Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Genesis » So 11. Okt 2015, 11:03

Hallo,

ich bin neu hier, und bestimmt wurde in diesem Forum schon oft über Vor und Nachteile von HS diskutiert. Ich möchte mit meinem Thema auch weniger auf spezifische Details eingehen, sondern die Frage in der Überschrift eher allgemein an euch stellen.

Ich bin eine introvertierte HSP. Seit längerer Zeit schon beschäftige ich mich mit meiner Veranlagung "Introversion", und seit noch nicht so langer Zeit lese ich viel über HS, überhaupt seitdem der HS - Test bei mir ein eindeutiges Ergebnis gebracht hat.

Dank meiner Recherchen habe ich viele Antworten auf meine offenen Fragen gefunden, etwa warum ich mich unter Menschenmassen nicht wohl fühle, warum ich keinen Smalltalk führen kann, warum ich bestimmte Geräusche nicht vertrage, warum ich nicht gut mit Konflikten umgehen kann, warum es mir nicht behagt, wenn ich in Situationen gerate, auf die ich nicht vorbereitet bin, und vieles mehr.

So weit, so gut. Natürlich ist es wie ein Befreiungsschlag wenn man erfährt, dass man "normal" ist, dass es grundsätzlich nichts gibt, das mit einem nicht stimmt, sondern man einfach nur anders funktioniert als die breite Masse. Seit ich mir dieses Wissen angeeignet habe, stelle ich mein Leben natürlich darauf ein, indem ich zum Beispiel bewusst Orte mit vielen Menschen meide, oder meine Mittagspause nur noch alleine verbringe, um mich von den vielen Außenreizen zu erholen, in Ruhe meinen Gedanken nachzuhängen, mit niemandem reden zu müssen und meine inneren Akkus wieder aufzuladen, bevor ich zurück in die Firma muss. Das waren jetzt nur zwei Beispiele von vielen.

Früher habe ich immer versucht, mich anzupassen und habe jahrelang gegen meine Natur gelebt. Heute akzeptiere ich meine introvertierte HS als Teil meiner Persönlichkeit, da es schließlich wichtig ist, sich selbst so anzunehmen, wie man ist, wie in zahlreichen psychologischen Seiten nachzulesen ist.

Und nun komme ich zu meiner Eingangsfrage zurück:

Ich habe mir die Einstellung angeeignet, dass ich Dinge, die ich nicht ändern kann, akzeptieren muss. Meine Veranlagung, die mit hoher Wahrscheinlichkeit genetisch bedingt ist, kann ich nicht ändern, gegen die Natur komme ich nicht an. Also versuche ich, mein Leben darauf einzustellen und das Beste daraus zu machen.

Aber etwas zu akzeptieren ist nicht immer gleichbedeutend mit gutheißen. Ich akzeptiere, dass diese Veranlagung da ist und nehme sie als Persönlichkeitsmerkmal an, mit der Erkenntnis, zwar nichts daran ändern zu können, sehr wohl aber durch Veränderung des Alltags ein weniger anstrengendes Leben zu führen.

Wenn ich jedoch über die Mühseligkeiten nachdenke, die mir wiederfahren sind und mir heute noch zahlreich begegnen, weil es Dinge gibt, die sich einfach nicht vermeiden lassen, so kann ich vieles zwar mit Introversion und HS erklären, doch fällt es mir oft nicht leicht, diese Veranlagung als etwas Positives zu akzeptieren, ohne mir gleichzeitig das "Etikett HS" aufdrücken zu wollen, und alles, was passiert, damit zu erklären oder zu entschuldigen.

Sehr wohl bin ich mir meinen positiven Eigenschaften als introvertierte HSP bewusst. Doch wenn ich zurückdenke, komme ich doch immer wieder zu der Erkenntnis, dass mir diese Veranlagung doch erheblich mehr Nachteile denn Vorteile eingebracht hat. Mobbing in der Schule, Außenseiterdasein, Ausgrenzung von der sogenannten anerkannten gesellschaftlichen Norm, immer wieder als "seltsam", "komisch", "sonderbar" wahrgenommen zu werden, sind nur einige Beispiele, die mir jetzt spontan eingefallen sind.

Menschen mit HS wären wichtig zur Vermeidung unkalkulierbarer Risiken, Menschen mit HS haben unverzichtbare Dinge erfunden, wie ich auf gewissen Internetseiten nachlesen konnte. Ich ertappe mich manchmal bei der Frage, warum die Natur wohl entschieden hat, auch mich mit dieser Veranlagung auszustatten. Ich habe nichts nennenswertes für die Menschheit geschaffen oder erfunden, zumindest bis jetzt noch nicht, und ich gehe davon aus, dass sich das in naher und ferner Zukunft nicht ändern wird.

Aber es ist, wie es ist. Wie gesagt tue ich mir schwer damit, eine Veranlagung als etwas Positives anzuerkennen, der ich es zweifellos zu verdanken habe, einen Großteil des Lebens als mühsam und anstrengend zu empfinden, so sehr ich meinen Alltag auch auf meine speziellen Bedürfnisse einzustellen versuche. Trotz aller Akzeptanz für nicht veränderbare Eigenschaften und Aneignung eines mittlerweile nicht unerheblichen Wissens über die Thematik, fühle ich mich als introvertierte HSP auch heute noch nicht selten fremd und nicht zugehörig in unserer extrovertiert geprägten Welt, in bestimmten Situationen überkommen mich heute noch Hilflosigkeitsgefühle.

Wie ist das bei euch? Auch wenn ihr euch mitsamt HS zu akzeptieren und anzunehmen versucht, so wie ihr seid, könnt ihr eure Veranlagung im Ganzen als etwas Positives betrachten? Wenn ja, wie geht ihr vor, welche Gedanken und Einstellungen habt ihr euch diesbezüglich angeeignet? Ich würde mich über regen Erfahrungsaustausch freuen.

Beste Grüße,
Genesis
Genesis
 

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Susili2204 » So 11. Okt 2015, 12:45

Hallo Genesis,

mir fällt es ,ebenso wie dir, auch nicht immer leicht das alles so zu aktzeptieren und vorallem gut zu heißen. Gerade in Situationen, wo man mal wieder "überreagiert", wo Normalsensible wahrscheinlich ruhig geblieben wären. Oft hab ich mir gewünscht, dass ich auch so sein kann. Ruhig bleiben kann, nicht immer über alles so lange nachdenken, mir nicht alles so schnell zu herzen nehmen usw. Aber leider hab ich nun mitbekommen, dass ich all die Eigenschaften nicht einfach "weg zaubern" kann. Ich muss lernen damit umzugehen und mich vorallem trotzdem abgrenzen können. Das ist bei mir glaube ich das größte Problem.
Ich übernehme Stimmungen von anderen sofort (oft auch ohne das zu merken) und weiss dann selbst nicht mehr wer ich gerade bin. Das belastet mich sehr (auch wenn es in guten Stimmungen durchaus positiv sein kann) und ich versuche jetzt irgendwie zu lernen damit umzugehen. Das wird kein leichter Weg.

Ich liebe es übrigens auch meinen Gedanken nach zu hängen und schnell mal in Tagträume zu versinken. Das möchte ich oft aber nicht missen, da ich eine sehr blühende Fantasie habe und das aber sehr an mir liebe. Es gibts eben doch auch Vorteile, neben dem anstrengenden Leben als HSP :)

Im übrigen zu Frage, warum gerade du damit ausgestattet bist: Es wird ja angenommen das ca 15-20% der Bevölkerung HSP sind und ich habe in einem Buch eine sehr interessante Theorie dazu gefunden.
Da es sowas scheinbar auch im Tierreich gibt, soll damit das Überleben der Spezies gesichert werden. Denn es ist immer wichtig auch vorsichtige und intuitiv schnell Gefahren erkennden Mitglieder dabei zu haben, sonst könnte es sein man wird ganz schnell gefressen ;)
So ist es wohl auch beim Menschen, der in gewisser Hinsicht auch bloß ein Tier ist.
Ich habe im Übrigen 2 Katzen. Katzen sind zwar von Natur aus schon sensible Tiere, allerdings bin Ich der Meinung, dass eine davon eine HS ist. Sie rennt schnell vor lauten Geräuschen weg, verkriecht sich immer wenn Besuch kommt, will viel allein sein...aaaaaaber zu vertrauten Personen, wie mich, kommt sie oft...merkt auch immer wenn es mir schlecht geht und kommt da besonders zu mir. Die andere ist immer anhänglich, bei jedem :D
Tja....es wird wohl einen Grund haben, warum ich so eine Katze habe ;)

Wünsche dir noch viel Erfolg beim Umgehen mit deiner Sensibilität. Es tut auf jeden Fall gut, wenn man weiss man ist nicht allein damit :)

Liebe Grüße

Susili
Susili2204
 

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon schwarz » So 11. Okt 2015, 13:56

Hi Genesis,

zunächst würde mich interessieren, welche HS bedingten Eigenschaften Du bei Dir als positiv wahrnimmst?
Ich für meinen Teil liebe das tiefe Empfinden, mehr Wahrnehmen und Spüren von Energien. Das wiegt für mich alles auf und somit kann ich die unangenehmen Dinge gut akzeptieren als die berühmte Kehrseite von allem.
Wichtig erscheint mir bei letzterem das Schützen und das Abgrenzen zu sein. Hast Du da Mittel und Wege für Dich gefunden?

Beste Grüße
schwarz
schwarz
Hero Member
 
Beiträge: 571
Registriert: Mo 3. Aug 2015, 14:13

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Genesis » So 11. Okt 2015, 16:13

Hallo Susili,

das mit den 15 - 20 Prozent ist mir bekannt. Somit ist die Wahrscheinlichkeit nicht allzu hoch, dass man dafür auserwählt wird. Eben diese Tatsache lässt mich wohl in unangenehmen Situationen manchmal die Frage stellen, warum ausgerechnet ich zu jenen 15 - 20 Prozent gehören muss. Ich möchte aber weder jammern, noch mich beschweren. Gerade wir Hochsensiblen suchen doch auffallend oft den tieferen Sinn in unserem Tun und Handeln (zumindest habe ich das so gelesen, und auf mich trifft das durchaus zu). Da ich meine HS aber, wie du es so treffend ausgedrückt hat, nicht wegzaubern kann, macht es folglich keinen Sinn, über ihr Bestehen zu jammern. Einen Beschwerdebrief an die Natur kann man nun mal nicht schreiben.

Dass HS auch im Tierreich vorkommt, habe ich ebenso schon irgendwo gelesen. Wie gesagt, ich habe mich bereits recht intensiv mit dem Thema beschäftigt. Das Argument mit dem Überleben der Spezies kann ich schon nachvollziehen, allerdings würde mich eine Antwort auf die Frage interessieren, warum die Natur die mit HS ausgestatteten Lebewesen (Menschen wie Tiere) immer in der Minderheit hält. Einen Grund muss es geben, weil die Natur angeblich nichts grundlos macht. Auch gibt es deutlich mehr extrovertierte als introvertierte Menschen. Mir ist klar, dass es beide geben muss, ich würde aber ein ausgewogeneres Verhältnis begrüßen, zumal eine introvertierte HSP sich dann gewiss nicht so oft fehl am Platz fühlen und auf mehr Verständnis der Mitmenschen stoßen würde.

Hallo schwarz,

positiv sehe ich meine Verlässlichkeit, beruflich wie privat. Halbe Sachen mag ich nicht, wenn ich etwas angefangen habe, bringe ich es zu Ende. Aufgaben, die mir anvertraut wurden, erfülle ich gewissenhaft. Ich bin pünktlich und fühle mich schlecht, wenn ich irgendwo zu spät komme. Und wenn ich etwas sage, dann meine ich es in der Regel auch so. An Abmachungen halte ich mich, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, von denen mich manche mit ihrer Unzuverlässigkeit mitunter zur Weißglut bringen können (wird nicht wenigen von euch bekannt vorkommen).

Positiv sehe ich meine Geradlinigkeit. Ich mag keine falschen Leute und Schleimer. Im Gegensatz zu vielen anderen würde mir zum Beispiel niemals einfallen, einen Kollegen beim Vorgesetzten anzuschwärzen, und schon gar nicht, um mir damit einen Vorteil zu sichern. Ebenfalls positiv ist, dass ich ziemlich gut einschätzen kann, ob ich es mit einem Menschen jener Sorte zu tun habe, die mir ins Gesicht lachen und mich dann von hinten abstechen.

Positiv finde ich auch meine Fähigkeit, wenn ich mich alleine an einem schönen Ort befinde (am Gipfel eines Berges zum Beispiel), ein Gefühl von tiefem inneren Frieden empfinden zu können. Das ist übrigens etwas, das auch ich nicht missen möchte.

Aber wie du richtig erwähntest, überall gibt es eine Kehrseite. Oft habe ich das Gefühl, dass rücksichtslose Menschen, die mit extrovertierter Ellbogentechnik agieren, besser durchs Leben fahren als ich als introvertierte HSP. Erstgenannte, so meine Erfahrung, erfahren nicht selten eine höhere Wertschätzung ihres Vorgesetzten als Letztgenannte, die zwar ihre Arbeit oft besser und gewissenhafter erledigen, ihre Leistung aber aufgrund der fehlenden Präsentation nach außen weniger gewürdigt, oftmals sogar übersehen wird.

Bezeichnend finde ich eines: Ich mag mir gewisser positiver Eigenschaften bewusst sein, von denen viele mit Sicherheit mit meiner Veranlagung zu tun haben. Gleichgesinnte schätzen diese Eigenschaften zweifellos auch, aber wie sieht es mit der Mehrheit aus? Ist die Wahrnehmung der extrovertierten Mehrheit meiner Person als "seltsam", "komisch", etc...etwas Positives? Schätzt die Mehrheit meine Fähigkeit zu langen Gesprächen mit Tiefgang, oder schauen sie mich aufgrund meiner Unfähigkeit zum Smalltalk eher als blöd an? Leicht hat man es als HSP nicht, was wohl auch kein Betroffener bestreiten wird. Daher fällt es mir ja auch schwer, HS im Ganzen als etwas Positives zu sehen.

Zum Thema abgrenzen:

Ich grenze mich schon dadurch ab, dass ich seit dem Wissen meiner HS und deren Akzeptanz, nicht mehr einsehe, mich für mein Verhalten ständig rechtfertigen zu müssen. Ich akzeptiere mich als introvertierte HSP, auch wenn ich nicht immer glücklich damit bin, also beantworte ich keine dummen Fragen mehr über meinen ernsten Gesichtsausdruck, oder warum ich eine Veranstaltung als Erster verlasse. Ich weiß heute, dass ich gehen kann, wann ich will, ohne großartige Erklärungen abgeben zu müssen. Wem das nicht passt - sein Problem, nicht meines.

Ich grenze mich ab, indem ich mir die für eine HSP so wichtigen Ruheoasen schaffe. Ich gehe immer alleine auf Mittagspause. Ich versuche, mir in der Firma eine ruhige Ecke zum Arbeiten zu suchen. Das geht bei uns manchmal, wenn auch nicht immer. Wenn ich abends mit anderen Menschen ausgehe, achte ich darauf, für mich gute Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa was den Ort des Geschehens betrifft. Am liebsten ist mir ein kleineres, nicht überfülltes Gasthaus, wo ich mit meinen paar Bekannten interessante Gespräche führen kann.

Das wären ein paar meiner Abgrenzungsmethoden. Wie grenzt ihr euch ab? Was haltet ihr von dem, das ich 3 Absätze weiter oben als bezeichnend empfinde? Ist es möglich, seine HSP dennoch im Ganzen als etwas Positives zu akzeptieren?

Beste Grüße,
Genesis
Genesis
 

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon schwarz » So 11. Okt 2015, 16:52

Das Ding mit der Ursache von HS...ich bin mir bei mir z.b. ziemlich sicher, dass sie mir nicht in die Wiege gelegt wurde, sondern ich sie mir angeeignet habe, schon früh und unbewusst. Lohnt sich vielleicht auch da mal hinzuschauen...?
Doch im Endeffekt, warum auch immer...sie ist da: ein Fluch und ein Segen. Und wenn die Fluch-Seite zu stark ist, wende Deinen Blick bewusst auf den Segen...vielleicht gibt es da ja noch so einiges Unentdecktes, weil das, was einem schwer fällt, dementsprechend ja auch oftmals schwerer wiegt und somit verstärkt in den Vordergrund tritt...

Die positiven Auswirkungen Deiner HS...das ist doch einiges und sicher noch nicht vollständig, da vielleicht der Blick noch nicht ausgeprägt genug...wolltest du überhaupt nur etwas davon missen?

Und ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob die rücksichtslosen Extrovertierten besser durchs Leben kommen...nach außen mag das so scheinen...doch blickt man so hinter manche Fassade (was man als sensibler Mensch z.B. auch viel besser kann^^) sieht es doch oft auch sehr traurig und einsam aus.

Und scheiß auf die Wertschätzung von Chefs und Co (der oberflächlichen Welt da draußen...sind doch auch nur Momentaufnahmen...), denn wahre Wertschätzung fängt ja immer bei Dir selber an...somit das Wissen darum, dass DU es gut gemacht hast, sollte Dir Genugtuung sein. Klar, die Lauten heimsen oft auch das Lob ein (so manches mal auch durch das Schmücken mit fremden Federn), doch ich denke, da kann man getrost drüber stehen...eben weil es auch oft einfach nicht echt ist. Somit mach Dich frei und unabhängig von der Wertung im Außen...sie ist sowieso nicht beständig.
Ebenso...scheiß auf die Mehrheit!! Schau Dir doch unsere kranke Gesellschaft an...die sogenannte Mehrheit...willst Du echt so sein? Und ja, wenn diese Mehrheit mich seltsam und komisch findet...ist das fast schon ein Kompliment! *gg*
Und...ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass man pauschal sagen kann, dass man es als HSP schwerer hat...es ist anders, ja.

https://www.youtube.com/watch?v=ME3NtUpLHYs

Deine Abgrenzungen sind gut, richtig und wichtig.
Vielleicht noch ne zweite, dritte, vierte Haut für Situationen, denen man nicht so leicht entgehen kann...?
Es gibt vieles hier im Forum dazu...sehr zu empfehlen!! Und viel Freude und Erkenntnis beim Stöbern und Lesen! (-;

Ich wünsche Dir von Herzen einen offenen Blick für alles, was Du bist und sein wirst...lebe es, liebe es!

Beste Grüße
schwarz
schwarz
Hero Member
 
Beiträge: 571
Registriert: Mo 3. Aug 2015, 14:13

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Anemone » So 11. Okt 2015, 18:21

Genesis hat geschrieben:Menschen mit HS wären wichtig zur Vermeidung unkalkulierbarer Risiken, Menschen mit HS haben unverzichtbare Dinge erfunden, wie ich auf gewissen Internetseiten nachlesen konnte. Ich ertappe mich manchmal bei der Frage, warum die Natur wohl entschieden hat, auch mich mit dieser Veranlagung auszustatten. Ich habe nichts nennenswertes für die Menschheit geschaffen oder erfunden, zumindest bis jetzt noch nicht, und ich gehe davon aus, dass sich das in naher und ferner Zukunft nicht ändern wird.


Mir geht es so, dass je länger ich weiß, dass ich hochsensibel bin, je mehr genieße ich es und je besser kann ich meine Vorteile wahrnehmen, danach leben und etwas daraus machen. Mir geht es nicht darum, irgendetwas zu "erschaffen". Mir geht es darum, das, was mir in dieser Welt oft so fehlt selbst zu geben: Umsicht, Aufmerksamkeit, Bewußtheit, Sanft sein, überlegt und gefühlvoll. Zwar kann ich damit die Welt nicht umkrempeln aber ich merke, dass ich viel zurückbekomme, weil mir Menschen vertrauen. Ich habe anderswo in diesem Forum schon von meiner Beziehung erzählt. Mein Mann kann mich oft nicht verstehen und ich bin sehr schnell verletzt. Er hat sich aber dadurch, dass er sich auf mich einstellen musste im Laufe der Jahre sehr geändert - auch seine Sichtweise auf viele Dinge. Beziehungen bekommen eine andere Qualität wenn einer von beiden sensibel ist. Ich habe zwei erwachsene Söhne - wir können sehr gute Gespräche miteinander führen und gehen sehr klar und bewußt miteinander um. Einer von ihnen ist auch sehr sensibel und hat es immer schwerer gehabt - schon als Kind. Heute ist er auf einem guten Weg und ich genieße es, wie er das umsetzt, was ihm wichtig ist. Ein Mann, der einfühlsam ist, aufmerksam und überlegt.
Klar gibt es dann auch die anderen Zeiten, in denen ich unsicher bin, verletzt, nicht belastbar, schnell erschöpft. Ich bin dann unzufrieden mit mir und stehe mir selbst und anderen mit meinen starken Emotionen im Weg.
Steh dazu, wie du bist. Sei stolz darauf und genieße die positiven Seiten. Es gibt genug Menschen, die das wertschätzen können was wir sind. Wir müssen nur dazu stehen. Wie wär´s wenn du mal darüber nachdenken würdest, wem du mit deiner sensiblen Seite schon gut getan hast, was du alles schon eher bemerkt hast als andere ...und ...und ....und.
Und das beste ist ja noch: dadurch, dass wir das jetzt wissen - wird es von nun an Stück für Stück besser.
Liebe Grüße
Anemone _rosegirl_
"Sei Du selbst. Alle anderen Möglichkeiten sind schon vergeben." icon_winkle
Oscar Wilde
Benutzeravatar
Anemone
Gold Member
 
Beiträge: 351
Registriert: So 30. Aug 2015, 09:54
Wohnort: EN-Kreis

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon schwarz » So 11. Okt 2015, 18:39

smgp*
schwarz
Hero Member
 
Beiträge: 571
Registriert: Mo 3. Aug 2015, 14:13

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Rauhnacht » So 11. Okt 2015, 20:14

@Anemone

Das mit den Schwierigkeiten die dein Sohn hatte scheint vielen HSP-Männern so zu gehen. Hab dazu auch schon in anderen Threads was geschrieben. Im Prinzip wird es einem oft als Schwäche oder Nachteil ausgelegt wenn man(n) sensibel ist oder empfindlich reagiert. Gerade wenn man aufwächst bekommt man oft genug gesagt man sei ein Weichei o.ä Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass andere Menschen diese Andersartigkeit nicht einfach hinnehmen oder akzeptieren. So habe ich während meiner Schulzeit leider jahrelang Erfahrungen mit starkem Mobbing machen müssen und das war als HSP unangenehm.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir oft wünsche nicht HSP zu sein und einfach nur "normal" zu sein. Andere gehen auf Festivals oder können stundenlang die gleichen stumpfen Sachen machen, sind weniger gestresst und müssen sich nicht so viele Gedanken über alles machen.

Natürlich hat es auch positive Seiten wie das tiefere Empfinden bei Musik/Kunst usw. doch die negativen Seiten sind meiner Meinung nach bedeutender. Aber es gibt nicht ohne Grund gibt es bei HSP-Literatur so viele Selbsthelfetipps etc. Auch wenn man sich hier im Forum einmal umschaut findet sich doch bei jedem mindestens ein psychisches Problem mit dem er zu kämpfen hat aufgrund seines HSP-seins.

Habe heute einen schlechten Tag und sehe das im Moment so schwarz, mal schauen ob ich morgen nochmals was reinschreib :)
Rauhnacht
Full Member
 
Beiträge: 218
Registriert: So 27. Sep 2015, 22:25

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon Puck » So 11. Okt 2015, 20:39

Hab mal einem Bekannten versucht HS etwas näher zu bringen.
Weiß nich mehr wie wir drauf gekommen sind.
Ich glaub da hat ich grad viel auf einmal verarbeiten müssen - eine Freundin hat mich auch schon mal drauf angesprochen, sie meinte ich wirke dann immer wie ein PC, der hängen geblieben is und plötzlich voll raus is.
Das ist nich das Einzige aber wohl das Offensichtlichste.

Die erste Reaktion des Bekannten war: "Gibt's dagegen irgendwelche Medikamente?"

Da bin ich aus allen Wolken gefallen und hab ihm nen Vogel gezeigt - ich hab das nie mit irgend einer Wertung für mich persönlich verbunden
Puck
 

Re: Könnt ihr HS als etwas Positives akzeptieren?

Beitragvon schwarz » So 11. Okt 2015, 21:30

Ja, genau, wie herrlich und klar erscheinen doch oft die Dinge,
wenn man sie einfach nicht (mehr) bewertet
und sie einfach sieht als das, was sie sind.

Danke Puck!
schwarz
Hero Member
 
Beiträge: 571
Registriert: Mo 3. Aug 2015, 14:13

Nächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron