ich bin nicht ich selbst!

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon sophie... » So 10. Mär 2013, 02:11

hey.
ich bin sicher ich bin nicht die erste mit diesem thema, aber es gibt hier einfach schon so furchtbar viele beiträge deswegen...
ich habe manchmal das gefühl das ich mich eigentlich den ganzen tag verstelle. ich füge mich in gruppen ein, mache scherze mit anderen, führe smalltalk, rege mich zusammen mit anderen auf,... aber richtig wie ich selbst fühle ich mich wenn ich zuhause bin und bei einem guten buch oder einem tollen gespräch meine gefühle rauslassen kann. ich bin einfach so verletzlich und deswegen habe ich denke ich irgendwann aufgehört meine verletzlichkeit anderen zu zeigen. ich versuche null angriffsfläche zu bieten, mich zu verletzen, lasse keinen menschen (außer vielleicht einen autor) an mich heran.

auch bei dem beitrag jetzt habe ich angst das sich jemand aus irgendeinem grund über mich aufregen könnte, auch vlt aus dem grund weil ich diesen satz gerade schreibe.

hat jemand vielleicht ähnliche erfahrungen gemacht und ist ein bisschen älter und erfahrener als ich und kann mir ein wenig rat geben?

liebe grüße,
eine ein wenig verheulte sophie

smuld eigentlich bin ich nicht so nervend unsicher, aber wenn es um meine gefühle geht, habe ich leider gar keine schutzschilder...
sophie...
 

Re: ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon regenbogen » So 10. Mär 2013, 09:54

Oh je, liebe sophie... .

Ich kenne, was Du beschreibst, sehr gut und versuche, einzuschätzen, wo ich meine Sensibilität zeigen kann und wo nicht. Ich habe eine Psychotherapie begonnen, um mich besser abgrenzen zu können und mehr auf mich zu hören.

In Gesprächen auf Arbeit fällt es mir sehr schwer, dabeizusitzen, weil ich den Sinn vieler Gespräche nicht fassen kann und ich habe bemerkt, wenn ich mit "smalltalke", wird die Situation auch nicht besser. Ich halte mich dann eher raus und arbeite etwas als dass ich versuche, mit dem Strom zu schwimmen. Sicher bekommt man damit den Ruf eines Sonderlings, aber besser, als sich zu verstellen finde ich es allemal.

Und mir hilft die Einsicht, dass Nicht-HSP eine andere Sichtweise haben und ich deshalb deren Bemerkungen nicht mit meinem Herz lesen kann, sondern aus deren Sicht betrachten muss und so relativieren sich Sätze, die mich früher sehr getroffen haben, häufig ein wenig.

Ich drück Dich mal ganz lieb!
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Re: ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon baumratte » So 10. Mär 2013, 10:51

Hallo Sophie,

in Gesprächen mit anderen oder vor allem mehreren ist es glaub ich oft so, dass sich jeder irgendwie profilieren will. Dass derjenige Bescheid weiß und die allgemeine Meinung (gesellschaftliche Ansichten) vertritt. Wenn man sich nicht klar genug abgrenzen kann weil man es anders sieht, wird man da schnell hineingezogen und sagt Dinge, die man so eigentlich nicht wirklich denkt. Bei vielen Themen, vor allem politischen, denke ich mittlerweile, braucht es ein enormes Hintergrundwissen, um die Sache objektiv beurteilen zu können. Kann ich das nicht, vertrete ich auch keine Meinung. Geht es um persönliches, sagt ja jeder die Sicht aus seiner eigenen Realität heraus (oder die, die er glaubt, dass es die Realität ist).

Jeder hat ein Recht auf seine eigene Realität und ich muss mir nicht schlechter vorkommen, wenn ich eine andere habe, auch sie hat ihren Ursprung und ihre Berechtigung. Wenn Du Dich akzeptierst, und Deine Eigenarten annimmst, wirst Du auch andere Leute anziehen, die ähnlich sind. Mir ging es ähnlich und vor kurzem kam ich auch erst auf das Thema Hochsensibilität. Dadurch hat sich mir vieles erklärt und schwupps kam ich in dieses Forum und weiß, es gibt viele andere, die auch so sind und mit denen man sich austauschen kann. Somit kann ich meine Konzentration auf das richten, was MIR gut tut. Dadurch verliert die "andere Realität" einfach an Bedeutung und bringt mich nicht mehr von mir weg.

Liebe Grüße
Baumratte
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Re: ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon sophie... » So 10. Mär 2013, 14:40

danke für die lieben antworten :)

ich denke ich brauche einfach noch viel zeit, um mich so zu akteptieren wie ich bin und bis ich mich nicht mehr so extrem durch andere bestätigen muss.

und dann gibt es halt so tage, an denen man sich wieder ein bisschen zu viele gedanken macht und sensibler ist, als an anderen tagen.
leider komm ich immer nur an den tagen hierher, an denen es mir nicht so toll geht. ich finde das sollte sich ändern :)

von herzen ganz liebe grüße,
sophie...
sophie...
 

Re: ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon baumratte » Di 12. Mär 2013, 09:26

Liebe Sophie,

ersetze "durch andere bestätigen" mit "durch andere spiegeln". Wenn Dir im Umgang mit anderen ein wunder Punkt auffällt, kläre ihn für Dich mit Dir, nicht durch die Augen des anderen. Ein Beispiel: Du hast etwas gesagt, und Dein Gegenüber reagiert mit Ablehnung ("Das ist doch Quatsch!" z.B.). Erst mal sagt das nur aus, dass Dein Gegenüber eine andere Sichtweise hat. Darf er ja auch. Es heißt aber nicht, dass Deine Sichtweise nun falsch ist. Sie ist DEINE. Nun kannst Du Dich fragen, ob DU von Deiner Sichweise eigentlich selbst überzeugt bist, und warum. Bist Du zu Deiner Meinung gekommen, weil Du sie als wahr und gut für Dich erlebt hast oder weil andere gesagt haben, Du solltest es so sehen? Da jeder es anders erlebt, kann es keine allgemeingültige Regel geben, entscheidend ist, ob es sich für Dich stimmig anfühlt. Nur dann kann es Dich weiterbringen und Dir gut tun.
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Re: ich bin nicht ich selbst!

Beitragvon Gänseblümchen » Di 12. Mär 2013, 23:43

Liebe Sophie...

Ich verstehe gut wie du dich fühlst. Ich war auch immer der Meinung es jedem Recht machen zu müssen. Bloss nicht negativ auffallen oder jemandem zu nahe treten. Das hat mich auf Dauer krank gemacht. Ich habe mich selbst nicht mehr gespürt und nur noch den Druck von außen.

Erst langsam lerne ich wie wichtig es ist sich selbst, seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wahr zu nehmen.

Setz dich doch einmal hin und überlege dir, mit wem und warum du gerne Zeit verbringst. Und vielleicht noch wichtiger: Wenn du plötzlich ganz viel Zeit hättest und dich fragt jemand, was du jetzt am liebsten machen möchtest, was wäre das? In deinem Leben sind in erster Linie deine Bedürfnisse wichtig. Und wenn es das ist, dass du viel lesen möchtest und gerne für dich bist, dann ist das okay. Überfordere dich nicht selbst damit, dass du dich quälst nur weil du denkst dir und anderen damit einen Gefallen zu tun.

Du musst nicht immer gefällig sein. Auch Menschen mit Ecken und Kanten sind liebenswert. Auch du wirst an anderen Menschen sicher diese "Makel" schätzen. Anders herum ist das genauso. Du, deine Gefühle und deine Verletzlichkeit sind spannend und liebenswert. Es fordert viel Mut und Vertrauen diese anderen Menschen zu zeigen. Aber auch du wirst sicher irgendwann Menschen kennen lernen, denen du dich anvertrauen kannst und wo du dieses Vertrauen findest. Diese Menschen werden dich schätzen und lieben, dass du genau so bist, wie du bist. _klp_

Sonnige Grüße
Gänseblümchen
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