Hörst du mich? Siehst du mich?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Hörst du mich? Siehst du mich?

Beitragvon butterflyworld » Fr 13. Sep 2019, 17:32

Im Elternhaus gab man mir früher oft das Gefühl, dass das was ich sagte oder erzählte, nicht wichtig wäre. Das Gefühl des nicht zuhören ist für ein Kind grausam. Ich hatte immer das Gefühl, ich wäre nicht interessant genug oder noch schlimmer - nicht wichtig. Heute kann ich einigermaßen damit umgehen. Wer nicht zuhören will, an dem verschwende ich auch keine Zeit und gebe selbiges Desinteresse zurück. Aber diese Zeit hat mich sehr geprägt.

Ich hab da eine Person, mit der ich mich wirklich gut verstehe. Doch ich merke und sehe, das sie selber nicht wirklich "raus kommt". Sie erzählt hauptsächlich von 2 verschiedenen Sachen.
A) Ihrer Ansicht lustiges aus der Arbeit oder das sie jemand wertgeschätzt hat. Ich finde die Sachen nicht wirklich lustig, eher Alltag. Aber ich fühle das sie diese Wertschätzung braucht und das sie einfach das Bedürfnis hat IRGENDETWAS zu erzählen. Ihr Leben halt.
B) Das sie sich über etwas aufregt, was falsch läuft. Und dabei deutlich macht, das sie das erkannt hat und wer es nicht erkannt hat. Ich spüre das sie die Bestätigung dafür braucht. Und sie hat damit auch recht, was sie schimpft. Und vor allem: das sei diese Einsicht von der Person benötigt, über die sie schimpft. Aber das wird nie passieren.
Der Punkt ist: in 10 Gesprächen kommt JEDESMAL ein oder beide Themen vor.

Ich höre zwar teilweise desinteressiert zu, aber immer aufmerksam. Nur um ihr das Gefühl geben zu können "JA, du bist wichtig. Ich höre dich. Und ich steh dir bei." Nun wurde mir aber deutlich gesagt, das ich eigentlich feige bin, weil ich der Person nicht sage, das ich nicht zuhören will und das sie mal andere Themen suchen soll.
Bin ich mit ihr allein, redet sie gern und ich spüre sie braucht das. Sind wir in einer Gruppe, geht sie aber immer in ein anderes Zimmer, weil sie das Gefühl hat, sie wäre uninteressant und nicht gewollt. Ich finde das so traurig diese innerliche Einsamkeit zu spüren. Ja, ihr Leben ist für mich nicht sonderlich spannend. Aber das ist doch kein Grund überhaupt nicht "zuzuhören". Ich empfinde es eher als Mitgefühl und Nächstenliebe einfach DA zu sein. Statt nach den spannendsten Storys zu suchen, damit jemand meiner Ohren würdig ist.
Wie seht ihr das? Hört ihr auch oft zu, nur damit es der anderen Person mal gut geht?
Urteile nicht über Menschen, die du nicht kennst.
Der Schein trügt
Der Teufel ist nicht immer böse.
Der Engel ist nicht immer gut.
Benutzeravatar
butterflyworld
Neuling
 
Beiträge: 33
Registriert: Fr 11. Aug 2017, 12:59

Re: Hörst du mich? Siehst du mich?

Beitragvon DesdiNova87 » Fr 13. Sep 2019, 18:54

butterflyworld hat geschrieben:Wie seht ihr das? Hört ihr auch oft zu, nur damit es der anderen Person mal gut geht?


Ja, nahezu täglich. Und zwar auf der Arbeit im Kundenkontakt. Vereinsamung ist ein gesellschaftliches Thema, dass nicht mehr zu übersehen ist. Viele Leute wollen ihr Leid loswerden, so dass ich oft das Gefühl habe, Seelsorger und nicht Verkäufer zu sein.

Wenn ich die Zeit habe, höre ich den Leuten dann auch zu. Mehr wird meist auch nicht verlangt. Danach geht es Ihnen oft sichtbar besser und fürs zuhören an sich muss ich keine Energie aufbringen.

Es gibt aber auch Gespräche, die irgendwann in unerwartete Richtungen abdrehen (z.B. Rassismus oder Hetze) und dann zögere ich auch nicht das Gespräch zu beenden.

LG DesdiNova87
~ Keep a green tree in your heart and perhaps a singing bird will come. ~
Benutzeravatar
DesdiNova87
Hero Member
 
Beiträge: 631
Registriert: Di 6. Jun 2017, 21:45

Re: Hörst du mich? Siehst du mich?

Beitragvon blumenkind » So 22. Sep 2019, 11:22

Ja, ich mache das auch manchmal. Wobei es weniger wird. Und ich auch meiner Motivation dabei nicht mehr sicher bin. Geht es um die andere Person? Oder um mein Bedürfnis, für jemand wichtig zu sein? Dass jemand dadurch dableibt? ..

Bei dem, was du ansprichst, kommt mir in den Sinn, dass der Person ja damit auch nicht wirklich geholfen ist. Einerseits weil das Desinteresse auf einer unbewussten Ebene durchaus zu spüren ist und der Kontakt damit nicht komplett erfüllend sein wird. Und andererseits weil sie damit auch nicht an den Punkt kommt, sich wirklich dem Thema Unsicherheit, Unwichtigsein zu stellen. (wenn ihr niemand mehr zuhört, führt daran kein Weg vorbei. Und nachdem das Thema geheilt ist, wird es auch nicht mehr auftauchen, meine Erfahrung)

Was ich mir vorstellen kann als hilfreicherer Weg in der Situation ist, den eigenen Mut zusammenzunehmen (und wenn nicht möglich, sich selbst damit auseinanderzusetzen, warum nicht) und genau das auszusprechen, was in dir ist. "Ich würde dir gern zuhören, weil ich merke, dass es dir gut tut und ich möchte etwas zu deinem Wohlbefinden beitragen. Ich merke aber auch, dass mich die wiederkehrenden Themen ermüden und würde gern mal über was anderes reden. Grad würde ich aber erstmal wissen wollen, wie es dir damit geht, wenn ich das sage." Und schwups, könntet ihr in einem offenen, ehrlichen und auch auf Dauer wirklich hilfreichen Gespräch stecken
blumenkind
Neuling
 
Beiträge: 27
Registriert: Do 12. Jul 2018, 12:23



Ähnliche Beiträge

Ich bin stolz auf mich, weil.....
Forum: Off topic
Autor: Ursa Major
Antworten: 27
Danke Hs, dass du mich......
Forum: Hochsensibilität Allgemein
Autor: Unabell
Antworten: 14
Eine Auszeit führt mich zu euch- hallo :)
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 3
Ich stelle mich vor
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 7

Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron