Gedankenchaos ohne Ende

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Lamaze » Mo 1. Jul 2013, 06:04

...so, nun ist es schon fast 6 Uhr morgens und ich habe kaum geschlafen. Körperlich bin ich total müde und ausgelaugt, aber schlafen kann ich nicht, weil mich soviel aufwühlt. Anfang Juni habe ich mich ja hier im Forum angemeldet...als ich begann, das Buch "zart besaitet" zu lesen... Seit Juni bin ich ja krank geschrieben, weil ich einfach fix und alle war.

Man müsste meinen, ich hätte mich erholt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Seit ich meiner Hochsensibilität bewusst bin, kreisen und arbeiten meine Gedanken noch mehr. Klar, einerseits froh, nicht krank zu sein...andererseits habe ich festgestellt, dass ich alle ungünstigen Situationen für einen Hsp und dessen Lebensumstände mitgenommen habe. Angefangen von ständiger Krankheit als Kind..... ständige Konflikte mit meiner mom...die mich überbehütet hat...der Verlust meines ersten Kindes...eine Mobbinggeschichte am Arbeitsplatz...eine krankheitsanfällige Phase nach der Sanierung des Gebäudekomplexes meiner Arbeit...eine belastende Beziehung...oder deutlicher ausgedrückt eine Dreiecksbeziehung...meine zweite Schwangerschaft mit der Angst um mein Kind...die ständigen Selbstzweifel bei meinem Kind alles richtig zu machen...mein nicht "nein" sagen können...das ständige falsch verstanden werden...mein ständiger Wunsch so sein zu müssen, wie meine Eltern es wollen, damit sie nicht auch noch diesen Kummer haben, dass mein Leben nicht so ist, wie es ihren Vorstellungen entspricht... na ja, könnte unzählige Dinge aufzählen. Jedenfalls die Tatsache, das HSP anders sind, und dass es noch mehr Menschen gibt wie mich, tut schon gut.

Allerdings grüble ich, wie ich es anpacke, mein Leben zu richten und in Ordnung zu bringen. Zu viele Baustellen...zu viele Dinge zu klären..die Angst vor der Arbeit...die quälenden Gedanken über die Vergangenheit...

Seit meiner Arbeitsunfähigkeit anfang juni bin ich jetzt an einem Punkt, wo ich im totalen Gedankenchaos festsitze. Die Angst vor meiner Abteilungsleiterin lähmt mich. Aus Vergangenheit hat sie mir definitv ein großes Trauma verpasst. Ich sehe ihren verständnislosen, kleinmachenden Blick förmlich vor mir...und der Gedanke daran reicht um zu wissen, das stehe ich gerade nicht durch. Und die Gewissheit, dass ich Rechtfertigung wie vor Gericht erbringen muss, warum ich so lange krank war macht mich noch mehr krank. Ich bin nicht mal in der Lage auf Arbeit anzurufen, sondern melde mich per mail krank und schicke den Krankenschein rein. Ich weiß, es gehört sich nicht. Aber beim Gedanken anzurufen wird mir so übel und schlecht, weil ich weiß, die halten mich alle für "lebensunfähig"..."Sie sind 33 Jahre alt...so langsam müssen sie aber ihr Leben mal auf die Reihe bekommen...", aber nein, sie hat es wieder nicht geschafft. "Wer weiß, was bei der ihrem Privatleben wieder nicht ok ist...!" Und es stimmt, alles ist nicht ok...und ich bin kraftlos.

Ich brauche einen Weg aus dem Gedankenlabyrinth... aber wo soll ichs anpacken? Begleitet von der permanenten Angst, in der Kindererziehung alles falsch zu machen... und belastet von dem Kindsvater, der mir mit seiner Falschheit und Oberflächlichkeit im Nacken sitzt.

Meine ganze Vergangenheit hat mich nun eingeholt und liegt vor mir wie eine große Portion einens 5 Gänge Menüs, welches ich restlos zu mir nehmen soll. Ich fühle mich blockiert und noch viel arbeitsunfähiger, als vor 4 Wochen. Was soll ich meinem Arzt sagen? Wie und wo finde ich Hilfe? Wie finde ich endlich die Jahrelang gesuchte Ruhe und was kann ich tun, dass die Menschen nicht mehr so schlecht von mir denken...

Ich glaube auch, ich habe bereits sowas wie eine Sozialphobie entwickelt...und mich begleiten ständig ein schlechtes Gewissen meiner Arbeit gegenüber...und eine Angst bedroht mich...deren Ausmaß ich nicht einzuschätzen weiß, Das macht mich alles verrückt...im wahrsten Sinne des Wortes.

Ich habe aber keine Kraft mehr, mich ständig rechtfertigen zu müssen...

smecht
Lamaze
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Lamaze » Mo 1. Jul 2013, 07:14

So habe ich das eben abgeschickt... Ich weiß, es ist eigentlich viel zu unpersönlich...aber ich weiß auch, dass egal was ich tue,das Verhältnis sowieso nicht besser werden kann, so lange ich Defizite in meiner Leistungsfähigkeit habe...


Sehr geehrte/r xxxxxx,

hiermit infomiere ich Sie auf diesem Wege, dass ich noch nicht gesund geschrieben bin.
Ich werde Ihnen meine Folgebescheinigung des Krankenscheines fristgerecht zukommen lassen.
Über den Verlauf meines Krankheitsbildes werde ich Sie in Kenntnis setzen, wenn ich diese Woche meinen Termin bei der Neurologin wahrgenommen habe.

Ich bedanke mich für Ihr Verständnis,

mit freundlichen Grüßen,
*Arbeitnehmerin*
Lamaze
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon kikilino » Mo 1. Jul 2013, 09:13

Hallo Lamaze,

ich lese Deinen Text und es fällt mir gravierend etwas auf, das ich Dir jetzt einfach mal offen sage: es beginnt mit dem, was Deine Eltern sich wünschen (wie Du bist, welchen Lebensweg Du gehst), dann kommt Deine Chefin und vielleicht die Kollegen wie sie Dich sehen und ob Du ihre Anforderungen erfüllst, danach kommt das Gericht von dem Du die Befürchtung hast es würde Dich nicht verstehen und Dir ebenfalls Vorhaltungen machen.

Was möchtest Du für Dein Leben? Wie siehst Du Dich? Wie möchtest Du denn sein dürfen um Dich wohl fühlen zu können?
Was liebst Du an Dir? Ich bin mir sicher, es gibt eine Menge was sehr liebenswert an Dir ist. Was magst Du an Dir nicht so? Sind das wirklich Dinge, die so schlimm sind? Sind es Dinge, die momentan verursacht werden durch Dein Unwohlsein?

Ein Posting ist nur ein minimalster Teil eines Selbst, aber in diesem posting von Dir beschreibst Du nur die von Dir vermutete Sicht anderer auf Dich?

Zu der Jobgeschichte kann ich nur von mir erzählen, ich weiß nicht ob Dir das hilft. Es ging mir im letzten Jahr auch sehr oft schlecht. Ich bin perfektionistisch veranlagt und habe von meinem Elternhaus mitbekommen, dass man sich nicht 'anstellen' soll. Also habe ich die Erwartung an mich gehabt, mich möglichst schnell wieder gut zu fühlen um alles zu schaffen was ich tun muss. Je mehr ich aber dieser Vorstellung verhaftet war um so mehr hilt mich das von meinem Genesungsprozess auf. Irgendwann habe ich erkannt, dass es keinen Sinn macht Dinge von mir zu fordern die mir unmöglich sind nur weil andere das könnten. Ich habe mir gesagt, dass es ok ist, wenn es mir schlecht geht. Ich habe mir gesagt, dass ich das Recht habe mich schlecht zu fühlen weil die Dinge die passiert sind für einen gefühlstiefen Menschen eben nicht einfach beiseite zu schieben sind. Nur weil viele Menschen es nicht als tragisch empfinden würden muss ich mein Empfinden nicht negieren oder negativ beurteilen...schließlich verschwindet es dadurch nicht einfach. 647&/ Als ich angefangen habe anzunehmen was gerade 'da' ist, mich so anzunehmen wie ich in diesem Moment gerade bin da ging es mir besser weil ich nicht mehr gegen das unabänderliche angekämpft habe. Ein komischer Vergleich, aber man kann besser gegen Trauer (und ähnliches) ankämpfen wenn man es annimmt und anfängt es durch sich hindurch fliessen zu lassen. Das andere Ankämpfen hat die schlimmen Gefühle nur noch fester an mich gebunden und ihren Weg von mir weg nur aufgehalten. Zu alledem gehörte natürlich auch eine positive Sicht, die Gewissheit, dass ich mich irgendwann befreien kann, dass die Zukunft schönes bringen wird, ein bewußtes Geniessen wann immer es mir möglich war (am Anfang eben in kurzen Momenten von 'kleinen' Dingen).

Ich wünsche Dir alles Gute und den für Dich richtigen Weg! _knüddel_
kikilino
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Nordlicht100 » Mo 1. Jul 2013, 19:59

Hallo Lamaze,

habe soeben Deinen Beitrag gelesen und kann einige der Dinge, die Dich bewegen sehr gut nachvollziehen. Ich hatte im letzten Jahr das, was man inzwischen als Burnout-Syndrom bezeichnet bzw. medizinisch eine Erschöpfungsdepression und Deine Schilderung erinnert mich sehr an meine Situation im letzten Jahr. Es ist alles zu viel und mit einem Mal kommen alle möglichen Gedanken aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche... _nüxweiss_

Ich habe die Situation für mich mit meinem Hausarzt, einer Beratung durch die Krankenkasse sowie ein professionelles Coaching (über meinen Arbeitgeber) weitestgehend klären können und in dieser Zeit auf festgestellt, dass ich hochsensibel bin. Seit diesem Jahr bin ich bei einem Psychologen in Behandlung, der auf HSP spezialisiert ist.

Um es kurz zu sagen: Ich rate Dir dazu eine professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen um erstens Deine Gedanken zur Ruhe zu bringen und zweitens gezielt die Themen zu bearbeiten, die in Deinem Kopf rotieren.

Ich bilde mir wie gesagt ein, dass ich einige Dinge nachvollziehen kann und wünsche Dir alles Gute für Deinen Weg U72(

Lieben Gruß
Nordlicht100
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Auch der weiteste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. (Konfuzius)
Nordlicht100
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Registriert: Sa 8. Jun 2013, 20:36
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Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Lamaze » Di 2. Jul 2013, 00:40

Ich danke erstmal für die Antworten, und ich werde natürlich noch näher darauf eingehen. Da ich das aber nicht in der Schnelle kann, weil es da nur oberflächlich werden würde, werde ich mir morgen in Ruhe die Zeit dafür nehmen... denn ich habe da noch ein paar Fragen dazu.

Allerdings habe ich hier erstmal ganz grob so meine ganzen Jahre, die mich geprägt haben, aufgeschrieben...ursprünglich waren es Notitzen wegen dem Umgangsrecht von meiner Tochter ihrem Vater... Allerdings fallen mir gerade noch ein paar Dinge ein, die schicksalhaft in meiner Erinnerung von damals stecken, die im folgenden Text noch nicht erwähnt sind...

Sorry, der Text ist übrigens auch sehr lang...und trotzdem nur eine Kurzfassung...



"Umgangsrecht von Herrn Mustermann zu unserer Tochter Mustermädchen *9. Mai 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte vorab mitteilen, dass ich im Nachgang die ganze Angelegenheit zwischen Herrn Mustermann und mir aufführen werde, damit man sich ein Bild von der Situation machen kann.

Ich lernte Herrn Mustermann im Jahr 2002 kennen. Er wurde als Bauingenieur bei meiner Arbeitsstelle – wo ich bereits seit 1997 tätig bin – eingestellt. Schnell stellten wir eine große Symphatie zueinander fest, und seit März 2003 trafen wir uns regelmäßig, fuhren gemeinsam in den Urlaub. Herr Mustermann war viel durch seinen Fußballverein unterwegs, sagte er zumindest mir damals. Das war nur die halbe Wahrheit.

Tatsächlich hatte er eine Lebensgefährtin, mit der er zusammenlebte. Die beiden haben auch eine gemeinsame Tochter zusammen. Kind A., geboren im März 2000. Davor war Herr Mustermann verheiratet, diese Ehe wurde geschieden, und aus dieser ersten Ehe hat er zwei Kinder, Kind Junge C. geboren 1990 und Kind Mädchen B. geboren 1987.

Jedenfalls hatten Herr Mustermann und ich seit März 2003 eine Beziehung. Und er hatte auch eine Lebenspartnerschaft parallel dazu. Dies habe ich später erst mitbekommen. Als ich ihn kennenlernte, habe ich auch nicht nach so was gefragt, denn man kann ja davon ausgehen, wenn man sich mit jemandem verabredet, dass dieser frei für eine Beziehung ist.

Bevor ich Herrn Mustermann kennenlernte, wohnte ich in Andersstadt, war verlobt, und hatte mir mit meinem damaligen Partner ein halbes Haus ausgebaut, wo sämtliche meiner Ersparnisse hineingeflossen sind. Anfangs war die Beziehung ganz gut, bis mein damaliger Partner immer öfter eifersüchtig und wütend auf sämtliche Dinge reagiert hat. Er hat mich dann permanent unter Druck gesetzt und wurde auch handgreiflich. Mir wurde dabei auch einmal ein Finger gebrochen. Als es dann mit Schlägen häufiger wurde, beendete ich sehr schnell die Beziehung, löste die Verlobung sozusagen auf, und zog nach Aktuellstadt, wo ich sowieso meine Arbeitsstelle hatte. Zu diesem Zeitpunkt war ich 22 Jahre alt. Ich schreibe diese Vorgeschichte dazu, damit man vielleicht ansatzweise ein wenig verstehen kann, warum ich später im Leben auf gewisse Art und Weise gehandelt habe. Diese schlechte Erfahrung aus meiner ersten Beziehung haben mich geprägt, und ich wollte nie wieder so schlecht behandelt werden.

In dieser ersten Beziehung haben wir uns verlobt und ein halbes Haus gebaut....alles nach den Vorstellungen meiner „Ex-Schwiegereltern“... Damals hatte ich einen Autounfall mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Als Folgeschäden ist Migräne geblieben, da ich mich nicht an die Bettruhe gehalten habe, weil ich mich verantwortlich gefühlt habe, den Erwartungen meiner Schwiegereltern zu entsprechen...und das sah so aus, dass immer alles perfekt geputzt sein muss. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, wenn ich nur faul auf dem Sofa rumliege. Aber nun ja, als dann Grenzen in dieser Beziehung überschritten wurden...machte ich den Cut.

Herr Mustermann war sozg. ganz anders, sehr charmant und hat mich „auf Händen getragen“. Ich war sehr verliebt und war glücklich. Für mich war es so, dass ich „meinen Mann“ gefunden hatte. Mir ist bewusst, dass das sehr kindlich und naiv klingt. Allerdings habe ich es damals so gesehen und empfunden. Ich wusste es zu diesem Zeitpunkt nicht besser.

Irgendwann kam natürlich heraus, dass Herr Mustermann eine Lebenspartnerschaft hat. Er meinte dann, er wäre mit ihr nur wegen der gemeinsamen Tochter noch zusammen, und er brauche nur etwas Zeit, um sich aus dieser Partnerschaft zu lösen. Gefühle hätte er nur für mich. Für mich war es zwar schwer, dies zu verstehen, aber ich nahm erst einmal Rücksicht auf seine Befindlichkeiten und habe gedacht, die Zeit wird es schon richten. Dazu kam meine negative Erfahrung aus meiner vorangegangenen Beziehung, welche mit schlechtem Umgangston und körperlicher Gewalt einherging. Im Vergleich dazu hat mir Herr Mustermann ein sehr gutes Gefühl gegeben, mich verstanden und geborgen zu fühlen. Tatsächlich war ich nichts anderes als einer typische Frau, die in eine Geliebtenposition gerutscht war. Wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt, weiß man, dass viele Frauen in solche Art von Bindungen rutschen, unabhängig von Intelligenzquotienten, den man hat. Ich möchte es damit nicht „schönreden“, sondern will damit sagen, es ist halt so gewesen, und ich hatte keine Kraft, mich aus dieser Bindung zu lösen. Ich habe es mehrmals versucht. Nicht förderlich war dazu, dass wir in der gleichen Institution arbeiten. Irgendwie hat Herr Mustermann es geschafft, dass ich immer die Fehler bei mir gesucht habe, bzw. nagte diese Beziehung Stück für Stück an meinem Selbstwertgefühl. Für mich gab es nur noch ihn, und ich richtete mein ganzes Leben nach ihm aus. Auch war vorrangig für mich die Zeit mit ihm zu verbringen, statt auf meine Arbeitszeit zu achten. Ich richtete mich immer nach seinen Befindlichkeiten. Schnell brachte mir das Ärger auf Arbeit. Dazu kam, dass ich arbeitsmäßig auf einer Stelle saß, bei der ich Massen an Rechnungen abzuarbeiten hatte, allerdings ohne geistigen Anspruch, den ich nun mal brauche. Geistige Unterforderung hat auch irgendwann seine Folgen. Auf Arbeit rutschte ich dann in eine Mobbinggeschichte hinein…teilweise auch wegen der Beziehung zu Herrn Mustermann. Und weil unser Bürokomplex saniert wurde...ich auf Formaldehyd reagierte und nur noch Migräne hatte, mir die Luft fast immer wegblieb. Zwar haben ich versucht, dies auf Arbeit zu verbergen, aber man kann sich vorstellen, dass dies nicht funktionierte. Für mich war Herr Mustermann der einzige Halt, den ich hatte. Und ich wurde krank...wegen dem sanierten Gebäude...und wegen dem seelischen Leid, weil mein Herz an Herrn Mustermann hing. Im Jahr 2005 brach Herr Mustermann für 4 Monate die „Beziehung“ zu mir von heute auf morgen ab, und war eiskalt zu mir. Ich verstand die Welt nicht mehr...wie es sein konnte. Es fühlte sich an wie sterben.

Natürlich habe ich auch Eltern und eine Schwester. Das war auch eine Baustelle in meinem Leben. Meine Mutti hatte zeitlebens Depressionen und Stimmungsschwankungen. Es war nie leicht damit umzugehen. Meine Mutti hatte mit 11 ein traumatisches Erlebnis, dass ihr 18-jähriger Bruder sich aus Liebeskummer umgebracht hat. Nun war es so, dass meine 6 Jahre ältere Schwester im Alter von 20 Jahren an Magersucht erkrankte. Dies ist bis heute so. Meine Schwester ist trotzdem verheiratet und hat zwei Kinder. Die Ehe ist schwierig, und meine Schwester und meine Eltern wohnen räumlich sehr nah zusammen. Irgendwie gab es immer nur Ärger und Probleme mit meiner Schwester und meiner Mutti. Das artete regelrecht im Familienkrieg aus. Meiner Schwester ihr Mann hat dann den Kindern den Umgang zu Oma und Opa untersagt, woran meine Mutti fast zerbrochen wäre. Das ging alles über Jahre. Habe immer viel mit meiner Mutti telefoniert, und es ging immer um meine Schwester, um meiner Schwester ihre Kinder… natürlich hörte ich zu und machte mir permanent Gedanken, wie ich helfen könnte. Meine Mutti wurde darüber noch depressiver. Manchmal sagte sie am Telefon, das beste ist, sie und Vati würden sich umbringen, dann ist endlich Ruhe. Da in meiner Familie mütterlicherseits das Thema Selbstmord ja bereits einmal eine Rolle spielte, habe ich diese Aussage von meiner Mutti sehr ernst genommen, und hatte Angst, es könnte tatsächlich passieren. Selbst war ich sehr zeitig ausgezogen, da ich „frei“ sein wollte. Da ich als Kind immer sehr krank war (Pseudokrupp... mit 13 einen Knochentumor...wo ich erst mit 16 wieder ohne Gestell und ohne Krücken laufen konnte...) Zum Thema Knochentumor kann ich nur sagen, mir fehlte dadurch die 7.Klasse. Auf Grund meiner Noten gingen die Lehrer auf den Versuch ein, mich trotzdem zu versetzen. Ich bin von Klasse 6 in Klasse 8. Trotzdem hatte ich wieder die besten Noten und die Lehrer haben mir keinen Gefallen getan, indem sie sagten: „Schaut euch mal Lamaze an, sie war so lange nicht da...und kann das alles trotzdem so gut...!“ Dies hat mir die Hölle in der Schule bereitet..... Die anderen haben mich gehasst.

Kann mich auch erinnern, dass ich mit 14 mich von meinen Eltern total unverstanden gefühlt habe, es immer Streit gab...und ich auch schon Phasen hatte, wo ich mir die Pulsadern aufschneiden wollte. Dies habe ich damals einem Brieffreund geschrieben...dass ich das versucht habe, weil ich meine Eltern nicht mehr so aushalten könne...

Wenn ich mit 14 mal bei einer Freundin übernachten wollte, was ja eigentlich normal für Mädchen ist, sog. Pyjamapartys, durfte ich es ganz selten nur. Und mit meiner mom ihrer Art hat sie mir so einen Druck gemacht, dass ich zwar bei der Freundin übernachtet habe, ich es aber nicht genießen konnte, weil meine Mom mir ein schlechtes Gewissen auferlegt hat.
Bei uns durfte nie jemand mit übernachten. Meine Mom hielt nicht viel von Freundschaften, was bis heute so ist... Deshalb habe ich diese Lebensbereiche immer von ihr ferngehalten, ehe ich mir ständig Vorhaltungen anhören muss. Allerdings entsteht dadurch für sie das Gefühl, ich lasse sie nicht an meinem Leben teilhaben. Aber warum, wenn sie eh nicht versteht, was für mich wichtig ist...und es abgewertet wird. Meine Tochter wird alle ihre Freundinnen immer mitbringen dürfen...dann werde ich sogar für die Mädels kochen...damit ich auch ein wenig etwas über die Gefühlswelt meines Kindes mitbekomme. Das schlimme ist, dass Herr Mustermann behauptet, ich würde mit unserer Tochter das gleiche machen, wie meine mom mit mir. Ich finde, dass stimmt nicht. Und er kann es gar nicht beurteilen.

Also glaubte ich, ich müsse stark für meine Familie sein, und wollte nicht zusätzlich noch eine Belastung sein…oder erzählen, wie es mir eigentlich geht, aus Angst, meine Mutti würde jegliche zusätzliche Belastung nicht überstehen. Denn von mir war meine Familie auch immer nur das Beste gewohnt. Abschlüsse mit Notendurchschnitt 1, …ohne das sie mich hätten zum Lernen animieren müssen…..und auch so war ich der kleine Schlaukopf, der ja garantiert alles besser als die große Schwester macht, da ich ja ein abschreckendes Beispiel vor Augen habe.

Aus meiner Angst heraus meine Eltern zu verlieren, sagte ich immer, bei mir ist alles in bester Ordnung. Und ich habe eine glückliche Beziehung mit Herrn Mustermann. Bei Familiengeburtstagen konnte er halt selten mit, da er im Fußballverein sehr eingespannt war. Das musste meine Familie verstehen. Und ich war mir sicher, dass er und ich irgendwann sowieso richtig zusammen sein werden. Tatsächlich wurde mir aber mein eigenes Leben immer mehr zu Belastung. Und ich hatte keinen richtigen Halt, dafür permanenten Druck auf Arbeit. Mein einziger Halt war dann nun mal Herr Mustermann, dem ich aber auch nicht meine Sorgen mitteilen konnte, aus Angst, wenn er sieht, welch problembehafteter Mensch ich bin, er mich dann verlässt und ich ganz allein bin. Der Teufelskreis Mobbing…die belastende Beziehung zu Herrn Mustermann, den ich liebte aber wusste, er lebt sein Glück woanders, meinen Eltern ein scheinbar ordentliches Leben vorzumachen…! Denn das war schließlich eine Lüge, und täglich nagte mein schlechtes Gewissen darüber an mir. Immer öfter wurde ich krank. Ständig Migräneanfälle, ich erkrankte an sämtlichen Allergien, was dann zu Asthma geführt hat. Und es wurde so schlimm, dass ich mit Cortison behandelt werden musste. Dieses war aber so stark, dass es bei mir so etwas wie eine „künstliche Diabetes“ hervorgerufen hat, so dass ich wieder anders behandelt werden musste. Der Job war nur noch eine Qual…durch die häufigen Ausfälle wurde das Mobbing auf Arbeit immer schlimmer…und ich war seelisch und körperlich so ziemlich am Ende. Halt auch die Thematik mit der Gebäudesanierung. Im Juli 2009 bekam ich bei einem Routinemäßigem Frauenarzttermin gesagt, herzlichen Glückwunsch, sie sind im vierten Monat schwanger. Herr Mustermann war zu diesem Zeitpunkt gerade mit seiner Familie im Sommerurlaub. Ich hatte weder zugenommen, noch sonst irgendwas gemerkt. Meine Periode war damals schon längst auf Grund des Cortisons sehr unregelmäßig. Und ich nahm ja die Pille. Ich bin aus allen Wolken gefallen. Und das schlimme war, es war der 4.Monat. Es stellte sich also nicht die Frage: Möchte ich das Kind oder nicht…

Mir war klar, wenn „er“ es erfährt, dann wird er mich verlassen. Der Gedanke war unerträglich für mich. Aber ich hatte ja keine Wahl… Nach ein paar Tagen, als sich mein erster Schock gelegt hatte, ich zum 3D Ultraschall war, merkte ich, das ich mich irgendwie freute. Es war plötzlich ein gutes Gefühl, zu wissen, man trägt da so ein kleines Leben in sich. Als nach 2 Wochen Herr Mustermann aus dem Urlaub kam, war das Szenario perfekt. Plötzlich war mein einziger Halt, den ich hatte, nicht mehr für mich verfügbar. Trotz allem Kummer, den ich hatte, versuchte ich stark zu sein für mein Kind, das Kind von dem Mann, den ich für meine große Liebe hielt. Er warf mir vor, ich hätte ich absichtlich ein Kind angehangen. Das war aber nicht so, denn für mich waren Kinder immer ein kleines Wunder, die es verdient haben, in Liebe geboren zu werden, von Mama und Papa gewollt. Und ich wollte nie so verantwortungslos sein, wie manch andere Frauen es waren. Aber ich war nun mal schwanger. Herr Mustermann wollte sogar viel Geld bezahlen, damit ich das Kind irgendwo im Ausland illegal abtreiben kann… Ihm wäre da egal gewesen, das es erstens verboten ist, und zweitens, dass auch ich hätte gesundheitlich Schaden davontragen können. Mitte August 2009 sagte dann Herr Mustermann zu mir, er mache erstmal kurzfristig für 5 Wochen Urlaub in Peru mit einem guten Freund. Er brauche diese Auszeit, um sich über ein paar Dinge klar zu werden. In mir löste das wieder Hoffnung aus…dass er nachdenken möchte und vor allem, weil er ohne seine Lebenspartnerin in den Urlaub ist. Im nach hinein stellte sich heraus, der Urlaub war lange geplant und der sogn. Kumpel war sein Schwiegervater. Aber er erzählte mir das ganze auf andere Art und Weise, damit ich im guten Glauben an „unsere Liebe“ weiter schön funktionierte.

Auf Grund meiner Gesundheit bekam ich ein Beschäftigungsverbot, und ich war froh, erstmal von der Arbeit weg zu sein. Eine Belastung weniger, dachte ich. Ich erzählte meinen Eltern von der Schwangerschaft. Sie freuten sich, waren allerdings auch besorgt, da sie ja wussten, ich war häufiger krank. Ich habe dann in der 17. Woche extra eine Fruchtwasserpunktion durchführen lassen, um zu wissen, ob ich ein gesundes Kind bekomme, da ich ja immer Medikamente eingenommen habe. Ich bekam einen positiven Befund, dass ich ein gesundes kleines Mädchen bekomme. Das hat mir Kraft gegeben, und ich kümmerte mich um mich selbst, indem ich regelmäßig die Mahlzeiten zu mir nahm, Ruhezeiten mit Medidationsmusik einräumte…und ich mir vorstellte, wie schön es doch mit so einer kleinen Prinzessin dann wird. Mir gelang es so halbwegs, den Kummer wegen Herrn Mustermann wegzuschieben. Verstanden habe ich es bis heute nicht, wie man sich erst so geliebt bei jemandem fühlen kann, und plötzlich stößt dieser Mensch jegliche Nähe weg und hat kein einziges liebes Wort mehr für einen übrig. In meiner Gedankenwelt kannte ich so was nicht, dass man Gefühle wie mit einem Lichtschalter abschalten kann...

Am 10. September 2009 hatte ich dann einen Frauenarzttermin bei Dr. Frauenarzt zum Organscreening. Als er das Ultraschallgerät auf den Bauch hielt sah ich schnell seinen entsetzten Gesichtsausdruck. Ohne zu wissen was los ist, schossen mir schon die Tränen in die Augen. Er sagte, ich habe eine hochgradige Plazentainsuffizienz, schrieb mir einen Einweisungsschein, und sagte, ich solle sofort hoch ins Krankenhaus fahren, er rufe inzwischen oben an. Ich tränenaufgelöst oben im Krankenhaus angekommen, nahm mich schon eine Ärztin in Empfang, und ich musste mich umgehend legen. Ein CTG-Gerät um die Herztöne des Kindes zu überwachen wurde sofort angeschlossen. Dann erklärte mir die Ärztin erstmal, was genau los sei. Ich war zu dieser Zeit in der 25. Schwangerschaftswoche. In Gera dürften Frühgeburten erst ab der 27.Woche durchgeführt werden, deshalb kommt gleich ein Krankentransport und fährt mich nach Nächstestadt in die Uniklinik. Keiner konnte mir sagen, was nun aus meinem Kind wird. In Nächstestadt waren alle sehr fürsorglich und lieb…und ich bekam strikte Bettruhe verordnet, und musste durchblutungsfördernte Medikamente nehmen, da ja das Kind zu klein war und schlecht versorgt wurde. Täglich wurde mehrmals nach dem Blutfluss zum Kind geschaut. Ich habe alle meine Kraft darauf gelenkt, positiv zu denken. Ziel war es, wenigstens bis zu 27. oder 31. Schwangerschaftswoche zu kommen. Allerdings war es kritisch, das wurde mir auch gesagt. Aber ich hatte in der Familie ein Beispiel, denn meine Schwester hatte damals eine Plazentaablösung in der 30. Schwangerschaftswoche, sie und ihre Tochter wären bei der Geburt fast beide gestorben und die kleine Maus hatte ein Geburtsgewicht von 1.200g. Heute ist meine Nichte 13 Jahre alt, und ein kerngesundes Kind, ohne Schäden aus dieser frühen Geburt. Das gab mir Kraft und Hoffnung.

Meine Freundin hat damals per sms Herrn Mustermann mitgeteilt, was passiert ist. Und er mich doch wenigstens mal anrufen soll. Denn ganz klar, das war das Einzige, was mir richtig gut tun könnte, ihn zu hören, in dieser schweren Zeit. Es kam keine Reaktion, außer eine sms nach ein paar Tagen…wo auch nichts Besonderes drin stand. Am Freitag vormittag, den 18.September 2009 führte der Professor wieder den Ultraschall zur Bestimmung des flowwertes durch. Und sagte dann, es nützt nichts, wir müssen jetzt etwas tun. Sie können aber entscheiden. Tun wir jetzt nichts, wird ihr Kind übers Wochenende im Mutterleib versterben. Oder wir machen jetzt einen Notkaiserschnitt und tun alles für das Kind. Meine Entscheidung war natürlich klar…ich wollte doch mein Kind nicht sterben lassen. Innerhalb von 30 Minuten lag ich schon auf dem OP, und dann war meine kleine Maus Schmetterlingskind geboren. Sie kam auf die Neonatalogie als Extremfrühchen, da auch ein sehr geringes Geburtsgewicht vorlag. Mir wurde gesagt, die ersten 3 Tage sind die kritischsten. Wenn diese überstanden sind, ist schon viel geschafft. Und die ersten 4 Tage vergingen wie im Bilderbuch. Zwar den umständen entsprechend, aber meine Kleine war eine Kämpferin und wollte mehr, als ihr kleiner Körper aushalten konnte. Hat sich gegen Kabel geweht und war schon viel am Bewegen. Deshalb musste sie ruhig gestellt werden, da sie die Kraft ja für ihren Körper brauchte. Ich war seelisch in einem Ausnahmezustand, hab viel geweint. Und hab mir gesagt, mir ist die Beziehung zu ihm vollkommen egal, ich will nur, dass ich mein Kind irgendwann mit nach Hause nehmen kann. Nichts anders will ich…..

Von ihm kam inzw. eine sms mit einem unverbindlichen „Alles Gute…“

Am 5.Tag vom Leben meiner Tochter ging es ihr schon schlechter…meine Eltern haben mich auch besucht, und meine Mutti hat gemeint, dass es ja damals Melli (meiner Schwester ihre Tochter) geschafft hat, also schafft Schmetterlingskind das auch. In der Nacht vom 5. zum 6. Lebenstag von Schmetterlingskind klopfte plötzlich die Nachtschwester und der zuständige Arzt der Neonatalogie und sagte, ich solle kommen, es geht zu Ende… Wie fernsteuert und tränenaufgelöst lief ich hinter dem Arzt her, hin zu meinem Kind. Das kleine Herz schlug noch ganz schwach, und ich sollte mich setzen, um meine kleine in den Arm zu nehmen. Das war gegen früh um 3. Hab meine Eltern anrufen lassen, sie sollen kommen. Da saß ich flehend, zu Gott betend mit meinem Kind…und es dauerte noch eine Stunde, da hatte das Herz keine Kraft mehr zum weiterschlagen und sie starb in meinen Armen. Da meine Eltern einen längeren Fahrtweg hatten, kamen sie erst um 5 Uhr an, und sahen mich mit meinem toten Kind im Arm sitzen. Ich muss auch nicht weiter darauf eingehen, wie das alles war.
An diesem Tag fast zeitgleich von Schmetterlingskinds Tod landetet Herr Mustermann mit dem Flugzeug wieder in Deutschland. Meine Eltern haben mich dann erstmal mit zu sich genommen. Und er kam dann auch hin… Meine Eltern fanden an dieser Stelle es schon sehr seltsam, wie alles gelaufen ist. Aber ihnen ging es erstens auch sehr schlecht wegen mir und meinem Schmetterlingskind, und ich wollte sowieso nicht reden. Ich wollte dann bald wieder nach Aktuellestadt in meine eigene Wohnung. Man bekommt ja trotzdem den Mutterschaftsurlaub. Dieser ging von September 2009 bis Januar 2010, dazwischen irgendwie noch Urlaubstage. Anfang Oktober war noch die Beerdigung von Schmetterlingskind. Ich habe einen kleinen hellblauen Sarg mit weißen Wolken ausgesucht. Und die Püppi wurde vom Bestattungsunternehmen abgeholt und angezogen, halt in mädchenrosa. (was allerdings noch zu einem weiteren Trauma von mir geführt hat...) Denn als die Beerdigung war, passierte noch etwas ganz schlimmes. Die zwei Männer vom Bestattungsunternehmen, die den kleinen 60cm Sarg in die Erde lassen sollten...da hat der eine irgendwie blöd angepackt...das Seil ist weggerutscht...und der kleine Sarg plumpste mit einem Ruck runter in das Grabloch. In diesem Moment bin ich zusammengebrochen. Dann gingen alle der Reihe nach zum Grab, warfen Plüschtiere und Blumen hinein...ich weiß gar nicht: Herr Mustermann hielt mich und meine Mutti nahm meine Hand und mit meiner Hand Blumen um sie reinzuwerfen. In diesem Moment sah ich kurz hinein...und sah etwas kleines rosafarbenes. Ich glaubte, meine erste Tochter sei aus dem Sarg gepurzelt. (Tatsächlich war es ein kleiner rosa Teddy, den jemand reingeworfen hatte. (wurde mir zumindest eingeredet...und ganz sicher bin ich mir bis heute noch nicht....) Ich war fassungslos...und verstand nicht, wie meine kleine Maus so einfach neben dem Sarg im Dreck verbuddelt werden sollte. Ich habe immer wieder heulend gesagt, ihr könnt doch nicht mein Kind so liegenlassen. Angeblich konnte es gar nicht sein, dass sie rausfiel, weil der Sarg wohl fest verschlossen wurde.

Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, über das Leben, über mich… Habe sehr viel mit mir allein ausgemacht. Allerdings hatte ich Hilfe vom Verein „Verwaiste Eltern“ Ostthüringen. Ich habe viele Nächte geweint, und hätte den Menschen, den ich liebe, gebraucht, und wenn es nur gewesen wäre, um mich in den Arm zu nehmen. Das machte mich auch so furchtbar wütent…und ich beendete meine Beziehung zu ihm. Auch wollte ich meine Stelle im öffentlichen Dienst kündigen. Ich hatte generell für mein Leben nur zwei Möglichkeiten: entweder ich gebe auf, dann kann ich mich auch gleich umbringen, oder ich mache weiter… und wenn ich weiter mache, dann nur so, dass ich in meinem Leben nichts mehr ertrage oder dulde, was mir nicht gut tut. Ich habe mich fürs Leben entschieden… Bevor ich meinen Job kündigen konnte, bat mich meine Abteilungsleiterin um ein Gespräch unter vier Augen. Ich hatte nichts zu verlieren, und kam zu diesem Gespräch. Sie bot mir eine Stelle in einem anderen Sachgebiet an, eine Stelle, die mehr Anspruch hat und meinem Abschluss als Verwaltungswirtin gerecht wird. Das nahm ich an. Also ging ich im Februar 2010 wieder arbeiten. In diesem neuen Sachgebiet kam ich sehr gut zurecht, hatte sehr liebe und verständnisvolle Kollegen und Kolleginnen (zuvor war ich in einer reinen Frauenabteilung), die total unvoreingenommen an mich herantraten. Das hat mir Mut gemacht, und auch in der Arbeit an sich bin ich voll aufgegangen, da es eine Arbeit war, wo man auch „denken musste“, und nicht nur stupide Zahlen im PC abtippen musste. Mein Chef war sehr erfreut, wie ehrgeizig ich meine Arbeit erledigte, und alle waren sehr zufrieden mit mir. Denn meine Chefin…also die Abteilungsleiterin hatte ein wenig Sorge mit ihrem Problemfall Frau Hirsch.

Ich komme sehr gut in meinem Arbeitsleben zurecht. Nur die Geschichte zu Herrn Mustermann war noch nicht ganz ausgestanden. Im September 2010…also genau gesagt am 18. September 2010…welcher Schmetterlingskinds erster Geburtstag gewesen wäre, verabredeten wir uns, um den Tag würdig zu verbringen, einfach in Gedanken an die kleine Maus. Dieser Tag wurde dann zum weiteren Schicksalstag meines Lebens, denn hier begann meine zweite Schwangerschaft. Vielleicht kann man sagen, wie kann man so naiv sein… ich habe auch nicht damit gerechnet, schwanger zu werden. Diesmal merkte ich es allerdings bereits in der 2.Woche, und ging zum Arzt, der es mir bestätigte. Freude und Angst hielten die Waage. Aber der Professor in Nächstestadt bot mir eine spezielle Betreuung an. Sehr früh stellte sich heraus, dass ich wieder an einer Plazentainsuffizens litt, aber zeitig bemerkt, und noch ausreichende Versorgung für das Kind. Ich bekam also Ruhe verordnet. Spezielle Medikamente und ein Beschäftigungsverbot. Meine Eltern und meine Freundinnen haben sich sehr viel um mich gekümmert in der Zeit meiner Schwangerschaft. Herrn Mustermann habe ich in der gesamten Zeit vielleicht 3 Mal gesehen, da hat er mich für eine Stunde besucht. Als ich ihm von der Schwangerschaft erzählte, bekam ich die schlimmsten Vorwürfe, und ich solle doch abtreiben…und wenn ich das Kind bekomme, dann will er nie wieder etwas mit mir zu tun haben…und hat mir sogar das Geld für eine Abtreibung gegeben. Wer ein Kind verloren hat, wird es aber nie übers Herz bringen, so ein kleines Leben zu zerstören… Ich nahm es auch hin, ohne ihn zu sein… Meine Eltern glaubten immer noch an eine Beziehung zwischen uns. Ich hatte Angst, die Wahrheit zu sagen, denn ich glaubte, ich würde meine Eltern dann verlieren. Außerdem glaubte ich, meine Mutti würde die Wahrheit niemals verkraften, und es wäre ihr Untergang.

In der 22. Schwangerschaftswoche war es wieder sehr kritisch, aber durch viel Ruhe schaffte ich es bis in die 37.Schwangerschaftswoche, wo meine Schnecki (so nenne ich sie immer...) per Kaiserschnitt am 9.Mai 2011 zur Welt kam. Auf Grund der Plazentainsuffizens hatte sie nur ein Geburtsgewicht von 2.130 Gramm, und musste deshalb noch 4 Wochen in der Kinderklinik bleiben. Schnecki war ein sogn. Schreibaby, und die Schreiattacken gingen bis zum 8.Monat. Nächtelang habe ich sie getragen…und gehalten…und mir ist es kein einziges Mal auch nur zuviel geworden. Da man ja hört, dass Eltern schon wütend auf ihre kleinen Würmchen waren, wenn diese nicht aufhörten zu schreien. Kein einziges Mal war ich wütend, nur wütend auf ihn, auf Schneckis Papa. Sicher, es sind immer zwei Menschen verantwortlich.

In der Schwangerschaft hat er mich vielleicht 3 Mal besucht. Zum Glück haben meine Eltern und meine Freundinnen mir bei allem geholfen, da ich größtenteils liegen musste. 3 Mal die Woche musste ich zum ctg in der Schwangerschaft. Es war ein hoffen und bangen. Ich hab das alles allein durch gestanden...und hab mir immer wieder gesagt, ich muss stark sein für mein Kind. Und ich war stark für mein Kind und bin es immer noch...

In der Zeit meiner Schwangerschaft hatte ich ein weiters Problem, welches bis heute noch aktuell ist. Ich habe einen Stalker an der Backe. Als meine Schnecki 3 Monate alt war, ist er mit einem Messer auf mich los, nachdem er durch die Glastür in meiner Wohnung gerannt ist, als wäre da nichts. Die genauen Details würden jetzt zuviel... aber dieser Stalker hat mir monatelang die Hölle bereitet... und aktuell muss ich nun bald den Antrag auf Gewaltschutz beim Gericht stellen, um das Näherungsverbot um ein weiteres Jahr zu verlängern. In der letzen Verhandlung wurde es auf ein Jahr gesetzt, bis Juli 2013. Und noch vorm Richter sagte der Stalker, na dann sehen wir uns spätestens im August 2013.

Zu der Stalkergeschichte musste ich mir noch von Herrn Mustermann anhören, „wer weiß, auf was für Kerle ich mich so alles eingelassen hätte...!“ Quasi gab er mir die Schuld dafür...

Als Schnecki dann da war, hatte ich auch enormen Druck seitens Herrn Mustermann auszustehen. Alles sollte so weitergehen, wie es war...mit mir oder besser mit uns als nebenbei. Als Omara ein Jahr alt wurde, hab ich Herrn Mustermann knallhart gesagt: Entscheide Dich jetzt für uns beide, oder ich werde damit abschließen, wenn ich kein klares ja von Dir bekomme... Er gab mir kein ja, rechnete allerdings nicht wirklich damit, dass ich loslassen würde... Aber ich hab`s geschafft. Und es fühlte sich an wie eine Befreiung. Ab da konnte ich wieder Leichtigkeit im Leben erleben...denn die Liebe zu Herrn Mustermann empfand ich wie einen bösen Fluch..., aber endlich war dieser Fluch aufgelöst.

Auch, weil ich jemand kennen lernte, der mal nicht in einer Beziehung steckte. Allerdings ist dieser mittlerweile meine nächste Baustelle. Manchmal vermute ich, mein neuer Mustermann T. Ist auch irgendwie hochsensibel... Seit über einem Jahr erlebe ich Annäherung und Rückzug. Manchmal meldet er sich täglich, dann mal wieder eine Woche nicht. Er arbeitet auswärts...und kommt nur am Wochenende. Mit meiner Tochter geht er total liebevoll um... Ich glaube, ich habe mich erst das zweite Mal in meinem Leben so richtig intensiv verliebt. Leider beeinflusst aber seine Stimmung zu mir meine eigene Stimmung...das hat so was von einem Abhängigkeitsgefühl nach seiner Nähe.
Jedenfalls haben wir das auch schon 3 mal beendet...aber dann doch nicht gelassen. Irgendwie hat er Angst, sich ganz auf mich einzulassen. Vielleicht nervt ihn aber auch, dass ich soviel immer nachdenke... ihn analysiere...überlege, warum er sich wie verhält...oder ich habe mal wieder mein pms Syndrom stark raushängen lassen und hinterher tut’s mir leid...und ich entschuldige mich für ellenlange sms, die ich pms-fremdgesteuert runtergetippt hab....
Auf jeden Fall ist es nicht einfach... und auch hier habe ich mal wieder das Gefühl, die Liebe ist so einseitig. Ich gehe förmlich darin auf... und er ist so „nüchtern“ und teilweise „starr“.
Habe auch ständig Angst, er könnte sich in eine andere verlieben...und dann steh ich da, und darf zusehen, dass ich mal wieder nur das Betthäschen war, aber eine andere es Wert ist, mit ihr Hand in Hand durchs Leben und mehr zu gehen...

Ich sehne mich einfach nur nach einem festen Bezugspunkt im Leben, einem Halt. Man könnte jetzt sagen: Aber dein Kind ist doch dein Halt. Ich finde aber, dass ist so nicht richtig. Mein Kind soll Kind sein dürfen, und Halt (...was ja auch mit Schutz) zu tun hat, soll mein Kind bei mir finden, da ich ja die Erwachsene bin, meine Mutterrolle habe, die Verantwortung mit sich bringt."

...weiteres folgt, da Wichtiges noch fehlt...
Lamaze
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Lamaze » Di 2. Jul 2013, 01:05

...übrigens bin ich künstlerisch sehr begabt...bin eine leidenschaftliche Hobbyfotografin...male für mein Leben gern und bin richtig gut in Bildbearbeitung und auch im Ausdruck von Wort und Bild. Mit 15 wollte ich auf eine Kunstschule in die alten Bundesländer... Aber meine Mutti und die Tante vom Arbeitsamt -"BIZ-Berufsinformationszentrum" nannte sich damals so eine Pflichtveranstaltung für die Zukunftsorientierung...- meinten, ich könne da nirgendwo mit Geld verdienen und außerdem müsste ich ja dann allein in eine andere Stadt. Nun ja, ich fügte mich, und erlernte einen normgerechten Beruf "Fachangestellte für Bürokommunikation"...später dann im Arbeitsleben habe ich nebenbei noch ein Studium gemacht...nicht Betriebswirt sondern Verwaltungswirt. Na ja... Ich denke oft zurück, und glaube, mit meinen originellen Ideen wäre ich heute bestimmt selbstständig und auch erfolgreich.. Nun bin ich zu alt...das Leben hat an meinen Kräften gezehrt...und auch wenn man ein gutes "Wissen und Können" sich angeeignet hat, wird ein richtiger Abschluss bevorzugt im Rahmen von Werbegestaltung u.ä. Shit happens...

.....und auch die Musik liegt mir...ich spiele Gitarre, Keyboard und Flöte. Mein Kind mag auch schon Musik.

Und zum Thema Schreiben hier mal ein Text von mir, aber es ist mein Erlebnis von 2009 niedergeschrieben...hab es geschrieben und bis heute noch kein einziges Mal nochmal durchgelesen...da ich das nicht kann:

Die Nacht, als du einfach von mir gingst

Ein Klopfen an der Tür in der Nacht, mit Worten, die ich nicht hören will, sie doch aber noch täglich in meinen Ohren hallen: „Es geht zu Ende…!“

Zitternd am ganzen Körper folgen meine Schritte dem Arzt hinterher – hin zu Dir. Da liegst Du und siehst aus, als schläfst Du nur sanft. Aber warum schlägt Dein Herz nur noch so langsam?

Nein, das kann nicht sein. Sicher ist gleich alles wieder gut – Du musst nur stark sein mein Schatz! Bitte, gib dir Mühe…deine Mami ist doch jetzt bei dir, und ich brauch dich doch…! Auf uns wartet doch so ein schönes Leben. Bitte, bitte, streng dich an…versuch wieder, besser zu atmen. Du schaffst das schon.

Ich halte dich fest. Spürst du, dass ich da bin? Ich lieb dich doch und lass dich nicht allein. Und du darfst mich nicht alleine lassen. Du bist doch mein kleiner Engel, mein kleines Mädchen.

Ich sing dir jetzt dein Lied vor…das hab ich dir doch schon immer vorgesungen, als du noch in meinem Bauch warst.

Nein, ich muss nicht weinen, gleich wird alles wieder besser.

Warum weine ich trotzdem, wenn doch alles wieder gut wird?

Hör Schatz, dein Lied: „Kleine Prinzessin, so ein Wahnsinn du bist da, das war pures Glück total, als ich dich so vor mir sah, ganz nah. Kleine Prinzessin…“- ich stocke…muss soviel weinen. Jetzt ist auch noch der Text weg, dabei hab ich dir das so oft vorgesungen. Wo sind die Worte jetzt hin?

Verzweiflung…

Aber ich muss doch nicht verzweifelt sein! Du schaffst das doch mein Schatz, oder? Du hast doch in meinem Traum zu mir gesagt: „Mami, Du brauchst keine Angst haben, ich bin viel stärker, als ihr alle von mir glaubt!“ Meine kleine Alina, das hast du in meinen Träumen gesagt, also musst du jetzt auch bei mir bleiben. Du hast es mir doch versprochen.

Irgend jemand muss doch was tun!

Du spürst mich doch…deine Mami ist bei dir. Du bist nicht alleine, wir schaffen das zusammen, Du musst dir nur Mühe geben. Bitte verlass mich nicht.

Lieber Gott! Bitte, bitte nimm mir mein Kind nicht weg. Das kannst du doch nicht machen. Alina, meine Kleine, warte auf deinen Papi, der will dich doch auch noch sehen. Und deine Oma und dein Opa haben so viele schöne Sachen mit dir vor… Du kannst jetzt nicht einfach so von mir gehen!

Diese Apparate - die funktionieren nicht. Warum wird die Wellenlinie immer weniger? Tut doch endlich jemand was! Mein Kind!

Bin so hilflos – verzweifelt… Mein Schatz, sei stark, du gehörst doch zu deiner Mami…zu mir!

Ich will irgendwas tun…aber weiß nicht was. Bitte lieber Gott, halt die Zeit an. Diese Herzlinie darf jetzt nicht noch weniger werden. Das geht nicht. Das kann doch nicht sein. Mein Atem stockt, ich bin wie gelähmt…wo Wellen waren, kommt jetzt ein Strich.

Nein, nein…ich schreie innerlich…und doch kommt kein Ton von meinen Lippen. Nein, nein, bitte nicht mein Schatz. Ich brauch dich doch so sehr. Bitte, bitte komm zurück. Jemand legt Dich mir in meine Arme. Das geht doch nicht, Du musst doch weiter beatmet werden…

Meine Tränen fließen einfach nur. Du fühlst dich so warm und weich an. Ich streichle jedes einzelne kleine Fingerchen von dir…ganz vorsichtig, denn deine Hände sind noch so klein. Ich küss dich ganz sanft auf Stirn und auf deine warmen Lippen. Du siehst so schön aus, mein kleiner Engel. Du hast ganz viel von deinem Papi.

Ich lass dich jetzt nicht mehr los. Der Moment soll nicht enden. Du bleibst einfach in meinem Arm liegen, und wir halten die Zeit an. Du bist bei mir - und ich bin bei dir – wir zwei zusammen! Mehr brauchen wir gar nicht. Alles andere ist egal.

Ich weine…und halte dich. Solange du in meinem Arm liegst, ist doch alles gut. Ich sitze da mit dir im Arm! Bin doch so glücklich über dich…warum kann ich nicht aufhören mit weinen? Warum soll ich dich jetzt loslassen? Ich kann dich doch nicht einfach hier lassen und gehen?!

Nein, ich will nicht gehen…und trotzdem tragen mich meine Füße weiter…Schritt für Schritt. Kann nicht mehr denken. Und doch lass ich dich los, leg dich auf dein Bettchen und gehe. Ich laufe einfach weiter, obwohl mein Herz an dir hängt, und jede Bewegung von dir weg reißt es mir immer mehr heraus, denn es ist in dir verankert. Warum passiert das jetzt alles so?

Warum gehe ich, obwohl ich bleiben will?

Warum soll ich dich jetzt alleine lassen? Mein kleines Mädchen braucht mich doch?!

Auf einmal ist alles still um mich herum, ich fühle Kälte und Leere. Was ist passiert? Warum bin ich innerlich so tot?

Wo bist du mein Schatz? Du fehlst mir doch so sehr…

Gleich wach ich auf, und dieser schreckliche Traum ist vorbei: Los, aufwachen…es geht nicht.

Bin ich etwa schon wach? Nein, das kann gar nicht sein. Aber spürt man denn Tränen in seinen Träumen? Nein! Ich weine wirklich…so unendlich viele Tränen…ich hab gar nicht geschlafen…und es ist auch kein Traum, aus dem ich weglaufen kann.

Ich schreie innerlich den lautesten Schrei, den ich je in meinem Leben von mir gegeben hab. Ein Schrei voller Kummer und Schmerz…und dieser Schrei sitzt so tief…das trotzdem kein Laut über meine Lippen kommt.

Erst jetzt wache ich auf, obwohl ich bereits die ganze Zeit wach gewesen bin. Und jetzt fühle ich den Schmerz!

Alles um mich herum steht still, für mich dreht sich die Erde gerade nicht weiter. Denn ohne dich gibt es keinen Weg, den ich gehen möchte. Ich bleib einfach hier mit meinem Schmerz…aber innerlich bin ich mit Dir gestorben.




smuld


sorry, ich schreibe vielleicht insgesamt vielleicht verwirrend, durcheinander...aber wie gesagt, im Moment ist es so, dass mich mein ganzes Leben gedanklich irgendwie einholt...ich durcheinander bin...u.s.w. Dann erstmal Gute Nachti an alle....
Lamaze
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon masch » Di 2. Jul 2013, 10:55

Hallo Lamaze,

_klp_ fühl dich gedrückt!

Da war ja einiges los bei dir... hast du die Gelegenheit zu einer Therapie? Einmal über alles reden und jemand Außenstehenden zuhören zu lassen?

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Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Lamaze » Di 2. Jul 2013, 11:46

...mein Arzt hat mich heute erstmal weiter krank geschrieben, aber wir haben besprochen, dass ich mir einen Psychologen suche... der mit mir auch drüber redet, wie man mit der Hochsensibilität zukünftig umgeht... was ich anders machen kann u.s.w.

Denn bisher habe ich das Leben als stetigen Kampf empfunden...und ich wusste nicht warum das so ist und was ich nur falsch mache, dass gerade ich, die "eigentlich" nicht dumm ist, am Leben scheitert. Bzw. habe ich festgestelt: ich scheitere immer an mir selbst.

Obwohl ich mal einen IQ Test gemacht habe, der noch nicht so lange zurückliegt, und da war es ein IQ von 127. Aber was nützt dieser mir? Das ich nicht in diese Welt passe, und als Lebensversager von Außenstehenden wahrgenommen werde.

Bevor ich dass Buch "zart besaitet" bekam und den HSp Test gemacht habe, dachte ich ja, ich habe irgendwie nicht alle Schrauben locker...und ein Fall für die Klapse. Klingt jetzt etwas salopp ausgedrückt, aber so habe ich gedacht. Einfach nur ein Mensch zu sein, der unfähig ist zum Leben...denn gerade von meiner Abteilungsleiterin bekam ich ständig zu hören...da ich ja immer an gewissen bürokratischen Dingen gescheitert bin...oder an der Arbeitszeit...Sollstunden...u.s.w. Mal viele Überstunden...dann wieder ein Kraftakt um das Soll zu bringen. An meiner Arbeit direkt hatte nie jemand etwas auszusetzen, eher bekam ich Lob für meine Sorgfalt oder für mein detailliertes Wissen... Trotzdem habe ich es zu zwei Abmahnungen geschafft...wobei diese teilweise brechtigt, zu 70 Prozent aber an den Haaren herbeigezogen...nur um mich zu "bezwingen". Wie sagte sie mal zu mir: "Alle in dieser Abteilungen funktionieren - nur Sie nicht." Und ich hätte immer fadenscheinische Ausreden...und ob ich mich denn nicht selbst belüge...u.s.w."

Na ja, ich werde das Problem jetzt angehen...
Lamaze
 

Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon baumratte » Mi 3. Jul 2013, 19:00

Hallo Lamaze,
beim Lesen Deines Textes hab ich jetzt feuchte Augen gekriegt, so viel auf einmal für Dich. Wie soll man das auf die Reihe kriegen? Ich würde Dir auch empfehlen, such dir einen Psychologen, der Dich unterstützt, dem Chaos wieder Form und Ruhe zu geben.
Fühl Dich gedrückt von mir!

Liebe Grüße
Baumratte
Das, was wir oft als falsch an uns betrachten, ist nur der Ausdruck unserer eigenen Individualität. (Louise Hay)
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Re: Gedankenchaos ohne Ende

Beitragvon Nordlicht100 » Do 4. Jul 2013, 18:40

Hallo Lamaze,

zuerst einmal finde ich es sehr gut, dass Du Dir jetzt einen Psychologen suchen möchtest. Mein Tip: Suche Dir einen, der auch mit HSP umgehen kann bzw. Erfahrungen hat. Ansonsten kann es leicht mal in die falsche Richtung gehen...

Was Deinen Job angeht ist es gelegentlich auch mal angebracht zu fragen ob man noch im richtigen, d.h. passenden Unternehmen ist. Der Druck ist heute überall hoch, aber solche Sätze wie Du sie beschrieben hast kommen nur von unfähigen Vorgesetzten....Dann bist nicht Du das Problem, sondern Dein Umfeld!!

Liebe Grüße
Nordlicht100
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