HSP und Freundschaften

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Moondream » Mo 11. Mär 2019, 17:35

Ich finde das Thema interessant, deshalb hole ich es mal aus dem Keller. Möchte nicht extra eine neue Diskussion mit dem gleichen Thema aufmachen.

Wie ich in meiner Vorstellung schrieb, bin ich erst kürzlich auf das Thema HS gestossen.
http://www.xn--treffpunkt-hochsensibili ... 10423.html
Das dort erwähnte Erlebnis mit meiner Schulfreundin hat mich in vielerlei Hinsicht sehr nachdenklich gemacht, auch zum Thema Freundschaft.

Und es ist eben so dass ich einigem, auch gute, Freunde habe. Ich bin auch seit vielen Jahren glücklich verheiratet, meine Frau ist mit die wichtigste Stütze überhaupt und wir haben uns auch oft gegenseitig wieder aufgebaut.

Trotzdem fühle ich mich oft einsam. Ich habe dann das Gefühl, dass ich mich auch mit mir nahestehenden Menschen nicht wirklich über alles Dinge die mir wichtig sind, wie (tiefe) Gefühle, Ideen, Träume und alles was mich so täglich bewegt, reden und mich austauschen kann.
Selbst bei Menschen, die ich als gute Freunde bezeichen würde, stoße ich schnell an Grenzen, wenn ich mit ihnen über die DInge spreche, die mich wirklich bewegen. Of führt das zu Unverständnis oder sogar zu Ablehnung. Zumindest nehme ich das oft so wahr, weshalb ich nur sehr selten über solche Dinge sprechen kann, eigentlich nur mit meiner Frau und einem einzigen guten Freund dem ich soweit vertraue. Und auch da stosse ich oft an Grenzen.
Und, nun ja, bei meiner Schulfreundin (siehe verlinkter Post) habe ich das Gefühl das ich mit ihr über alles reden kann. Ich weiß nicht, wo ich das Vertrauen in sie überhaupt hernehme, so gut kenne ich sie ja auch nicht. Aber ich habe irgendwie das Gefühl das ich ihr da völlig vertrauen kann und das sie mich auch versteht. Seltsam...

Ich frage mich oft, woran das liegt. Liegt das an mir oder einfach daran, dass mir die richtigen Menschen einfach noch nicht über dem Weg gelaufen sind?
Wie und wo find ich Menschen, die so oder so ähnlich wie ich ticken? Bisher war meine Suche eher recht erfolglos, ich muss allerdings auch sagen, das ich dass ich das Ganze bisher auch noch nicht unter dem Aspekt *HS* betrachtet habe.


Wie geht es euch in dieser Hinsicht? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?

LG Moondream
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon songbird86 » Di 12. Mär 2019, 01:08

Also ich habe wenige, gute Freunde, die ich mal zufällig im "Real Life" kennengelernt habe, aber der Kontakt ist fast nur über's Internet. Je nach Laune habe ich für manche Themen bestimmte Ansprechpartner, d. h. ich rede nicht mit jedem über alles so intensiv.

Früher habe ich mich immer darüber aufgeregt, wenn mein Sandkasten-Kumpel sich immer nur gemeldet hat, wenn er was wollte. Mittlerweile ist es mir egal. Wir wohnen in der gleichen Straße und doch haben wir manchmal 2 Monate nichts miteinander zu tun, bis mal einer was sagt und dann macht man einfach da weiter, wo man zuletzt war. Ohne sich darüber aufzuregen, warum man sich nicht meldet. Seit ich das so mit meinen Freunden besprochen habe, ist alles so viel entspannter.

Trotzdem ertappe ich mich manchmal dabei, mich dann doch zu sorgen, wenn ich meinem Kumpel eine Nachricht geschrieben habe, auf die er Tage nicht antwortet. Ich denke dann, dass ich was Falsches gesagt oder gemacht habe oder er anderweitig von mir genervt ist. Zu 99% liegt es dann bloß daran, dass er es einfach vergessen hat. _läch_

Manchmal möchte man einfach mit keinem reden, aber das bedeutet nicht, dass man sich nicht mehr mag.

Ich möchte auch manchmal Internetkontakte einfach als Internetkontakt lassen, aber nicht in Echt treffen. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie nicht mag! Das kann schon echt ganz schön verletzend sein, weil ich das selbst kaum verstehe...

Im ersten Post ging es um die verschiedenen Phasen und so eine Art Eifersucht bei neuen Freundschaften. Bei mir habe ich schon ab und zu beobachtet, dass ich immer viel Ehrlichkeit und Offenheit von anderen "verlange" und es dann total bereue, wenn ich dann mal offen war, aber mein Gegenüber von sich nichts preisgibt. Ich bin dann manchmal sehr euphorisch, wie so ein balzender Vogel, der vor einem Vogelweibchen rumhüpft. _läch_ Doofes Beispiel, aber ich hatte mal eine sehr unterhaltsame Internetbekanntschaft aus England, die mir auch nach 'nem halben Jahr nicht verraten hat, wie sie heißt oder wie alt sie ist. Auf die Frage, ob wir uns nicht bei Facebook o. Ä. vernetzen wollen, wich sie immer nur aus (ich wollte einfach nicht, dass der Kontakt verloren geht). Wir hatten zwar echt viel Spaß zusammen, aber es hat mich irgendwie... verletzt, bis ich ihr irgendwann nicht mehr geschrieben habe... (ich hatte es tatsächlich schon mal, dass mich jemand ca. 2 Monate von vorne bis hinten verarscht habe und ich diese Person sogar treffen wollte!)

Ich bin mir nicht sicher, ob das nun HSP-typisch ist oder eher introvertiert, aber das ist mir zu dem Thema als Erstes eingefallen.
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Moondream » Di 12. Mär 2019, 11:46

songbird86 hat geschrieben:Trotzdem ertappe ich mich manchmal dabei, mich dann doch zu sorgen, wenn ich meinem Kumpel eine Nachricht geschrieben habe, auf die er Tage nicht antwortet. Ich denke dann, dass ich was Falsches gesagt oder gemacht habe oder er anderweitig von mir genervt ist. Zu 99% liegt es dann bloß daran, dass er es einfach vergessen hat. _läch_


Ich muss zugeben, dass mir das doch öfter so geht. Besonders natürlich bei den Menschen, die mir wichtig sind. Dann habe ich oft die Befürchtung ich habe denjeningen verschreckt, weil ich etwas falsches oder unangemessenes gesagt habe oder ihm einfach auf die Nerven gehe. Ich möchte das nicht, kann es aber auch nicht abschalten.
Ich bin irgendwie froh, das es auch anderen so geht. In meinem Umfeld versteht irgendwie niemand was da manchmal in mir vorgeht. Na ja, meine Frau schon, zumindest in Ansätzen.

songbird86 hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher, ob das nun HSP-typisch ist oder eher introvertiert, aber das ist mir zu dem Thema als Erstes eingefallen.


Ich denke, das kann man nicht wirklich trennen, aber ich empfinde vieles genauso. Ob das nun eher aus der Introvertiertheit oder vom HSP herrührt ist, glaube ich, ist wohl eher nebensächlich. Vielleicht macht es auch die Kombination.
Laut diverser Persönlichkeitstest kann ich mich wohl am ehesten als sensiblen, introvertierten Träumer und Idealisten bezeichnen. Und ich empfinde mich auch so, hab das nur ewig nicht akzeptiert. Als Mann wohl eher eine seltene Kombination und im realen Leben oft eher hinderlich. Von vielen wird man als Mann eher nicht akzeptiert und als Schwächling abgetan, wenn man das offen zugibt.

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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon ostsee_liebe » Di 12. Mär 2019, 13:20

Moondream hat geschrieben:Trotzdem fühle ich mich oft einsam. Ich habe dann das Gefühl, dass ich mich auch mit mir nahestehenden Menschen nicht wirklich über alles Dinge die mir wichtig sind, wie (tiefe) Gefühle, Ideen, Träume und alles was mich so täglich bewegt, reden und mich austauschen kann.

So ähnlich fühle ich auch manchmal. Ich habe zwar meine "Leute" mit denen ich mal über dieses und mal über jenes sprechen/schreiben kann. Aber das reicht nicht immer bzw. sind diese Menschen nicht immer genau dann verfügbar. Mir hilft es dann meist, meine Gedanken aufzuschreiben. In Form eines Briefes zb an den Menschen, mit dem ich das eigentlich besprechen wollte. Dabei hole ich dann auch mal weit aus und stelle Fragen dazu. Manchmal beantworte ich mir diese Fragen später im Brief sogar selbst. Ist schon komisch, das dann später nochmal zu lesen.

Moondream hat geschrieben:Selbst bei Menschen, die ich als gute Freunde bezeichen würde, stoße ich schnell an Grenzen, wenn ich mit ihnen über die DInge spreche, die mich wirklich bewegen. Of führt das zu Unverständnis oder sogar zu Ablehnung. Zumindest nehme ich das oft so wahr, weshalb ich nur sehr selten über solche Dinge sprechen kann, eigentlich nur mit meiner Frau und einem einzigen guten Freund dem ich soweit vertraue. Und auch da stosse ich oft an Grenzen.

Diese Grenzen kenne ich auch gut bei einigen meiner Freunde. Ich glaube, Du musst einfach akzeptieren, dass diese guten Freunde zwar Interesse an Dir haben, aber nicht an allem an Dir. Klingt blöd, aber Du zb. möchtest auch über tiefer gelegene Dinge sprechen, die die anderen nicht erfüllen KÖNNEN. Die Freunde machen dies andersherum wohl ähnlich und sprechen mit Dir auch nur immer bestimmte Themenbereiche an, von denen sie glauben, dass Du ihnen dabei helfen kannst.
Schau Dir Deine jetzigen Freunde an und überlege mal, welche Themen bei welchem Freund gut gehen und welche weniger gut. Versuch Dich mal in sie hinzufühlen und schau, ob bei den Freunden nicht doch einer dabei sein könnte, der ähnlich tickt wie Du und Interesse an tieferen Gesprächen hat. Vielleicht weiß derjenige dies noch gar nicht bzw. nicht im Umgang mit Dir?

Moondream hat geschrieben:Und, nun ja, bei meiner Schulfreundin (siehe verlinkter Post) habe ich das Gefühl das ich mit ihr über alles reden kann. Ich weiß nicht, wo ich das Vertrauen in sie überhaupt hernehme, so gut kenne ich sie ja auch nicht. Aber ich habe irgendwie das Gefühl das ich ihr da völlig vertrauen kann und das sie mich auch versteht. Seltsam...

Nicht seltsam, schön! Ich habe durch großen Zufall auch so einen Menschen gefunden, dem ich vorbehaltlos alles anvertrauen kann. Da stimmte von Anfang an alles und zwar Gegenseitig. Wir stützen uns im Alltag mit unseren Problemen und hören einfach zu, wenn der andere es braucht.
Meinst Du, Du kannst Dich ihr anvertrauen und schauen, ob sie so eine vertraute Person für Dich sein kann und Du auch für sie?

Moondream hat geschrieben:Ich frage mich oft, woran das liegt. Liegt das an mir oder einfach daran, dass mir die richtigen Menschen einfach noch nicht über dem Weg gelaufen sind?
Wie und wo find ich Menschen, die so oder so ähnlich wie ich ticken? Bisher war meine Suche eher recht erfolglos, ich muss allerdings auch sagen, das ich dass ich das Ganze bisher auch noch nicht unter dem Aspekt *HS* betrachtet habe.

Zweifel da nicht so sehr an Dir. Ich glaube, es ist Dir einfach noch nicht der richtige Mensch über den Weg gelaufen. (Oder doch schon mit der Schulfreundin?) Aktiv danach suchen ist schwieriger, weil Du immer mit dem Hintergedanken dabei bist, ob es nun die "ideale" Person für Dich ist. Es muss einfach für beide Passen und es muss ich manchmal entwickeln. Ich zb spreche gerade viel intensiver mit einem alten Freund. Ihn kenne ich schon sehr sehr lange, habe zwischendurch gelegentlich Kontakt gehabt, aber nur oberflächlich. Irgendwann haben wir uns gegenseitig unsere Probleme anvertraut und machen dies jetzt viel häufiger. Da wussten weder er noch ich von HS. Er ist es vermutlich auch, ist aber egal eigentlich für mich. Empathie, worauf es mir auch viel ankommt, haben auch weniger sensible Menschen.

Ich hoffe, meine Gedanken helfen Dir etwas.
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Moondream » Mi 13. Mär 2019, 10:14

ostsee_liebe hat geschrieben:Versuch Dich mal in sie hinzufühlen und schau, ob bei den Freunden nicht doch einer dabei sein könnte, der ähnlich tickt wie Du und Interesse an tieferen Gesprächen hat. Vielleicht weiß derjenige dies noch gar nicht bzw. nicht im Umgang mit Dir?


Das versuche ich gerade herauszufinden. Wie gesagt, die Selbsterkenntnis das ich so bin wie ich bin und und was ich wirklich für mich brauche, ist noch ziemlich frisch und sicher noch nicht abgeschlossen. Und es dauert sicher seine Zeit meine Sensibiltät rundum zu erkennen, zu akzeptieren und den richtigen Weg für mich, auch im Umgang mit Freunden, zu finden. Ich habe schließlich doch recht erfolgreich meine Sensibilität über 30 Jahre lang negiert und sorgsam verborgen. Es ist schwer, aber ist gleichzeitig auch spannend und angenehm sich selbst neu zu entdecken und einen neuen Weg für sich zu finden.

ostsee_liebe hat geschrieben:Meinst Du, Du kannst Dich ihr anvertrauen und schauen, ob sie so eine vertraute Person für Dich sein kann und Du auch für sie?


Ich weiß es nicht, aber glaube das es so sein könnte. Dazu muss ich aber auch meinene Kontakt zu ihr ausbauen. Wir haben uns letzlich in 35 Jahre nur ab und zu auf Klassentreffen gesehen und ein Stück weit bin ich für sie sicher noch der kleine schüchterne und uninteresante Nerd hinter dem ich mich damals wohl sehr erfolgreich verborgen habe. Und Sie ist für mich noch ein Stück weit das süße und wunderschöne Mädchen, in das ich mich damals unsterblich verliebt habe, und dem ich das nie sagen konnte, weil ich einfach zu ängstlich war. Das habe ich dann vor 3 Monaten nachgeholt, was mir wirklich schwer gefallen ist. Und es ist mir auch seither klar, dass sie keinerlei romatischen Gefühle für mich hegt, während ich diese Gefühle immer noch nicht ganz ablegen kann und unterbewusst villeicht sogar noch gewisse Hoffnungen habe. Ich weiß nicht, auf bewusster Ebene ist mir das alles absolut klar, aber unterbewusst?
Allerdings scheint mir ein dauerhafter Kontakt auf rein freundschaftlicher Ebene möglich und wünschenswert. Gleichzeitig habe ich aber auch gewisse Ängste, das mir meine (immer noch in Teilen vorhandenen) romatischen Gefühle in die Quere kommen oder mir etwas vorgaukeln, das nicht wirklich da ist. Aber das kann ich wohl nur herausfinden, wenn ich ihr mehr von mir zeige und auch mehr von ihr erfahre, sofern Sie das auch möchte und zulässt. Ich möchte mich ihr dabei aber auch keinesfalls aufdrängen.
Aber der wichtigst Punkt für mich ist das, was ich auf dem Klassentreffen bei unserem auführlichen Gespräch empfunden habe. Ein tiefes Verständnis, ein offenes Herz und großes Einfühlungsvermögen. Diese Begenung war es letztlich, die mein ganzes Gefühlsleben umgekremplet und mir meine Sensiblität und Verletzlichkeit erst wirklich bewußt gemacht hat. Und ich glaube nicht, das das nur mit romantischen Gefühlen meinerseits zu tun hat.
Auch wenn es esotherisch klingt, ich habe da so etwas wie Seelenverwandschaft gespürt, obwohl ich eigentlich bisher nie an so etwas geglaubt habe.


ostsee_liebe hat geschrieben:Zweifel da nicht so sehr an Dir. Ich glaube, es ist Dir einfach noch nicht der richtige Mensch über den Weg gelaufen. (Oder doch schon mit der Schulfreundin?) Aktiv danach suchen ist schwieriger, weil Du immer mit dem Hintergedanken dabei bist, ob es nun die "ideale" Person für Dich ist. Es muss einfach für beide Passen und es muss ich manchmal entwickeln.

Ja, ich bin nun mal ein Zweifler und Grübler. Und vielleicht auch ein unverbesserlicher Träumer und Idealist. Eventuell ist meine Schulfreundin einer dieser Menschen, vielleicht ein anderer Freund, in dem ich das nur noch noch nicht erkannt habe oder wirklich jemand, der mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen ist. Das kann aber wohl nur die Zukunft zeigen.

LG
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Ina222 » Fr 17. Mai 2019, 08:11

Hey Moondream!

Ich habe deinen Thread gelesen und kenne dein Problem ganz gut... zumindest fühlt es sich so an.
Ich habe einen sehr, sehr, sehr, sehr verständnisvollen Partner mit dem ich glücklicherweise über vieles reden kann.
Aber abgesehen davon habe ich keine Freundschaften, die ich anrufen könnte wenn mal die Hütte brennt. Ziemlich traurig wie ich finde, weil gute Freundschaften ja was schönes sind.
Ich frage mich auch oft, ob das vielleicht an mir liegt oder was ich falsch mache.
Ein Bedürfnis, das bei mir immer wieder hochkommt ist das Bedürfnis verstanden zu werden. Ich weiß auch nicht wieso, aber das ist mir so unglaublich wichtig , dass jemand die Welt manchmal genauso sieht wie ich oder sich ähnlich fühlt. Aber das habe ich erstaunlich selten bei meinen Mitmenschen angetroffen. ich frage mich da echt, ob ich da quasi zu viel von anderen Menschen erwarte. Vielleicht gehört ja ein gewisses Maß an Einsamkeit zu einem Menschenleben dazu.
Ich für meinen Teil jedoch, sehne mich immer nach einer Verbindung zu anderen Menschen. Das macht für mich gegenseitiges Verständnis aus.
Aber vielleicht verstehe ich die anderen Menschen auch nur halb so gut wie ich von mir meine^^
Fühlst du dich auch manchmal nicht verstanden?
Wie hast du deine Freunde getroffen?

LG
Ina
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Moondream » Fr 17. Mai 2019, 11:18

Hallo Ina

Danke für deinen Post. Ich denke ich kann deine Fragen gut verstehen.

Das ganze ist für mich ein ziemlich komplexes und schwieriges Thema. Für dich anscheinend auch?

Es ist in der Tat so, das ich mich oft nicht verstanden fühle. Geht mir schon mein ganzes Leben lang so. Woran das letztlich genau liegt, kann ich oft nicht mal sagen.

Zum Einen denke ich, liegt es wahrscheinlich daran, dass ich viele Dinge anders sehe und empfinde als der Durchschnitt. Laut diverser Charaktertests bin ich eine introvertierter, idelistischer Träumer (INFP nach Keirsey). Laut allem was ich darüber so gefunden habe eine eher seltene Ausprägung (ca. 1,5% aller Männer und 2,5% aller Frauen). Von daher ist es schon statistisch recht schwierig jemanden zu finden der genauso oder ähnlich tickt. Zudem ist das dahinter stehende Grundtemperament (Idealist) mit etwas 10% auch nicht sooo häufig. Und ich habe bei mir viele Eigenschaften von HS gefunden, das schränkt sicher die Auswahl nochmals ein.

Deswegen ist für mich meine Frau als zentrale Bezugsperson, mit der ich über (fast) alles reden kann, so wichtig für mich. Für dich ist das sicher dein verständnisvoller Partner.
Das ist schon mal ein wichtiger Anker, der Halt gibt. Aber das allein reicht eben nicht aus.

Wir Menschen sind eben gesellschaftliche und soziale Wesen, und ohne Kontakt mit anderen Menschen, mit Freunden, verkümmern wir irgendwann. (Ja, es gibt sicher Ausnahmen die als Einzelgänger besser zurechtkommen, aber ich denke das ist nicht die Masse)

Und ich denke da ist mein (und vielleicht auch dein) Dilemma:
Die überwiegende Mehrheit der Menschen kommt in großen Gruppen, auf Partys, bei Veranstaltungen e.t.c. relativ schnell in Kontakt mit anderen Menschen und daraus entsteht dann die eine oder andere Freundschaft. Vielleicht ist den meisten Menschen auch oft eine eher oberflächliche Freundschaft lieber? Vielleicht können sie schneller sortieren was wichtig ist und was belanglos. Ich weiß es nicht.

Ich weiß auch nicht ob das jetzt mit HS, Introvertiertheit, Idealismus oder mit der Kombination zusammenhängt. Aber es ist mir in großen Gruppen schlicht unmöglich Kontakte zu finden oder mich auf bestimmte Personen zu konzentrieren. Daher habe ich z.B. große Parties oder Disco meist gemieden, da ich mir dort immer als Aussenseiter vorkam. Auch wenn ich mit Freunden/Schulkameraden e.t.c da war, fühlte ich mich dabei meist ziemlich einsam. Ich hab das dann irgendwann ganz gelassen.

Daher habe ich meine (wenigen) Freunde da getroffen, wo man sich auch in kleineren Gruppen und allmählich kennenlernen kann. Also in der Schule und auf Arbeit hauptsächlich.
Oder(wie meine Frau) klassisch über eine Anzeige oder heute im Internet.

Und ganz ehrlich, auch ich sehne mich nach jemandem der die Welt so wie ich sieht oder zumindest ähnlich und mit dem ich dann auch ganz offen über meine Gedanken und Gefühle reden kann. Meine Weltsicht liegt in einigen Punkten, glaube ich, schon recht weit ab vom Mainstream, das macht Unterhaltungen auch mit Freunden manchmal schwierig, um nicht in Fettnäpfchen zu treten )/898u . Zumindest fühlt sich das für mich so an. Vielleicht finde ich denjenigen nie, aber vielleicht jemanden der dem möglichst nahe kommt.

Aber letztendlich denke ich nicht, dass du oder ich da grundsätzlich was falsch machen/gemacht haben. Vielleicht nur an der falschen Stelle oder auf die falsche Art und Weise gesucht. Vielleicht auch mit den falschen Erwartungen. Denn wir bekommen ja als Kind und Jugendlicher von anderen (meist den lauten und extravertierten, die sind da ja soooooo cool und erfolgreich _gruebel_ ) vorgelebt, wie man es scheinbar 'richtig' macht. Nur das passt dann anscheinend für uns nicht, und wir müssen dann andere Wege finden. Wie dieses Forum zum Beispiel.

Und ... auch wenn ich eine sehr einfühlsame und verständnisvolle Frau gefunden habe, worüber ich sehr glücklich bin. Auch mit ihr kann ich nicht über alles reden und brauche andere Menschen, gute Freunde (leider habe ich da auch zuwenige), um die Lücken zu füllen die da noch bleiben, Verständnis und andere Sichtweisen zu finden. In gewisser Weise auch eigene, unabhängige Wege zu gehen. Ich denke, das ist völlig normal. Ich hab das nur mein Lebenlang sehr vernachlässigt und ignoriert.

Auch ein Grund, warum ich jetzt den Weg hierher gefunden habe.

LG
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Ina222 » Mo 20. Mai 2019, 15:52

Hallo Moondream,

Das war eine schöne, ausführliche Antwort, ganz wie es einem HSP entspricht ;-)
ich finde auch, dass ein Partner zwar wirklich wichtig ist, aber Freunde sind es ebenso.
Ich glaube manchmal und das sagen die Menschen in meinem näheren Umfeld auch, dass ich vielleicht zu hohe Ansprüche an mich und meine Mitmenschen stelle... Ab einer gewissen Nähe, will ich einfach, dass man ehrlich zueinander ist und sich nicht hintergeht. Konflikte wird es zwischen Menschen immer geben, aber es kommt ja auch darauf an wie man damit umgeht.
Übrigens finde ich auch nicht, dass man seine Freunde in der Disco kennenlernen muss. Da habe ich glaube ich auch noch nie einen richtigen Freund/ eine richtige Freundin kennengelernt.
Übrigens war es für mich auch richtig schwer, bis ich endlich meinen Freund kennengelernt habe. Ich bin eher introvertiert und mag mich nicht so gerne "präsentieren". Ich hoffe immer dass die Leute mich aufgrund meiner Persönlichkeit mögen ^^
Sind bei dir schonmal Freundschaften auseinander gegangen weil sie dir zu oberflächlich waren? Was genau vermisst du bei deinen momentanen Freundschaften?
Ich hätte gerne so eine Freund wie Sam aus Herr der Ringe. Frodo und Sam sind für mich wirklich tolle Freunde, weil sie einfach ehrlich zueinander sind und trotz Krisen bis zum Schluss zusammenhalten.
Vielleicht hast du recht und wir haben bis jetzt am falschen Ort gesucht. Vielleicht müsste man sich mit Leuten zusammentun, die einen ähnlichen Lebensweg haben... so hat man auch eher eine gemeinsame Verstehensbasis und muss nicht ewig rumreden bis der andere einen versteht ;-)

LG
Und hab einen schönen Tag!
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Moondream » Mo 20. Mai 2019, 22:17

Hallo Ina222,

Ina222 hat geschrieben:Übrigens war es für mich auch richtig schwer, bis ich endlich meinen Freund kennengelernt habe. Ich bin eher introvertiert und mag mich nicht so gerne "präsentieren". Ich hoffe immer dass die Leute mich aufgrund meiner Persönlichkeit mögen ^^

Ja, das geht mir genauso. Hätte ich jetzt nicht besser ausdrücken können. Bei mir liegt das vielleicht auch daran, dass ich ein hoffnungsloser Idealist bin und oft nur das Gute im Menschen sehe. Und daher vielleicht der Trugschluss, dass die anderen das (bei mir) auch so sehen. Eigentlich müsste ich vielleicht sogar viel öfter von meinen Mitmenschen enttäuscht sein, aber auch da funkt vielleicht der Idealist und Träumer in mir dazwischen. _gruebel_

Ina222 hat geschrieben:Ich hätte gerne so eine Freund wie Sam aus Herr der Ringe. Frodo und Sam sind für mich wirklich tolle Freunde, weil sie einfach ehrlich zueinander sind und trotz Krisen bis zum Schluss zusammenhalten.

Ja, kann ich nachvollziehen (ich bin auch ein absoluter Fan von Herr der Ringe). Leider (oder zum Glück, kann man so oder so sehen) ist meine Frau die einzige Person, der ich das zutraue, und die das auch schon in wirklich schlimmen Situationen gezeigt hat.

Ina222 hat geschrieben:Sind bei dir schonmal Freundschaften auseinander gegangen weil sie dir zu oberflächlich waren? Was genau vermisst du bei deinen momentanen Freundschaften?

Nicht aktiv auseinander gegangen, sondern dann mangels Inhalt eingeschlafen. Ich vermisse meist die Möglichkeit wirklich offen alles zu sagen, bzw. es fehlt das Verständnis für die Art und Weise wie ichdenke/fühle.

Ina222 hat geschrieben:Vielleicht hast du recht und wir haben bis jetzt am falschen Ort gesucht. Vielleicht müsste man sich mit Leuten zusammentun, die einen ähnlichen Lebensweg haben... so hat man auch eher eine gemeinsame Verstehensbasis und muss nicht ewig rumreden bis der andere einen versteht ;-)

Genau deswegen bin ich hierher gekommen. Nachdem ich für mich die Erkenntnis gefunden habe, das ich offen in bestimmten Bereich HSP bin und manches anders sehe/fühle als der Durchschnitt is tmir bewußt geworden, das ich vielleicht die richtige Form von Verständnis nur bei Menschen finde, die ähnlich wie ich ticken oder zumindest unvoreingenommen (Das trifft auf einen Kollgen zu der über die Jahre auch ein guter Freund geworden ist. Kann man denke ich so sagen.) an die Sache herangeht.

LG
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Re: HSP und Freundschaften

Beitragvon Jackie » Sa 1. Jun 2019, 22:30

Ich bin gerade echt überwältigt und mir stehen Tränen in den Augen!
Bislang dachte ich immer, ich sei unnormal, ein Alien, ein... keine Ahnung,... komisch einfach.

Dann lese ich hier Beiträge von Menschen, denen es haargenau so geht wie mir!!!

Ihr wisst gar nicht, wie gut diese Erkenntnis, in all dem Mist, den die HS mir emotional bereitet (sorry für diese Worte, aber derzeit ist die HS für mich mehr Fluch als Segen) gerade tut!

Kurze Erklärung: ich habe arge Probleme, Freunde zu finden und zu halten. Das Thema Freundschaft ist bei mir extrem emotional und es tut mittlerweile einfach nur noch weh, weil ich das Gefühl habe immer nur noch alles falsch zu machen... seit Jahren...

Bin gerade wieder in der Situation, dass ich mich von einer Person, die ich sehr gern habe, komplett zurückziehe(n muss), weil ich mit der Situation nicht mehr klarkomme. Anfänglich zeigte sie Interesse an mir, wir hatten häufiger Kontakt. Ich brauchte lange, bis ich mich öffnen konnte... dann wurde es von ihrer Seite immer weniger und ich kam mir mit jeder von meiner Seite aktiven Kontaktaufnahme vor als würde ich sie nerven... also einzige für mich mögliche Konsequenz: Rückzug!

Es ist irgendwie immer dasselbe Spiel. Ich habe gar keine Problem, Menschen kennenzulernen, werde als freundlich, nett und sympathisch bezeichnet, aber ich habe echt das Gefühl, dass sobald etwas über Smalltalk hinausgeht, ich die Leute irgendwie abschrecke...?! Dass, sobald die Leute mich näher kennenlernen, sie mich nicht mehr mögen....

Im Grunde habe ich nur Bekannte, aber keine Freunde, weil ich mittlerweile einfach nur noch Angst davor habe, wieder enttäuscht zu werden bzw selber denjenigen, den ich so in mein Herz geschlossen habe, zu enttäuschen.

Ach, verflixt :(
Ihr merkt, sehr schwieriges Thema bei mir....

Dennoch bin ich sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben! Ich werde mich hier mal durchlesen und bin sehr gespannt, was ich hier noch lernen werde :)
Danke für‘s lesen!!

Viele Grüße
sagt
Jackie
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