Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche? Wer leidet an Reizfilterschwäche?

Ja, ich leide unter Reizfilterschwäche.
11
46%
Nein, ich leide nicht unter Reizfilterschwäche.
2
8%
Ich denke, Reizfilterschwäche resultiert aus einer dysfunktionalen Familienstruktur.
3
13%
Ich vermute, jede HSP hat eine (angeborene) Reizfilterschwäche.
8
33%
 
Abstimmungen insgesamt : 24

Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon neko » Fr 18. Jan 2019, 12:44

Hallo Ihrs,

ich vermute, die Reizfilterschwäche bei HS resultiert aus dysfunktionalen Familienstrukturen und daher gibt es auch HSP, die nicht leiden und wenige Probleme im Alltag haben.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon sol » Fr 18. Jan 2019, 13:23

Hallo neko,ich bin nicht auf dem aktuellsten fachlichen Diskussions-Stand, was dieses Thema betrifft. Bisher halte ich HS und damit eine Reizfilterschwäche für angeboren und hatte das in der Literatur von Elaine Aron auch so verstanden und in späterer Literatur auch. Auch, dass nicht jeder unter seiner Reizfilterschwäche l e i d e t.
Ich erlebe sie als schmerzvolle Überreizung u n d als Bereicherung in genügend reizreduziertem Leben.

Ich selber erinnere mich an Überreizung und genussvolle besondere Wahrnehmungstiefe seit Frühauf, ohne damals zu wissen, was es ist, aber worauf ich unbewusst mit Rückzug reagierte schon sehr früh. Ohne dysfunktionale Familiensituation.

Dysfunktionale Familienstrukturen können noch dazu kommen oder auch eine psychisch bedingte Überreizbarkeit resultierend aus der Familiensituation, das letztere wäre dann aber nicht HS.

Gibt's da neuere Erkenntnisse bezüglich HS? Gerne lerne ich dazu.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon neko » Fr 18. Jan 2019, 15:25

So genau weiß ich nicht mehr, was Aron über die Reizfiltershwäche schrieb. Hier wird darüber an einigen Stellen diskutiert und ich glaube, dass es auch HSP ohne diese Filterschwäche gibt, die gleichzeitig eine feine Wahrnehmung haben und sich sehr gut fokussieen und konzentrieren können.

Wenn man sich etwas näher mit dysfunktionalen Familienstrukturen und Beziehungen beschäftigt, kommt man zu denselben und auch ähnlichen Beschwerden wie bei mangelnden Filtern Hochsensibler. Dazu habe ich auch im Netz etwas gefunden, aber verlinken möchte ich nicht, weil es eine Seite ist, die auch Coaching anbietet. Ich mag hier keine Schleichwerbung machen, obwohl sie seriös wirkt.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon izmi » Fr 18. Jan 2019, 15:38

Hm gute Frage---für mich ist das alles mehr oder weniger das selbe.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon Stoffel » Fr 18. Jan 2019, 17:13

Ich glaube die Reizfilterschwäche hat jeder HSP. Es kommt eigentlich nur drauf an, in welchen Alltagsbereichen sie sich breitmacht. Deshalb ist es nicht einfach zu sagen, wer wieviel Reizüberflutung hat, wenn er sich im Alltag problemlos seinem Reizgebiet entziehen kann.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon sol » Sa 19. Jan 2019, 17:47

Hallo Stoffel, so habe ich es bisher auch verstanden. Bei allen Kontroversen und vielen offenen Fragen ging ich bisher dennoch als Konsens der Fachliteratur davon aus:

Die Reizfilterschwäche definiert HS! Auch, dass sie angeboren ist.

Gibt es da neuere Erkenntnisse und fachlichen Konsens, die dem widersprechen?

Ob die Reizfilterschwäche, die keine Krankheit ist, von der einzelnen HSP eher als Begabung und Bereicherung oder als Überreizung und Belastung bis sogar krankmachend oder als beides erlebt wird, unterscheidet uns HSP trotzdem sehr. Und ein förderliches Umfeld oder ein restriktives hat natürlich seinen positiv oder negativ verstärkenden Einfluss.

Psychische Auffälligkeiten, die mit Überreizung einher gehen infolge problematischer Familiensituationen sind wieder etwas ganz anderes und nicht angeboren.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon izmi » So 20. Jan 2019, 16:05

Ich mag das Wort Schwäche da nicht so gerne. Ich bekomme sehr viel mit, das ist für mich eine Gabe. Damit will ich lernen, achtsam umzugehen.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon Stoffel » So 20. Jan 2019, 16:31

Wenn du lernst damit umzugehen, machst du aus einer Schwäche eine Stärke. Das ist die größte Herausforderung bei HSP.
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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon sol » So 20. Jan 2019, 18:13

Ich glaube, der Begriff "Reizfilterschwäche" beschreibt nur anatomisch und physiologisch, warum HSP hochsensibel sind, reizoffener, also wo und wie neurologisch HS als verortet angenommen wird.

Der Neurologe Oliver Sacks hat doch in seinen Büchern Fälle beschrieben, wo durch nicht krankhafte Hirnveränderungen durch Unfälle oder anders erworben auf einmal eine isolierte Hochbegabung auftrat, von der zuvor keinerlei Anzeichen da waren.
Er folgerte doch, wie ich schon öfter von Neurologen las, dass vermutet wird, dass ein MEHR an manchen Fähigkeiten durch das hirnorganische WENIGER an üblicher Hemmung oder Kontrolle bedingt sein könnte.

In Versuchen wurden doch auch testweise bestimmte Hirnkontroll- oder Filterinstanzen umgangen bei der Forschung zu NTE und damit gezielt z.B. außerkörperliche Wahrnehmung erzeugt, die normalerweise nur beim Sterben im Versagen aller Kontrollen erlebt werden könnten.

HS beschreibt so auch weder eine Krankheit noch eine Schwäche. Ich nehme nicht an, dass die vielen Bücher über HS, begonnen mit Elaine Aron, die viele Gaben und Bereicherungen durch HS nennen und auch, aber weniger Belastungen, alle gehypt sind, denn ich war auch erst ganz erstaunt, als ich hier ins Forum kam, dass meine Begeisterung über die Bereicherung durch HS in meinem Leben soviel auf Ablehnung und Vorwürfe stießen.

Weil ich viel und gerne schreibe und aus meiner Stille heraus gerade als HSP Selbsthilfeforen genial finde, bin ich hier. Vermutlich sind die meisten HSP ohne Beschwerden gar nicht hier und eher die, die Austausch über die Belastungen wünschen.

Denn wenn 20-30% der Menschen HSP sind, auch in der Tierwelt für Tiere dasselbe gilt, wenn also die Evolution dies nicht hat aussterben lassen, dann war und ist es der Gemeinschaft sehr nützlich und nicht nur im Sinne des Ausgenutzwerdens, sondern des gegenseitigen Bereicheicherns und ich habe das mein Leben lang erlebt.

Die schmerzfaften krankmachenden Dauerüberreizungen und Härten, die ich auch erlitten habe durch HS und ADHS, wegen denen ich aber zunächst gar nicht herkam, weil ich sie endlich endlich erkannt und mein Leben angepasst habe und nun die Gaben des HS dankbar genieße und hier austauschen wollte, haben mich aber nie vergessen lassen, welche Riesenbereicherungen und Freuden für mich und andere meine HS gleichzeitig bedeutete.

Das ist bei ADHS anders. Im ADHS-Forum geht es nicht um besondere Fähigkeiten, nur sehr vereinzelt, sondern darum, sich mit lauter Wahrnehmungs- und Verhaltensauffälligkeiten meist durch Schulversagen und viel Scheitern im Leben zu lavieren. Und da gibt es keine, die froh ein bereichertes Leben leben.

Das war bei mir nicht der Fall. Ich wusste, dass ich eine HSP bin. Ich hatte auch keine Aufmerksamkeitsstörungen oder Lernprobleme, allerdings Riesenablenkungen durch Überreizung, so dass alles eine erschöpfende Trickserei wurde. Als mir klar wurde, dass meine Überreizung krankheitswertig sein musste, dachte ich: Naja, vielleicht habe ich ja beides. Und durch lange Diagnostik und dadurch, dass bei mir die ADHS-Medikamente genau wirken und zwar so, wie sie nur bei ADHSlern wirken, wurde das bestätigt.

Ich denke, durch das enorme a l l e Menschen viel mehr krankmachende Tempo und die größere Kälte und Ausbeutung
im neoliberalten Arbeitsmarkt seit den 90 er Jahren ist das Lern- und Arbeitsumfeld für HSP so toxisch geworden, dass sie zu denen gehören, die ihre Gaben nicht mehr so einsetzen können, weil sie ausgebrannt werden von dieser enormen Überlastung, die schon Nicht-HSP reihenweise in die Depression taumeln lassen.

Wäre HS bei 20-30% aller Menschen krankmachend, wäre es längst zur Krankheit erklärt worden. Aber in der heutigen kalten überfordernden Welt könnte das für immer mehr in diese Richtung gehen.







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Re: Gibt es hier HSP OHNE Reizfilterschwäche?

Beitragvon izmi » So 20. Jan 2019, 22:57

Ja, sol, das ist wohl so. HSP/ADHS/Asperger/werweißwas als Bereicherung zu sehen, ist nicht erwünscht, denn es führt automatisch zu Systemkritik, zu Kritik an einer Welt, die immer kränker wird und zu einer Verweigerungshaltung, die geradezu subversiv ist.

Ich mag mich nicht mehr passend machen. Immer weniger habe ich Lust auf die Art von Unterhaltung und Vergnügen, die ich als hohl empfinde, auf viel Geld, von dem man sich sinnlose Dinge kaufen kann, auf Anerkennung von Menschen, die mir egal sind.

Aber das wird immer ein Außenseiterweg sein. Sei's drum.
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