Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche? Wer leidet an Reizfilterschwäche?

Ja, ich leide unter Reizfilterschwäche.
11
46%
Nein, ich leide nicht unter Reizfilterschwäche.
2
8%
Ich denke, Reizfilterschwäche resultiert aus einer dysfunktionalen Familienstruktur.
3
13%
Ich vermute, jede HSP hat eine (angeborene) Reizfilterschwäche.
8
33%
 
Abstimmungen insgesamt : 24

Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon Stoffel » So 20. Jan 2019, 23:29

Den Außenseiterweg würden viele gehen, wenn sie wüßten wie. Wenn jeder ein klein wenig zum besseren ändert, kann das was werden.

Es gibt inzwischen viele Firmen, wie z.B. SAP, die gezielt Menschen mit Aspergersyndrom suchen. Dort bekommen sie einen Job der ihrer Inselbegabung liegt, und werden vom Arbeitgeber sehr geschätzt. Nicht nur weil sie wegen dem Mangel an Kommunikationsfähigkeiten und der schlechten Fähigkeit Gefühle auszudrücken, sondern auch weil sie deswegen nicht Lügen (können) und viel Zielorientierter arbeiten als Normalos.
Stoffel
Full Member
 
Beiträge: 110
Registriert: Sa 27. Okt 2018, 16:26

Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon sol » Mo 21. Jan 2019, 08:32

Hallo Izmi und Stoffel, es entsteht ja schon soviel an gesunder Nischenaktivität von entschleunigten Menschen, die gegensteuern. Die Stadtgartengruppen, die Bienenzüchter in Dachgärten, die kreative Wiederbelebung von Dörfern, die Hobbygruppen zusammen mit Migrantinnen, die kostenlosen Frisörinnen, Ärzte für Obdachlose, die kostenlosen Tiertafeln für einsame arme TierhalterInnen, für die ihre Tiere der einzige Grund sind, täglich aufzustehen, Tauschaktionen uvm, da wird nur viel zuwenig medial drüber berichtet, weil Katastrophen sich besser verkaufen.

Und mir erklärt sich so langsam, wenn ich mir vorstelle, dass 20-30% der Menschen HSP sind und ein Großteil davon sich gar nicht in Selbsthilfeforen meldet, wo sie evtl. u.a. stecken.

Ich habe mich immer gewundert, wieso die Internetseiten, die unser autistischer Adoptivsohn als Kind so liebte und sich raussuchte, so viele BesucherInnen hatte. Also z.B. Seiten, die demonstrierten, welche Geräusche Berliner S-Bahntüren des Types XY beim Schließen machen im Unterschied zu denen aus Stuttgart. _nüxweiss_ Soviel Autisten konnt´s doch gar nicht geben!

Einen ersten Hinweisauf auf weitere InteressentInnen erhielt ich, als wir mal in der S-Bahn saßen und mein kleiner Sohn mich fragte, warum die 3 U-Bahntypen Münchens (vor 10 Jahren) "krachende", "brummende" und "neue" hießen. "Die heißen doch gar nicht so, die hast DU so getauft, ich höre gar nicht diesen Unterschied der Motoren. Du hörst ja auch mit deinen tollen Autistenohren Unterschiede zwischen verschiedenen Stadtbahnen." lachte ich, dabei höre ich auch schon sehr gut, aber aus Desinteresse nicht gerade bei Motoren, U72(
"Aber Recht hat er" meldete sich da plötzlich eine Frau mit Blindenstock "Was meinen Sie, wie wir uns sonst orientieren?" Daran schloss sich ein spannender Austausch an. :-)

Wetten, dass da auch viele HSP andächtig lauschen, wie unterschiedlich sich national und international das Türenzuknallen der S-Bahnen anhört? _pff_

Oder wenn mein Sohn und ich diskutieren, ob es in der Lidl-Einkaufstüte noch nach Lidl riecht oder nicht und mein Mann nur grinsend seinen Kopf schüttelt, dann ist das für uns alle 3 ein Spaß und eine Freude! Obwohl wir alle harte Zeiten hinter uns haben, da war auch immer soviel Freude und Staunen über besonders feine Wahrnehmung.
„There‘s a crack in everything, that’s how the light gets in.“ Leonard Cohen
sol
Full Member
 
Beiträge: 135
Registriert: So 30. Dez 2018, 17:31

Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon Baumwolli » Mo 28. Jan 2019, 17:34

Bei der Umfrage habe ich Punkt 1 angekreuzt, weil ich scheinbar manchmal und bedingt an einer Überreizung leide.
sol hat geschrieben:Ich denke, durch das enorme a l l e Menschen viel mehr krankmachende Tempo und die größere Kälte und Ausbeutung
im neoliberalten Arbeitsmarkt seit den 90 er Jahren ist das Lern- und Arbeitsumfeld für HSP so toxisch geworden, dass sie zu denen gehören, die ihre Gaben nicht mehr so einsetzen können, weil sie ausgebrannt werden von dieser enormen Überlastung, die schon Nicht-HSP reihenweise in die Depression taumeln lassen.

Wäre HS bei 20-30% aller Menschen krankmachend, wäre es längst zur Krankheit erklärt worden. Aber in der heutigen kalten überfordernden Welt könnte das für immer mehr in diese Richtung gehen.


izmi hat geschrieben:Ja, sol, das ist wohl so. HSP/ADHS/Asperger/werweißwas als Bereicherung zu sehen, ist nicht erwünscht, denn es führt automatisch zu Systemkritik, zu Kritik an einer Welt, die immer kränker wird und zu einer Verweigerungshaltung, die geradezu subversiv ist.

Ich mag mich nicht mehr passend machen. Immer weniger habe ich Lust auf die Art von Unterhaltung und Vergnügen, die ich als hohl empfinde, auf viel Geld, von dem man sich sinnlose Dinge kaufen kann, auf Anerkennung von Menschen, die mir egal sind.

@sol, izmi
Ihr denkt also, die nicht funktionierende, leidende HSP ist systembedingt, wenn ich es richtig verstehe? Ich empfinde es als zu kurz gegriffen (und sogar als ideologisch angehaucht), denn es ist subjektive Wahrnehmung und es könnte als e i n Faktor an der Berichterstattung über HSP liegen.
sol hat geschrieben:Hallo Izmi und Stoffel, es entsteht ja schon soviel an gesunder Nischenaktivität von entschleunigten Menschen, die gegensteuern. Die Stadtgartengruppen, die Bienenzüchter in Dachgärten, die kreative Wiederbelebung von Dörfern, die Hobbygruppen zusammen mit Migrantinnen, die kostenlosen Frisörinnen, Ärzte für Obdachlose, die kostenlosen Tiertafeln für einsame arme TierhalterInnen, für die ihre Tiere der einzige Grund sind, täglich aufzustehen, Tauschaktionen uvm, da wird nur viel zuwenig medial drüber berichtet, weil Katastrophen sich besser verkaufen

Die gibt es und es wird selten über sie berichtet. Aber auch sie gehören zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die sich diese Aktivitäten leisten kann und sie auch eher als Hobby verstehen. Zeit und Geld sind entscheidende Faktoren, damit man sowas durchziehen kann. Wenn man sie soziologisch oder politikwissenschaftlich untersucht, so gehören sie garantiert zur mittleren und oberen Mittelschicht.
sol hat geschrieben:Oder wenn mein Sohn und ich diskutieren, ob es in der Lidl-Einkaufstüte noch nach Lidl riecht oder nicht und mein Mann nur grinsend seinen Kopf schüttelt, dann ist das für uns alle 3 ein Spaß und eine Freude! Obwohl wir alle harte Zeiten hinter uns haben, da war auch immer soviel Freude und Staunen über besonders feine Wahrnehmung.

Entschuldige, dass ich gerade etwas geschockt bin. Die LIDL-Tüte riecht für mich nach Ausbeutung schlechthin. Es ist hinlänglich bekannt, was mit Mitarbeitern in Discountern geschieht und welche Ausbeuter-Produkte LIDL anbietet. Ein paar Zeilen zuvor schreibst du von unserem schlimmen neoliberalen System und dann geht deine Familie dort einkaufen. _panik_

Mein Onkel, Journalist, nennt so eine "Systemkritik" immer "salon-links", die hier und da modebedingt als chic gilt. _grinsevil_ Ich halte es eher damit: "Moral muss man sich erstmal leisten können."
Mit neutralem Gruß!
Baumwolli
Neuling
 
Beiträge: 17
Registriert: Fr 25. Jan 2019, 18:25

Vorherige


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron