HS - oder doch narzisstisch, oder neurotisch, oder ...?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

HS - oder doch narzisstisch, oder neurotisch, oder ...?

Beitragvon Güldenstern » Sa 26. Nov 2016, 20:56

Neulich ist hier im Forum das Thema aufgetaucht, wie HS und Narzissmus gleichzeitig in einer Person vertreten sein können, obwohl doch "gegensätzlich".
Das hat mich sehr gewundert.
Seit längerem ist es nämlich so, dass ich einige der Menschen in meiner Umgebung, die sich für HS halten (/ für sich reklamieren), nach meinem Empfinden eher narzisstisch oder neurotisch (im Sinne nicht bewältigter und daher weitergegebener Verletzung) sind.
Was alle drei Gruppen gemein haben ist ja eine gesteigerte Empfindlichkeit - daher die Möglichkeit der Verwechslung.
Was sie trennt: die Empathiefähigkeit.
Wobei es natürlich (wie überall) auch "Mischformen" gibt: HS führt ja geradezu zwangsläufig zum Erleiden von Verletzungen, solange man noch nicht gelernt hat, damit gut umzugehen.
Jedenfalls sind mir "eingebildete HS" (die eben tatsächlich aber gar nicht HS sind) ganz besonders unerträglich - fast noch schlimmer als "Normalos".
Erlebt das sonst noch jemand so?
Und dabei stellt sich mir sofort die Frage, wie es bei mir selbst ausschaut ... denn Prägungen sind ja an einem selbst am schwierigsten zu erkennen. Insbesondere, wenn es um so heftige Dinge geht.
Und das ganze ist ja auch wichtig, denn mit falscher "Diagnose" keine hilfreiche Therapie - ganz im Gegenteil womöglich.
Liebe Grüße
Güldenstern
 

Re: HS - oder doch narzisstisch, oder neurotisch, oder ...?

Beitragvon Blackhills » So 27. Nov 2016, 10:57

Güldenstern hat geschrieben:Jedenfalls sind mir "eingebildete HS" (die eben tatsächlich aber gar nicht HS sind) ganz besonders unerträglich - fast noch schlimmer als "Normalos".Erlebt das sonst noch jemand so?


Ja, Güldenstern, obwohl ich den Terminus "eingebildete HS" dabei nicht mag. Das klingt so nach einer Auszeichnung (HS). "Der gute Mensch" und wenn es nur solche gäbe, wäre die Welt besser. Und wieso ist sie es dann nicht, wo es doch rund 20% sein sollen, also jeder Fünfte, der so umherläuft?
Mein Ja bezieht sich mehr darauf, dass ich persönlich auch einige Leute kenne, die "empfindlich" und sensibel als Fahne vor sich hertragen und das als Aufforderung verstanden wissen wollen, dass jeder mit ihnen rücksichtsvoll umgehen müsse. Die ultimative Entschuldigung für alles Mögliche darstellt. _läch_ Ob derjenige per Definition als hochsensibel gilt - ich weiß es nicht, spielt doch aber in dem Fall auch gar keine Rolle, oder?
Ich denke, kann ich nachfühlen, wie es einem anderen geht, unterlasse ich gar manches, was schaden könnte, aber eben nicht unbedingt. Dazu ist der Mensch Mensch. Ich kann einen fürchterlichen Tag haben, gerade von jemandem (oder gar dem) verletzt worden sein, Denkfehler in mir tragen und und und... so viele Gründe.

Diese Einteilung in gut und böse, dagegen habe ich was. Eine Handlung kann gemein sein, rücksichtslos, aber das heißt noch nicht, dass es derjenige generell ist. Handelt er oft oder überwiegend "schädlich" für andere, sieht es schon ein wenig anders aus. Dann liegt es aber an mir, was ich damit anstelle, ob ich ihm wieder eine vor den Latz ballere oder Meilen zwischen dem und mir bringe. Ich besitze kein Anrecht darauf, dass sich der andere nur "gut" verhält. Das ist seine Sache. Und wie ich damit umgehe meine.
Also ist es dann nicht egal, WAS derjenige ist?

Ganz liebe Grüße und danke, deine Frage war sehr interessant. _roseboy_
Blackhills
Gold Member
 
Beiträge: 378
Registriert: Mo 22. Aug 2016, 12:57

Re: HS - oder doch narzisstisch, oder neurotisch, oder ...?

Beitragvon Ibekus » Mi 7. Dez 2016, 10:20

Das ist genau der Grund warum ich generell sehr vorsichtig damit bin jemandem oder mir selbst eine bestimmte „Aufschrift“ zu geben. Also eine knappe Eigenschaft, ein Wort, dass dieser Mensch dann sein soll.

Wenn es im Einzelfall zu einer höheren Stabilität der Persönlichkeit beiträgt, kann man das schon mal machen, aber ich empfinde, dass das in unserer Gesellschaft viel zu schnell passiert. Es scheint einen regelrechten Druck zu geben, wer oder was man ist, und es soll sich möglichst schnell und klar beschreiben lassen. Das trifft für mich auf HS ebenso zu wie auf alles andere womit sich Menschen gerne definieren und identifizieren.

Ich wünschte mir wir Menschen könnten uns individueller und flexibler aufeinander einlassen, und derartige „Aufschriften“ nur als Möglichkeiten oder Hinweise verstehen, anstatt sie zu einem untrennbaren Teil unserer Persönlichkeit zu machen.
Ibekus
 



Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron