Hochsensible Person als Psychologe?!

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Skiouraki1 » So 1. Jun 2014, 20:10

Hallo zusammen,
ich befinde mich gerade in einer sehr komischen Phase meines Lebens, da ich mich mehr oder weniger dazu entscheiden muss, was ich mit meinem restlichen Leben machen will. Ich bin 24 Jahre alt und habe bereits einige Jahre mit Abschluss studiert, allerdings war es schon immer mein großer Traum Psychologin zu werden, und wollte meinen bereits vorhandenen Abschluss, der in Richtung Pädagogik ist, mit der Psychologie vertiefen. Natürlich besitze ich grundlegende Qualitäten, die man als Psychologe haben sollte, das kann ein jeder Hochsensibler nachvollziehen.
Allerdings gibt es ein Problem: wenn ich jemanden treffe, der etwas wirklich Schlimmes erlebt hat, was ja als Psychologe Alltag sein würde, und er erzählt mir von dem schlimmen Ereignis in seinem Leben (sagen wir mal ein vollkommen unerwarteter Selbstmord eines nahen Angehörigen) fühle ich mich danach so schlecht, dass ich kaum mehr klar komme. Ich weiß nicht, wie ich das genazu erklären kann. Aber es ist so, als würde ich in die Gefühlswelt des Anderen schlüpfen, Dinge sehen und erleben, die mir persönlich vollkommen den Boden unter den Füßen wegreißen würden. Ich erlebe mich selbst und meine Wirklichkeit gar nicht richtig in dem Moment, sondern nur noch die Wirklichkeit des Anderen und es kommt mir so grausam vor, und ich weiß absolut nicht, warum die Welt ein so schrecklicher Ort ist. Das Hauptproblem an der ganzen Sache ist, dass wenn ich erlebe was es alles so gibt, was alles so passiert, außerhalb meines geschützten Daseins, dann bringt mich das vollkommen aus dem Gleichgewicht und ich entwickle wirklich Angstsymptome, die nicht mehr schön sind. Ich fühle, dass meine gesamte Realität zusammen bricht und einer weicht, mit der ich nicht zurecht komme. Was soll man dazu sagen? Flucht aus dem wahren Leben? Dass ich mir eine Parallelrealität aufbaue, die sowieso nicht tragbar ist? Was ist allerdings, wenn es Menschen gibt, die wirklich nicht damit umgehen können, wenn sie sehen und hören was für wahrhaftig verstörende Dinge passieren auf der Welt?
Ein Gegenargument, das ich oft höre ist, man lernt damit umzugehen, etc. Aber ich weiß nicht, ob das stimmt, denn die Menschen, die das sagen, sind nicht hochsensibel. Und ich weiß nicht, ob ein Nichthochsensibler die Gefühlswelt eines Hochsensiblen wirklich absolut nachvollziehen kann. Normalsensible Menschen können sich natürlich auch in den anderen hineinversetzen. Aber sie erleben glaub ich nicht dieses Übernehmen der Gefühle. Und so sehr ich auch versuche, es funktioniert so schlecht das abzuschalten. Sogar wenn ich Sendungen oder Filme sehe, die eine Atmosphäre der Spannung und der Gefahr haben, fühle ich mich oftmals danach sehr schlecht und die Gedanken verfolgen mich noch bis in den nächsten Tag.
Ich verstehe irgendwie nicht, natürlich muss man lernen damit umzugehen, und ich bin mir sicher, dass es eines Tages auch noch besser wird. Aber muss man sich als ein Mensch, der so gepolt ist, wirklich den heftigen, verstörenden Dingen aussetzen? Oder ist es so, als würde man einen Menschen, der eine grundlegende Abneigung und Furcht gegen das Wasser hat, dazu bringen Kapitän zu werden? Es ist doch so... entweder man geht daran zu Grunde, oder man entwickelt Strategien und kann neue Qualitäten aus sich schöpfen. Ich bin allerdings sehr verwirrt und wäre dankbar wenn ich Meinungen von anderen Hochsensiblen hören könnte. Könntet ihr euch diesen Beruf vorstellen?
Skiouraki1
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Melothria » Mo 2. Jun 2014, 06:35

Ich glaube, das Abgrenzen, resp. der Umgang mit belasteneden Situationen ist durchaus lernbar. Mir selber hat das älterwerden sehr geholfen. Als Kind und Jugendliche war für mich alles noch überwältigend und furchteinflössend. Mitlerweilen kann ich besser sagen: das sind nicht meine Gefühle.
Und auch wenn es sich im Moment furchtbar anfühlt, weiss ich heute aus Erfahrung, dass es auch wieder vorbeigeht.

Psychologie ist doch ein ziemlich langes Studium, oder? Da hat auch noch einiges Zeit zu reifen in dir.

lg M.
Melothria
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Ikosagon » Mo 2. Jun 2014, 12:59

Hallo allerseits!

Ich bin gestern auf das Forum hier gestoßen und musste mich aufgrund der tollen Beiträge (habe mich schon langer nicht mehr so gut verstanden gefühlt) auch sofort anmelden!

Skiouraki, dieses Thema finde ich sehr interessant, da ich mich auch sehr lange mit dieser Frage Psychologie studieren - ja oder nein? auseinandergesetzt habe.

Ich denke, genau wie du, dass man als hochsensibler Mensch schon die "Grundausstattung" für einen guten Psychologen hat. Man analysiert schnell und tiefgehend die Probleme und Verhaltensmuster anderer Menschen und kann durch diese intensive Wahrnehmung alles schnell zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Man findet irgendwie schnell Lösungsstrategien und kann anderen oftmals auch wirklich damit helfen. Das kennst du vielleicht auch sehr gut aus deinem privaten Umfeld. Ich glaube, das ist bei Hochsensiblen einfach "natürlich" und hat nichts mit Aneignung und dem Lernprozess, mit dem sich andere Studenten dann konfrontieren müssen, zu tun. Und weil es eben so aus einem heraus kommt und einem irgendwo leicht fällt, habe ich auch sehr lange mit dem Gedanken gespielt, das beruflich zu verwirklichen.

Letztendlich habe ich mich aber bewusst dagegen entschieden, obwohl mir sehr viele Menschen immer wieder gesagt haben, das wäre mir auf den Leib geschrieben und ich solle das unbedingt studieren. Ich denke aber inzwischen, dass es für einen hochsensiblen Menschen besonders wichtig ist, mal von diesen Inhalten abzurücken, sich mit Dingen zu beschäftigen, die gar nichts oder nur wenig damit zu tun haben. Zumindest ich merke, dass es mir viel besser geht, wenn ich mich mit "positiven" Dingen auseinandersetze, die einen nicht so stark angreifen, wie du es beschrieben hast. Ich kann das, was du schreibst, unheimlich gut nachvollziehen, mich überwältigen diese schrecklichen Dinge regelrecht, sie verfolgen mich in meinen Gedanken und in meinen Träumen. Es gibt bestimmt Möglichkeiten und Wege, Abwehrmechanismen zu entwickeln und sich besser zu schützen. Allerdings erfordert das mit Sicherheit auch viel Ausdauer und Kraft, die man ja auch irgendwo her nehmen muss. Ich denke, man kann da nicht so einfach aus seiner Haut raus, die Dinge werden einen immer stark bewegen und sich zum Teil auch ins Herz fressen, einen großen Raum einnehmen, da man manches eben einfach nicht so nüchtern und abgestumpft betrachten kann, wie andere Menschen.

Ein anderer Grund, der mich nach und nach davon abgebracht hat, ist, dass es schnell zu einer stark einseitigen Belastung führen kann. Oftmals nimmt man ja im privaten Bereich schon eine ähnliche Rolle ein, hört viel zu, ist viel für andere da, geht in einem hohen Maß auf andere ein und beschäftigt sich abseits von Gesprächen auch stark mit den Sorgen der anderen. Man kann nicht so einfach "abschalten". Ich denke, das kann auch sehr schnell zu viel werden, man beschäftigt sich dann fast den ganzen Tag lang mit diesen Inhalten und hat gedanklich kaum noch Kapazitäten für andere Bereiche, die einen vielleicht positiv beeinflussen könnten oder in denen man noch viel Neues dazu lernen könnte, mal etwas ganz anderes. Und ich denke eben auch, dass man als Hochsensibler sehr viele Fähigkeiten besitzt, die sich bestimmt auch in anderen Bereichen gut entfalten können.
Psychologie ist wirklich wahnsinnig spannend und bereichernd, aber eben auch oft verstörend und das mit diesen Angstsymptomen bei dir klingt für mich schon echt krass.

Ich hoffe, dass dieser Beitrag jetzt nicht zu negativ oder beeinflussend rüber kommt, er soll wirklich nur die Sichtweise, die ich inzwischen erlangt habe, darstellen. Ich merke auch gerade wieder, wie schwierig es ist, auf diese Frage adäquat zu antworten. Du solltest wirklich deinem Gefühl und deinen Wünschen folgen, schauen, bis zu welchem Maß etwas für dich wirklich erträglich ist. Momentan scheinen deine Gefühle da ja auch noch sehr ambivalent zu sein, deswegen würde ich noch mal nach Alternativen schauen und mich viel damit auseinandersetzen, bis ich eine endgültige Entscheidung treffen würde. (:

Ich wünsche dir sehr, dass du etwas findest, das dir gut tut und deinen Vorstellungen gerecht wird.

Viele liebe Grüße!
Ikosagon
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Rojka » Mo 2. Jun 2014, 15:34

Wenn es deine Leidenschaft ist, mach es! Es war ursprünglich auch mein Traum und ich habe es aus Vernunftgründen gelassen. Als Psychologe muss man nicht zwangsläufig Traumatherapie anbieten, es gibt tausend Einsatzmöglichkeiten.
Liebe Grüße, rojka
Rojka
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Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Skiouraki1 » Di 3. Jun 2014, 14:23

Hallo noch einmal,
vielen Dank für die Antworten, ich finde es superlieb, dass ihr euch die Zeit nehmt, um auf die Sorgen anderer einzugehen.
An Ikosagon: Ich finde es sehr interessant, was du da schreibst und stimme allen Dinge vollkommen zu, auch das mit der natürlichen Begabung etc.
Du hast Punkte erwähnt, über die ich noch gar nicht so bewusst nachgedacht habe, und die auch sehr zutreffend sind. Darf ich fragen, mit was du dich schlussendlich beschäftigst?
Um ehrlich zu sein, ich weiß eben nicht, ob es so eine Leidenschaft ist. Ich wollte es, weil ich eine diffuse Idee davon hatte, dass es mir gefallen würde, anderen Menschen mit ihren Problemen zu helfen, da ich gerade diese Begabung habe, mich in den anderen hinein zu versetzen und Ratschläge zu geben. Das und der Beruf des PSychologen liegen aber Weltjahre voneinander entfernt.
Zusätzlich muss ich sagen, dass das mit meiner Angstsymptomatik wirklich extrem ist teilweise. Ein Beispiel: Ich unterhalte mich mit einer Person, und irgendetwas beunruhigt mich. Das kann wirklich lächerlich sein. Es kann mich zum Beispiel beunruhigen, dass ich bemerke, dass die andere Person ihren Kaffee nicht so mag, aber so tut als würde sie ihn mögen, damit keine komische Stimmung aufkommt. Eine so lächerliche Sache kann mich dann vollkommen aus dem Gleichgewicht bringen, weil ich so stark empfinde, dass sich die Person auf eine Art und Weise verstellt, selbst wenn es eine vollkommen triviale Sache ist, die nichts mit unserer Beziehung zu tun hat, sodass mir schwindelig wird, und ich kurzzeitig das Gefühl habe, ich verliere mein Bewusstsein. Ich habe oft damit zu kämpfen. Wenn mir eine Gesamtsituation unheimlich vorkommt, zum Beispiel wenn ich mit meinem Freund eine Strecke entlang fahre, wo viele Schluchten sind, dann fühle ich mich so unsicher dem Leben gegenüber, und habe auf einmal eine erhöhte Sorge, dass ich krank bin, oder dass mein Freund krank ist, oder dass das Leben ein feindlicher Ort ist.
Wenn ich mich mit Menschen befinde, denen es nicht gut geht, depressiv verstimmt oder Sonstiges, dann geht es mir den ganzen Tag schlecht danach.
Wenn mein Freund schlecht gelaunt ist, dann sauge ich seine Traurigkeit auf, und bin danach schlechter drauf als er.
Es ist einfach das was du sagst, Ikosagon: Schafft man es wirklich, sich davon zu entfernen, so zu sein, wie man ist? Ich dachte schon mit 17, dass sich das irgendwann mal bessern würde, aber jetzt mit 24 kann ich sagen, dass wenn ich mich in bedrohlichen Situationen befinde, genauso körperlich reagiere, wie auch mit 17. Teilweise bemerke ich sogar noch Verschlechterungen, weil das Leben auch schwieriger wird, je älter man wird.
Als ich mich 2 Monate in einer fremden Stadt befand, alleine, für einen Abschnitt meines vorherigen Studiums, fühlte ich mich unentwegt schwindelig und hatte sogar Angst bis zum Supermarkt zu gehen, so intensiv war das Gefühl, ich würde umfallen, bzw. eine Panikattacke bekommen. Einfach weil ich mich nicht beschützt gefühlt habe und fremd....
Was sagt man dazu? Ich finde es schon alles sehr krass. Wenn ich jedoch in einer beschützten Umgebung bin, mit Menschen, die mich lieben, und die mir ein Gefühl von Normalität geben, dann funktioniere ich ganz gut und normal, ohne all diese Symptome.
Die anderen Bereiche der Psychologie interessieren mich leider noch weniger.
In der Uni habe ich starke Fluchten in meine Traumwelt, und wenn ich nach Hause fahre, fühle ich mich, als müsste ich meinen Kopf unentwegt beschäftigen, sodass ich heilfroh bin, wenn ich daheim bin, um mich endlich von mir selbst abzulenken. Sagt einem das nicht irgendwas? Ich meine, man muss sich ja nicht dran gewöhnen immer so unglücklich zu sein. Selbst als HSP kann man glücklich und ausgefüllt sein. :/
Skiouraki1
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon yeoldecranky » Di 3. Jun 2014, 19:07

Zu Deiner Frage kann ich Dir keine Antwort gegen, mangels eigener
Erfahrung. Ich selbst habe in früheren Jahren mal mit einem
Psychologie-Studium geliebäugelt; dann aber ziemlich früh begriffen,
daß das doch vor allem ein Versuch gewesen wäre, mich selbst zu
verstehen und vielleicht auch zu therapieren. Und so habe ich
stattdessen zumindest teilweise für mich Dinge gefunden, die mir ein
Stück weit durchs Leben helfen; hätte aber große Schwierigkeiten, das
anderen Menschen mehr oder weniger stark zu empfehlen.

Ob das für Dich die richtige Entscheidung ist ... durch Grübeln wirst
Du es kaum herausfinden. Aber mal die Studienberatung fragen, die
allgemeine oder auch die am psychologischen Institut? Die sollten Dir
mindestens weitere Kriterien geben, vielleicht auch ein kleines
Praktikum oder ähnliches vermitteln können. Wenn die Beratung gut ist,
wird sie gerade den Zweifelnden gerne helfen. Und wenn die Empfehlung
"Laß es lieber bleiben" ist, dann ist es vielleicht schmerzhaft, aber
es ist niemandem geholfen, wenn Du Dich mit viel Mühe durchs Studium
quälst und am Schluß doch auf einem Platz landest, wo Du nicht
hingehörst.

Zu Deiner starken Reaktion auf Erzählungen: Lies mal über
"Spiegelneuronen" nach. Den Begriff kenne ich auch erst ein paar
Wochen, ich fühlte mich sehr stark angesprochen. Ob Du Dich mit
stärkerer Konfrontation densibilisieren kannst? Ich kann es aus der
Ferne nicht entscheiden. Aber bedenke, um einen drastischen
bildlichen Vergleich zu bringen: Die Einstellung von "Was mich nicht
umbringt, macht mich stärker" schließt auch ein, daß ich mit ersterem
zu rechnen bereit bin. Die Zahl der Psychologen, die an ihrer Arbeit
zerbrechen, ist ziemlich hoch. Darüber wird nicht viel geredet.
E-Mail: cah­neece(at)web.de

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nido de silencio quieto / es mi refugio natural
yeoldecranky
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Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Pusteblümchen » Di 3. Jun 2014, 19:33

Ich bin überzeugt, dass wir HSP das tun sollten, was wir für wichtig erachten, sonst machen wir uns ein Leben lang Gedanken (was wäre wenn ich es doch gemacht hätte.... dieses "nachkarteln"). Wenn du unsicher bist, solltest du es lieber sein lassen. Wenn es dein Traum ist, lebe ihn.

Eine HSP, die mit anderen Menschen arbeitet, braucht immer genug Erholungsphasen und Verarbeitungsmöglichkeiten, die kannst du dir einrichten. Du wirst Techniken lernen (müssen), die dir helfen abzuschalten und loszulassen (aber das ist doch sicher Inhalt des Studiums?).
Außerdem gibt es ja auch Supervision.

Und wer weiß, vielleicht willst du nach dem Studium gar nicht in der Therapie arbeiten, sondern Seminare geben, in der Wirtschaft/Werbung arbeiten oder ganz was anderes mit deinem Psycho-Studium anfangen U72( Man entwickelt sich ja weiter.

Alles Gute!
Pusteblümchen
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Sora » Di 3. Jun 2014, 20:00

Hei,
die Frage nach einem Psychologie-Forum stellte sich mir auch, jedoch hab ich es gelassen. Denn genau diese Abgrenzungs-Problematik kenne ich auch. Darum habe ich mir einen Bereich geschaffen, in dem ich zwar keine Psychologie-Praxis habe, aber doch mit Menschen auf demselben Niveau arbeiten kann - und dabei die Kontrolle behalte, wann es zuviel wird und wann nicht.
Jeder Mensch kann Seelsorger sein. Das wollte ich schon ganz lange mal machen und habe nun durch mein Forum die Möglichkeit, Menschen zu erreichen. Und es funktioniert! Die Gothic Seelsorge ist genau mein Ding, sie gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden und dennoch kann ich einen gewissen Abstand wahren, damit meine Priorität trotzdem auf meinem Privatleben liegt. Die Menschen nehmen mir das auch nicht krumm, sie freuen sich, wenn man hilft, aber wenn es nicht geht, verstehen sie das auch.

Vielleicht wäre das ja ein passender Kompromiss. Man kann ja trotzdem Fachliteratur lesen und so sein Interesse auf dem Gebiet vertiefen, aber man ist nicht gezwungen, seine Existenz daran zu hängen und sich somit völlig zu überlasten.
Anders sein kann auch bedeuten,
sich nicht jedes Mal zu häuten,
wenn der Wind sich einmal dreht,
schmerzhaft ins Gesicht dir weht;
nach dem eignen Weg zu suchen,
auch einmal für andre bluten,
nicht die Augen zu verschließen
und den Gegenwind genießen!

~ Eric Fish ~
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Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon Ikosagon » Mi 4. Jun 2014, 15:58

Liebe Skiouraki, es freut mich sehr, dass dir meine Antwort ein bisschen weitergeholfen hat. Ich habe mir schon Sorgen gemacht und dachte, dass ich es vielleicht insgesamt zu negativ dargestellt habe.

Ich denke natürlich auch, dass man seine Träume nicht aufgeben sollte, aber manchmal muss man
sich eben auch fragen, welche Konsequenzen mit der Umsetzung verbunden sind…
Das, was du über die Wirkung der Geschichten/Stimmungen anderer erzählst, finde ich eben schon sehr
heftig und ich kenne das ja auch total gut. Insbesondere dieses Phänomen, dass die Stimmung
eines anderen mich total aus der Bahn werfen kann und ich sie quasi übernehme.
Ich denke zwar, dass es auch noch mal davon abhängig ist, wie stark man sich dieser Person verbunden fühlt, aber selbst die von nicht so nahestehenden Personen greifen einen an.
Ich habe das z.B. auch immer ganz stark bei meinem Freund. Wenn er sich dann wieder beruhigt hat, sitzt diese
Trauer, diese komplette Stimmung immer noch in mir und belastet mich total.

Ich bin auch noch stark auf der Suche…mir fällt diese Entscheidung extrem schwierig.
Im letzten Jahr hatte ich irgendwie eine sehr problematische Phase, in der mir die ganze Welt
total banal erschien und das Studieren/die Berufswahl bei mir stark in den Hintergrund gerückt ist.
Ich war irgendwie so in meiner Gedankenwelt versunken, dass mir die ganze "normale" Welt extrem fremd
vorkam und ich da irgendwie keinen Platz mehr für mich gesehen habe.
Ich habe das jetzt zwar ein bisschen überwunden, stehe aber irgendwie immer
noch vor dieser harten Entscheidung und "erspüre" momentan einfach nicht so, wo mein Weg
hingehen soll.
Ich interessiere mich sehr für Kunst, das ist einfach ein großer Teil von mir. Da kann man so viel
von sich reinlegen, so viel Fantasie und die ganzen Gefühle.
Was ich auch sehr mag, ist Mathe - das klärt irgendwie meinen Kopf, das ist so etwas reines, abstraktes, irgendwie
ein angenehmer Ausgleich zu meiner übervollen Gefühls-und Gedankenwelt.
Aber das ist ja schon sehr speziell…was könntest du dir denn noch vorstellen?
Möchtest du auf jeden Fall etwas mit Menschen machen? Es gibt bestimmt auch einige Bereiche,
die wir gar nicht kennen und in denen man diese Fähigkeiten und Wünsche ganz gut umsetzen könnte.
Oder halt wirklich etwas in Richtung Seelsorge…da ist dann eben auch die Frage, wie sich das mit
deinem Selbstschutz gestaltet, hmm..sehr schwieriges Thema.
Man muss als HSP wirklich immer ganz, ganz stark auf sich achten und lernen, sich abzugrenzen, wenn es zuviel wird.
Sowohl innerlich als auch äußerlich, damit man nicht daran kaputt geht.

Aber ich denke, man kann als hochsensibler Mensch irgendwann dahin kommen, glücklich oder zumindest zufrieden und erfüllt zu sein. Man sollte sich auf keinen Fall damit abfinden, immer unglücklich zu bleiben.
Vielleicht kommt es einfach darauf an, in welche Bereichen und Gedanken man seine Gabe lenkt.
Das meinte ich eben damit, dass man sich mit Dingen beschäftigen kann, die nicht diese ganzen negativen, schmerzhaften und erdrückenden Gefühle auslösen, sondern auch mit etwas, was einem neue Welten eröffnet und den Gedanken eine neue Kontur verleiht.

Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft und Zuversicht!
Ikosagon
 

Re: Hochsensible Person als Psychologe?!

Beitragvon norain » Mi 4. Jun 2014, 21:27

Hi,
die Antwort sehe ich differenziert.
Was macht das HS mit einem?
Wie komme ich mit mir und im Alltag zurecht?
Bist Du ein stabiler geerderter Mensch?
Sehr viele studieren Psychologie als Selbsttherapie.
Wenn ich das tue muß ich mir bewußt sein, dass ich irgendwann mit Menschen zu tun habe.
Komme ich mit Grenzen klar?
Macht mir mein Mitgefühl mit anderen Personen zu schaffen`?
Belastet mich das möglicherweise sehr.
Du wirst viele traurige Geschichten hören.
Du wirst mit Wut und Gewalt konfrontiert, die Du als HS stark nachempfinden kannst.
Manche Menschen werden kommen und Dich versuchen zu benutzen, zu belügen.
Es ist ein stark belastener Beruf mit Tal und Bergfahrten.
Du wirst möglicherweise enttäuscht werden und frustriert sein, wenn ein Client rückfällig wird und in alte Muster verfällt.
Distanz ist etwas was sehr schwierig ist für HSP und der Beruf erfordert ein hohes Maß an Selbstreflektion und bewusst werden
der eigenen Schwächen und Muster.
Ich wollte selbst mal Heilpraktiker werden, habe aber dann nach Jahren entschieden, ich habe mit mir selbst genug zu tun.
Zwar kann ich mich in andere Menschen sehr gut reinversetzen, auch nehmen mich deren Geschichten nicht persönlich mit und dennoch
habe ich mich dagegen entschieden, weil es mir gut tut, wenn ich Feierabend habe , Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen.
Obwohl mir schon oft nachgesagt hatte , dass ich in Menschen Dinge sehe, die Personen erst nach vielen Jahren mir dann so bestätigten.

Ich würde einfach mal ein paar Wochen in einer Praxis hospitieren(wenn sowas geht), um mir den Beruf aus der Beobachterposition anzuschauen,
was die Geschichten mit mir machen.
Vielleicht auch mal ne Selbsterfahrungsgruppe machen.
Für mich ist es so, wenn ich kein Blut sehen kann, werde ich niemals Chirurg werden können. Warte ich bis zum Ende des Studiums ,
könnten es viele Jahre sein, die dann nur noch als Selbsterfahrung wertvoll sind.

Es wäre für mich ein Beruf in dem ich mich selbst verlieren könnte und irgendwann würde Beruf sich zu sehr mit meinem Privatleben vermischen.
Auch eine sensible Freundin hatte zunächst einen therapeutischen Beruf hatte diesen aufgeben, weil ihn dieser zu sehr auslaugte und persönlich mitnahm.
Und ich halte sie für einen stabilen HS Charakter. Ich habe aber auch eine andere Freundin, die ist sensibel und kann das super.
Aber sie hatte viele Jahre Selbsterfahrungen hinter sich bis sie dort ankam...
Und die Therapien und Selbsterfahrungen gingen weit über die Grenzen eines Studiums hinaus.

Jeder sollte das tun wozu er sich berufen fühlt. Wenn Dein Weg ist...

LG
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