Hilflosigkeit aushalten

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon MrBlue » Mo 26. Feb 2018, 12:55

Hallo zum Montag, [*]

Wie geht es Euch damit?
Ich habt gute Freunde und Bekannte, bei dem einen oder anderen gibt es persönliche Probleme im Leben. Und je nach Symphatie fühlt Ihr bei dem einen mehr mit als beim Anderen. Kennt Ihr dieses unbestimmte Gefühl, dem andren unbedingt helfen zu wollen, damit es ihm besser geht und ihr selbst Euch auch wieder besser fühlt?
Klar ist dies in der Emphatiefähigkeit begründet- ganz sachlich mal jetzt ausnahmsweise beschrieben. Dabei müsst Ihr zum Andren nicht unbedingt immer direkten Kontakt haben.

Wie haltet Ihr diese Hilflosigkeit aus und das dumpfe Gefühl nicht helfen zu können (weil der andre Hilfe nicht will oder z.Z. nicht)?

Das Gute ist, mittlerweile habe ich verstanden, nicht helfen zu MÜSSEN, und dies beruhigt ungemein.
Für mich ist es ein Zeichen meiner Emphatie, wenn ich eher bedrückende Gefühle habe - wenn ich an bestimmte Menschen denken, denen es nicht so gut wahrscheinlich geht.

Aber wie schon gesagt, wie geht Ihr mit dieser Hilflosigkeit um? Wie haltet Ihr sie aus? Ist es für Euch eine Art Zeugnis Eurer Emphatie geworden und der Motor, der Euch antreibt, trotzdem für andre da sein zu wollen?

Ganz liebe Grüße
MrBlue
MrBlue
 

Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Neongrau » Mo 26. Feb 2018, 14:06

Hallo MrBlue,

meine Erfahrung ist, dass die Fähigkeit, das Problem zu lösen, meist sowieso alleine bei den Menschen in Problemsituationen liegt. Ich versuche natürlich dennoch, bestmögliche Tipps zu dem Problem des Betroffenen zu geben, und ihn bei der Lösung etwas anzustoßen, aber viel mehr kann ich ihm im Umgang mit diesem Problem helfen. Selbst wenn man nach dem Zuhören noch gar nichts gesagt hat, hat man dem Menschen unter Umständen schon sehr viel helfen können, mit einem offenen Ohr das ihm die Möglichkeit bietet, die Situation mal in Worte zu fassen, aus sich heraus zu lassen. Hilfslosigkeit empfinde ich auch oft, weil ich das Problem anderer Menschen nicht lösen kann, bzw. dabei nicht helfen kann, aber zu wissen, dass man mit dem Zuhören zumindest im Umgang mit diesem Problem helfen könnte, reicht mir dann schon. Diese grundlegende Hilflosigkeit habe ich glaube ich schon als gegeben akzeptiert.

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Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Velvet » Mi 28. Feb 2018, 07:08

Hallo MrBlue,

Kennt Ihr dieses unbestimmte Gefühl, dem andren unbedingt helfen zu wollen, damit es ihm besser geht und ihr selbst Euch auch wieder besser fühlt?


ich kenne, was du da beschreibst. Ich denke, grundsätzlich ist es ganz normal mitzufühlen, wenn es einem nah-oder auch ferner-stehenden Menschen nicht gut geht. Und auch direkt zu fragen, ob man auf irgend eine Weise helfen kann. Lehnt er das ab, muss man dies leider so akzeptieren, es sei denn, das Gegenüber ist tatsächlich durch eine Erkrankung nicht mehr "Herr seiner selbst", davon gehe ich jetzt mal in deiner Fragestellung nicht aus.

Zum obigen Zitat von dir habe ich eine Frage: inwiefern machst du dein Wohlergehen von dem der anderen abhängig? Vielleicht liegt da ein Schlüssel?

Ich z.B. lerne noch immer, dass ich selbst bestimme, ob es mir gut geht oder nicht. Was auch immer um mich herum passiert. Niemandem ist geholfen damit, dass ich auch am Boden liege, wenn es einem meiner Lieben schlecht geht. Im Gegenteil.

Ich selbst empfinde es als zusätzliche Belastung, wenn es mir mal nicht gut geht und ich ziehe andere mit hinunter. Da liegt die Verantwortung für sich und sein Fühlen bei jedem selbst. Und ja, manche Entscheidungen anderer für ihr Leben sind sehr schwer auszuhalten. Aber es hat jeder seinen eigenen Weg und muss die Erfahrungen machen, die Konsequenzen tragen, die seine Entscheidungen mit sich bringen. Da kann man leider nicht wirklich eingreifen. Und das finde ich letztlich auch gut, jedem sein eigenes Leben zuzutrauen selbst dann, wenn es völlig von den eigenen Vorstellungen abweicht.

Mir helfen solche Gedanken und Erkenntnisse dabei, mich vom Leid ein bisschen distanzieren zu können.

Es ist nicht deine Aufgabe und liegt auch nicht in deiner Hand jemanden zu "retten".
Deine Aufgabe ist, dich gut um dich selbst und dein Wohl zu kümmern. Dann bist du auch gut gerüstet, sollte deine Hilfe tatsächlich mal von Nöten und gewollt sein.

Alles Gute :)
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
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Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 28. Feb 2018, 11:15

Hallo MrBlue,

dein Titel hat mich angesprochen, deshalb meine Gedanken dazu.

Genau, das Gefühl von Hilflosigkeit kenne ich gut und ja, ich finde es auch schwer auszuhalten, manchmal extrem schwer. Meine Hilflosigkeit ist omnipräsent angesichts von all dem Elend, von Krankheit und Leiden, von Tod, von Problemen, die meine Mitmenschen haben und auch ich selbst.
Ich habe festgestellt, dass niemand ein solches Hilflosigkeits-Gefühl haben möchte, weil es so quälend ist. Also versucht man, es in irgendeiner Art und Weise abzuwehren.
So gibt es Strategien: sich abzugrenzen, nicht hinzuschauen, das eigene Gefühl dem anderen anzulasten, indem man ihn dafür selbst verantwortlich macht, zu denken „Zum Glück hat es mich nicht erwischt“ oder auch die eigene Ohnmacht an eine höhere Macht zu delegieren, die es richtet oder nicht richtet.

Ich denke, das ist alles sehr menschlich, da es nur zu verständlich ist, diese Sch…-Hilflosigkeit nicht spüren zu wollen.
Trotzdem: für mich sind das keine „Lösungen“. Wie Neongrau geschrieben hat, nicht so selten reicht ein offenes Ohr und ein offenes Auge, um einem anderen das Gefühl zu vermitteln, dass er nicht allein ist, auch wenn man ihm sonst nicht wirklich helfen kann.
Dennoch: die eigene Hilflosigkeit? - Ich schätze, die bleibt einem erhalten und muss man „aushalten“/akzeptieren, da man nichts machen kann, wenn jemand ganz klar die von mir angebotene Hilfe nicht annehmen möchte. Weil man darüber und überhaupt eben über nur Weniges im Leben Kontrolle hat …

Viele Grüße!
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Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon MrBlue » Fr 2. Mär 2018, 12:01

Ihr Lieben,

Mit Freude hab ich gelesen, dass Ihr meine Gedanken und Gefüphle teilt.
Oja, diese Art Hilflosigkeit zu fühlen und zu spüren, dass der Andre sich nicht helfen lassen will, weil er nicht reagiert oder verneint, ist in der Vergangenheit schwer zu begreifen gewesen für mich. Weiss ich doch, wie gut selbst "nur-Reden" sich anfühlen kann. Und selbst wenn das nicht gewollt ist vom Andren, dann ist das für mich JETZT halt SEIN Charakter und SEINE Art damit umzugehen und liegt natürlich NICHT an mir. Dies fällt bzw. fiel mir besonders bei Menschen schwer, die mir mehr am Herzen liegen wie andre.

In diesem einem speziellen Fall denke ich daran zurück, als der Andre völlig von sich aus - abolut unerwartet für mich - sich mir öffnete, was mich mehr als freute und auch ein bisschen stolz machte. Waren es doch alles Dinge, die echt NIEMAND sonst erfahren sollte. Gerade dieses Vertrauen, auch gerade weil derjenige mich damals nicht so gut kannte, liess mich innerlich wachsen und mich auch leider- etwas emotionaler an mein Gegenüber binden. Kennt ihr das, dass gerade die eher unerreichbaren Menschen euch ab und zu reizen, mehr aus ihnen herauszubekommen usw? Das kann erschöpfend werden!! Das musste ich lernen die letzten Jahre, hab fast vier Hahre gebraucht und mich einn Riesenstück voran zu mir selbst geführt, auch zu HS.

In einer Art "Abnabelungsritual" frei nach Silvia Harke hab ich diese Bindung unterbrochen und gehe jetzt locker damit um. Kann ich nur empfehlen.
Strick um den Bauch, andres Ende an einen Gegenstand oder Bild vom Gegenüber, Kerze an, LAUT aussprechen was man jetzt vom Gegenüber NICHT mehr will und sich wünscht, bedanken, Glück wünschen und Schnur durchschneiden. Klingt profan, aber ihr glaubt gar nicht, wie befreiend das Durchschneiden für mich war, hatte hinterher tief Luft geholt. Die Reste solltet Ihr vernichten (Begrabenm, verbrenne, die Toi runter).


Jetzt war der Text wieder länger als erwartet, wusste erst gar nicht, was ich antworten sollte.


Liebe Grüße
MrBlue
MrBlue
 

Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Source » Fr 2. Mär 2018, 15:02

Lieber Mr. Blue,

danke für das Teilen des Abnabelungsrituals. Ein ähnliches Ritual kenne ich auch, mit dem Unterschied, dass du du dem Anderen zurückgibst, was ihm gehört und dir selber von ihm zurückholst, was zu dir gehört. Gute und hilfreiche Sache, um solche Verstrickungen aufzulösen!

Manchmal merke ich nicht, was ich so an Aufträgen und ähnlichem von Anderen bekomme. Das können beispielsweise Zuschreibungen sein wie "Auf dich kann ich mich immer verlassen!" Oft dauert es, bis mir die Erwartungshaltung des Anderen auffällt. Sobald mir klar wird, dass etwas schräg ist und nicht passt, werde ich meistens stutzig und komme auf den Auslöser.

Liebe Grüße
Source
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Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Regina151 » So 4. Mär 2018, 15:01

Hallo MrBlue,
ich erlebe es ständig das sich das Gute zum schlechten verändert.
Dagegen bin ich genauso machtlos wie hilflos. Da mich das dann irgendwie an meine
Kindheit erinnert halte ich das überhaupt nicht aus.
Wenn es aber um Menschen geht die mir nah stehen, dann sehe ich das so.
Jeder sollte seine Probleme auf seine Weise lösen. Wenn man damit auf die Nase fällt, bin ich da
um sie oder ihn aufzufangen. So hilflos sehe ich mich da also nicht.
LG
Regina151
Regina151
 

Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon MrBlue » Mo 5. Mär 2018, 14:24

Schönen Montag,

Source, das Ritual habe ich echt noch ergänzt mit den Worten, dass ich mir hiermit alles zurückhole, was mir zusteht und auch nicht vergessen, dem anderen zu danken und ihm Glück zu wünschen. Nur so glaube ich ist es ausgleichend, ohne Energieziehend zu werden. Hab die Reste beim 1. Mal übrigens verbrannt...das war was, eine Windzug ging durch die Wohnung, d.h. ich hatte Fenster auf, aber ni immer ist es auf einmal so windig. Kann jeder davon halten, wie er meint _angel4_

Das selbe Ritual machte ich noch ein zweites Mal - innerhalb von nem halben Jahr spürte ich dann- warum auch immer- das meine Bindung zu dem anderen sich normalisierte.

Natürlich erinnere ich mich ab und an noch an die ni so schönen Zeiten, wo die Bindung stark war und es ist da so ein hässliches Bauchgefühl. Jedoch bricht dies immer wieder ab jetzt und ich bin frei, kann ich sagen.
MrBlue
 

Re: Hilflosigkeit aushalten

Beitragvon Sterntaler » So 11. Mär 2018, 11:36

Hallo zusammen,

ich finde, diese große Empathie ist mal ein positiver Teil der HS.
Im Laufe der Zeit habe ich aber gelernt, dass man Menschen, die sich nicht helfen lassen wollen, auch nicht helfen kann. Dies war am Anfang schwierig für mich zu verstehen. Gerade mit psychischen Erkrankungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nahezu unmöglich ist, ihnen praktisch zu helfen.
Menschen, die immer nur von sich selbst reden und ihren Müll einfach nur abladen wollen, bremse ich inzwischen sofort aus. Da lasse ich mich nicht mehr missbrauchen.

Aber für andere Menschen bin ich da. Nicht nur mit Gesprächen - je nachdem, was sie wirklich brauchen. Manche tröstende Worte oder ein Aufzeigen eines neuen Weges; manche brauchen Unterstützung auf ihrem Weg; andere eine Suppe, wenn sie schwächeln oder einfach Zeit. Ich verschenke gerne Zeit und ich finde, jeder Mensch sollte sich um seine Mitmenschen kümmern.

Liebe Grüße
Sterntaler
Sterntaler
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Registriert: So 1. Jan 2017, 20:21



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