Hochsensibilität und Perfektionismus

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon HochsenSiebler » Fr 28. Nov 2014, 19:28

Hallo ihr,

ich möchte mal das Thema Hochsensibilität und Perfektionismus anschneiden, es kann natürlich sein, dass es hierzu bereits Threads gibt, möchte aber einfach mal meine Geschichte diesbezpglich erzählen:

Es fing bereits in der Schule an, ich habe teilweise Schulhefte, die nur ein Drittel voll waren, nicht mehr benutzt, wenn ich einen Text zu krakelig geschrieben fand oder zu viel durchgestrichen hatte, weil dann für mich das "Gesamtbild" des Heftes nicht mehr stimmte. Also habe ich dann, nicht jedes Mal, aber manchmal ein neues Heft angefangen, nur da kam es ja früher oder später wieder zu dieser Problematik, sodass ich häufiger neue Hefte gekauft habe.;-)

Dann wurde festgestellt, dass ich kurzsichtig bin und meine Pubertät verbrachte ich dann unter anderem damit, stets zu kontrollieren, ob ich noch alles total scharf sehe, tägliche Sehtests an allem und jedem, an Grashalb, Kanten, Nummernschildern. Einerseits steckt da die Angst der fortschreitenden Kurzsichtigkeit dahinter (zur Info: es fing bei mir an, als ich 10 war und ich hatte dann sogenannte Kurzsichtigkeitsschübe, die bei Kurzsichtigkeit, die mit der Pubertät beginnt, nicht unüblich sind, hatte dann mit 14 schon fast 5 Dioptrieren, mit 18 dann 6 und seitdem hat sich nichts mehr getan, nur, dass wusste ich ja vor 10 Jahren noch nicht, da haben die Ärzte gesagt, 10 Dioptrien schaffst du locker und ich dachte mir, ok, wenn es jetzt jedes Jahr so viel schlechter wird wie zwischen 13 und 14, wo es eineinhalb Dioptrieren waren...), andererseits wr es aber auch eine Art Perfektionismus, vor allem auch, aus beiden Augen genau die gleiche Sehschärfe rauszuholen, was ja gar nicht geht.

Mittlerweile ist das zwar viel besser geworden, aber mein Hand zum Perfektionismus ist immer noch da und immer wieder dadurch getrieben, dass ich Dinge immer wie als eine Art Gesamtbild betrachte. Es gibt einen schönen Sketch mit Dieter Hallervorden wo ein Stück seines einen Hosenbeines abreißt und dann reißt er vom anderen Hosenbein auch was ab, damit es gleich ist, klappt abe rnicht, dann ist das kürzer als das andere, dann reißt er wieder was vom anderen ab, bis er aus der Hose dann eine Mini gemacht hat.;-) Ist ein überspitztes Beispiel, aber es geht ja darum, das Prinzip zu erklären...

Mal angenommen, ich hätte eine Lampe mit 4 Leuchten, in drei davon wären 40 Watt und in einer 20, das würde mich stören, nicht von den Lichtverhältnissen her, aber die Tatsache, dass es nicht 4 mal 40 oder 4 mal 20 ist, sondern so ein Mischmasch... bin auch gegen Primzahlen allergish, ich mag Zahlen, die durch andere teilbar sind, lieber und es fällt mir auch hier im Forum gerade unglaublich schwer, die Texte nicht extra so zu schreiben, dass alle Zeilen immer genau bis zum Rand ausgefüllt sind, denn das mag ich, das wirkt vollkommen.;-)

So, dies mal so als kleiner Eindruck, freue mich auf eure Kommentare dazu.
HochsenSiebler
 

Perfektionismus

Beitragvon Oha » Fr 28. Nov 2014, 21:11

Hallo

ich habe mal eine Zeitlang gemalt..Öl...mit jedem Bild habe ich verbessert...ständig...immer wieder verändert...bei Öl geht das recht gut.

Beim Kochen beim Backen ..veränder ich..optimiere.

Arbeitsgänge...Vorgehensweise der Vorgesetzten...in Wartezimmern bin ich gedanklich am umdekorieren damit nicht jeder den Tisch anrempeln muss wenn er an den Mitwartenden vorbei mus.

Im Strassenverkehr..in der Stadplanung...im Schulwesen...poltische Themen...schlimm.
Oha
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon Waldtänzerin » Fr 28. Nov 2014, 21:19

Oh ja, beim Malen habe ich auch immer verbessert ... und dann war es immer noch nicht gut ... für mich ... (den 1er habe ich leicht bekommen) ... vlt blockiert mich genau das im Heute ... _gruebel_
Waldtänzerin
u.n.e.n.t.b.e.h.r.l.i.c.h.
 
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Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon Oha » Fr 28. Nov 2014, 22:23

Hallo

ich sage schon immer den Kindern das es eine Macke von mir ist..nicht zur Nachahmung empfohlen...mich interessiert viel....ich bin schon eine halbe Hausmeisterin...Schrauberin...künstlerische Dinge fliegen mich an...
So Vieles...was will ich....
Computer ergründen..verstehen..im Menue rumwuseln....
Männer...ananlysieren...erforschen...
Produktionsabläufe verbessern..

Stoppen...aber wie... U72(
Oha
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon HochsenSiebler » Fr 28. Nov 2014, 23:09

Habt ihr denn Menschen in eurem Freundeskreis, die diese Dinge nachvollziehen können?
HochsenSiebler
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon Oha » Fr 28. Nov 2014, 23:28

NNNNEEEIIINNN U72(
Oha
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon tragflaechen » Sa 29. Nov 2014, 00:03

Perfektionismus kann sogar dazu führen, dass man etwas nicht zu Ende bringt. Im Laufe der Zeit habe ich meine Einstellung zu bestimmten Dingen geändert und lebe auch mit einem "normalen" Ergebnis - das hat´s für mich entspannter gemacht. Es gelingt mir aber nicht immer.

Vielleicht könnte man bei einem HSP auch sagen: Der Teufel steckt im Detail! _läch_
tragflaechen
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon Oha » Sa 29. Nov 2014, 00:13

Ja es macht Druck..immer zu verbessern..ich weis....

Dran arbeiten....
Zuletzt geändert von Oha am Sa 29. Nov 2014, 19:15, insgesamt 1-mal geändert.
Oha
 

Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon Mimi1966 » Sa 29. Nov 2014, 01:30

ja, Perfektionismus kenne ich auch als großes Problem.
Besonders wenn mich etwas interessierte, wollte ich mindestens 110% abliefern und am Ende konnte ich froh sein, wenn mehr als 50% dabei herauskamen. _lüpe_

Ich frage mich nur, wie ich es in der letzten Zeit geschafft habe, davon etwas loszukommen. [*]
Vermutlich hängt es doch mit meinen Kindern zusammen, die mir zeigen, dass meistens der Weg das Ziel ist. Denn so lernen Kinder und ich muss sagen, das ist wieder mal ein sehr schönes Beispiel, wo man von Kindern so viel lernen kann, besonders wenn man als Erwachsener sich selbst im Weg steht.
Ich glaube nicht, dass der Perfektionismus zwangsläufig zum HS gehört. Aber wir HS sind bestimmt anfälliger dafür. Besonders wenn es mit einer übersteigerten Anpassungsfähigkeit zusammenkommt. Denn das war bei mir sicher ein Grund für den Perfektionismus.

@Hoch-sensibler
deine Beschreibungen scheinen mir doch auf eine recht extreme Form hinzudeuten, obwohl ich die Tendenzen eindeutig nachvollziehen kann und auch ähnliches bei mir schon beobachtet habe.
Ich weiß nicht wie es dir damit ergeht, aber ich wollte immer weg davon, jede Kleinigkeit auszumerzen, weil es sooo anstrengend ist und letzlich niemanden damit geholfen ist. Allerdings weiß ich auch, dass man das als HS nicht einfach ändern kann. Denn die ganzen Details und Informationen kann man ja nicht ausblenden. Also solltest du versuchen, dein Interesse kontrolliert und absichtlich auf andere Dinge lenken. Also wenn du z.B. einen Text hier zu schreiben beginnst, kannst du dir vornehmen, mehr Gewicht auf die Schreibzeit zu legen als auf die ordentliche Formatierung. Dann wirst du zwar immer noch die nicht perfekten Stellen bemerken und eben auch die vielen anderen Details, die auf uns HS jederzeit hereinprasseln, aber du hast eine andere selbst vorher gewählte Priorität zu beachten, nämlich die kurze Zeit fürs Schreiben. Und so kann man mit etwas Übung sich zielführendere Priorität setzen als sich von den vielen Details ablenken zu lassen.
Vielleicht ist dir damit etwas geholfen, zumindest bin ich damit ganz gut gefahren. Die wirkliche Überwindung dieser Problematik habe ich aber, wie schon oben erzählt, erst richtig durch die Kinder gelernt. _müh_

Viele Grüße
Michael
Wenn du Gedanken denkst, die Gefühle hervorbringen,
hast du Zugang zur Macht des Universums.
_klp_
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Re: Hochsensibilität und Perfektionismus

Beitragvon HochsenSiebler » Sa 29. Nov 2014, 01:41

Mimi1966 hat geschrieben:@Hoch-sensibler
deine Beschreibungen scheinen mir doch auf eine recht extreme Form hinzudeuten, obwohl ich die Tendenzen eindeutig nachvollziehen kann und auch ähnliches bei mir schon beobachtet habe.


Ich muss dazu sagen, vieles davon ist mittlerweile sehr viel besser geworden und ich habe trotzdem immer ganz normal (so normal man als Hochsensiebler eben ist) meinen Alltag gemeistert, insofern habe ich es vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu krass formuliert. Heutzutage zeigt sich der Perfektionismus vor allem in Bezug darauf, dass ich in regelmäßigen Abständen denke, an meinem Körper dürfen keine Ecken und Kanten sein (Augen lasern lassen, da Brillenträger, ins Fitenessstudio gehen, da eher schmächtig, Zähne richten lassen, da nicht ganz gerade), obwohl ich von meinem Umfeld, und da sind Leute dabei, die einem gnadenlos ehrlich sagen, was sie denken, immer höre, dass das Dinge sind, die im Gesamtbild nicht weiter auffallen und mein optisches Erscheinungsbild nicht trüben, zumindest was Brille und Zähne angeht, zunehmen müsste ich wirklich, ich bin nicht magersüchtig, aber für einen deutschen Mann einfach sehr schmächtig, im Süden würde ich widerum gar nicht weiter auffallen, weil da vom Körperbau her ganz viele von meiner Sorte rumlaufen.;-)

Dieses Optimierungsbedürfnis, das Oha beschreibt, kenne ich jedenfalls teilweise auch nur zu gut...
HochsenSiebler
 

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