch ja variieren, sodass es da kein Richtig oder Falsch gibt. Du meintest ja außerdem, dass sie eine vielbeschäftigte Person ist, was schon teilweise des Rätsels Lösung sein könnte. In stressigen Situationen - und es gibt ja auch positiven Stress - muss eben leider etwas oder jemand den Kürzeren ziehen, einfach aus Zeitgründen. Was aber nicht heißt, dass man die Person nicht mehr mag, einfach keine Zeit findet, sich mal zu melden. Es ist doch auch viel schöner, sich dafür in Ruhe hinzusetzen, als einen oder zwei oberflächliche Sätze ins Handy zu hauen, während man zwischen diversen Terminen steckt. Eine negative Stimmung kann sich dann auch mal auf die Nachrichten, die man schreibt, übertragen, was ich selbst immer wieder bei mir feststelle. Aber so oft ist diese am nächsten Tag wieder beseitigt und die eigene Nachricht wirkt dann seltsam.

Du kannst es ja schon mal probieren, sie öfter zu fragen, wie es ihr geht - wenn sie sich davon bedrängt fühlt, wird sie es dir schon sagen. Darüber hinaus könntet ihr vereinbaren, dass sie sich, wenn es ihr nicht gut geht, an dich wendet. Solange sie dir also nichts von ihren Problemen erzählt, weißt du, dass sie keine hat. Natürlich würdest du dich selbst erst recht verrückt machen, wenn du weißt, dass sie etwas bedrückt, aber es ist ja nicht gesagt, dass es in der nächsten Zeit überhaupt dazu kommen wird. Wie bereits angedeutet, ist es einfach eine Sache des Gewissens und genau darüber in Kenntnis zu sein, beruhigt, mich jedenfalls. Spekulationen und Vermutungen sind in diesem Fall eher kontraproduktiv. Wenn du ihr außerdem von dem berichtest, was bei dir momentan so los ist, wird sie daraufhin möglicherweise auch erzählen, was bei ihr gerade so ansteht, und wenn nicht: Fragen kostet nichts.
Versuche, davon auszugehen, dass es ihr grundsätzlich gut geht, eben optimistischer in dem Punkt zu werden. Dass sie viel um die Ohren hat, ist automatisch nichts Schlimmes und je nach Mentalität mag sie damit ja auch sehr gut umgehen können (gibt ja Menschen, die den Trubel sogar brauchen). Wer weiß, vielleicht empfindest du tagtäglich die Last ihrer angeblichen Sorgen, während sie ein total glückliches Leben lebt? :-)
Letzten Endes kannst du es am besten einschätzen, da du sie kennst, und somit bist du viel besser über ihr Leben informiert als wir alle zusammen.

Schöne Sache, eure Freundschaft! Passt beide gut darauf auf. _yessa_

Liebe Grüße,
Träumerle
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
_____________
(Ich bin männlich...)
Träumerle
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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Moondream » Fr 12. Jul 2019, 12:20

Erst einmal Danke für eure Antworten. In finde in allen davon Verständnis, Anregungen und Ideen, wie ich damit vilelicht besser umgehen kann. Ich denke, das ich sicher noch einigge Zeit brauche um alles in die richtigen Bahnen zu lenken (ohne dabei etwas unabsichtlich kaputtzumachen, hoffe ich). Ich denke, ich werde dazu ab und an hier noch etwas psoten, und euch vielleicht auch wieder nach eurer Meinung/Rat fragen.

Hier vielleicht schon mal ein paar kleine Dinge zum Thema:
Im Moment ist die Sache für mich eigentlich recht entspannt, da ich ihr letzte Woche etwas ausfühlricher geschrieben und auch meine Beweggründe und Bedenken erklärt habe. Ihre, wie immer recht kompakte, aber auch klare Antwort hat mich dann doch ein ganzes Stück weit beruhigt.
Aber da das Ganze eher ein ständiges auf- und ab ist, befürchte ich das das nicht wirklich von Dauer ist, und genau deswegen habe ich den Thread hier auch in einer eher entspannten Phase aufgemacht. Dann kann ich einfach klarer und differenzierterer darüber nachdenken, mich klarer ausdrücken und das Ganze auch sinnvoll reflektieren. In einer 'Panikphase' (?) geht das alles eher nicht so.

Jackie hat geschrieben:Ich habe mal in den Weiten des Internets einen Satz gelesen: ‚Ich komme mit den Menschen eigentlich ganz gut klar, aber sobald ich jemanden mag, wird es kompliziert!‘... wie man so schön auf Neudeutsch sagt: Story of my life!!

Ich glaube das drückt es ziemlich gut aus. Ich komme eigentlich mit allem Menschen gut aus und die meisten würden mich wohl als jemanden beschreiben der immer nett im Umgang ist, immer auf der vermittelnden Ebene unterwegs ist, emotional aber meist neutral und selten gefühlsbetont oder tiefgründig ist. Letztendlich ist das aber (zumindest zum Teil) eine gut gespielte und lebenslang geübte Rolle, von der ich nur schwer wieder runterkomme.
Wenn ich aber erst einmal (auf emotionaler Ebene) Vertrauen zu jemandem gefaßt habe, dann packt es mich ziemlich heftig und ich möchte mit diesem Menschen dann über so viel Dinge austauschen, ihm so vieles über mich erzählen und im Gegenzug auch von ihm viel erfahren. Und dann kann es sehr leicht passieren, das ich denjenignen vielleicht einfach, ohne böse Absicht, überrenne und ihm soviel Aufmerksamkeit zukommen lasse das die Gefahr besteht ihn damit zu erdrücken.
Mir wurde da auch schon öfter vorgeworfen ich sei egoistisch, anscheinend erweckt mein Verhalten da ab und an den Eindruck ich möcht diesem Menschen vielleicht für mich vereinnahmen oder ihn 'besitzen'. Aber eigentlich ist es genau andersrum. Ich möcht einfach gern meine Gedanken, Gefühle und Ideen mit diesem Menschen teilen, manchmal nur vielelicht zu intensiv. Und ich möchte das dieser Mensch rundum glücklich ist und es ihm gut geht. Denn daraus schöpfe ich selber meine Kraft, vlelleicht kann man darin einen gewissen Egoismus sehen? Ich weiß nicht.
Ich erlebe immer wieder Menschen, die scheinen ihre Kraft eher daraus zu schöpfen, das es anderen schlechter geht oder sie andere Menschen manipulieren oder beherrschen können. Das kann ich nicht und will es auch nicht. Ich kann mich nur wohlfühlen, wenn es den Menschen um mich herum gut geht. Vielleicht will ich das nur manchmal zu sehr?

Stoffel hat geschrieben:Es ist sehr schwer auseinander zu halten, ob es Liebe, Zuneigung oder ähnliches ist, wenn man jemand erst kurz kennt. Auch wenn man eine Person schon länger kennt, muß das nichts mit Liebe oder ähnlichem zu tun haben.

Das ist richtig, das kann man erst mit einer gewissen Sicherheit sagen, wenn man denjenigen wirklich sehr, sehr gut kennt. Mit letzter Sicherheit vielleicht auch nie. Und davon bin ich in diesem Fall sehr weit entfernt.
Ja - ich war vor 37 Jahren tatsächlich sehr verliebt (leider auch unglaublich schüchtern und verklemmt icon_winkle) und von dem Gefühl ist immer noch etwas da. Aber wir sind beide nicht mehr dieselben Menschen, haben uns weiterentwickelt. Das macht es nicht unbedingt einfacher, und deswegen weiß ich auch nicht genau, wie ich diese Gefühle genau einordnen kann, würde einfach mal sagen es ist eine intensive freundschaftliche Zuneigung. Wie intensiv (und von beiden Seiten belastbar) muss wohl die Zeit zeigen.

Träumerle hat geschrieben:Vielleicht empfindet sie deine Aufdringlichkeit, sie alle paar Tage nach ihrem Wohlergehen zu fragen, ja auch ganz anders? Nämlich zum Beispiel als eine aufmerksame und sympathische Geste. Die Wahrnehmung kann von Mensch zu Mensch ja variieren, sodass es da kein Richtig oder Falsch gibt. Du meintest ja außerdem, dass sie eine vielbeschäftigte Person ist, was schon teilweise des Rätsels Lösung sein könnte. In stressigen Situationen - und es gibt ja auch positiven Stress - muss eben leider etwas oder jemand den Kürzeren ziehen, einfach aus Zeitgründen. Was aber nicht heißt, dass man die Person nicht mehr mag, einfach keine Zeit findet, sich mal zu melden.

Da hst du wohl recht. Das Problem ist, das das Gefühl nicht immer auf den Verstand hört. Manchmal ist das sogar gut, kann aber leider auch Probleme bereiten. Kommt auf die Situation an.

Träumerle hat geschrieben:Aber du kannst dich auf jeden Fall glücklich schätzen, sie "wiederentdeckt" zu haben! Da scheint wirklich die Chemie zu stimmen und ich hoffe natürlich, dass ihr euer Verhältnis wie gewünscht halten könnt. :-)
Und du scheinst dich emotional wirklich sehr zu ihr hingezogen fühlen, so etwas erlebt man wirklich nicht alle Tage. Deine Anteilnahme und deine Sorgen verdeutlichen dies nochmal, sodass du in meinen Augen einen guten, treuen Freund abgibst.


Ja, definitiv. Aber gleichzeitig bin ich immer noch traurig, das ich vor 37 Jahren zu feige war, ihr meine Gefühle zu gestehen. Ich wäre immer gern mehr gewesen als ein Freund. Aber das ist mittlerweile wohl leider nicht mehr möglich. Das 'guter Freund sein' wohl aber schon. Und das ist schon mehr als ich jetzt noch zu hoffen gewagt hätte.

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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Kallisto » Di 16. Jul 2019, 23:09

Hallo Moondream,
brauchst du das Gefühl, gebraucht zu werden? Fällt es dir schwer, loszulassen? In vielem was du schreibst kann ich mich wiederfinden. Bei mir war das teilweise extrem,
dass ich sofort die Probleme anderer zu meinen eigenen gemacht habe wenn ich meinte bei anderen welche wahrzunehmen und sie für den anderen lösen wollte.
Mittlerweile gelingt es mir immer öfter, bei mir zu bleiben, auch wenn ich „leide“ wenn ich sehe, dass jemand größere Probleme hat. Aber das ist ein Prozess, bei dem mir eine Therapeutin
hilft und sehr viel Arbeit an mir selbst. Ich bin „beziehungssüchtig“ (selbst diagnostiziert) und tue alles für jemanden den ich liebe. Ich leite mein Selbstwertgefühl daraus ab dass andere mich brauchen.
Das kann zu selbstzerstörerischen Verhaltensweisen führen. Vielleicht kannst du ja damit was anfangen. Thema zwanghaftes Grübeln über das Wohlergehen anderer.
Wie sehr achtest du auf dein Wohlergehen? Diese Eigenschaft gilt es zu integrieren.
Liebe Grüße
Kallisto
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Re: Freundschaftliche Zuneigung, Abgrenzung und der Umgang d

Beitragvon Moondream » Mi 17. Jul 2019, 12:44

Hallo Kallisto,

was du da sagst und offenbar auch selbst erlebt hast ... ist ein interessanter Ansatz. Danke.

'Beziehungsüchtig', ja, vielleicht. Hab dazu mal ein bisschen gelesen und ja, das würde einiges bei mir erklären. Nicht alles, aber doch einen großen Teil.

Im Grunde habe ich es für mich selbst immer als eine Art 'Harmoniesucht' definiert.

Kallisto hat geschrieben:brauchst du das Gefühl, gebraucht zu werden? Fällt es dir schwer, loszulassen?

Im Grunde schon. Wobei ich es selbst etwas anders empfinde. Ich brauche das Gefühl von dem anderen gemocht/geliebt zu werden. Und gleichzeitig, das der andere sich in meiner Gegenwart besonders, aber auch generell, wohlfühlt und glücklich ist. Denn das wiederum macht mich dann glücklich.
Aber irgendwie kann ich da nie genug bekommen, womit ich dann wieder bei der möglichen (Beziehungs-/Harmonie-) Sucht lande.

Und das alles ist für mich oft so enorm widersprüchlich.

Manchmal bin ich durchaus auch gern allein, habe mein Ruhe und kann mich allein meinen Gedanken und Ideen widmen. Dann aber wieder fühle ich mich irgendwann auch wieder sehr einsam und sehne mich sehr stark Nähe und Harmonie. Es ist irgendwie ein ständiges hin und her, bei dem ich richtigen Mittelweg (auf emotionaler Ebene) nicht wirklich finde.

Desweiteren bin ich seit Jahren glücklich verheiratet. Und ich meine damit, für meine Verhältnisse, wirklich, wirklich, glücklich. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, daß das irgendwie nicht ausreichend ist, daß da noch mehr sein könnte. Etwas das mich noch glücklicher macht. Und da sind dann immer wieder, ich würde sie als polyamouröse Fantasien bezeichnen. Ich träume da immer wieder (und eigentlich schon seit meiner Jugend) von sinnerfüllten, multiplen Beziehungen. Ich weiß nicht ob das vielelicht unterbewußt ein Ausdruck für den Wunsch ist, dort 'Redundanzen' zu haben. Praktisch eine Art Sicherheitsnetz, das mich auffängt, wenn eine der (Teil-) Beziehungen temporär oder dauernd wegfällt. Ich weiß es nicht, aber diese Interpretation kam mir schon ab und zu in den Sinn.
Denn - auf der anderen Seite - habe ich gleichzeitig wahnsinnige Angst davor Fehler zu begehen, die meine Frau in irgendeiner Form verletzen oder von mir entfernen würden. Eine sehr starke Verlustangst.
Und vielleicht noch eine weitere Sache dazu. Ich selbst habe nie von mir aus die Beziehung zu einer Frau beendet. Es waren immer die Frauen die sich von mir getrennt haben. Ich habe mich eigentlich immer an die Beziehung geklammert, auch wenn es eigentlich keinen Sinn mehr gemacht hat.

Und in dieser Situation bin ich halt auch wieder auf meine Schulfreundin gestoßen, die ich schon immer sehr anziehend fand. Sowohl menschlich als auch als Mädchen und später als Frau. (Sie steckt eigentlich schon seit meinem 14. Lebensjahr in meinem Kopf, so ungefähr zumindest...) Und immer noch finde. Und da sehne ich mich durchaus nach einer, wie auch immer gearteten, Beziehung mit ihr. Jetzt nicht zwingend in sexueller oder romantischer Hinsicht, auch wenn das zumindest in meiner Fantasie durchaus ein Rolle gespielt hat und immer noch spielt. Aber eben nur eine durchaus verzichtbare Nebenrolle.
Und ich habe das Gefühl, eine freundschaftliche Beziehung zu Ihr könnte mir gut tun. Ihr vielelicht auch, wobei ich das wohl nicht wirklich beurteilen kann. Ich möchte aber auch nichts kaputtmachen, weder in meiner noch in ihrer Ehe. Vielleicht mache ich mir da aber auch schon wieder zu viele Sorgen, die vielleicht unbegründet sind.

So gesehen macht Beziehungssucht, zmindest als 'Teildiagnose' schon irgendwie Sinn.

LG
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