HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 20. Feb 2019, 11:11

Jamania hat geschrieben:Die These, dass manche Dinge einen überreizen können, ist dagegen banal, eigentlich so banal, dass man sie deshalb vermutlich nie gedacht hat und erstaunt ist, auf einmal darauf gestoßen zu werden.
DAS - und nur DAS - ist m.M. ein Verdienst der Erfinder von HS.


Ich möchte das Verdienst nicht schmälern.
Allerdings ließe sich das mMn auch durch einen länger bekannten Persönlichkeitsfaktor erklären:

Introvertierte Menschen verbringen ihre Zeit lieber alleine in ruhigen Umgebungen, aber nicht deshalb, weil ihnen der Kontakt zu anderen nicht wichtig ist, sondern weil das Gehirn eines Introvertierten schnell überreizt wird, denn sie nehmen prozentuell mehr Informationen aus ihrer Umgebung auf, als Extrovertierte, wodurch ihr Gehirn schneller ermüdet. (Stangl, 2019).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2019). Stichwort: 'Introvertiertheit – Introversion | Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/1924/introver ... roversion/ (2019-02-20)


Empirische Erkenntnisse Eysencks legen zudem nahe, introvertierte Personen als leicht konditionierbar zu betrachten, die gegenüber äußeren Reizen nur geringe reaktive Hemmungen aufweisen, also bereits durch schwache Reize leicht erregbar sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Introvers ... traversion


@Robinson: Interessantes Thema. :-)
Kommt man mit dem HS-Thema in Berührung, finde ich auch, dass es sich lohnt, Hintergründe und "Schattenseiten" zu durchleuchten und zu erhellen. Schatten ist ja erst mal was Schönes in greller Sonne, aber im Dunkeln mag man dann doch auch nicht tappen, nicht wahr? icon_winkle
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 921
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Robinson » Mi 20. Feb 2019, 14:28

Wie wahr,wie wahr! :-)
Robinson
Neuling
 
Beiträge: 26
Registriert: Mi 13. Feb 2019, 11:13

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Eisvogel » Mi 20. Feb 2019, 16:48

Robinson schreibt:
Vielleicht kommt ja dabei raus, das bei einem HSP'LER
in der Sekunde ein zigfaches an Sinneseindrücken über entsprechende Organe zum Gehirn weitergeleitet werden.
Wenn man das sichtbar machen könnte, würde man evtl.zum Schluss kommen, daß HSP'LER ganz schön belastbar sind.

Nur warum führt diese Überreizung bei HSPlern zu Überforderung und bei Hochbegabten zu guten Leistungen und hoher positiver Motivation?

Was man selbst und besonders die Aussenwelt wahrnimmt, sind die Versuche von HSP'LER mit diesen Belastungen umzugehen.
Häufig hilft Rückzug und Reizreduzierung.
Wenn man dass nicht schafft, wird man manchmal zum "Berserker" --->aus mit der "lieben" HSP. ;-)


Ein gesunder (hochsensibler) Hochbegabter würde bei Reizreduzierung und Unterforderung krank werden.

Seltsam, dass es in der Hochbegabtenforschung genau umgekehrt ist: Das ganze "Mehr" an Reizaufnahme und Reizverarbeitung führt zu Motivation und Anregung, hoher Verarbeitungsfähigkeit und Leistung, und nicht zu Schlappheit.
- feiner verästelte Dendriten in entsprechenden Hirnregionen
- Anzahl der Gliazellen im linken, unteren Paritallappen, Verhältnis zu Neuronen
- Die Vermutung, dass Nervenverbindungen wachsen
- Die hohe Anzahl neuronaler Verbindungen im Gehirn
- Vergrößerung des Schläfenlappens bei Musikern mit absolutem Gehör,
- usw., usf.

Rückzug und Unterforderung kann ebenso krank machen wie Überforderung, nur bei HSPlern ist es umgekehrt die Überforderung. Sie scheinen ständig reizüberfluetet und überfordert zu sein, obwohl sie wie Hochbegabte ein Mehr von Reizen unterschiedlichster Form wahrnehmen.

Anima (Lufthauch) schreibt:
Ich möchte das Verdienst nicht schmälern.
Allerdings ließe sich das mMn auch durch einen länger bekannten Persönlichkeitsfaktor erklären:


Introvertierte Menschen verbringen ihre Zeit lieber alleine in ruhigen Umgebungen, aber nicht deshalb, weil ihnen der Kontakt zu anderen nicht wichtig ist, sondern weil das Gehirn eines Introvertierten schnell überreizt wird, denn sie nehmen prozentuell mehr Informationen aus ihrer Umgebung auf, als Extrovertierte, wodurch ihr Gehirn schneller ermüdet. (Stangl, 2019).

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2019). Stichwort: 'Introvertiertheit – Introversion | Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/1924/introver ... roversion/ (2019-02-20)



Empirische Erkenntnisse Eysencks legen zudem nahe, introvertierte Personen als leicht konditionierbar zu betrachten, die gegenüber äußeren Reizen nur geringe reaktive Hemmungen aufweisen, also bereits durch schwache Reize leicht erregbar sind.
https://de.wikipedia.org/wiki/Introvers ... traversion


Eysenk hat neben weiteren nachgewiesen, dass der Grad der Introversion mit steigendem IQ zunimmt.

(Eysenck, H. J.: Creativity and Personality: Suggestions for a Theory. New York, Cambridge University Press 1993.)

Auch wieder seltsam, dass ausgerechnet viele stark introvertierte Hochbegabte alles andere als schnelle Ermüdungserscheinungen und Überforderung aufzeigen. Je mehr sie sich auspowern können, umso anregender finden sie den Flow.
Eisvogel
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 54
Registriert: Sa 16. Feb 2019, 11:47

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Eisvogel » Mi 20. Feb 2019, 17:23

Jamania schreibt:
Ähnlichkeiten sehe ich vor allem:
1. in einer eher introvertierten Art
2. an einem (oder mehreren) Zuständen zu leiden
3. Unzufriedenheit, die oft aufs Außen projiziert wird (die Normalen, die so unsensibel sind)
4. das Gefühl besser zu sein (moralisch) und Dinge besser machen zu können (wenn man belastbar genug wäre, was man nicht ist)

Wenn 3. und 4. stimmen, dann ist es kein Wunder, wenn HSP sich Eigentore schießen. Es hat dann auch nichts mehr mit guter Wahrnehmung zu tun, sondern einem Tunnelblick. Welcher normale Arbeitskollege, Freund, Bekannte und welches Familienmitglied umgibt sich freiwillg mit einem Moralprediger? Dazu müssten sie eine sehr schlechte Menschenkenntnis und Wahrnehmung haben, oder sie sind masochistisch.. Möglicherweise erkennt der "gemeine Normalo" diese selbsterfüllende Prophezeiung viel eher als die HSP, die sich selbst in den Mittelpunkt und in eine eigens geschaffene Opferhaltung drängt. Das alles hat einen unangenehm bitteren Nebengeschmack von Selbstgeißelung, die von den Mitmenschen erwartet wird.
Eisvogel
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 54
Registriert: Sa 16. Feb 2019, 11:47

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon sol » Mi 20. Feb 2019, 19:39

Eisvogel hat geschrieben:Jamania schreibt:
Ähnlichkeiten sehe ich vor allem:
1. in einer eher introvertierten Art
2. an einem (oder mehreren) Zuständen zu leiden
3. Unzufriedenheit, die oft aufs Außen projiziert wird (die Normalen, die so unsensibel sind)
4. das Gefühl besser zu sein (moralisch) und Dinge besser machen zu können (wenn man belastbar genug wäre, was man nicht ist)

Wenn 3. und 4. stimmen, dann ist es kein Wunder, wenn HSP sich Eigentore schießen. Es hat dann auch nichts mehr mit guter Wahrnehmung zu tun, sondern einem Tunnelblick. Welcher normale Arbeitskollege, Freund, Bekannte und welches Familienmitglied umgibt sich freiwillg mit einem Moralprediger? Dazu müssten sie eine sehr schlechte Menschenkenntnis und Wahrnehmung haben, oder sie sind masochistisch.. Möglicherweise erkennt der "gemeine Normalo" diese selbsterfüllende Prophezeiung viel eher als die HSP, die sich selbst in den Mittelpunkt und in eine eigens geschaffene Opferhaltung drängt. Das alles hat einen unangenehm bitteren Nebengeschmack von Selbstgeißelung, die von den Mitmenschen erwartet wird.


Harter Tobak, oder? Mir tut momentan alles weh, wenn ich das lese und zwar, weil es meiner Ansicht nach stimmt. Bitter ist das! Ich habe das auch kultiviert und sogar noch, als ich hier ins Forum kam.
Nicht, dass es meinen Alltag und meinen Lebensstil bestimmte, denn diese Illusion hilft ja eben gar nichts im Alltag, aber so zum genüsslichen stillen Reflektieren machten sich Punkt 3 und 4 doch irgendwie ganz gut.

Wie reden wir also im Folgenden über unser HS?

Wir reden als Normalos mit einer Eigenschaft unter vielen und die heißt HS. Daraus leiten wir keine Besonderheitsansprüche ab, keine Allgemeingültigkeiten, keine Ausreden dafür, lebensuntüchtig zu sein oder krank oder leidend, keine Opferhaltung, keine Überlegenheitshaltung.

Wir alleine sind für unsere HS verantwortlich, nicht die Gesellschaft oder wer auch immer, sondern wir tauschen uns hier im Forum aus, wie unsere individuelle HS sich für uns anfühlt und wie wir in Selbstverantwortung damit umgehen.

So?
„There‘s a crack in everything, that’s how the light gets in.“ Leonard Cohen
sol
Full Member
 
Beiträge: 162
Registriert: So 30. Dez 2018, 18:31

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Eisvogel » Mi 20. Feb 2019, 20:49

sol schreibt:
Harter Tobak, oder? Mir tut momentan alles weh, wenn ich das lese und zwar, weil es meiner Ansicht nach stimmt. Bitter ist das! Ich habe das auch kultiviert und sogar noch, als ich hier ins Forum kam.
Nicht, dass es meinen Alltag und meinen Lebensstil bestimmte, denn diese Illusion hilft ja eben gar nichts im Alltag, aber so zum genüsslichen stillen Reflektieren machten sich Punkt 3 und 4 doch irgendwie ganz gut.

Wie reden wir also im Folgenden über unser HS?


Wir hier anwesenden?

Mir tut nichts weh, da ich diese letzten zwei Punkte seit 14 Jahren aus Hochbegabungsforen von sehr sehr vielen HSP kenne. Mich hat bedingt interessert, woher es kommt, da ich mich eher für die HS-Form interessiere, die in der (Hoch-) Begabungsforschung angesprochen wird. Es gibt auch dort Hinweise auf emotionale Errregbarkeit und Gerechtigskeitssinn, allerdings beziehen sich die Erhebungen auf Biographien von hochsensiblen und ZUGLEICH hochbegabten Erwachsenen im Kindesalter oder Kinder, die sher früh durch unerklärliche Gefühlserregungen aufgefallen sind und dann irgendwann auf positiv HB gestestet wurden.

Es gibt hier einige Beiträge zu diesen Kategorien und Jamania hat hier schon sehr früh, vor mehreren Jahren, mit kritischer Nachfrage begonnen und spricht es immer wieder an. Die Mods haben zuletzt auch einige der Dauerbrenner hochgeholt: Narzissmus bei HSP und diese ganzen "dunklen Seiten". So neu ist es also auch nicht.

Persönlich bin ich gar nicht so sehr aus diesen Gründen hier, sondern da ich hoffe, hier nicht nur smalltalkmäßig zu diskutieren. Schließlich sind HSP und HB dafür bekannt, dass sie über Smalltalk hinaus diskutieren und nicht nur kundgeben, dass sie es sind.
Bei hochsensiblen Hochbegabten kenne ich es so: sie schweigen dazu, DASS sie Smalltak nicht so sehr mögen ABER bringen sich also aktiv in komplexe Sachverhalte ein, ohne darüber zu reden, wie toller als andere sie sind..
Bei den HSP und eingebildeten, hochmoralischen und nichtgetesteten HB kenne ich es so, dass sie immer betonen, wie blöd sie Smalltalk finden, bringen sich selbst aber kaum ein und beteiligen sich entweder gar nicht, oder an den üblichen Smalltalkthemen in Foren. Sie stellen ihre "besonderen Fähigkeiten" nicht unter Beweis, sondern sagen auf einer übergeordneten Kommunikationsebene, dass sie so viel mehr draufhaben als die Normalos (und die arroganten, kühlen HB) die ja nur Smalltalk oder Wissenschaft können.
Ganz ehrlich? Das ist sowas von stereotyp und langweilig, über WAS soll man denn jetzt reden? _nüxweiss_

Wenn mich einThema, auch nur periphär interessiert, dann rede ich nicht darüber, sonder steige ein anstatt immer wieder drumherum zu labern! Aber diese "Ich-bin-so-HS-und-tiefsinnig-alle-sind-neidisch-auf-meine-schnelle-auffassungsgabe" ist mir einfach viel zu banal und langweilig. Ja, es ist mir sogar egal, ob wer es überheblich findet, wenn ich es direkt sage.
Zuletzt geändert von Eisvogel am Mi 20. Feb 2019, 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
Eisvogel
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 54
Registriert: Sa 16. Feb 2019, 11:47

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Robinson » Mi 20. Feb 2019, 20:54

sol hat geschrieben:
Eisvogel hat geschrieben:Jamania schreibt:
Ähnlichkeiten sehe ich vor allem:
1. in einer eher introvertierten Art
2. an einem (oder mehreren) Zuständen zu leiden
3. Unzufriedenheit, die oft aufs Außen projiziert wird (die Normalen, die so unsensibel sind)
4. das Gefühl besser zu sein (moralisch) und Dinge besser machen zu können (wenn man belastbar genug wäre, was man nicht ist)

Wenn 3. und 4. stimmen, dann ist es kein Wunder, wenn HSP sich Eigentore schießen. Es hat dann auch nichts mehr mit guter Wahrnehmung zu tun, sondern einem Tunnelblick. Welcher normale Arbeitskollege, Freund, Bekannte und welches Familienmitglied umgibt sich freiwillg mit einem Moralprediger? Dazu müssten sie eine sehr schlechte Menschenkenntnis und Wahrnehmung haben, oder sie sind masochistisch.. Möglicherweise erkennt der "gemeine Normalo" diese selbsterfüllende Prophezeiung viel eher als die HSP, die sich selbst in den Mittelpunkt und in eine eigens geschaffene Opferhaltung drängt. Das alles hat einen unangenehm bitteren Nebengeschmack von Selbstgeißelung, die von den Mitmenschen erwartet wird.


Harter Tobak, oder? Mir tut momentan alles weh, wenn ich das lese und zwar, weil es meiner Ansicht nach stimmt. Bitter ist das! Ich habe das auch kultiviert und sogar noch, als ich hier ins Forum kam.
Nicht, dass es meinen Alltag und meinen Lebensstil bestimmte, denn diese Illusion hilft ja eben gar nichts im Alltag, aber so zum genüsslichen stillen Reflektieren machten sich Punkt 3 und 4 doch irgendwie ganz gut.

Wie reden wir also im Folgenden über unser HS?

Wir reden als Normalos mit einer Eigenschaft unter vielen und die heißt HS. Daraus leiten wir keine Besonderheitsansprüche ab, keine Allgemeingültigkeiten, keine Ausreden dafür, lebensuntüchtig zu sein oder krank oder leidend, keine Opferhaltung, keine Überlegenheitshaltung.

Wir alleine sind für unsere HS verantwortlich, nicht die Gesellschaft oder wer auch immer, sondern wir tauschen uns hier im Forum aus, wie unsere individuelle HS sich für uns anfühlt und wie wir in Selbstverantwortung damit umgehen.

So?



HS viel gelassener sehen.
Sich selbst viel gelassener sehen.
Als Nebeneffekt könnte heraus kommen, daß man insgesamt weniger "reizbarer" wird.

Dann ist es fast schon egal wodurch die eigene "Gereiztheit" ausgelöst wurde.
Durch zu viel Aufnahme an Aussenreizen, oder durch die ach so "böse" Umwelt.
Robinson
Neuling
 
Beiträge: 26
Registriert: Mi 13. Feb 2019, 11:13

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Robinson » Mi 20. Feb 2019, 21:35

Jetzt, wo ich mir den Thread nochmal anschaue, kommen Fragen in
mir hoch:

Was hilft es mir, zu wissen, dass ich eine HSP bin ?

Ist es das Wissen,dass ich evtl. Fähigkeiten und Schwierigkeiten habe?

Haben Andere auch.

Sind diese tatsächlich HS typisch?

Vielleicht bin ich auch nur in meiner "Wer bin ich? - Phase auf ein Konzept gestoßen, das mir ein Stück
Halt, Orientierung, Anerkennung, Ausrichtung gegeben hat.

Was ist, wenn das Ganze für mich nur eine Art Krücke ist, eine Art Trost für meine "ach so geschundene" Seele?

Was ist, wenn ich damit gut (fast Alles) in meinem Leben erklären kann, was gut und was schief gelaufen ist.

Was ist, wenn ich mich in diesem Konzept einpacke, um mich nicht "richtig" mit mir auseinander setzen (zu müssen)?

Warum Suche ich nach wissenschaftlichen Bestätigungen für dieses Konzept?
Suche ich evtl. nach Bestätigungen für mich?
Warum verschlinge ich Bücher über dieses Konzept?
Warum mache ich Persönlichkeitstests?
Warum rufe ich evtl. Wahrsager an?
Warum lese ich Horoskope?
Warum beschäftige ich mich mit Nummerologie etc.?

Ich versuche damit,mir, den Anderen, dem Leben klar zu kommen.

Es scheint das Alles in die gleiche Richtung zielt:

Ich bin auf der Suche nach einer passenden, möglichst
positiv besetzten Ich Vorstellung.

Ich kann einfach nicht glauben, dass ich gut bin, so wie ich bin.

So, wie ich gerade in diesem Moment bin, bin ich gut.
Ob sensibel, oder nicht ---> Drauf gepfiffen.

Für mich ist die größte "Schattenseite" vom HSP Konzept, zu glauben, eine HSP zu sein.

Und die andere Schattenseite vom HSP KONZEPT ist, das es nicht vermittelt, dass HSP'LER genauso schräg in persönlichen Bereichen und Beziehungen sind, wie (viele) Andere auch.

Dieses Konzept ist mir viel zu heimelig und zu wattig.

Es spricht zBsp.nicht davon, dass HSP'LER in manchen Situationen schwer für Andere auszuhalten sein können.

Mein Fazit:
Ich sollte an meinem Selbstwert arbeiten.
Robinson
Neuling
 
Beiträge: 26
Registriert: Mi 13. Feb 2019, 11:13

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 20. Feb 2019, 23:12

sol hat geschrieben:Wie reden wir also im Folgenden über unser HS?

Wir reden als Normalos mit einer Eigenschaft unter vielen und die heißt HS. Daraus leiten wir keine Besonderheitsansprüche ab, keine Allgemeingültigkeiten, keine Ausreden dafür, lebensuntüchtig zu sein oder krank oder leidend, keine Opferhaltung, keine Überlegenheitshaltung.

Wir alleine sind für unsere HS verantwortlich, nicht die Gesellschaft oder wer auch immer, sondern wir tauschen uns hier im Forum aus, wie unsere individuelle HS sich für uns anfühlt und wie wir in Selbstverantwortung damit umgehen.

So?


Hi sol,

oder man schaut sich zusammen – so wie auch in diesem Strang - dieses HS-Gebilde an.
Betrachtet es von verschiedenen Seiten in seiner Bedeutung für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen, in seinen Auswirkungen auf die Lebensführung, dehnt es aus auf soziale Kontexte, in denen es stattfindet, überprüft es auf seine Substanz, fragt nach seiner Nützlichkeit oder Sinnlosigkeit ... – das alles ist doch super spannend, oder nicht? :-)

Ein Konzept – egal welches, von mir aus HS – ist doch nicht mehr als ein Konzept, also eine Idee. Für mich ist sowas nichts Starres, Unantastbares, Unverrückbares, in das ich mich womöglich selbst hineinpresse – im Gegenteil, es ist eine Einladung damit zu spielen, es wie einen Ball hin- und her zu werfen, mit neuen und anderen Ideen und Theorien und Inhalten zu verknüpfen und zu sehen, was dabei rauskommt.

Und wo sollte das nicht besser gehen als hier, mit netten Mitusern? :-)

(Leider habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele HSPs anscheinend gerne das Konzept oder sich selbst ziemlich ernst nehmen, da geht das dann natürlich nicht so gut. - Siehst du und schon frage ich mich, ob das Tunnelblickartige ein HS-Schutzmechanismus sein könnte. icon_winkle )

Gruß und schönen Abend noch!
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 921
Registriert: Do 27. Apr 2017, 21:05

Re: HSP ' ler und ihre Beziehung zu ihren Schattenseiten

Beitragvon Jamania » Do 21. Feb 2019, 10:11

Bezüglich der Frage, die im Raum steht...
sol hat geschrieben:Wie reden wir also im Folgenden über unser HS?


...war ich eigentlich schnell dabei robinson zuzustimmen
robinson hat geschrieben:Für mich ist die größte "Schattenseite" vom HSP Konzept, zu glauben, eine HSP zu sein.

Und die andere Schattenseite vom HSP KONZEPT ist, das es nicht vermittelt, dass HSP'LER genauso schräg in persönlichen Bereichen und Beziehungen sind, wie (viele) Andere auch.
Dieses Konzept ist mir viel zu heimelig und zu wattig.


Wenn es nur das ist und ich kann es für mich abhaken, macht es allerdings keinen Sinn, dass ich hier noch weiter herum spuke icon_winkle

Anima bringt es (mal wieder) treffend auf den Punkt :-) , was mich hier immer noch (oder wieder) teilnehmen lässt:

Anima (Lufthauch) hat geschrieben:...oder man schaut sich zusammen – so wie auch in diesem Strang - dieses HS-Gebilde an.
Betrachtet es von verschiedenen Seiten in seiner Bedeutung für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen, in seinen Auswirkungen auf die Lebensführung, dehnt es aus auf soziale Kontexte, in denen es stattfindet,...


Was ich in diesem Mikrokosmos HS über das lernen kann, was an Bewegungen in Gesellschaft, Politik, Medien bei uns gerade stattfindet, ist für mich sehr wertvoll.
Ich bin, wie viele, verunsichert und erschrocken über eine Entwicklung, die spaltet.
Es gibt nur noch die Unsensiblen, Unbelehrbaren und dagegen stehen die gerechten Fortschrittlichen, die behaupten, aus der Geschichte gelernt zu haben.
Ist man nicht uneingeschränkt, mit allen Konsequenzen und alle Widersprüche tolerierend, auf deren Seite wird man zur anderen Seite gezählt.
Bestimmte Kritik darf niemals ausgesprochen werden, denn sie ist ein Zeichen dafür, dass man Unterschiede macht.
Unterschiede zu machen, kritisch zu evaluieren wird gleichgesetzt mit diskriminieren...
Es werden Grenzen gezogen, gut und böse aufgeteilt, zum Teil für mich richtig, zum Teil für mich willkürlich.
Es dürfen bestimmte Dinge "einfach nicht gesagt werden", das ist die Strategie des "wehret den Anfängen"
Jeder darf so sein, wie er will, aber nur, wenn er zur guten, fortschrittlichen Seite gehört, dann ist jeder Fauxpas aus anderer Perspektive zu sehen

All das kann ich im kleinen Raum hier aufdröseln und versuchen für mich zu klären.
Es sind psychologische Irrgärten, mit eigenem Plan und wenn ich anfange, den zu durchschauen, kann ich ihn für mich (gerne auch im Diskurs mit anderen) klären und herausfinden, bis wo ich dabei bin und wo der Punkt ist, wo ich sage: stopp! Das möchte ich nicht mehr!

Es mag vielleicht keine Lösungen geben, aber das Gefühl, dem, was da statt findet durch die vielen Nebelwände und errichteten Barrikaden ein wenig näher zu kommen, ist für mich der größte Bonus und verschafft mir ein wenig Erleichterung.

Es muss für mich HS nicht in der Form geben, in der die Erfinder das etabliert haben, um anzuerkennen, dass Reize und Überreiztheit sowohl auf persönlicher Ebene als auch gesellschaftlich (das ist ein soooo wichtiger Faktor, da könnte ich stundenlang drüber diskutieren) eine wesentliche Rolle in unserem Leben spielen.
Und dass sie viel zu wenig Beachtung finden.

Und natürlich gehören auch Gefühle dazu, denn als Menschen verknüpfen wir nun mal das meiste unseres Wahrnehmens und Erlebens an Gefühle.
Und auch das ist etwas, das mich fasziniert, denn diese Gefühle können eben tief und wahr sein oder sie sind wankelmütig und täuschen mich.
Diese Wechselwirkungen reizen mich, wo ich merke, dass nur die Seite der wahren Gefühle bedient wird (wie eben bei HS), werde ich ablehnend, dort wo nur Statistik hervorgeholt wird und die Gefühle keine Rolle spielen (dürfen), aber genauso.

Warum ich Kritik übe, ist einfach die Dominanz dieser Gefühlsebene, die im Konzept HS bedient wird, aber dies nicht offen, sondern verdeckt unter einem pseudo-Thema, das so einfach nicht tragfähig ist.
Ist es ein Tunnelblick, den ich da habe?
Mit Sicherheit bin ich da hochsensibilisiert #bäh# , das brauche ich gar nicht erst versuchen abzustreiten.

Aber vielleicht ist es für diejenigen, die diesen Tunnelblick noch nicht haben, ja mal interessant sich die ersten Posts von neu-angemeldeten Usern genau daraufhin durchzulesen, welches Thema es ist, dass sie zu HS zieht und warum diese grenzenlose Erleichterung da ist.
Jamania
Rat der Weisen
 
Beiträge: 1002
Registriert: Mi 13. Jul 2011, 17:02

VorherigeNächste


Ähnliche Beiträge

Eltern-Kind-Beziehung
Forum: Hochsensibilität Allgemein
Autor: Lesley
Antworten: 5

Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron