HS und problematische Eltern

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Fr 16. Mär 2012, 16:26

Ich möchte hier einen eigenen Strang eröffnen, weil das Thema inzwischen umfangreich geworden ist und offenbar einige dazu Gesprächsbedarf haben.
Als Einleitung möchte ich eine aktuelle Umfrage anführen:
http://www.zeit.de/gesellschaft/familie ... n-schlaege
Insbesondere möchte ich auch auf die interessanten Kommentare unter dem Artikel hinweisen.

Problem-Eltern haben wohl viele Menschen, nicht nur HSP. Gerade die HSP aber leiden ganz besonders unter Eltern, die bei der Kindererziehung gravierende Fehler machen, sei es wissentlich oder unwissentlich.

Ob HS auch durch die (ungünstigen) Erfahrungen in der Kindheit entsteht, ist eine Frage, die bisher noch unbeantwortet im Raum steht.

Ähnlich wie bei der HS gibt es hier zwei wesentliche Schritte:
1. Erkennen, in welcher Lage man sich befindet
2. Aufgrund dieser Erkenntnis Veränderungen herbei führen, die einem besseren Leben dienen sollen

Wertvolle Buchtipps wurden in diesem Zusammenhang bereits genannt:
http://gepruegelte-generation.de/

Wichtig finde ich auch den Austausch mit anderen Betroffenen, weil es oft sehr spezielle Konstellationen gibt, für die nicht jedes Ratgeber-Buch eine Lösung hat und man daher aus den wertvollen Erfahrungen und Lösungsansätzen anderer lernen kann.
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon Odyss » So 18. Mär 2012, 20:56

Oh ja, das Thema Eltern ist ein komplexes - hier auch noch ein etwas längerer Spiegel-Artikel zur selben Umfrage http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 20836.html - und gerade auch bez. HS gibt es da so viele Gedanken die ich mir auch schon so oft gemacht habe. Also besonders weil ich nicht an eine so oft postulierte reine genetische Ursache glauben kann. Die Logik ist nicht aufrecht zu halten wenn man sich mal ein wenig tiefer mit der Thematik beschäftigt bzw. den BLick etwas weitet weil so viele ergänzende Faktoren eine Rolle spielen und eine später belastende HS (denn es gibt ja auch genug HS die ihre Gabe nutzen können weil sie gefördert aufgewachsen sind) erst prägen.

Dass unsere Gene kein Schicksal darstellen, dem nicht zu entkommen oder gegen zu arbeiten wäre lässt sich beispielsweise bei Experimenten an Ratten beobachten. Jungtiere, die von ihren Rattenmüttern ausgiebig geleckt und gekrault wurden, zeigen im späteren Erwachsenenalter eine deutlich höhere Stresstoleranz als jene Rattenjungen, um die sich nicht so ausgiebig gekümmert wurde.
Dass es nur auf das Maß der Brutpflege und nicht die Gene ankommt zeigt sich in solchen Untersuchungen, wenn die Jungtiere vertauscht werden und so die sorgsamen Mütter die Kinder der nachlässigen Mütter aufziehen – und umgekehrt. Das Ergebnis ist, dass wiederum die Ratten die bei der ersten Gruppe aufwuchsen später belastbarer waren und die der zweiten Gruppe stressanfällig.

Wir können schon an solch einfachen Experimenten erkennen, dass es neben einer möglichen genetischen Disposition also vielmehr auf Umweltreize und besonders die kindliche Entwicklung ankommt.
Frühe Erfahrungen des Kindes, insbesondere die Bindung zur Mutter, haben biologische Langzeitfolgen: Sie regulieren beziehungsweise justieren die Empfindlichkeit des neurobiologischen Stresssystems bis in die Erwachsenenzeit.

Kinder die ohne ausreichend gute Bindung aufwachsen und evtl. sogar geschlagen werden ... entwickeln schlichtweg ein massiv gestörtes Stresssystem. Ich kann von mir nur sagen, dass ich, auch wenn körperliche Gewalt eher die Ausnahme war, eine tief sitzende Anspannung durch die unberechenbaren Launen meiner Mutter entwickelt hatte weil dem als Ältester total ausgeliefert. Da habe ich auch viele Jahre gebraucht um das so einigermaßen für mich zu lösen.
http://www.peta2.de/web/traum.1177.html
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Mo 19. Mär 2012, 10:13

Habe gestern einen interessanten Link gefunden, der bei mir in manchen Bereichen wieder ein "Aha-Erlebnis" ausgelöst hat:

http://www.forumkriegsenkel.de/
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon Odyss » Di 20. Mär 2012, 00:26

Sehr interessanter Link. Ich finde die Abgrenzungen mit den Jahreszahlen immer recht schwer - ich würde viele in den 80ern Geborenen auch noch als Kriegsenkel sehen - aber grundsätzlich ein wichtiges Thema.
Dazu auch noch ein Buch welche sich eher direkt an die früh nach dem Krieg geborenen richtet - oder eben zum besseren Verständnis derer http://www.amazon.de/Seelische-Tr%C3%BC ... 57-6155058
http://www.peta2.de/web/traum.1177.html
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Fr 23. Mär 2012, 08:44

Hier noch ein gutes Video:
http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/ ... Id=7453204

Eine gewisse Gefühlskälte, Sprachlosigkeit, emotionale
Verschlossenheit ist typisch für Nachkriegs-Eltern ...

Erschreckend bzw typisch finde ich auch das Verhalten der Eltern in der Selbsthilfe-Gruppe:
die Väter passiv-lethargisch, die Mütter schmallippig, rechthaberisch und fordernd.
Wo bleibt da die Liebe?

http://www.medizin-im-text.de/blog/2011 ... abbrechen/

"Kinder wünschen sich von ihren Eltern emotionales Verständnis für die eigenen Schmerzen in ihrer Kindheit; aber sie müssen vielleicht verstehen, dass sie sich etwas wünschen, was die Eltern nicht “leisten” können. Die Kinder fühlen sich dabei wie “Opfer”, während die “Täter” ohne Einsicht bleiben."

http://www.medizin-im-text.de/blog/2011 ... /#comments

"Ich glaube, es ist schlichtweg nicht zielführend, sich an die Hoffnung zu klammern, dass sich die eigenen Eltern noch einmal ändern oder Einsicht zeigen werden. Damit mache ich mich nur selbst abhängig, weil ich mein Wohlergehen an ein Ereignis knüpfe, dessen Eintreten ich nicht selbst beeinflussen kann."

"In gewisser Weise habe ich sie auch verloren, weil ich ihnen gegenüber keine Erwartungen mehr habe. Aber dieses Loslassen und Verlieren hat offenbar auch meinen Eltern geholfen, mich etwas mehr loszulassen. Es wird zwischen uns nie auch nur den Hauch eines echten mitfühlenden Kontakts geben. Aber ich bin dankbar, dass jetzt überhaupt Kontakt zu für mich im Großen und Ganzen akzeptablen Bedingungen möglich ist."


http://www.team-f.de/konkret/2004/2/dieelter.html

http://www.nur-ruhe.de/smf/index.php?topic=4927.0
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Fr 23. Mär 2012, 09:57

Lieber Odyss,

danke für deine wertvollen Hinweise. Die innere Anspannung, die du beschreibst, kenne ich auch.
Das ist ein Dauer-Stress, der durch die Angst vor den Eltern entsteht. Man muss ständig auf der Hut sein.
Bis zu meinem 20. Lebensjahr war ich unter diesem permanenten Druck.

Erst als ich von zuhause auszog, wurde es langsam besser. Was bleibt, ist eine allgemeine Überempfindlichkeit auf Reize und Belastungen aller Art.
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Fr 23. Mär 2012, 12:21

Hab jetzt ein Buch wiederentdeckt, welches ich auch empfehlen möchte, das aber nur noch gebraucht erhältlich ist:
http://www.amazon.de/Das-Leben-unerw%C3 ... 741&sr=8-1
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon Odyss » Fr 23. Mär 2012, 21:50

Liebe Ellen,

danke für die wundervollen Hinweise!

Ich habe jetzt auch erst mal das erste Video gesehen, und könnte dazu schon Romane schreiben!!!

So schön fand ich ja: "Am wohlsten fühlt sie sich in ihrer Wohnung - ihrer Höhle wie sie sagt." :-)
Wie gut kann ich das nachvollziehen.

... hat mich nach wenigen Sekunden/Minuten schon ziemlich gepackt, ich muss dann oft auch erst mal Pause machen - und alles in Häppchen sehen.

Bei "sie war immer nur in Action" bezogen auf die Mutter dachte ich auch nur: Krass, krass, krass. Denn ich finde mich da so sehr drin wieder.
Das ist wohl auch typisch für eine Müttergeneration um sich nie mit sich auseinander setzen zu müssen. Bei meinem Vater war es eher das Klischee vom abwesend sein durch Arbeit/Karriere.

Es ist Vieles aus dem Bericht eben so bekannt. Anderes wieder ganz anders. Denn mein Vater war eher bis zur Trennung/Scheidung der klassisch schwache und meine Mutter die dominierende/kontrollierende. (ja, aber wie Du auch auf die Selbsthilfegruppe bezogen sagst: Wirklich so typisch. Die Frauen dominant im Vordergrund ... und die Männer ???)

Bei mir kam der Punkt mit dem ersten Kontaktabbruch auch erst vor 5 Jahren mit gut 30 - als meine Eltern, obwohl sich sonst nie wirklich einig, beide meinten mir bez. Studium ein Ultimatum setzen zu müssen ... so etwas wie chronifizierte Depressionen war ja auch nur ein Anstellen meinerseits ... und ein nicht-arbeitsfähig-sein... und hatte nach der Logik meiner Eltern, und besonders der meines Vaters, eben auch was mit der Tatsache zu tun dass ich nach der Scheidung meiner Eltern als Ältester (damals gerade am Anfang der Oberstufe) plötzlich an allen Ecken und Enden über Jahre den Vermittler, Mann im Haus, aber auch Blitzableiter spielen mußte.

Das war vor 5 Jahren dann ein enormer Bruch des minimalen Restvertrauens ... bitter/extrem hart ... aber enorm wichtig für mich um zu sehen wie wenig ich eigentlich gesehen werde bzw. meine Doppel-Dreifach-Belastung neben eigenem Studium und irgendwann zwangsläufigem Burnout über Jahre überhaupt nicht anerkannt wird.

Und auch etwas anders als im Film habe ich z.B. davor schon über Jahre/Jahrzehnte (als enorm sensibles und intelligentes 'Kind') meinen Eltern die Welt erklärt bzw. ihnen versucht begreiflich zu machen was eigentlich alles verkehrt läuft ... nun ja, aber wirklich hellhörig werden sie eben erst wenn man den Kontakt abbricht.

Das Problem (daher finde ich ja auch Familientherapie mit erwachsenen Kindern und deren Eltern eher 'gruselig' und käme für mich niemals in Frage - meine Mutter hatte mir das auch mal vor einigen Jahren vorgeschlagen) ist ja, dass Eltern sich mit ihrer eigenen Vergangenheit und ihren eigenen Elternproblemen nicht auseinander setzen möchten!
Das müßten sie eigentlich in einem therapeutischen Prozess für sich klären.
Ohne einen Blick auf diese Ursachen ist alles andere hohl und/oder oberflächlich.
So bezeichnend ist ja dass dieses Thema nicht mal mit einem Wort von irgendwem im Beitrag angesprochen wird. Auch keine Nachfragen von Reporterseite. Nichts.

Ja, aber meine Mutter meint auch dass sie ihre Probleme mit ihrer Mutter, die sie nie geleugnet hat, nicht mehr belasten würde: Welch ein Irrtum.

Im Buch von Susan Forward zur "vergifteten Kindheit" gab es glaube ich mal das schöne Beispiel dass eine Frau ihrer Mutter bezüglich weiteren Kontakt zur Bedingung machte dass diese sich 'in Therapie begibt' ... manchmal fehlt da bei mir auch nicht viel dass ich so etwas sachlich formuliere. Andererseits bin ich mittlerweile aber auch schon an dem Punkt wo ich auch gar keine wirkliche Lust mehr auf Kontakt habe.

Ganz schlimm ist ja auch, und das kenne ich von Anderen und deren Eltern auch so gut, dass viele erklärenden Sachen dann sogar als "das stimmt ja so nicht" "das gab es nicht" "habe ich nie gesagt" hin gestellt werden - wie im Film von der Mutter.
Ja, nur leider stimmt es eben eigentlich immer. Kein Kind denkt sich Ursachen ja aus bzw. tut sich das "hochreden" wie es im Film heißt :-(

Ein Klassiker ist auch bei meiner Mutter z.B. der Ausdruck: "Als Familie ..." wenn es um den 'richtigen Umgang' mit z.B. innerfamiliären Problemen geht. Oder wie in der Selbsthilfegruppe das ewige: "Ja, aber da kann man doch drüber reden" ... "die wollen ja nicht drüber reden" ...
... welch ein 'Witz' ... man hat doch als 'Kind' gelernt dass alles Reden NIE etwas gebracht hat.

Grausam dieses Leugnen und Bagatellisieren - meine beiden Lieblingswörter übrigens in Bezug auf meine Familie :-(

Zum Ende hin in der Austellung zeigt die Mutter da ja leider auch noch mal ganz, ganz deutlich wie es um ihre Einsicht bestellt ist. Ganz ärgerlich ,traurig, schlimm. Diese direkten und indirekten Vorwürfe wieder gegen die Kinder - und auch wenn es dann ganz zum Ende etwas 'harmonischer' klingt ... lese ich zwischen den Zeilen ja keinerlei Veränderung und Reifung bei der Mutter. Es wird weiterhin aufgrund ihrer eigenen nicht aufgearbeiteten Bedürftigkeit subtil manipuliert, Schuld zu gewiesen bzw. es versucht. Manche Menschen wollen da über einen bestimmten Punkt nicht hinaus - und das die ältere Tochter da den Kontakt wieder in der Form, mit Umarmen, Kaffee trinken, Erklären usw. aufgenommen hat sehe ich auch ganz ehrlich sehr, sehr skeptisch.

Ich habe aktuell einen zwar meist freundlichen Umgang mit meiner Mutter weil ich z.B. auch unseren Hund oder meinen Großvater sehen möchte. Die Gespräche mit meiner Mutter finde ich teilweise sogar anregend, weil sie intelligent ist. Aber manches gibt es bei mir einfach nicht mehr. Dazu gehört Umarmen zur Begrüßung, Besuche zu Weihnachten, Kontakt an Geburtstagen oder zu anderen Familienfeiern.
Das zu respektieren fällt ihr manches mal noch recht schwer ... und ich weiß nicht ob irgendwann ein finaler Abbruch oder wieder deutlicher Rückzug (ohne Groll - den habe ich kaum noch) vielleicht sogar die logische Konsequenz sein wird. Aber da versuche ich auch einfach zu schauen was kommt.

Die Töchter im Bericht sind bei ja auch total sympathisch und klasse in dem was sie offen und ehrlich erzählen/analysieren. Auch wenn ich deutlich merke dass die jüngere noch einiges auf zu arbeiten hat, und noch enorm viel an unaufgearbeiteter Angst mit sich herum trägt. Die kann man meist nur lösen wenn man sich den 'Aggressoren' in irgendeiner Form wieder stellt. Ich erlebe das als wichtig und heilsam weil meine Mutter z.B. keine Macht mehr über mich hat - dazu braucht ich aber eben auch nach zweimaligem Kontaktabbruch ein frontales Abarbeiten als ich genug Kraft getankt hatte. Das wünsche ich auch jedem Anderen.

Also, noch mal vielen Dank für den Link(!) - und ein schönes Wochenende!
Odyss
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Sa 24. Mär 2012, 07:43

Lieber Odyss,

möchte nochmal kurz auf das Video eingehen, welches mich gedanklich immer noch beschäftigt.

Ich fand auch schlimm, als die Mutter den Brief der Tochter vorlas, dass sie vieles einfach ableugnete.
Im Umkehrschluss würde das dann heißen, dass die Kinder alle Lügner sind und sich alles ausgedacht haben. - Da würde sich wieder das Klischee vom "bösen Kind", für das man doch alles getan habe, erfüllen.

Am schlimmsten fand ich die Schluss-Szene, wo Mutter und Tochter an dem Tisch der Gaststätte sitzen und die Mutter versucht, die Tochter mit ihren Blicken zu manipulieren. Diese Blicke der Mutter kenne ich von meiner Mutter auch. Das sind teils aggressive, zurechtweisen wollende, angriffslustige, vorwurfsvolle, Schuldgefühle aufstülpende, beleidigte, trotzige und uneinsichtige Blicke.

---

Das Schlimmste ist, wenn man spürt, dass der andere Macht über einen ausüben will. Dadurch dieser fast schon "fixierende" Blick. Gruselig finde ich das. - Meine Mutter kann das ähnlich.
Bei meiner Mutter kommt noch hinzu, dass sie sehr stur ist und gleichzeitig ein Trotzverhalten wie ein Kleinkind zeigt. Wenn ihr etwas nicht zusagt, kann man mit ihr nicht sachlich darüber reden, sie setzt sich einfach in eine Ecke und spricht nicht mehr. Oder sie geht in ein anderes Zimmer und schließt sich ein.
Soetwas ist für mich kein reifes und erwachsenes Verhalten!

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Da merkte ich, dass diese Mutter gar nichts kapiert hat. Auf mich wirkt sie nicht nur sehr verschlossen und gefühlsarm, sondern auch sehr dominant. Sie möchte beide Töchter an ihrer Leine halten und fordert dafür uneingeschränkten Gehorsam und Unterwürfigkeit. - Es ist nur allzu verständlich, dass die Töchter dieses grausame Spiel nicht mehr mitspielen möchten.

Der Stief-Vater, der auch auf dem Weihnachts-Foto total teilnahmslos daneben saß, hat sich eindeutig zu wenig interessiert. Leider war diese Passivität früher bei Vätern weit verbreitet.
Zuletzt geändert von ellen71 am Sa 24. Mär 2012, 08:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: HS und problematische Eltern

Beitragvon ellen71 » Sa 24. Mär 2012, 07:48

Zum Thema zwischenmenschlicher Umgang, den du auch angesprochen hast, kann ich aus eigener Erfahrung folgendes sagen:
in meiner Familie ging es von je her nicht besonders herzlich zu. Körperkontakt oder Zärtlichkeiten kamen nur selten vor. Meistens auch an Feiertagen oder Familienfesten.

Gerade als Kind habe ich darunter sehr gelitten.

Mittlerweile ist es so, dass meine Mutter gerne solche Zuwendung haben möchte, aber ich kann sie ihr nicht geben. Jahrelang habe ich um Liebe und Zärtlichkeiten gebettelt, nächtelang geweint.

Heute kann und will ich auch nicht mehr. Weil die Gefühle diese Ausdrucksformen einfach nicht mehr hergeben. Meine Mutter würde mich gerne dazu erpressen, aber ich gehe darauf nicht ein.

Mein Vater hat seit mehr als 5 Jahren kein Interesse mehr, mich zu sehen, also erübrigt sich auch da das Thema Körperkontakt.

Wir umarmen uns zur Begrüßung. Das ist aber auch schon alles.

Ich bin froh, dass du dieses Thema angesprochen hast. Ich dachte immer, das sei nur in meiner Familie so "gefühlsarm".
Das Emotionale in der Beziehung zu meinen Eltern ist weitgehend gestorben. Das ging ganz schleichend. Dem ging eine lange Leidenszeit voraus, wo ich zeitweise auch in Depressionen fiel (wo mir niemand geholfen hat, weil das wäre ja ein Schuldeingeständnis gewesen).

Ich mag auch keine Küsse mehr verteilen. Weil das Gefühl dahinter einfach nicht mehr da ist. Und ich möchte mir nicht vorwerfen lassen, ich hätte heuchlerisch geküsst - dazu bin ich einfach zu aufrichtig. Und verbiegen kann und will ich mich nicht.
Lange genug wurde in unserer Familie der Schein der kleinbürgerlichen Idylle aufrecht erhalten. Dieses Spiel möchte ich nicht mehr mitspielen.

Von Natur aus bin ich ein sehr warmherziger und liebevoller Mensch, der gerne Liebe schenkt. Aber bei meinen Eltern traf und treffe ich immer auf eine Mauer der Ablehnung. Gleichzeitig fordern sie meine Liebe aber ein. Sie meinen damit aber nicht die zärtliche Liebe, sondern den unterwürfigen und bedingungslosen Gehorsam. - Das ist für mich nicht das, was ich unter "Liebe" verstehe.

Sie wollen mich stets in einer Lage halten, wo ich immer die Bring-Schuld habe und gleichzeitig in dem Bewusstsein lebe, dass ich es ihnen eh nie recht machen kann.
Das ist total widersprüchlich und letztlich sadistisch. Sie wollten mich stets in der Rolle des "bösen und undankbaren Kindes" halten, obwohl ich nie so war. Offenbar hatten sie das Bedürfnis nach diesem Bild, um eine Rechtfertigung zu haben, wenn sie mich straften.
Wie die Geschichte mit dem Esel, dem man eine Karotte vor die Nase hält, die er aber trotz größter Anstrengung nie erreichen kann.
Man macht das Kind zum Esel. Zur Witzfigur. Das ist zutiefst abwertend und menschenverachtend.
Ich bin doch kein Clown! _clown_

Briefkontakt zu meinen Eltern wird auch immer schwieriger, weil sie genaue Vorstellungen davon haben, wie diese Briefe aussehen müssen.
Als Anrede erwarten sie immer "Liebe Eltern" und als Schlußformel wünschen sie "Liebe Grüße sendet Euch"

Ich erinnere mich an einen Vorfall im letzten Jahr, da schickte ich ihnen zu Ostern ein Päckchen und legte eine Grußkarte bei, die ich extra für diesen Zweck gekauft hatte. Ich schloss das Paket und klebte es rundherum zu, damit nichts rausfallen kann.
Als nun das Paket ankam, war die Freude nur verhalten und ich fragte, was denn sei. Meine Eltern ganz erbost: "Nicht einmal eine Karte hast du uns dazu geschrieben! Das ist doch das Mindeste!"

Ich war zutiefst getroffen und sagte ihnen, dass ich extra eine schöne Karte gekauft hatte und diese auch ganz oben im Karton auf den Geschenken lag und dass die auch nicht rausgefallen sein kann, weil das Paket mit breiten Klebebändern ringsum zugeklebt war.
Ich sagte ihnen, sie sollen einfach nochmal gucken, weil die Karte muss im Paket sein (Wo denn sonst? Ich hatte sie schließlich rein getan!).
Die Karte blieb weiterhin unauffindbar ...

Ich bin mir sicher, dass sie die Karte doch gefunden hatten, aber eine Entschuldigung ihrerseits kam nicht.
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