Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Lotosduft » Fr 8. Aug 2014, 10:35

Liebe Foris,
im Eingangs-Thread habe ich schon erwähnt, dass ich gerade eine Krise mit meiner Mutter habe/hatte. Es ist ein altes Problem, das aber vor ein paar Wochen neu entflammt ist. Ich schaffe es nicht, meiner Mutter gegenüber die Grenzen zu zeigen und überfordere mich permanent. Sie ist nun schon alt (90) und geistig so gut wie nicht mehr flexibel. Sie ist fordernd und gefühlsmäßig unterentwickelt. Sie hat mich ihr Leben lang mit Vorwürfen und Schuldgefühlen gesteuert. Das sitzt nun so tief drin, dass ich es im Moment nicht schaffe, obwohl es mir sehr schlecht geht, mich zurück zu ziehen und sie der Fürsorge meiner Schwester zu überlassen, die sich über immer neue Ausreden aus der Verantwortung zieht.
Ich hatte es jetzt eine Woche geschafft, mich zurückzuziehen. Gestern rief meine Mutter an und fragte, ob ich sie besuchen komme. Sie hat mir letzte Woche ziemlich üble Dinge an den Kopf geworfen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass es mir schlecht geht und ich Abstand brauche, doch sie zog sich immer auf ihre "gewohnte" Opferrolle zurück und wiederholte die immergleichen Sätze, die nur einen Tenor hatten. "Du bist schuld".
Das Schlimme daran ist, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass sie überhaupt nicht fähig ist, einen anderen Gedanken zu denken, als den den sie schon seit Lebzeit gewohnt ist.
Nun habe ich mich hinreißen lassen, ihr einen Besuch für heute zuzusagen, fühle mich aber total schlecht, weil ich weiß, dass sich nichts ändern wird, wir zwei Stunden lang einander anschweigen werden, weil es zwischen uns schon lange nichts mehr zu sagen gibt.
Wie kann ich mich schützen?
Hat jemand von Euch entsprechnede Erfahrungen oder eine Idee, was ich machen könnte?
Lotosduft
 

Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Rhiannon » Fr 8. Aug 2014, 12:04

Liebe Lotosduft,

klingt sicher seltsam in deinen Ohren, aber wie wäre es mit einem reinigenden Streit? Ich stell mir vor, ihr beide oder zumindest du sitzt auf einem Pulverfaß, die Atmosphäre muß unheimlich geladen und krankmachend sein. Sag ihr doch "einfach" deine Meinung, dass sie dir dein Leben lang immer Vorwürfe und Schuldgefühle gemacht hat, und du deshalb garnicht gern kommst. Jetzt hast du noch die Chance, solange sie lebt. Ich glaube nicht, dass es ihr schadet, im Gegenteil. Unausgesprochenes schadet meiner Meinung nach noch viel mehr. Und ja, dich schützen, indem du nicht hingehst, wenn du merkst, dass es zuviel für dich ist, und zwar ohne schlechtes Gewissen. Sie hat kein Anrecht auf deine Besuche.
Grüßle
Rhiannon
Zuletzt geändert von Rhiannon am Fr 8. Aug 2014, 12:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Anma » Fr 8. Aug 2014, 12:04

Beim Lesen kam mir sehr vieles sehr bekannt vor. Einen wirklich guten Rat kann ich dir leider nicht geben, außer.....höre auf deine innere Stimme. Den heutigen Besuchstermin würde ich zeitlich begrenzen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Wenn es zwischen euch nichts mehr zu sagen gibt und ihr euch 2 Stunden anschweigen würde, wäre doch die logische Konsequenz früher zu gehen.
Anma
 

Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Lotosduft » Fr 8. Aug 2014, 12:22

Meine Mutter will keine Klärung, sie will - wie mit einem großen Besen - einfach alles unter den Teppich kehren und nicht mehr darüber reden. Ich kann das nicht. Streiten kann ich mit ihr nicht, denn sobald ich ihr sage, wie es mir geht, dann kommen Sätze wie: "Mein Leben ist schon schwer genug", "Du machst mir das Leben schwer" und "Ich hätte meine Mutter nicht so behandelt. Es ist wie eine Schallplatte mit Sprung. Egal was ich sage, es kommen immer die gleichen Sätze.

Ja, ich habe mir vorgenommen, meinen Besuch zeitlich zu begrenzen. Wenn es mir nicht gut geht dabei, gehe ich wieder und halte dann wirklich für eine Zeitlang Abstand. Ob ich es schaffe.. ich weiß es nicht. Ich habe einfach eine Portion zu viel Mitgefühl für andere auf den Weg bekommen. Mich und meine Bedürfnisse vergesse ich dabei ganz.
Lotosduft
 

Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Einsame » Fr 8. Aug 2014, 17:28

Lotosduft hat geschrieben:Liebe Foris,
im Eingangs-Thread habe ich schon erwähnt, dass ich gerade eine Krise mit meiner Mutter habe/hatte. Es ist ein altes Problem, das aber vor ein paar Wochen neu entflammt ist. Ich schaffe es nicht, meiner Mutter gegenüber die Grenzen zu zeigen und überfordere mich permanent. Sie ist nun schon alt (90) und geistig so gut wie nicht mehr flexibel. Sie ist fordernd und gefühlsmäßig unterentwickelt. Sie hat mich ihr Leben lang mit Vorwürfen und Schuldgefühlen gesteuert. Das sitzt nun so tief drin, dass ich es im Moment nicht schaffe, obwohl es mir sehr schlecht geht, mich zurück zu ziehen und sie der Fürsorge meiner Schwester zu überlassen, die sich über immer neue Ausreden aus der Verantwortung zieht.
Ich hatte es jetzt eine Woche geschafft, mich zurückzuziehen. Gestern rief meine Mutter an und fragte, ob ich sie besuchen komme. Sie hat mir letzte Woche ziemlich üble Dinge an den Kopf geworfen. Ich versuchte ihr zu erklären, dass es mir schlecht geht und ich Abstand brauche, doch sie zog sich immer auf ihre "gewohnte" Opferrolle zurück und wiederholte die immergleichen Sätze, die nur einen Tenor hatten. "Du bist schuld".
Das Schlimme daran ist, dass ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass sie überhaupt nicht fähig ist, einen anderen Gedanken zu denken, als den den sie schon seit Lebzeit gewohnt ist.
Nun habe ich mich hinreißen lassen, ihr einen Besuch für heute zuzusagen, fühle mich aber total schlecht, weil ich weiß, dass sich nichts ändern wird, wir zwei Stunden lang einander anschweigen werden, weil es zwischen uns schon lange nichts mehr zu sagen gibt.
Wie kann ich mich schützen?
Hat jemand von Euch entsprechnede Erfahrungen oder eine Idee, was ich machen könnte?



Erstma tut mir das leid (MItgefühl) ich kenn sowas ähnliches (bissl andere Gründe andere Geschichte) aber so Schuldgefühle kenn ich auch... mit meiner Schwiegermutti, da wird auch ordentlich Druck gemacht und ich muss gegen die Schuldgefühle kämpfen.

Ich habe zwar andere "Geschichten" Erlebnisse Situationen als Du es jetzt erzählst, die dazu geführt haben dass auch ich immer schnell Schuldgefühle habe, kenne ich sehr gut.
Ich habe so mittlerweile das Gefühl, dass dies bei HS lern (ist ja auch neu für mich das Thema) sehr typisch zu sein scheint.
Vermute einfach mal dieses übersensible, man schafft es nicht wie andere, das Ganze besser zu "filtern" und sich besser abzugrenzen bei sowas.

Ist zwar immer lieb gemeint wenn Leute dann so sagen, ja.. setz Dich halt mal durch und alles... tja... ist das einfach?
Nein... ist es leider nicht, wenns das wäre hätt mans schon längst geschafft und gemacht.
Indem Sinne jetz helfen kann ich wohl auch nicht, aber Dir zumindest sagen... ich verstehe Dich! Sehr gut sogar.... *seufzer*...

Ich befürchte.... solange die andere Seite einfach nicht einsichtig ist und nicht WILL, hat man wenig Chancen... was nutzt es wenn die Gesprächsbereitschaft nur einseitig ist?
Ist was ganz anderes wenn die andere Person bereit ist sich auf ein klärendes Gespräch einzulassen. Aber so... also ICH empfidne da nur Hilflosigkeit irgendwo... und Verzweiflung auch....

Vielleicht kann man doch nur eine Fachperson fragen was man da machen soll. Ich gehe ja auch zu Gesprächen hin aber bisher habe ich auch noch nicht so richtig eine Lösung gefunden dadurch vielleicht kommt das ja noch, vielleicht muss man Geduld haben...

Und wenigstens kann man hier im Forum diese Gedanken und Gefühle etwas teilen, wenn auch nicht direkt das eigentliche Problem lösen aber man fühlt sich zumindest ein klein wenig weniger einsam weil man es teilen austauschen kann mit andern...

Ich wünsch Dir alles Liebe...

die Einsame
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Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Rhiannon » Fr 8. Aug 2014, 17:53

Liebe Lotosduft,

ich habe auch kein so gute Verhältnis zu meiner "Mutter", ich nenne sie daher lieber Erzeugerin. icon_winkle Und ich denke, wenn Kinder erwachsen sind, sollten die erwachsenen Kinder sich den Eltern gegenüber nicht anders verhalten als anderen Menschen gegenüber. D. h. nicht, dass ich meiner Mutter im Alter nicht mal helfen will. Aber ich lasse mich nicht schlechter behandeln als von anderen Menschen, nur weil ich mal ihr Kind war. Ich hatte aus dem Grund auch nicht so viel Kontakt mit ihr. Reden kann ich mit ihr auch nicht, also laß ich es. Zum einen denk ich, dass sie garnicht in der Lage war, eine gute Mutter zu sein, da es ihr selbst nicht sut ging. Zum anderen sehe ich aber, dass sie sich auch wirklich nicht bemüht hat, und das nehm ich ihr übel. Und das darf ich auch. Ich stehe nämlich inzwischen zu dem kleinen Kind, das ich mal war. Ich sehe also meine Mutter nicht, wenn ich es nicht will. Aber ich helfe ihr schon, so wie ich es auch bei jemand anderem machen würde, der Hilfe braucht. Und manchmal ist sie mir auch sympathisch. _läch_
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Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Lotosduft » Fr 8. Aug 2014, 19:57

Ich war soeben bei meiner Mutter, um letztendlich zu entscheiden ob es noch einen anderen Weg als Distanz zu ihr gibt. Als ich ihr sagte wie es mir geht und dass ich für eine Weile meine Ruhe brauche und allein sein möchte, hatte sie nur Mitleid mit sich selbst und meinte, dass sie wohl - da ich ja ausfalle -nun ins Altenheim müsse. Von meiner Schwester, die ihr ja auch helfen könnte, keine Rede.
Ich fühle mich einerseits wirklich sehr schlecht (kann nicht sehen, wenn jemand anderer weint), merke jetzt aber auch, dass ich keine Wahl mehr habe, wenn ich nicht vor die Hunde gehen will (Selbsterhaltungstrieb).
Ich fahre jetzt für ein paar Tage zu einer Freundin, wo ich mal auf andere Gedanken komme, denn das Gedankenkarussel mit den "du bist schuld"-Gedanken werde ich einfach nicht los, solange ich in der vertrauten Umgebung bin.
Ich habe ihr gesagt, dass ich mich melde, sobald ich mich dazu fähig fühle.
Dann bin ich gegangen.
Im Moment geht es mir, als hätte mich ein Zug überfahren. Trauer, Wut aber auch ein bißchen Stolz auf mich, dass ich den Mut gehabt habe, mich zu befreien, auch wenn es mir so schwer fällt - purzeln jetzt in mir durcheinander.
Ich hoffe sehr, dass ich nun etwas Ruhe finde und es mir bald besser geht.
Lotosduft
 

Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Stimmungsaufhellerin » Fr 8. Aug 2014, 20:07

Hallo Lotosduft!

Ist die Befürchtung deiner Mutter denn real?
Muss sie tatsächlich in ein Altenheim?
Ist sie auf Hilfe von dir oder deiner Schwester angewiesen?
Vielleicht findet sich auch eine andere Person aus der Familie oder aus dem Pflegebereich, die eure Mutter dauerhaft unterstützen mag.
Das würde die Situation vielleicht etwas entspannen.

Es ist wichtig, dass du für dich selbst sorgst und auf dich aufpasst.

Alles Gute für dich!
Glücklich ist, wer vergisst,
was doch nicht zu ändern ist.
aus: Die Fledermaus, Johann Strauß
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Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Lotosduft » Fr 8. Aug 2014, 20:12

Nein ist sie nicht. Ich habe noch eine Schwester die in ihrer Nähe lebt, sich allerdings die ganzen Jahre aus Bequemlichkeit aus der Verantwortung gestohlen hat. Ich versuchte schon meiner Mutter eine Haushaltshilfe zu besorgen, was sie ablehnte - kann ich ja schließlich machen. Wie es mir dabei geht ist offenbar unwichtig. Pflegedienst kommt ja auch zu ihr.
Das hat sie vermutlich nur gesagt, um mir wieder einmal schlechtes Gewissen zu machen.
Lotosduft
 

Re: Ich weiß nicht wie ich mir selbst helfen kann...

Beitragvon Rhiannon » Fr 8. Aug 2014, 20:48

Ich find es klasse, dass du so gut für dich gesorgt hast. _thum_
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