Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Kennedy » Mi 1. Mai 2019, 14:05

Hallo,

ich habe mich mehrere Male in meinem Leben nicht gut von Menschen verabschiedet, die ich vermutlich nicht mehr wiedersehen werde. Deswegen habe ich mich schon mehrmals über mich selbst geärgert. Kürzlich ist mir aufgegangen, dass mir das Abschied nehmen so weh tut und daher schwer fällt, so dass ich einen Bogen darum mache. Das ist natürlich keine gute Problemlösungsstrategie, aber man muss es ja erst einmal verstanden haben wieso man sich so verhält.

Ich denke dann noch nach Jahrzehnten an verschiedene Menschen zurück. Wie es ihnen jetzt geht, ob sie glücklich sind. In einigen Fällen könnte ich sie sogar über Xing oder LinkedIn anschreiben, aber das mache ich natürlich nicht, weil es völlig bekloppt rüberkommen würde. Dann denke ich, dass es doch schade ist wie man nette Menschen einfach verliert. Das tut mir dann manchmal echt ein bisschen weh.

Das ist jetzt nicht unbedingt ein Thema für Hochsensible. Hat nicht direkt was mit Lärmempfindlichkeit zu tun und solche typischen Themen von Hochsensiblen, aber hier hat man eher ein Forum mit Leuten, die nachvollziehen können wovon man redet ...

Hat das hier jemand auch mit dem Nachhängen nach netten Menschen, die man nicht mehr sehen wird? Hat das jemand auch, dass Verabschiedungen sehr weh tun und man es schwer aushalten kann? Manche Leute können andere völlig problemlos komplett vergessen. Habe ich schon einige Male erlebt. Bei mir ist das ziemlich andersrum.

Grüße, Kennedy
Kennedy
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon AnnLuana » Do 2. Mai 2019, 21:20

Hallo Kennedy,

ich musste mich mit dem Thema Abschied vor kurzem auch beschäftigen.
Es ist, wie du es bereits formuliert hast, einfach ein netter Mensch, der aufgrund des derzeitigen Wohnungsmarktes eventuell nicht in der Stadt bleiben kann.
Genau genommen spreche ich von meinem Gitarrenlehrer.
Nachdem er mir das erzählt hat, wurde ich sehr, sehr traurig. Tagelang habe ich mich damit beschäftigt. Und das beinah ausschließlich. Ich glaube für mich hat der Abschied an der Stelle schon ein Stück weit begonnen.

Ich bin auch überzeugt, dass mir diese verfrühte Vorbereitung ein Stück weit hilft, die Kontrolle zu behalten. Denn es ist für mich verdammt hart und schmerzhaft, Menschen, die ich lieb gewonnen habe, nicht mehr sehen zu können...
Wir müssen nicht mal befreundet sein, damit mich sowas voll aus der Bahn wirft.

Daher kann ich verstehen, dass du oft an sie denkst. Ginge mir wahrscheinlich auch so...

Eventuell würde ich es wagen, die Menschen, an die ich noch denke, mal anzuschreiben. Was hat man schon zu verlieren? ;)

Liebe Grüße
Ann
AnnLuana
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Träumerle » Fr 3. Mai 2019, 21:22

Hallo Kennedy,

ganz klares JA von mir.

Und nicht nur bei Personen, teilweise beobachte ich dieses Phänomen an mir sogar bei Orten und gar Gegenständen. Für mich ist das nur logisch, denn als HSP baue ich schnell emotionale Bindungen zu so ziemlich allem und jedem auf. Daher würde ich das Thema auch als typisches HS-Thema einordnen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon aus Gründen des Abschieds geweint habe. Sobald ich mich an etwas oder jemanden gewöhnt habe, möchte ich das nicht mehr missen und wenn es unvermeidbar ist, kann es dauern, bis ich die "Nachfolger" akzeptiert habe (wenn es denn überhaupt passiert). In den emotionalen Bindungen verfange ich mich dann wie in einem Spinnennetz und ich kann mir vorstellen, dass es ganz vielen HSP's genauso geht. Irgendwann realisiert man dann schon, dass diese Person nicht mehr da ist, aber bis zu diesem Punkt ist es meist ein harter Weg, bereitet von mitunter schmerzender Trauer. Mit das außergewöhnlichste Beispiel bei mir war auf einer Rückreise vom Urlaub: Als wir vom Flughafen nach Hause wollten, hielten wir einfach das nächste Taxi an und wurden die 30 km nach Hause gefahren. Kaum zu glauben, aber ich vermisste diesen Taxifahrer, obwohl ich mit dem kein Wort gewechselt hatte, ein bisschen nach unserer Ankunft. Rückblickend verdächtige ich da meine HS als "Übeltäter".

Generell bleiben mir auch Menschen im Gedächtnis, denen ich ein einziges Mal in meinem Leben für ein paar Minuten oder Stunden begegnet bin und dann nie wieder. Überleg(t) mal, bestimmt kann jeder hier sich noch an etliche Leute aus dieser Kategorie erinnern. Selbst diese Menschen behalte ich meist in guter Erinnerung und denke an sie zurück, auch wenn das eigentlich Fremde waren. Ich darf gerade bei solchen Abschieden nicht daran denken, dass man sich nie wieder sehen wird. Da kommt es auch weniger auf die Sympathie der Person an, als viel mehr auf diese wenn auch kurze gemeinsame Zeit, in welcher Form auch immer. Diese Menschen währen vermutlich ewig in meinem Gedächtnis und alle Personen, mit denen ich mal zu tun hatte, egal ob Touristenführer aus dem Urlaub, Bedienungen in Restaurants, irgendwelche Schwimmtrainer oder Keyboard-Lehrer, Leute aus meiner Kindergartengruppe oder Grundschule, ich kann nach dem endgültigen Abschied nicht einfach diese Person ad acta legen, sondern sie ist in meinem Kopf immer mal wieder präsent, dann denke ich an diese bestimmte Person und das, was ich mit ihr verbinde, zurück. Als kleiner Nostalgiker ist das wohl auch keine Überraschung mehr.

Das Thema Abschied ist bei mir gerade, bzw. sehr bald auch extrem präsent, da ich mich in einigen Wochen von einem Dutzend Leute auf einmal verabschieden muss. Die Rede ist von meiner Klasse, und mir ist dann auch bewusst, dass ich diese Menschen, die ich seit dreieinhalb Jahren kenne, mit denen ich einen nicht gerade kleinen Teil meiner Schulzeit verbracht habe, plötzlich nie mehr sehen werde. In den Sommerferien gilt es dann also auch, Trauerarbeit zu leisten... deshalb könnte ich auch nie einen Beruf ausüben, bei dem man mit vielen Menschen zu tun hat, die dann wieder gehen, ehe neue kommen, die dann irgendwann auch wieder gehen usw. Ein kleiner Schwachpunkt der HS, wir stellen uns mit diesem intensiven Liebgewinnen von Personen und Dingen am Ende selbst die Falle. Aber was soll man machen, intensiver fühlen heißt eben auch, sich intensiver mit seinem Umfeld verbunden zu fühlen, das Verhältnis zu Menschen wird emotionaler empfunden als bei Nicht-HSP's (ist das nicht sogar ein Punkt im "Zart-besaitet"-Test?).

Wie gesagt, ich muss mit einem Menschen nicht befreundet sein, ich muss ihn auch nicht lange kennen, eine kurze, einmalige Begegnung kann bereits ausreichen, um dieses schwere Gefühl auszulösen. Das schmerzt und geht mitten ins Herz, dabei leben diese Personen ja alle weiter, es geht ihnen gut. Beruhigen tut es mich persönlich etwas, wenn ich immer noch die Möglichkeit habe, jemanden irgendwie zu erreichen und da reicht bereits ein alter zerknüllter Zettel mit einer Telefonnummer. Sozusagen schlägt man die Tür zu diesem Menschen nicht komplett zu, sondern lässt sie zu einem winzigen Spalt geöffnet. Auch Fotos von Menschen, Orten und Gegenständen helfen eventuell über diesen Kummer hinweg. Und ich denke mir auch öfters, die Welt ist klein, es gibt auch immer noch die Möglichkeit, dass man sich zufällig irgendwann noch mal begegnet und spätestens dann sind diese drückenden Gefühle des Abschieds von dieser Person ganz schnell verschwunden. Denn wie heißt es so schön: Man sieht sich immer zweimal im Leben. icon_winkle

Liebe Grüße,
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 3. Mai 2019, 22:59

Träumerle hat geschrieben:Ein kleiner Schwachpunkt der HS, wir stellen uns mit diesem intensiven Liebgewinnen von Personen und Dingen am Ende selbst die Falle. Aber was soll man machen, intensiver fühlen heißt eben auch, sich intensiver mit seinem Umfeld verbunden zu fühlen, das Verhältnis zu Menschen wird emotionaler empfunden als bei Nicht-HSP's (ist das nicht sogar ein Punkt im "Zart-besaitet"-Test?).


Hi Träumerle,

deine Aussagen haben für mich sehr generalisierenden Charakter. Ich glaube nicht, das man davon ausgehen kann, dass alle HSPs in der Hinsicht gleich ticken. Ebenso würde ich deine Feststellung das alle Nicht-HSPs weniger emotional empfinden als HSPs in so allgemeiner Form nicht bestätigen.

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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Träumerle » Fr 3. Mai 2019, 23:21

Hi DesdiNova,

Ist das so rübergekommen? Das tut mir jetzt wirklich sehr leid, ich bin dennoch von dieser Annahme, die jedoch nicht so schwarz-weiß wirken sollte, stark ausgegangen, da es mir logisch schien. Vom Gegenteil lasse ich mich jedoch gerne überzeugen. Was hast du denn für Erfahrungen und Meinungen zu dem Thema?

LG
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 3. Mai 2019, 23:51

Hi Träumerle,

es ist gut möglich das es in einzelnen Menschen diese Unterschiede gibt, und sie dann gegenüberstellt "schwarz-weiß" wirken, um bei deiner Wortwahl zu bleiben. Ich denke aber das jeder Mensch auf seine eigene Weise anders ist und sich auch im Laufe des Lebens weiter verändert, das Empfinden ist nicht in Stein gemeißelt.

Ich würde da keine Linie ziehen wollen zwischen HSPs und Nicht-HSPs. Speziell was Emotionen angeht. Man sieht auch hier im Forum immer wieder, das HSP keine homogene Gruppe sind, was wohl genauso für Nicht-HSP gilt. Das ist zumindest meine Sichtweise.

Träumerle hat geschrieben:Was hast du denn für Erfahrungen und Meinungen zu dem Thema?


Hm, bei mir ist das Thema Abschied oft sehr unterschiedlich verlaufen. Ich selbst als Mensch verhalte mich auch nicht in allen Lebensphasen immer gleich, das kommt noch dazu. Manche Erfahrungen prägen einen, und dann verhält man sich mitunter zukünftig anders.

Wenn ich jemanden mag und mich mit ihm verbunden fühle, dann würde ich mich auch nicht von der Person komplett verabschieden und gehe davon aus, das die Person es auch nicht will. Heute ist man ja so gut vernetzt, das es eigentlich unmöglich ist den Kontakt so ohne weiteres zu verlieren.

Ich schreibe z.B. regelmäßig mit Freunden aus meiner Studienzeit und fahre auch mindestens 1x im Jahr zu Besuch dorthin.

Kontakte wollen gepflegt werden. Wenn es dann von einer Seite her einschläft, dann war die Verbindung entweder nie so eng oder man hat sich auseinandergelebt, das ist manchmal der Lauf der Dinge und man kann es nicht beeinflussen.

Ich habe in den letzten Monaten einige Freunde aus meiner Schulzeit zufällig wieder getroffen, und auch da den Kontakt in einigen Fällen wieder aufleben lassen. Vielleicht hast du folgenden Spruch schonmal gehört, in alten Freunden erkennt man auch immer sich selbst. Mir tut es jedenfalls gut, es stärkt meine Bodenständigkeit und meine Wurzeln, die ich als oft verträumter Zeitgenosse der mit dem Kopf in den Wolken hängt dringend brauche.

TRIGGERWARNUNG - es folgen ein paar sensible Informationen, die vlt nicht für jeden geeignet sind -

Wirklich Abschied nehmen bedeutet für mich glaube ich eher wenn man jemanden wirklich unwiderbringlich verliert. Mein bester Freund hat vor sieben Jahren Selbstmord begangen. Er taucht noch regelmäßig in meinen Träumen auf, und da ist es dann so als wäre er nie von uns gegangen. Also in dieser Hinsicht fällt mir das Abschied nehmen offensichtlich schwer.

Daraus kann ich für mich eigentlich nur die Lehre ziehen, die Zeit die ich mit den Personen habe die mir wichtig sind, auch zu nutzen. Ich habe z.B. WhatsApp neben meinem Handy auch auf dem PC installiert (ermöglicht die Nutzung der Computertastatur und auch Uploads/Downloads sind komfortabler) und kann so meine Kontakte sehr effektiv pflegen, nur ein paar Minuten jeden Tag reichen schon um Nachrichten von Freunden abzuarbeiten, diese Zeit nehme ich mir stets; Facebook nutze ich aber nicht, obwohl es dafür gut geeignet sein soll.

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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Sa 4. Mai 2019, 08:31

Hallo zusammen, hallo Kennedy,

ja, Abschied ist für mich auch ein elementares menschliches Thema.
Wir Menschen leben ja nun mal mit anderen Lebewesen in Verbindungen. Und dieses Verbindungsnetz ist auch kein statisches Gefüge, es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Und manche Verbindungen bleiben einem auch ganz lange, aber ewig geht auch das nicht, irgendwann gibt’s auch da einen Abschied, das liegt in der Natur der Sache, auch wenn man es überhaupt nicht will.

Grundsätzlich bestimmt sich bei mir der Abschiedsschmerz danach, wie eng ich mich mit jemandem verbunden gefühlt habe. Bei netten Kontakten, die mir aber nicht wirklich viel bedeuten, fällt mir der Abschied natürlich viel leichter oder ich merke ihn sogar kaum (ein bisschen anders als bei dir, Träumerle :-) ). Aber dann gibt es auch ganz viele Nähe-Zwischenstufen – schließlich bis hin zu sehr engen Verbindungen, bei denen mir der Abschied ungeheuer schwer ist, und ich leide auch intensiv und sehr lange darunter.

Es kommt auch noch die Ursache eines Abschieds hinzu, ich meine, speziell bei den engeren Verbindungen: ist es ein Abschied ohne mein Zutun, d. h. der andere geht von sich aus, oder verliere ich ihn sogar an den Tod? Oder aber steige ich selbst aus, aufgrund von zu vielen Enttäuschungen oder dem Feststellen, dass es doch nicht oder nicht mehr passt?
Ersteres ist etwas schwerer zu verkraften als letzteres, finde ich. Aber auch im zweiten Fall muss ich einiges verdauen, das auch länger im Magen liegt.

Mir jedenfalls hilft da die Phrase vom „loslassen“ zwar ein bisschen, aber dann doch auch nur begrenzt: Schmerz ist Schmerz. :-(

Wie der Abschied dann abläuft – der Kontakt einfach ohne große Worte ausläuft oder ob er klar ausgesprochen wird - , lässt zwar auch meine Gedanken noch mal hin- und herschießen, aber ist für mich nicht ganz so wichtig, auch wenn ich es etwas mehr bevorzuge zu wissen, was der Grund bei mir und dem anderen ist, dass ein Abschied stattfindet.

Ich denke, menschliches Zusammensein birgt wunderbare, große Gefühle (von Liebe, Zuneigung und Freundschaft) in sich, aber auch riesige, schmerzliche Gefühle (von Verlust und Abschied).
Und ich überlege mir: Kann es manchmal sein, dass wenn man viel Angst hat vor dem Abschiedsschmerz, man sich vielleicht auch auf Liebe und Zuneigung nicht so einlassen kann, ich meine so als Selbstschutz vor dem Schmerz? - Oder ist es nicht trotzdem wertvoll, sich für diese beiden großen Gefühle zu öffnen?

Auf deine konkrete Situation bezogen, Kennedy, sehe ich das ähnlich wie Ann:
AnnLuana hat geschrieben:Eventuell würde ich es wagen, die Menschen, an die ich noch denke, mal anzuschreiben. Was hat man schon zu verlieren? ;)
Ist manchmal ganz lustig, auch meiner Erfahrung nach, was dabei herauskommen kann! [*]

Viele Grüße :-)
Anima
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Träumerle » Sa 4. Mai 2019, 11:05

Hallo Anima :-)

Eine kleine Ergänzung noch von mir, da mein Post gestern Abend scheinbar doch etwas missverstanden wurde: Ich breche natürlich nicht in Tränen aus, wenn ich mich von diesen sozialen "Eintagsfliegen" wieder verabschieden muss und bin auch nicht wirklich traurig, wenn ich dabei nicht in diesen Gedankenstrudel "Wir werden uns nie wieder sehen" gerate. Und das geht allermeistens gut. Aber irgendwann hinterher denke ich an diese Menschen zurück, während andere diese längst wieder vergessen hätten. Das zeigt mir, dass mich diese Personen schon in gewisser Weise beschäftigen. Die Taxi-Geschichte hat sich für mich wirklich so angefühlt, kann aber einfach durch andere Faktoren (z. B. den Strapazen der Reise) getriggert worden sein.

Und Menschen, die mir dann doch wirklich unsympathisch sind, bedauere ich nicht, wenn diese aus meinem Leben verschwinden, dann bin ich sogar froh, diese Person los zu sein. Da ist es dann egal, ob man sich eine Woche oder jahrelang kannte. Es gibt Menschen, mit denen man einfach nicht zurecht kommt und die brauche ich wirklich nicht.

Was das nachträgliche Kontaktieren von abgebrochenen Kontakten angeht, sehe ich das aber nicht so leicht wie ihr, da mich sowas extrem viel Überwindung kostet. In solchen Situationen gewinnt meine Schüchternheit die totale Oberhand, generell fällt es mir sehr schwer, da die Initiative zu ergreifen. Außerdem steckt in mir dieser Urgedanke, dass es dann wieder zu einem ganz intensiven Kontakt kommen könnte und wenn ich das ein paar Mal machen würde, wäre ich schon wieder überfordert, denn jeder zusätzliche Kontakt in meinem Leben bedeutet für mich auch Stress, weswegen ich mein Umfeld ja auch so klein wie nur möglich halte (die Introversion lässt grüßen :-) ). Mir geht es tatsächlich nur um die bloße Möglichkeit, jemanden zu erreichen. Ich kann mich auch gar nicht daran erinnern, diese je genutzt zu haben...

Liebe Grüße,
Träumerle :-)
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Re: Habt ihr auch Probleme mit Abschied nehmen?

Beitragvon Kennedy » Mo 13. Mai 2019, 00:25

Hallo,

nachdem für einige Tage gar keine Antwort kam, habe ich nicht mehr so nachgeschaut. Aber jetzt sehe ich, dass inzwischen viel passiert ist :-).

AnnLuana hat geschrieben:Nachdem er mir das erzählt hat, wurde ich sehr, sehr traurig. Tagelang habe ich mich damit beschäftigt. Und das beinah ausschließlich. Ich glaube für mich hat der Abschied an der Stelle schon ein Stück weit begonnen.

Man nimmt für sich selbst Abschied in seinen eigenen Gedanken. Die Präsenz des anderen Menschen ist nur erdacht. So habe ich das auch oft gemacht. Ich denke im Nachhinein wäre der Abschied viel besser gewesen, wenn ich versucht hätte sich von dem anderen Menschen persönlich freundlich zu verabschieden. Dem habe ich mich einfach entzogen, weil ich Furcht vor der dadurch bedingten emotionalen Überlastung gehabt habe. Ich glaube aber, dass die >>persönliche << Verabschiedung den Abschied viel leichter gemacht hätte. Man hat dann nachher nicht mehr das quälende Gefühl, dass dieser Mensch für immer weg ist und man die persönliche Verabschiedung nicht mehr nachholen kann.

Träumerle hat geschrieben:In den emotionalen Bindungen verfange ich mich dann wie in einem Spinnennetz und ich kann mir vorstellen, dass es ganz vielen HSP's genauso geht. Irgendwann realisiert man dann schon, dass diese Person nicht mehr da ist, aber bis zu diesem Punkt ist es meist ein harter Weg

Das ist mir inzwischen auch aufgegangen, dass es eine emotionale Sache ist. Und so wie sie abläuft tut sie einem schlichtweg nicht gut. Also habe ich mal geschaut, was es in der Bücherwelt dazu gibt und habe das hier gefunden: "Der Weg zur emotionalen Selbständigkeit" von Ernestina Sabrina Mazza. Ich werde mir das kaufen. Ist mir egal, dass es für Frauen geschrieben ist.

Träumerle hat geschrieben:Mit das außergewöhnlichste Beispiel bei mir war auf einer Rückreise vom Urlaub: Als wir vom Flughafen nach Hause wollten, hielten wir einfach das nächste Taxi an und wurden die 30 km nach Hause gefahren. Kaum zu glauben, aber ich vermisste diesen Taxifahrer, obwohl ich mit dem kein Wort gewechselt hatte, ein bisschen nach unserer Ankunft. Rückblickend verdächtige ich da meine HS als "Übeltäter".

Ja, hier gab es keine persönliche Verabschiedung vom Taxifahrer. Deswegen ist es nachher so schwer die Sache loszulassen, weil man später diese persönliche Verabschiedung nicht mehr nachholen kann. Wenn man schüchtern und introvertiert ist, kann man oft nicht gut ein Gespräch führen. Das hat sich bei mir aber immerhin über die letzten 20 Jahre doch ganz gut verbessert. Ich bin sehr viel unter die Leute gegangen als ich gemerkt habe, dass ich alleine bleibe im Leben, wenn ich nicht was tue. Und siehe da, die Leute fanden mich nicht einfach doof wie ich das imer angenommen habe. Ich habe dann auch mal durch lesen von allen möglichen Büchern das Prinzip der "Rechten Rede" entdeckt. Danach redet man immer auf einer "rechten" Weise, d.h. man sagt nie ein grobes Wort. Man redet immer in einem angemessenen Ton egal was passiert. Das "Immer" ist hierbei wichtig. Das legt im Kopf den Schalter um: Wie auch immer der andere sich verhält, ich selbst rede immer auf einer rechten Weise. Das ist für einen selbst sehr wichtig, es geht nicht um den anderen. Auf diese Weise habe ich gemerkt, dass ich nicht so viel Angst haben muss, dass die Konversation irgendwie unangenehm wird. Mit dem Taxifahrer während der Fahrt ein paar Worte wechseln, dann ist auch die Verabschiedung viel leichter.

Träumerle hat geschrieben:Was das nachträgliche Kontaktieren von abgebrochenen Kontakten angeht, sehe ich das aber nicht so leicht wie ihr, da mich sowas extrem viel Überwindung kostet.
Ich habe die letzte Woche viel überlegt, ob ich einer Arbeitskollegin von früher, mit der ich über Xing verbunden bin, eine Mail schicken soll. Ich habe es dann seingelassen. Am Ende war ich eher überzeugt, dass ihr das nicht gut tun würde. Sie kriegt dann von jemanden, von dem sie fast 20 Jahre nichts gehört hat eine Mail ?! Und wieso das überhaupt, würde sie sich fragen. Wenn sie mich gemocht hat, hat sie mich nach so langer Zeit schon lange vergessen und die Sache wieder aufleben zu lassen tut gar nichts gutes, sondern nur weh. Aber das hängt natürlich imer von der Einzelsituation ab. In dem Fall mit dieser Kollegin war die Entscheidung glaube ich richtig.

Grüße, Kennedy
Zuletzt geändert von cindy sun am Di 14. Mai 2019, 17:16, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Aus urheberrechtlichen Gründen und der besseren Nachvollziehbarkeit Verfasser der Zitate nachgetragen
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