Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon Muntje » Fr 28. Jul 2017, 15:51

Hallo, liebe Forums-Mitbestreiter,

Im Mittelpunkt stehen – ganz plötzlich - und alle sehen einen an, erwartungsvoll, zweifelnd, hämisch, wissend, glücklich, was-weiß-ich… -->

da etwas darzubieten ist, eine Rede oder eine Wortwahl in einer Diskussion beispielsweise.
da etwas vorzutragen ist, Musik oder Kunststücke oder Sport.
da jemand anderes einen selbst unerwartet in Spiel brachte und sich alle zu einem umdrehen.

Es gibt hochsensible Menschen, die nun entspannen, sich vielleicht sogar wohl fühlen und in der ganzen Stärke ihrer Empathie die Situation angehen.
Es gibt auch sehr viele hochsensible Menschen, die solche Situationen meiden möchten wie nichts anderes auf der Welt und sich das bekannte Loch im Boden wünschen, in dem sie auf immerdar versinken mögen.
Und dann gibt es noch hochsensible Menschen, die dieses berühmte „Im Mittelpunt stehen“ zwar nicht suchen, sich aber mit ihm arrangieren können, sobald es notwendig ist.
Als viertes fallen mir die hochsensiblen Menschen ein, die in einer ganz bestimmten Richtung den Mittelpunkt sogar mögen, ansonsten aber bei so etwas abwinken. Die Violinistin etwa, die beim Musizieren vor 5.000 Zuhörern im Konzertsaal in ihrer Darbietung versunken zu spielen vermag wie sonst nur das Zebaoth, ansonsten aber ihrer Wege geht und extrovertierten Rummel um ihre Person ablehnt.

Wie ergeht es euch bei solchen Situationen?
Wie erwehrt ihr euch einem Drängen in solche Mittelpunkte durch andere, falls ihr sie ablehnt?
Gibt es etwas, wo ihr gerne auch mal im Mittelpunkt seid? Etwa bei Dingen, die ihr beherrscht wie kein anderer / keine andere?
Was meint ihr – kann man ein Arrangieren mit solchen Situationen erlernen?


Erwartungsvolle Grüße von

Muntje
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon schwarz » Fr 28. Jul 2017, 18:09

Lieber Muntje,

ich würde mich wohl zwischen der zweiten und der dritten Variante einordnen.
Da das gewünscht Loch in dem Moment leider nicht auftaucht, muss ich mich dann ja mit der Situation irgendwie arrangieren. Sich dessen zu erwehren funktioniert manchmal, in dem man andere Menschen bittet diesen Mittel-Punkt einzunehmen, falls sie weniger Horror davor haben, was meiner Erfahrung nach zumeist der Fall ist.
Da ich nicht den Eindruck habe, etwas zu beherrschen wie kein anderer, stellt sich mir diese Frage nicht.^^
Und das Arrangieren mit solch einer Situation kann man meiner bescheidenen Meinung nach nur erlernen, indem man es tut, sprich, immer wieder Erfahrungen darin sammelt. Das macht es zwar nicht unbedingt angenehmer, aber es ist immerhin eine gute Übung. U72(
Wie ergeht es Dir in besagten Situationen? Wie arrangierst Du Dich damit? Und fragst Du aus gegebenem Anlass?

Beste Grüße
schwarz
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon Muntje » Sa 29. Jul 2017, 08:45

Liebe schwarz,

hierzu:
Wie ergeht es Dir in besagten Situationen? Wie arrangierst Du Dich damit? Und fragst Du aus gegebenem Anlass?


Ich frage aus reinem Interesse heraus, da ich bemerkt habe, wie vielseitig die Hochsensibilität hier im Forum gestaltet ist. Aus "gegebenem" Anlass heraus frage ich nicht direkt, man könnte es eher eine Lebensrevue meiner selbst nennen.
Zu mir selber schreibe ich zu diesem Thema später (nach einigen Tagen) mehr, denn ich sehe mich hier keineswegs als Mittelpunkt bei der Frage in meiner Threaderöffnung.

Alles Liebe und Gute von


Muntje
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon schwarz » Sa 29. Jul 2017, 11:12

Lieber Muntje,

dann bleibe ich gespannt auf weitere Antworten und die Deine in ein paar Tagen. (-;

Alles Liebe und Gute auch für Dich
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon cindy sun » Sa 29. Jul 2017, 17:34

Lieber Muntje,

eine spannende Frage die du da stellst. Ich finde sie für mich persönlich recht schwieirg zu beantworten, zumindest wenn es für andere verständlich sein soll.

Die Übergänge sind fließend, vor allem aber merke, dass sich dieses im Mittelpunkt sein (wollen/müssen) gewandelt, dass es mir mit steigendem Selbstwertgefühl leichter fällt.

Bis vor wenigen Jahren kam für mich nur die erste Variante in Frage. Bloß nicht auffallen, bloß nichts sagen, freiwillig nur nach vielem langen Überlegen und dann auch nur wenn es musste. Immer auf der Suche nach dem Loch zum Verkriechen.

Mittlerweile trifft diese Variante nur noch, wenn ich mich auf unbekanntem Terrain bewege. Da mich Hohn, Spott, unsachliche Kritik und dergleichen noch immer schnell verunsichern und ich dann rot werde und mir das mehr als peinlich ist. Doch ja, ich versuche diese Situationen nicht mehr mit aller Kraft zu vermeiden, aber dass ich sie mag, kann ich beileibe nicht sagen. Ich tue dann eben, was getan werden muss.

Anders ist es bei Sachen, die ich mag und bei allem, was ich freiwillig tue. Ich gebe Seminare. Beim ersten Mal bin ich vor Aufregung fast im Boden versunken, doch jetzt macht mir das Spaß. Ich reagiere auf die Gruppe und die Gruppe jeweils auf mich und das klappt in der Zusammenarbeit immer wunderbar. Allerdings kann ich das nur, weil ich mich gut vorbereite und somit Sicherheit habe.

Auch wenn ich immer noch am liebsten aus der zweiten Reihe agiere, scheue ich nicht mehr so davor auch mal in der ersten Reihe zu stehen. Aber.... freiwillig und mit Vorbereitungszeit. Von anderen in die Rolle gedrängt mag ich nach wie vor nicht.

Doch, ich denke, mit einem gewissen Maß Selbstsicherheit lässt sich der Umgang mit solchen Situationen lernen.
Und wie heißt es so schön? Übung macht den Meister.

In diesem Sinne liebe Grüße,
cindy
.
Ich bin nicht egoistisch - ich passe nur auf mich auf! _yessa_

--- Sei lieber im Gleichgewicht als im Recht ---
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon InnerLight-HH » Sa 29. Jul 2017, 20:09

Hallo Muntje,

ich bin tatsächlich eine hochsensitive Rampensau *+*

Für mich gibt es nichts Schöneres und Erfüllenderes, als vor Publikum aufzutreten. Dies mache ich eben auch beruflich. Einerseits als Dozentin, wo ich in einem überschaubaren Rahmen im Mittel- und Blickpunkt meiner (erwachsenen) Schülerschaft stehe, andererseits als Schauspielerin, Tänzerin und Moderatorin, wo schonmal einige hundert bis tausend Zuschauer zugegen sind. Somit würde ich in deine 4. Kategorie fallen.

Schon als Kind hatte ich da nie Probleme gehabt, vor anderen Leuten etwas Aufzusagen oder Darzustellen.
Aber das hat sicherlich auch mit einer guten Portion Selbstvertrauen zu tun. Das war bei mir zeitweise (im Alter von 13 - 25 Jahren) total weg und musste ich mir erst wieder erarbeiten.
Wichtig ist, dass man über sich selber lachen kann, dann machen peinliche Situationen, Versprecher oder Fehler gar nicht mehr viel aus.

Andererseits brauche ich ganz viel Ruhe und Abgeschiedenheit, um mich zu regenerieren, neue Kraft und Ideen zu schöpfen.
=^..^=

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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon Wolke2009 » So 30. Jul 2017, 00:28

Hallo,

ich würde wahrscheinlich Punkt 2 und 3 miteinander verkoppeln..........

Ich leide unter schrecklichem Lampenfieber - schon immer - andererseits ist es auch schön und sehr bereichernd und erfüllend, in Gottesdiensten ein Querflöten-Solo vorzutragen. - Nach gelungenem Vortrag war das ganze - im Nachhinein wunderschön - aber VORHER... big_ohnmacht

Ich hab auch früher schon ab und zu mal Solo-Konzerte gespielt, in der Kirche, im Altenheim usw.

Aber irgendwie fällt es mir immer schwerer, die Spannung im Vorfeld auszuhalten. Ein Konzert mit 12 Stücken (auswendig) würde ich wohl nicht mehr packen, aber bis zu 3 Stücke, damit kann ich mich schon noch arrangieren - wobei mir ein Stück deutlich lieber ist - aber manchmal geht es nicht anders, zB. wenn kein Organist da ist und ich auch das Eingangs- und Ausgangsstück bestreiten muss (kam auch schon mal vor).

Ich spiele grundsätzlich ALLES auswendig - u. a. auch aus einem ganz bestimmten Grund: Ich werde nervös, wenn ich im Augenwinkel die auf mich gerichteten Personen sehe - beim Auswendig-Spielen kann ich die Augen schließen und mich von der Musik "forttragen" lassen - das funktioniert immer noch am besten. Außerdem beherrsche ich das Vom-Blatt-Spiel nicht so gut, habe mir viele Vortrags-Stücke nach der Suzuki-Methode "erobert" (nur nach Gehör). - Seit einiger Zeit komponiere ich meine eigenen Stücke selber, schreibe sie auch in Noten auf, das hilft mir, das Vom-Blatt-Spiel auch besser zu lernen. - Dennoch spiele ich bei Vorträgen lieber auswendig.

Vor einem Auftritt, würde ich am liebsten gar nicht aufstehen............aber nachher freue ich mich, dass ich wieder einen Auftritt machen konnte.

Deshalb würde ich wohl Punkt 2 und 3 in der Verbindung miteinander sehen - und ja - eigentlich mache ich es ja eben doch sehr gerne.................also wohl noch ein bisschen Punkt 1 dazu gemischt 'paint# (wie die Farben, die gemischt werden...) _Mij_
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon Wolke2009 » So 30. Jul 2017, 00:37

Ich meinte Punkt 4 - nicht 1, sorry.
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon Rin » So 30. Jul 2017, 16:23

Hallo Muntje,

vorab möchte ich sagen, dass ich auch sehr gespannt darauf bin, aus welchem Grund du dieses Thema eröffnet hast und wo du dich selbst einordnen würdest. Ich finde es nämlich echt interessant, wie es anderen in gerade solchen Situationen geht, einfach weil es in mir so zwiegespalten ist.

Zu dem Thema habe ich mir schon häufiger Gedanken gemacht, einfach aus dem Grund, weil es eine riesige Differenz zwischen dem gibt, wie ich mich nach außen hin gebe (und wahrgenommen werde) und wie ich mich aber gleichzeitig nach innen fühle. Vermutlich würde man mich im Ganzen der 4 zuordnen, ich habe immer viel gesungen, war oft auf der Bühne, bin aber auch im Alltag bei (Geschäfts- und Gruppen-)gesprächen o.ä. sehr präsent. Das alles ergibt sich aber aus der Eigenschaft, dass ich mich grundsätzlich über meine persönlichen Grenzen bewege und nicht möchte, dass meine Angst vor anderen zu sprechen etc. zu groß wird und ich mich davon beherrschen lasse. Es ist besser geworden mit der Zeit, aber wie InnerLight-HH auch schon schrieb, brauche ich ebenfalls große Regenerationszeiten. Tatsächlich bin ich vor einem Abend, an dem ich mit Gleichaltrigen etwas unternehmen "muss", so aufgeregt, wie an Abenden, als ich vor 900 Menschen gesungen habe. Ich versuche es mir ein wenig anzutrainieren und mich nicht zu verstecken, aber eigentlich würde ich mich lieber zurückziehen )/898u
Gleichzeitig bin ich froh und auch ein wenig stolz, das wiedermal geschafft zu haben. Wirklich weniger werden Angst und Nervosität allerdings leider nicht _nüxweiss_

Zu deinem Geschriebenen, InnerLight-HH, habe ich noch eine Frage:

InnerLight-HH hat geschrieben:Schon als Kind hatte ich da nie Probleme gehabt, vor anderen Leuten etwas Aufzusagen oder Darzustellen.
Aber das hat sicherlich auch mit einer guten Portion Selbstvertrauen zu tun. Das war bei mir zeitweise (im Alter von 13 - 25 Jahren) total weg und musste ich mir erst wieder erarbeiten.


Wie konntest du dir das Selbstvertrauen denn wieder erarbeiten, wenn ich fragen darf :)? War das das klassische "Fake it until you make it" oder hat sich das bei dir anders ergeben?

In jedem Falle denke ich, dass es viel einfach auch mit der Gesamtsituation einhergeht -> wenn ich die Leute schon länger kenne und mich ihnen verbunden fühle, kann ich problemloser im Mittelpunkt stehen, als wenn ich ohnehin schon ein wenig "meine Maske" aufsetze, um selbstbewusst und souverän zu wirken.

Ich wünsche noch einen angenehmen Sonntag :-)
Lieben Gruß
Rin
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Re: Im Mittelpunkt sein - Ja oder Nein

Beitragvon InnerLight-HH » So 30. Jul 2017, 18:23

Zu deinem Geschriebenen, InnerLight-HH, habe ich noch eine Frage:

InnerLight-HH hat geschrieben:
Schon als Kind hatte ich da nie Probleme gehabt, vor anderen Leuten etwas Aufzusagen oder Darzustellen.
Aber das hat sicherlich auch mit einer guten Portion Selbstvertrauen zu tun. Das war bei mir zeitweise (im Alter von 13 - 25 Jahren) total weg und musste ich mir erst wieder erarbeiten.



Wie konntest du dir das Selbstvertrauen denn wieder erarbeiten, wenn ich fragen darf :)? War das das klassische "Fake it until you make it" oder hat sich das bei dir anders ergeben?


Hallo Rin,

mein Erfolgsrezept war, dass ich von zu Hause, aus einem sehr kranken und zerstörerischen Umfeld, ausgezogen bin. Sehr spät erst, mit 25. Als ich dann meinen eigenen Haushalt hatte, musste ich einfach alles selber machen, vom Einkaufen gehen, über Ämter, Jobsuche, Bewerbungen usw.etc.
Dann hatte ich noch eine Fortbildung im Telemarketing gemacht, also für ein klassisches Callcenter. Die Ausbildung war topp - der Job ein flopp. Callcenter ist nix für HSP's. Aber die Redetechniken, die wir z. T. damals auch schon mit Videoaufzeichnungen gemacht haben, haben mir sehr für mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen geholfen. Dann hatte ich mich neben meiner Arbeit, intensiv mit meiner Tanzausbildung befasst und auch das gab mir ordentlich Selbstvertrauen.
Drei Jahre später bin ich dann ganz alleine mit dem Greyhound-Bus durch die USA gereist. Das war dann bis heute das Beste und Intensivste, was ich in meinem Leben gemacht habe. Davon kann ich sogar heute noch zehren.
=^..^=

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