Grenzen/Abgrenzung

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon Lucine » So 11. Dez 2011, 09:27

Hallo Ihr,
ich habe in meinem Vorstellungsthread das Thema Abgrenzung kurz angeschnitten, aber eigentlich verdient es doch viel Aufmerksamkeit. Wie ich dort schrieb, weiß ich kaum, wie man Grenzen zieht, bzw. wie man sich "richtig" abgrenzt. Bisher habe ich das immer gleichgesetzt mit "zuhause bleiben und alle Türen verriegeln", aber das ist - wie ich jetzt weiß - ganz und gar nicht damit gemeint.

Ich lese gerade das Buch "Wenn die Haut zu dünn ist" von Rolf Sellin und er schreibt über die Wichtigkeit, seine Grenzen zu setzen und zu verteidigen, da man innerhalb dieser einen sicheren Raum hat. In der Theorie finde ich es sehr einleuchtend, aber ich weiß nicht, wie ich das auf mein Leben übertragen kann. Sellin beschreibt ein Beispiel: Eine Frau macht ihren Eltern vor einem Besuch klar, dass sie nur bis nach dem Kaffeetrinken bleibt und dann gehen muss. Sie ist überrascht, dass ihre Eltern das akzeptieren und sie nicht zum Bleiben überreden wollen. Die Eltern respektieren ihre Grenze, weil sie den Mut hatte, sie zu zeigen. Damit fühlte sich die Frau sehr wohl bei ihrem Besuch und konnte sich auf den nächsten Besuch freuen.
Das ist ein - wie ich finde - sehr schönes Beispiel, aber wie sieht das in anderen Bereichen aus? Besteht diese Haltung aus vielen Einzelaktionen, d.h ich überlege mir, wie nah mir die Menschen in meinem Umfeld sein sollen oder habe ich eine Art "Konzept" dahinter...

Ich bin ratlos _help_

Wie geht Ihr mit diesem Thema um?

Lucine
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Re: Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon Siggi » So 11. Dez 2011, 10:59

Hallo Lucine,

manches ist planbar, manches nicht. Eine Zeit vorgeben wie lange man bleibt, kann man machen, aber das engt uns doch selber auch ein oder nicht ? Ist es nicht wichtiger auf unser Empfinden zu hören und unser Leben danach auszurichten. Also ich meine jetzt nicht das empfinden für andere sondern dein Empfinden für dich selber. Erkenne Dich selber was du wirklich willst, was dir fehlt wenn du alleine bist und die Türen verschlossen hast. Und gleichzeitig frage dich wo war mir etwas zu viel, was wollte ich gar nicht.
Mir geht es z.B. bei Festen oder Veranstaltungen so, daß es mir nach einer gewissen Zeit zu viel wird. Das merke ich, daß ich mich auf Gespräche oder einen Vortragenden nicht mehr konzentrieren kann. Ich war immer einer der ersten der ein Fest verlassen hat, verstanden haben es die anderen wohl nicht, akzeptiert haben sie es trotzdem, auch wenn ich dazu manchmal einen dummen Spruch dazu anhören muss. Aber seit ich weiss daß es HS gibt und ich mich dazu zähle, macht es mir nichts mehr aus. Ich ziehe die Grenze für mich und mein Wohlbefinden, und nicht für andere. Ich neige dazu es allen recht machen zu wollen, und mir hilft es dann mich zu fragen, was will ich eigentlich und ist es mit meinen Bedürfnissen vertretbar. Die Frage nach meinen Bedürfnissen habe ich früher zu sehr in den Hintergrund gestellt. Immer geht das sicherlich nicht, aber bei dem was uns wirklich wichtig sollten wir schon darauf achten.

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Re: Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon Anke » So 11. Dez 2011, 11:37

Ein tolles Thema, dass auch ganz sicher zu meinen Baustellen gehört! Ich bin gespannt, was so für Anregungen und Gedanken kommen werden. Jetzt hab ich leider zu wenig Zeit, die Tage ausführlicher! Wollte nur kurz mein Interesse und Freude kundtun _10_

Liebe Grüße

Anke
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Re: Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon Benostel » So 11. Dez 2011, 23:40

HalliHallo,

ich weiß nicht, ob ich Dir helfen kann aber mich überfordert Spontanität.
Nicht wenn ich eh schon mit Freunden unterwegs bin, sondern im Alltag.
Mein Tag ist ganz klar strukturiert, ich habe mir feste Zeitschranken gesetzt und auch auf Arbeit immer
einen Pfad durch den Tag... wenn nun zum Beispiel eine Freundin anruft und mich spontan zum Kaffee einlädt oder ich irgendwo hinkommen soll, etwas was meine Strukturen über den Haufen wirft, habe ich früher sofort dicht gemacht und abgelehnt. 5min. später ärger ich mich darüber, weil ich mir vorstelle, wie viel Spaß es machen könnte und versuche krampfhaft die Entscheidung rückgängig zu machen....

Einer Freundin habe ich davon mal erzählt, sie sagte, ich solle mir Bedenkzeit geben.
Wenn mich heute etwas spontanes umhaut, antworte ich...ich denke drüber nach und melde mich in 5Minuten. Bei intensiven Reizen antworte ich, dazu habe ich jetzt noch keine Meinung, ich komme auf Dich zu.

Das funktioniert in der Regel sehr gut... war das jetzt Deine Frage?
Benostel
 

Re: Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon oase » Mo 12. Dez 2011, 00:33

Ich denke zuerst sollte man sich fragen was man selbst will, also seinen Bedürfnissen auf den Grund gehen.
Ich z.B. möchte am allerallerliebsten keine Grenze ziehen (das ist eines meiner innersten Bedürfnisse). Mein Problem daran ist nur, das andere Grenzen ziehen, manchmal so eng für mich und so weit aus ihrer Sphäre in meiner, das mir das nicht passt. Dann bin ich gezwungen eine Grenze zu ziehen, passen tut mir das überhaupt nicht, wenn ich eine ziehen muss, man engt sich selbst damit ein und ich muss mich verbiegen (sprich mich anpassen, da ich etwas tun muss was meinem Charakter wiederspricht). Frustrierend ist, wenn mein gegenüber dann noch über diese meine (schon in mir diskutierte) Grenze reden/missachten möchte, sprich sich irgendwo "in der Mitte einigen" möchte, was für mich hieße auf Dinge zu verzichten.
Momentan versuche ich es über ein möglichst ausgeglichenes Freudeverhältnis, also die Grenze wird dort platziert, wo mir und dem anderen dann gleich viel Freude am Ende widerfährt. (Freude sehr allgemein gefasst: z.B. Autounfall wir beide schwer verletzt, beide können uns kaum bewegen, er bittet mich die Sektflasche zum entkorken aus dem Kofferraum zu holen, es macht mir keine Freude, ihm würde es evtl. Schmerzerleichterung bringen, aber ich bleibe so sitzen wie ich bin, da mögliche innerer Verletzungen; nur ein Beispiel wie weit 'Freude' gemeint ist).
Diese Freudegleichheitsgrenze lässt sich auch gegenüber sich selbst und natürlich anderen gut begründen (auch wenn das ein weiterer Punkt ist, der meinen Bedürfnissen widerspricht: Warum muss ich alles begründen, kann man meinen Argumenten nicht auch ohne Kontrolle vertrauen?)
Ist denke ich insgesamt nichts abschließendes, aber zumindest erstmal etwas was mir hilft, bis ich eine Lösung gefunden habe, wie es ohne Grenzen ziehen geht. (sprich wie es mir IMMER möglich ist, meine innersten Bedürfnisse zu befriedigen)

Liebe Grüße
oase

ps:
Das mit den 5min Auszeit gefällt mir, eigentlich bin ich spontan, nur überdenken möcht ich meine Spontanität dann doch. _grinsevil_
oase
 

Re: Grenzen/Abgrenzung

Beitragvon ja » Mo 12. Dez 2011, 09:29

hallo lucine!


Grenzen? = „bullshit“
in meinen augen _angel_

bevor ich meine aussage erkläre mag ich zunächst erzählen das ich eine absolute null im grenzen setzten war. Ein thema was mich an den rand (und darüber hinaus) der verzweiflung brachte.
Sicherlich will ich mit meinem weiteren posting nicht klugsch*** oder so,
ich versuche schlicht mein persönliches erleben zu beschreiben.


Zurück zu den grenzen.
Ich wollte und konnte sie nicht annehmen. So habe ich sie mir „betrachtet“ - eine grenze aufzubauen und zu erhalten kostet viel energie (und verursacht viel leid). Kann man ganz einfach im aussen sehen – eine staatsgrenze zu unterhalten kostet unsummen an menschen, geld und politik.
Warum sollte das im innen anders sein _gruebel_
es kostet mich die energie sie festzulegen, zu verteidigen und ihre gültigkeit zu wahren.
Das sehe ich ein wenig wie oase in ihrem beitrag – alles etwas was mir total zu wieder läuft
ergo: ich müsste mich zwingen um wenigstens innerlich meine ruhe zu haben. (ich baue mir quasi meine persönliche nische) im übrigen sehe ich es auch absolut nicht ein irgendwem von aussen die macht über mein erleben zu geben – was ich tue indem ich eine grenze baue und somit die macht der anderen seite anerkenne.
geht ja mal gar nicht! Entspricht nicht meinem anspruch an mein leben.
So bin ich zu dem schluss gekommen – es geht nur über die Klarheit. Wenn ich klar bin (in meinen bedürfnissen) und dies auch klar kommuniziere erreiche ich mein ziel (nämlich meine ruhe zu haben).


Leider gab's kein wunder und der zustand der klarheit ist einfach da!

Was mir bleibt, ich übe übe und übe!
Und wenn es mal wieder nicht geklappt hat – nehme ich es mir nicht übel sondern übe weiter.
Immerhin mit der zeit wird es einfacher _grinsevil_


es grüsst,
ja.
weniger ist mehr

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+ ja ist im März 2017 nach langer schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen +
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