HS im Alltag, Probleme und Lösungsansätze

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HS im Alltag, Probleme und Lösungsansätze

Beitragvon Stoffel » Mi 16. Jan 2019, 12:20

Ich werde hier Alltagsprobleme mit HS reinschreiben, und die Tricks um sie zu umgehen. Mit Blickpunkt HS kriege ich plötzlich mit, was mich vorher unbemerkt gestreßt und fertig gemacht hat, und ich kann nach Lösungsansätzen suchen.

Ich habe es seit 2 Monaten vor mir hergeschoben zum Friseur zu gehen. Sowie ich den Laden betrete läuft mir die Nase, alles juckt und kribbelt, und die Parfümwolke die im Laden hängt ist kaum auszuhalten.

Das ist mein Problem. Jetzt kommt meine Lösung um es für mich aktzeptabel hinzukriegen.
Ich bin heute morgen zum ersten Mal als erster im Laden gewesen. Ein gewisser Duft hängt zwar trotzdem im Laden, auch die Schere etc. riechen, aber es läßt sich aushalten. Die Nase kribbelt nicht, und es juckt auch nix. Meine Kleidung riecht trotzdem. Hinterher also nix wie nach Hause, die Anziehsachen waschen und gründlich duschen.
So läßt es sich aushalten.

Ich hoffe, ihr schreibt hier weitere Tricks rein, um mit Alltagsproblemen fertig zu werden.
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Re: HS im Alltag, Probleme und Lösungsansätze

Beitragvon sol » Fr 18. Jan 2019, 12:55

Hallo Stoffel!
Sobald mehr als eine Geräuschquelle im Raum sind, kann ich mich nicht mehr auf eine konzentrieren, sondern die Geräusche verschwimmen zu einem für mich unverständlichen Rauschen und es strengt mich unheimlich an.

Meine beiden Männer daheim (Mann und Sohn) genießen es, bei laufendem Fernseher noch auf ihrem laptop oder Handy zu daddeln und sich zu unterhalten. Womöglich kocht mein Mann noch in der offenen Küche und hat das Radio an.

Ich verspüre dann einen dringenden Fluchtimpuls, dem ich mittlerweile auch nachgebe. Ich gehe in den Rückzug und komme später zu stillerer Zeit wieder.

Und wenn ich mit meinem Sohn etwas im TV anschaue und er redet nebenher, halte ich dann immer den TV an (Wenn das andauernd passiert, flüchte ich nach einer Weile allerdings auch), also schauen wir dann auch nur aufgezeichnete Sachen oder reden nicht nebenher bei Livesendungen oder zeichnen diese halt auch parallel auf.

Meine Männer fänden es fürchterlich trostlos und ungemütlich, nur eine Geräuschquelle die ganze Zeit zu haben und ich ziehe mich dann mit demselben Recht auf Wohlbefinden und Entspannung zurück. Das musste ich mir aber erkämpfen und wurde erst akzeptiert seit der gemeinsamen Erfahrung, dass Ignorieren meiner Besonderheiten mich krank machen.

Viele Jahre lang in Schulferien bei den Schwiegereltern im Ausland hörte ich aus jedem Zimmer der Großfamilie unterschiedliche Musik oder Stimmen oder TV und überall traf ich immer auf viele Verwandte und Besucher. Das zermürbte mich und war Null Ferienerlebnis.
Viele Jahre lang hatte ich auch viel Großfamilienbesuch daheim, was mich fertig machte.
Auch da zog ich mich immer regelmäßiger in Stille zurück, seit ich wusste, dass ich ADHS habe und HS, was nicht so richtig akzeptiert wurde. Ich musste nach vielen Jahren das Ganze reduzieren, weil ich Erschöpfungsdepressionen bekam. Das führte zu heftigen Protesten.

Ich entschloss mich, da es offenbar wurscht war, wie es mir ging, dass Besucher bei uns im Hotel wohnen müssen und uns nur von da aus besuchen. Nachdem unser Sohn Teenager war, also seit einigen Jahren, er ist jetzt erwachsen, fahre ich auch gar nicht mehr mit in Familienurlaub und gönne mir ebenso wie meine Männer Erholung im Urlaub, allein.
Das wurde mir familiär natürlich auch so richtig übel genommen. Nur von meinen Männern natürlich nicht.

Und die Moral von der Geschicht: Meine HS und die damit verbundene Reizoffenheit kann ich selber zwar mittlerweile erkannt und akzeptiert haben und Umgangsformen damit organisieren, mein Umfeld dafür noch lange nicht. Das würde sich unbeschwert wohlfühlen, obwohl ich Dauerüberreizung hätte.

Quasi eine familiäre Aufforderung zur Selbstsabbotage!

So heißt Selbstregulation mit HS durchaus auch Kämpfen!
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Re: HS im Alltag, Probleme und Lösungsansätze

Beitragvon Stoffel » Fr 18. Jan 2019, 17:37

Deine Kämpfe kann ich gut verstehen. Wenn jemand in den Film reinlabert, das treibt mich zur Weißglut. Ich gucke eh nur, wenn ich den Film wirklich sehen will, sonst mach ich die Glotze aus, oder ziehe mich zurück.

Hier wieder ein kleiner Lösungsansatz.

Ich gehe gern in Kino, hasse es aber wenn im Film geredet wird, oder irgend jemand ständig mit der Popkorntüte oder irgendwas anderem raschelt. Ich hab deshalb lange aufs Kino verzichtet.
Jetzt gehe ich erst in einen Film, wenn er schon ne Weile läuft, und dann zu einer Zeit wo nur wenig Menschen reingehen. Nachmittags um 16.00 Uhr ist das Kinopolis dann fast leer, und es sitzen maximal noch 3-4 andere mit im Film. Das läßt sich aushalten, und zur Not sage ich was.
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