HSP und Unsensibles Verhalten

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon polytrauma » Fr 7. Sep 2018, 22:23

Hi ihr,

vor einigen Jahren habe ich mal einer Freundin erzählt, dass ich mich mit HSP Beschäftige und ich laut Test eine bin. Ich kam auf das Thema, weil ich ihr sagen wollte dass ich denke dass sie das auch ist... Sie schien so sehr unter kleinsten Mini-Schwingungen zu leiden und ich wollte sie dazu ermutigen sich mit sich selber zu befassen statt immer nur zu schauen wo andere sie evtl. verletzen oder wo die anderen gemein zu ihr sind oder "krank" und "gestört" (so ihre Worte).

Leider ging der Schuss nach hinten los und sie attackierte auch mich, sagte mir ich sei überhaupt gar nicht sensibel und sie fände das totalen quatsch dass ich davon ausgehe, ich wäre ja wohl das Gegenteil von sensibel. Ich würde nie zuhören, ich würde manchmal unüberlegte Dinge sagen (zu direkt sein), ich würde mich nur um mich selbst drehen und kreisen und dass ich obendrein noch glaube ich sei HSP würde dem ganzen die Krone aufsetzen. Auch die Bücher die ich zuhause habe "richtig zuhören" zog sie ins lächerliche bzw. eher dass gerade ICH sie besitze wo ich doch nicht zuhören kann.

Dieses Gespräch klingt mir noch nach obwohl es 2 Jahre her ist und ich frage mich, ... neigen HSPler dazu sich evtl. gerade deshalb aus Abschottung besonders unsensibel zu verhalten oder habt ihr das auch bei euch beobachtet bzw. spiegelt euer umfeld euch das manchmal?

Liebe Grüße und einen schönen Freitag / Wochenende,



Poly


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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Neongrau » Sa 8. Sep 2018, 05:26

Hallo Poly,

an sich finde ich es erstmal sehr mutig, dass du deiner Freundin damals so offen von deiner HS erzählt hast - auch wenn ich die Konstellation nicht genauer kenne habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass es nicht jedem leicht fällt, darüber mit anderen Menschen zu sprechen. Und wie du es beschreibst waren die Zeichen ja eigentlich relativ eindeutig, dass sie auch eine HSP sein könnte.

Dass man sich als HSP auch mal sehr unsensibel verhalten kann habe ich schon öfter an mir selbst gemerkt - besonders wenn ich überreizt bin werde ich manchmal auch schlecht gelaunt oder sogar aggressiv, ohne das direkt steuern zu können. Zum Beispiel war ich während des letzten Jahres, das ich mit meiner Familie zusammengewohnt habe, immer sehr gereizt, da meine Familie generell sehr laut und weniger rücksichtsvoll gegenüber meinen Ruhebedürfnissen war. So kam es, dass ich zu Hause fast immer gereizt war, und schließlich manchmal auch aggressiv und unsensibel meiner Familie gegenüber, obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte. Generell glaube ich, dass HS nicht immer implizieren muss, dass man sich stets sensibel seiner Umwelt gegenüber verhält. Zumindest für mich (sicher definieren das andere Menschen auch anders) ist HS zunächst nur das, was in mir passiert, also meine "feinen Antennen" gegenüber der Außenwelt. Und weil diese Antennen so fein sind bin ich eben auch mal schneller überreizt, und verhalte mich eher unsensibel. Sensibilität im Sinne der Fähigkeit zur Wahrnehmung von Reizen ist ja auch etwas anderes als die Sensibilität im Sinne des rücksichtsvollen Umgangs mit Mitmenschen.

Dennoch finde ich geht ihre Reaktion da schon ein Bisschen zu weit - besonders wenn sie wirklich eine HSP ist würde ich eigentlich kein so extrem ablehnendes Verhalten diesem Thema gegenüber erwarten. Natürlich kenne ich sie nicht, und es kann schon sein, dass sie sich ihrer HS zwar bewusst ist, sich damit aber so alleine fühlt, dass sie sofort ablehnt wenn andere Menschen von sich und ihrer HS erzählen. Aber wie gesagt, diese Reaktion übersteigt jedenfalls bei weitem alles, was ich ihm Rahmen meiner Gereiztheiten jemals an Unsensibilität kennengelernt habe. Für mich klingt das fast so, als sei sie zu dieser Zeit wegen etwas anderem ohnehin schon sehr gereizt und aggressiv gewesen. Habt ihr denn irgendwann noch mal darüber gesprochen, bzw. habt ihr noch Kontakt? Dass dich dieses Gespräch nach 2 Jahren noch so beschäftigt kann ich auf jeden Fall verstehen, schließlich war das ja durchaus eine große Verletzung die sie dir da zugefügt hat, indem sie einen so wichtigen Teil von dir total heruntergemacht hat.

Viele Grüße und dir auch ein schönes Wochenende,
Neongrau :-)
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Raspberry » Mo 10. Sep 2018, 06:38

Ich reagiere auch gereizt, wenn ein (meiner Meinung nach) normales Bedürfnis ignoriert wird. Zum Beispiel vor und nach einer anstrengenden Aufgabe etwas zu essen. Grundsätzlich andere anzufahren hat meiner Beobachtung nach aber nichts mit HS zu tun, zumindest nicht direkt.

Ich habe den Eindruck, die Gereiztheit kommt teilweise aus dem Anspruch, das Wahrgenommene in Ordnung zu bringen, was daran scheitert, dass die Betroffenen das Problem nicht sehen oder es nicht gerade jetzt lösen wollen. Oder nicht mit der Person, die das Problem wahrnimmt.
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Rakete » Mo 10. Sep 2018, 08:19

Hey,

ja, mir wird das auch vorgeworfen.
Ich denke es liegt daran, dass ich zu lange nichts sage, während "die Anderen" sich immer weiter an meine Grenze heranwagen.
Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, man sagt dass es einem nicht gefällt, und schwupp, tun die anderen so wie wenn ich sie angegriffen hätte.
Mich ödet das auch an.

Andernfalls kann es passieren, dass man unfreundlich und arrogant rüberkommt, man aber im Prinzip nur seine Ruhe will, oder einem das Thema
zu banal ist und man nicht seine Energie mit sowas verschwenden will. Das ist so das "verbellen" von "Störenfrieden".

Oder man ist so ziemlich direkt (für manche), aber das kommt daher, dass viele nicht so gut mit der Wahrheit umgehen können, und
HSP doch sehr bemüht sind möglichst nah an der Wahrheit zu kommen. Das wirkt auf viele sehr offensiv.
Aber: Wenn die Wahrheit sie tötet, dann lass sie sterben.

Und es gibt noch so eine spezielle Art von Menschen, denen kann man es nie recht machen. Jeder Versuch ist zwecklos, da ist es
die einzige Lösung denen es deutlich zu sagen, gerne auch sehr vehement. Und wenn die in ihrem Modus "Opferrolle" sind simulieren
die das Verhalten was einem HSP sehr nahekommt, aber das nur um ihre Ziele zu erpressen. Manipulatives Verhalten.

Und zu HSP oder nicht: Ist es denn wirklich sooo wichtig zu einer Gruppierung anzugehören? Das ist doch dann nicht die Standardausrede, oder
eine Entschuldigung für jegliches Verhalten, oder ein Versuch schon fast erpresserisch nur mit Samthandschuhen angefasst zu werden?
Und selbst unter HSP gibt es verschiedene Charaktertypen. Oder man wechselt sogar dazwischen hin und her, je nach Situation, oder Tagesverfassung.
Und: HSP ist jetzt schon mal garnicht ein angesteckter Orden in irgendweiner Form "Besser" zu sein. Natürlich liegt die Tendenz schon in die Richtung
die Welt besser, oder freundlicher zu gestalten.

Soweit mal, Maik
The intuitive mind is a sacred gift and the rational mind is a faithful servant. We have created a society that honors the servant and has forgotten the gift.
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Raspberry » Mo 10. Sep 2018, 10:00

Rakete hat geschrieben:Hey,

ja, mir wird das auch vorgeworfen.
Ich denke es liegt daran, dass ich zu lange nichts sage, während "die Anderen" sich immer weiter an meine Grenze heranwagen.
Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, man sagt dass es einem nicht gefällt, und schwupp, tun die anderen so wie wenn ich sie angegriffen hätte.
Mich ödet das auch an.



Das Problem, zu lange nichts zu sagen, habe ich auch. Ich übe, das zu verbessern.
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Natty » So 30. Sep 2018, 07:26

Raspberry hat geschrieben:Ich reagiere auch gereizt, wenn ein (meiner Meinung nach) normales Bedürfnis ignoriert wird. Zum Beispiel vor und nach einer anstrengenden Aufgabe etwas zu essen. Grundsätzlich andere anzufahren hat meiner Beobachtung nach aber nichts mit HS zu tun, zumindest nicht direkt.

Ich habe den Eindruck, die Gereiztheit kommt teilweise aus dem Anspruch, das Wahrgenommene in Ordnung zu bringen, was daran scheitert, dass die Betroffenen das Problem nicht sehen oder es nicht gerade jetzt lösen wollen. Oder nicht mit der Person, die das Problem wahrnimmt.


Das geht mir genau so.

Liebe Grüße
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon sourcream » So 7. Okt 2018, 16:48

ich denke das ist auch eine Art Schutz. Ja nicht HS sein, das würde ja bedeuten das man zu empfindlich wäre, ich möchte das zb auch nicht sei, immer die zu sein die zu empfindlich ist, obwohl ich damals in meiner Kindheit nie Probleme damit hatte das mich je einer so bezeichnet hatte. Eher weil ich Ticks hatte, und komisch gelaufen bin, und allgemein eine komische Körperhaltung hatte und zu ruhig war und mit keinem gesprochen habe außer meiner Eltern und Bruder. Naja und sowas halt.

Sie will das jetzt einfach nicht akzeptieren. Lass ihr einfach Zeit. Vielleicht kommt sie mal selbst auf dich zu. Als ich meiner Mutter mal von HS erzählte meinte sie auch gleich "ne also ich bin nicht so" und ging auch kurz weg weil sie damit überfordert war. Dann fing sie an ständig von was anderem zu erzählen, damit ich anscheinend das Thema nie mehr anspreche. Ich kenne sie ja gut. Als ich das Thema nicht mehr ansprach hörte sie auf mit dem vielen reden. Manche Menschen oder besser gesagt viele Menschen blocken bei so Themen ab. Viel sehen es evtl als "Behinderung", und deine Freundin vielleicht auch. Denn sie weiß sowas passt nicht in die Gesellschaft, heute muss man stark sein, keine Gefühle zeigen ( hab ich zumindest mal von jemanden gehört der das meinte). Und da passt so ein Sensibelchen nicht rein.
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Baum » Mo 8. Okt 2018, 14:18

Hallo,

ich habe auch schon erlebt dass HS sehr direkt mitunter auch verletzend sein können (mich eingeschlossen leider).

Ich sehe das aber inzwischen als eine Art Schutzschild den man sich meist unbewusst aufgebaut hat.

Durch manche "ekelhafte" Bemerkungen gewinnt man auch einen Teil der Situationskontrolle - die HSP ja zu oft (manchmal auch nur gefühlt) zu entgleiten droht.
Pampt man dann herum, beschwert man sich über Kleinigkeiten ist die Aufmerksamkeit der Umgebung auf einen gerichtet und man wird wahrgenommen.
So habe ich das bei mir erlebt und wahrgenommen. Passt mir eine Situation nicht, beschwerte ich mich am laufenden Band wie grauenhaft das alles ist.
Inzwischen kann ich mit dieser Impulsivität besser umgehen, außer ich bin sehr gestresst, dann falle ich in dieses kindliche Verhalten zurück.

Zu der Freundin von polytrauma:
Andere wollen auch oft nicht wahrhaben, dass sie auch HS sein könnten (der Gedanke das mit ihnen "etwas nicht stimmen" könnte ist vielen unerträglich. Als ich mich vor über 3 Jahren mit dem Thema beschäftigt habe, habe ich einige Bücher zu dem Thema gelesen. Meiner Umwelt entging das nicht.
Ich habe einen sehr lieben Freund - der hat das damals auch mitbekommen. Er ist auch auf vieles sehr empfindlich, mag viele Dinge nicht die "normale" Menschen mögen und noch ein paar andere Punkte die auf HS zutreffen würden. Also genau meine Wellenlänge. Die Ähnlichkeit war und ist immer noch teilweise echt verblüffend.
Ich äußerte meine Vermutung - und bekam die volle Breitseite, dass das auf IHN doch NIEMALS zutreffen würde... "Oje, ja ja, schon gut *weiße-Fahne-schwenk*".
Inzwischen, ein paar Jahre später... was soll ich sagen, kann ich mich mit niemandem so gut über das Thema HS unterhalten wie mit ihm... ich würde mal sagen ich habe einen Seelenverwandten gefunden
Auch er kann sehr pampig und manchmal auch verletzend sein. Wüsste ich nicht, dass er das nicht so meint, dann...

Schöne Grüße
Baum
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Rothaut » Do 25. Okt 2018, 13:24

Wow......
Ich bin ja nun schon 56 und weiß ganz sicher, daß ich verletzend und anmaßend sein kann.
Sicher wird das oft falsch verstanden und Attribute wie: Zicke, Teufel uä werden einem zur genüge angehängt.
Leider mache ich mir darüber mehr Gedanken als die meisten, die so etwas äußern.
Da ich erst seit gestern davon weiß, wird es mir zukünftig sehr helfen zu wissen, daß andere nicht hochsensibel sind und dafür ja auch nichts können.
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Re: HSP und Unsensibles Verhalten

Beitragvon Gürkchen » Do 25. Okt 2018, 17:48

Da ich Unehrlichkeit zutiefst verabscheue, bin ich, wenn ich etwa sage, ehrlich und direkt und natürlich empfinden das viele leute als unsensibel.
Oft bin ich damit angeeckt, also habe ich irgendwann in meinem Leben angefangen zu vielem zu schweigen, runtergeschluckt und in mich hinein gefressen. Und vieles will dann doch irgendwann raus. Und wie das so ist mit aufgestauten Dingen, kommen diese selten mit einer seniblen Wortwahl ans Licht.
(Alles) zu sagen was man wirklich denkt ist unsensibel.

Gürkchen grüßt!
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