Haben wir ein anderes Bild von Freundschaften?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Haben wir ein anderes Bild von Freundschaften?

Beitragvon Pünktchenbeere » Do 19. Okt 2017, 22:45

Hallo zusammen _Mij_

ich bin weiblich, in den Zwanzigern und Neuling hier. Zurzeit habe ich etwas auf dem Herzen, von dem ich euch gerne berichten und um Rat fragen möchte, da mir eine (objektive) Sichtweise von außen fehlt und ich glaube, mich bei euch als HSP verstanden zu fühlen. Vielleicht könnt ihr euch ja selbst darin wiederfinden, habt eine ähnliche Situation erlebt und den ein oder anderen Tipp für mich, wie ich damit umgehen und mich am besten verhalten sollte.

***

Beitrag auf Wunsch der Userin gelöscht
[rene261]

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Verstehen wir Freundschaften anders?

Ich danke euch für eure Antworten und eure Geduld, falls ihr bis hierhin gelesen haben solltet _rosegirl_ - ist doch einiges an Text geworden, nehmt mir das nicht übel )/898u

Eure Pünktchenbeere _flov_
Zuletzt geändert von rene261 am Mo 8. Jan 2018, 21:31, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Teile des Beitrags auf Wunsch der Threadstellerin gelöscht
Pünktchenbeere
 

Re: Brauche Rat: Mit HS Freundschaften über Entfernung führe

Beitragvon rene261 » Fr 20. Okt 2017, 21:17

Hallo Pünktchenbeere,

zunächst einmal willkommen hier im Forum. Wenn du hier erst ein wenig in den älteren Beiträgengelesen hast, dann wirst du feststellen, dass das Thema Freundschaften hier immer wieder kommt und das es ganz viele andere auch betrifft.

Und noch einen Satz wirst du häufiger finden, den auch ich dir jetzt sage:
Dein Text hätte auchvon mir sein können. Er beschreibt sehr genau dass, was ich selbst unter Freundschaften verstehe und eine Situation, in der ich mich fast eins zu eins auch befinde.

Pünktchenbeere hat geschrieben:Mir als HSP ist Nähe, physische Anwesenheit einer mir bedeutsamen Person besonders wichtig. Dass man sich umarmt, sich „spürt“, sich in die Augen schauen kann, den Geruch des anderen wahrnimmt, an der Mimik ablesen und an der Stimme erkennen kann, wie es dem Gegenüber geht, dass man manchmal keine Worte braucht, um sich zu verstehen und im passenden Moment alles mit einem Lächeln gesagt ist. Ich nehme sie als Person intensiver wahr. Diese Art von Intimität und Vertrautheit in Freundschaften brauche ich.


Genauso sehe ich richtig gute Freundschaft auch. Es bedarf keiner großen Worte, aber ich möchte spüren, wie wichtig ich dem anderen bin und er mir. Das braucht Nähe, Anwesenheit.

Telefonieren / schreiben ist da oft eine suboptimale Alternative, denn sie schließt alles das, was du als so wichtig empfindest aus.

Nur wie damit umgehen.
Das, was du hattest ist mit großer Sicherheit verloren, und was dir bleibt, ist ein Rest auf niedrigem Niveau. Denn die Nähe, die ihr hattet wird es in dieser Häufigkeit nicht mehr geben.

Wenn dir viel an deiner Freundin liegt, dann wünsche ich dir die Kraft, den Kontakt weiter aufrecht zu erhalten. Was du nicht machen darfst ist rechnen: ein Anruf von mir = ein Anruf von ihr. Du merkst ja, ob sie sich über deine Bemühungen freut, auch wenn sie nicht von ihr kommen. Wenn ja, dann mach weiter!

Kritisch wird es wenn von ihr gar nichts mehr kommt. Dann forsche nach, woran das liegt. An ihrer Beziehung, an der neuen Situation in der neuen Stadt, der neuen Arbeit. In diesem Fall solltest du nachsichtig sein.
Manchmal verschwinden Freundschaften aber auch auf die Distanz und mit der Zeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nur wenige Menschen gibt, die Long-Distance-Beziehungen über lange Zeit aufrecht erhalten können.

Das man die Empfindung hat, man selber macht mehr für eine Freundschaft als der andere, das ist auch etwas HSP-typisches.

LG René
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Re: Haben wir ein anderes Bild von Freundschaften?

Beitragvon Pünktchenbeere » Sa 21. Okt 2017, 00:39

Hallo René,

vielen Dank für deine schnelle Antwort! Hatte schon die Befürchtung, ein solch langer Text würde die Leute abschrecken icon_winkle
Ja, ich habe mir bereits zig ältere Beiträge zu diesem Thema durchgelesen und mich in so vielen wiedergefunden. Ich bin so erleichtert und froh, hier (endlich!) auf Verständnis zu treffen.

...aber ich möchte spüren, wie wichtig ich dem anderen bin und er mir.

Genau, in der Nähe unseres Gegenübers spüren wir es in erster Linie, dass wir ihm wichtig sind. Sehen das Glänzen in seinen Augen, merken, dass der andere uns auch umgeben will, fühlen uns wohl, wenn er unseren Arm berührt, uns sanft auf die Schultern klopft und uns durch all das seine Bestätigung gibt, dass wir nicht ersetzbar, bedeutungsvoll für ihn und Teil seines Lebens sind, einen festen Platz in seinem Herzen gefunden haben.
[auf Wunsch der Autorin gelöscht]

Das, was du hattest ist mit großer Sicherheit verloren, und was dir bleibt, ist ein Rest auf niedrigem Niveau. Denn die Nähe, die ihr hattet wird es in dieser Häufigkeit nicht mehr geben.

Ja, und dieses Bewusstsein hat mich eben derart aus der Bahn geworfen. [Auf Wunsch der Autorin gelöscht]
Telefonieren / schreiben ist da oft eine suboptimale Alternative

Ich glaube, dass wir, was das anbelangt, mit Unsicherheiten geplagt werden, weil wir die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben, die andere Person nicht mehr genau einschätzen können. Als HSP verlassen wir uns oft (zu) sehr auf unsere Wahrnehmungen, dass wir versucht sind, sie über unsere Rationalität, die Wahrheit, die Realität zu stellen. Zum Glück gibt es meistens Überschneidungen und Übereinstimmungen. Das geht jedoch nur solange gut, wie wir unsere „Antennen ausfahren können“. Wenn unsere Mittel eingeschränkt sind, Telefonate und schriftliche Nachrichten uns immensen Raum zur Deutung lassen, wir den Überblick verlieren, werden wir plötzlich hilflos, zweifeln an uns selbst oder schieben die Schuld auf unseren Nächsten, der keine böse Absicht und es womöglich sogar nur gut gemeint hat. Unser Bild ist dann getrübt. Das wäre mein Erklärungsansatz dazu.
Ich gehe stark davon aus, dass das bei mir ebenso der Fall ist. Vielleicht bin ich ihr gegenüber zu misstrauisch, male alles zu schwarz, unterstelle ihr nur das Schlechteste und letztendlich freut sie sich über jedes Lebenszeichen von mir, über jede Nachricht, die zeigt: Ich denke an dich. Kann doch sein, oder?

Dann forsche nach, woran das liegt. An ihrer Beziehung, an der neuen Situation in der neuen Stadt, der neuen Arbeit. In diesem Fall solltest du nachsichtig sein.

Du hast recht, ich sollte den Kern, die Wurzel für ihr Verhalten ergründen.
Ein Gespräch könnte auch einiges bewirken, denn sie weiß nicht, dass ich hochsensibel bin. So könnte ich ihr meine Perspektive auf die Dinge schildern, damit sie auch mein Verhalten nachvollziehen, mich mit meinen Bedürfnissen besser verstehen und darauf eingehen kann. Was sagst du dazu?
Sollte ich sie generell auch über meine Gedanken bezüglich ihres Umzuges und meinem dadurch ausgelösten Kummer informieren?

Mich würde es interessieren, wie deine mir sehr ähnliche Lage aussieht und wie du speziell damit umgegangen bist/umgehst. Wenn du möchtest, kannst du auch gerne von dir berichten :-)

Danke für deinen Zuspruch! _rosegirl_

LG
Pünktchenbeere
Pünktchenbeere
 

Re: Haben wir ein anderes Bild von Freundschaften?

Beitragvon Krümelkeks » Mo 6. Nov 2017, 00:41

Das hab ihr beide sehr schön geschrieben. Ich sehe das ganz genauso. Bei mir gehen Freundschaften immer extrem tief, was nicht immer alle verstehen können. Einige finden dann, ich sei zu anhänglich, aber ich empfinde dann einfach wahnsinnig viel für die Person, was halt viele Leute nicht nachvollziehen können. Ein Beispiel: Eine Freundin von mir lag einige Zeit lang auf der Intensivstation. Sie war wach und nicht in Lebensgefahr, also dahingehend musste man sich keine Sorgen machen, aber es durften sie nur die engste Familie besuchen, was mich natürlich nicht einschloss. Jetzt ist sie endlich wieder zu Hause und wir haben abgemacht, dass ich sie diese Woche besuche. Nur darf ich nicht krank werden, weil ihr Immunsystem noch sehr geschwächt ist. Das heißt, wenn ich krank bin, kann ich sie nicht besuchen. Nun stand ich heute (ohne Eigenverschulden) blöderweise fast eine Stunde lang im Regen und in der Kälte und jetzt hab ich so einen Riesenschiss, dass ich mich erkältet habe, dass ich vorhin schon fast am Verzweifeln war. Ich möchte sie so gerne endlich mal wieder sehen, da ich jetzt schon so lange nicht mehr mit ihr sprechen konnte. Ich wäre richtig am Boden, wenn sich das nun wegen einer Krankheit zerschlagen sollte. Ich glaube, jemand, der nicht hs ist, reagiert auf sowas anders. Eher so mit einem "Ach Mann, das ist echt wahnsinnig schade, aber na gut, dann treffen wir uns eben später mal." Ich reagiere da heftiger, weil es mir so wichtig ist, in regelmäßigem Kontakt mit meinen Lieblingsmenschen zu bleiben und sie auch regelmäßig im realen Leben zu sehen.

Entschuldigt, jetzt habe ich sehr viel über mich geredet. Ich will damit nur sagen, dass ich das, was ihr gesagt habt, 1 zu 1 unterschreibe. :)
Krümelkeks
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