Hochsensibilität vs. Symptome von Angst-Störungen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Hochsensibilität vs. Symptome von Angst-Störungen

Beitragvon zwiebelchen » Fr 22. Mär 2013, 14:18

Hallo _Mij_

Was meint ihr, kann man Hochsensibilität so einfach von anderen Diagnosen abgrenzen, bei denen man auch sehr empfindlich ist?

Ich habe ein stark generalisierte soziale Phobie / ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, Dysmorphophobie (Schönheits-Hypochondrie) und leichte Depressionen.

Und bei diesen ganzen Sachen ist man ja auch sehr ängstlich und empfindlich. Trotzdem habe ich über die sozialen Ängste hinaus noch das Gefühl, dass ich auch in anderen Hinsichten extrem empfindlich bin. Bei den HS-Test habe ich immer sehr viele Punkte. Ich denke und lese auch ständig "zwischen den Zeilen". Ich kann oft die einfachsten Texte nicht so richtig verstehen, weil ich immer damit beschäftigt bin, in irgendetwas Simples noch mehr hineinzuinterpretieren. Ebenso beim Verhalten von Menschen, da vermute und interpretiere ich auch immer alles Mögliche in ihr bloßes Gesagtes. Wobei das letzte auch mit Misstrauen gegenüber anderen Menschen und Sozialer Phobie zu tun haben kann.

Aber wie weiß man, ob das schon HS ist oder nur Symptome anderer Störungen sind? Wobei sich das bei mir auch auf andere Sinneswahrnehmungen bezieht. Bin sehr lichtempfindlich, ich habe das Gefühl, ich muss bei klarem Himmel schon stark die Augen zusammenkneifen, während andere Leute da noch ganz normal sehen können. Ich merke auch sofort, wenn irgendwas, was ich gekauft habe, leicht anders als beim letzten Mal schmeckt, und will es dann gar nicht mehr essen, während mein Freund da gar keinen Unterschied im Geschmack merkt. Ich bin auch körperlich sehr empfindlich, mir wird bei Kleinigkeiten schnell unwohl/schlecht. Selbst wenn ich nur kurz einkaufen gehe und dann wiederkomme, bin ich total ausgelaugt und fertig und habe das Gefühl, ich muss mich jetzt erst ewig ausruhen, bis ich wieder fit bin. Ich kann es oft nicht ertragen, bestimmte Kleidung zu tragen. Manchmal ziehe ich mich 3x um, selbst bei Schlaf-Sachen, nur weil ich momentan irgendein Kleidungsstück nicht ertragen kann anzuhaben oder mich etwas minimal stört an der Art, wie es sitzt oder sich anfühlt.

Ich denke immer nur an die anderen, versuche ihre Gefühle, auch wenn sie sie nicht direkt ausdrücken, wahrzunehmen und mich daran zu orientieren. (Das kann natürlich wieder soziale Phobie sein.) Ich habe das Gefühl, ich nehme einfach alles ungefilterter wahr als andere und konzentriere mich viel mehr auf Details, Andeutungen und Sachen zwischen den Zeilen als auf das Wesentliche. Und dann ist eben auch körperlich alles schnell sehr auslaugend, stressig und unangenehm für mich.

Was meint ihr? Wenn man schon so viele Diagnosen hat, kann man auch zusätzlich noch HS haben oder sind diese HS-typischen Sachen einfach nur Symptome anderer Angst-Störungen?

LG iwikx
zwiebelchen
zwiebelchen
 

Re: Hochsensibilität vs. Symptome von Angst-Störungen

Beitragvon Vanille » Fr 22. Mär 2013, 19:20

Hallo zwiebelchen _Mij_


Ich bin auch ein ängstlicher Vermeider, nur ist es bei mir nicht ganz so extrem ausgeprägt, wie du es bei dir beschrieben hast, aber genug, um mir meinen Alltag zu erschweren...Der Vorteil ist, dass ich meine beste Freundin seit der 2. Klasse kenne, da ist man dann ja zusammen "auf- und reingewachsen".

Gedanken habe ich mir darüber auch schon gemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass hochsensible Menschen bei einer schwierigen Biographie anfälliger für Angststörungen sind, als normal-sensible Menschen. Mich würde da mal eine Statistik interessieren, wie viele der ängstlichen-Vermeider zugleich hochsensibel sind. Bei der schizoiden PS gehen diverse Psychologen auch davon aus, dass dahinter eine Veranlagung zur Hochsensibilität steckt (habe ich erst letztens einen Artikel drüber gelesen, ziemlich spannend, weil Schizoide ihr Gefühlsleben aus Angst vor Abhängigkeit oder erneuten Verletzungen komplett abspalten und Kontrolle haben wollen, also ein harter cut).

Laut deinen Beschreibungen hast du aber viele Gründe aufgezählt, warum du dich auf der anderen Seite auch als hochsensibel empfindest. Vielleicht könntest du dich selbst mal in Situationen beobachten, in welchen die Symptome der PS nicht auftauchen. Kannst du dich z.B. von Filmen gut abgrenzen, in welchen Menschen oder Tiere leiden? Wie reagierst du auf Musik usw.? Du hast ja geschrieben, dass du auch bei den Tests viele Punkte erzielt hast, vllt kann man da besser differenzieren, wenn man über Situationen reflektiert, die sich nicht unmittelbar mit der PS überschneiden.

zwiebelchen hat geschrieben:Ebenso beim Verhalten von Menschen, da vermute und interpretiere ich auch immer alles Mögliche in ihr bloßes Gesagtes. Wobei das letzte auch mit Misstrauen gegenüber anderen Menschen und Sozialer Phobie zu tun haben kann.


Das ist für mich allerdings auch sehr schwer, da habe ich dann (in Partnerschaften vor allem) sehr schnell von mir auf den anderen geschlossen, aus Misstrauen und Angst eben... 647&/ Aber auch das ist Trainingssache, zum Glück. Ist schwierig, wenn sich beides vermischt, aber an der Wahrnehmung zu arbeiten (also äußere und innere gezielter zu unterscheiden) hilft dann mit der Zeit ganz gut.

Hm.. hoffentlich bringen dir diese Worte etwas, würde am Liebsten gerade alles wieder löschen, bin nicht so auf der Höhe heute _müh_ xD

Liebe Grüße und einen schönen Freitagabend _duckie_
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