Kommunikation & Abgrenzung

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Kommunikation & Abgrenzung

Beitragvon mariasuper » Mo 23. Mär 2020, 00:18

Hallihallo ihr lieben hochsensiblen Menschen! _Mij_

Schon seit langem lande ich immer wieder in diesem Forum und hatte dabei schon viele gute Aha-Erlebnisse, fühlte mich verstanden und konnte ein bisschen Druck von der anderen Welt ;) loswerden... Danke dafür!
Jetzt möchte ich auch gerne mal eine Frage stellen bzw meine Erfahrungen teilen..

Gute Kommunikation und Abgrenzung beschäftigen mich sehr... Was bedeutet es ein gutes Gespräch zu führen?
Und wie kann ich meine Bedürfnisse in der (Nicht-)Kommunikation befriedigen? smecht

Ich bin wie die meisten HSP kein Fan von Smalltalk, finde es toll gemeinsame Zeit (auch) in Stille zu verbringen, und genieße lieber das pure Zusammen-Sein als etwas Sagen zu müssen obwohl ich gar nichts zu sagen habe.
Ich habe aber mittlerweile verstanden (dank einem anderen thread hier!), dass Smalltalk die "Fellpflege" der Menschen ist.

Um die Gespräche so mitzugestalten dass sie für mich angenehm sind, benutze ich nun bewusst offene oder geschlossene Fragen, je nachdem wie tief ich einsteigen möchte, damit kann ich meine Intention auch für mich klar stellen.

Um Situationen für andere gut verständlich zu machen ohne sagen zu müssen "bitte sei still, ich möchte für mich sein", haben sich für mich blumige Wörter bewährt, wie etwa "rasten" oder "mich sammeln" oder "genießen".. So kann ich mein Bedürfnis nach Spüren in den Vordergrund stellen und nicht die Abweisung dem anderen gegenüber.
Und meistens wird durch diese Wörter klar, dass hier jetzt Ruhe angesagt ist. Und wenn nicht, kann ich zB getrost die Augen schließen, denn ich habe mein "Soll" an Erklärung geliefert ;)

Keine-Mauern-bauen hat mich auch zu einem anderen Umgang mit dem "in Gespräche hineingezogen werden" gebracht.
Wenn zB in der Arbeitsküche alle quatschen und ich mich auf mein Essen konzentrieren möchte, kann ich das sehr wohl tun, mit meinen Augen. Meine Ohren kann ich nicht verschließen, insofern ist es die authentische Art auch zu lächeln wenn alle lachen. Keinen unberührbaren Stein zu spielen, aber mit dem Fokus doch bei mir, beim Essen zu bleiben, mich nicht ganz hinziehen zu lassen zu den anderen. Und somit meine momentane Priorität auch klar zu zeigen.

So erweitere ich gerade immer mehr meinen "Handwerkskoffer", lerne immer mehr gut bei mir zu bleiben, ohne mauern zu bauen und mich nicht gleich wegzuschmeißen wenn jemand mit seinen Bedürfnisse auf mich zu kommt.

Was mich nun interessieren würde ist, wie geht ihr mit Menschen um, die extrem viel im Gespräch (nach-)fragen und so bestimmend sind, dass man sich nicht als Mitgestalter, sondern total passiv fühlt, wo einem danach ganz schwindelig ist? Wo man sich keine Sekunde Nachdenken/nachsinnieren gönnen darf, sonst hat der andere schon die nächste Frage gestellt..

Oder Menschen die besonders nett sein, und sich kümmern wollen, eben in kommunikativer Form, aber man das ja gar nicht braucht?
Tatsächlich finde ich nette Menschen viel anstrengender als die, die vielleicht mal etwas grober sind, aber man sich auch gegenüber gut verbal abgrenzen kann..

Bin gespannt ob jemand was zu erzählen hat! _flöwer_

Alles Liebe, Maria
mariasuper
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Re: Kommunikation & Abgrenzung

Beitragvon Jamania » Mo 23. Mär 2020, 08:48

Hallo Maria, :-)

ich bin auch fasziniert von diesem Thema, es hat mich vor Jahren gepackt, als ich merkte, dass es ein Handwerk ist und kein fester Status Quo, zu dem viele Menschen es machen.

Früher schien es mir auch aufgeteilt in: jemand kann das - dann hat er es auch leicht vs. jemand kann es nicht - ergo, der hat immer zu kämpfen.
Und das ist so! Dass jemand sich auch verändern kann und zwar selbst, darauf wäre ich nie gekommen #bäh#

Denn diese angeblich in Stein gemeißelte Wahrheit stimmt gar nicht.
Die Menschen, die offen und kommunikativ sind, treten häufig in Fettnäpfchen, kommen an viele Menschen, die ihre Art nicht mögen.
Aber sie haben meist den einen Vorteil: sie probieren mehr aus und haben daher auch häufiger gute Erlebnisse, wogegen die schlechten verblassen (können).

Die, die es nicht können, steigern sich oft da hinein, kapseln sich ab, und kommen in ihrer Entwicklung dann dahin, dass sie meinen, sie müssten Bestätigungen dafür suchen, dass sie gut sind so wie sie sind und alle anderen sich furchtbar schlecht benehmen.
Das ist übrigens für mich auch so ein Selbstläufer für eine HS-Diagnose:

- man ist (schon als Kind) eher schüchtern und kann sich nicht so durchsetzen, findet schlecht Anschluss

- anstatt später zu üben und sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen, die ganz anders sein können und sich Fähigkeiten zu erwerben, in unterschiedlichen Situationen verbal agieren zu können, wird man immer empfindlicher und sammelt Steinchen, wo man mit Menschen aneinander gerät und sich nicht versteht

- Die Empfindlichkeit wird zur Empfindsamkeit gemacht: alle anderen sind grobschlächtig, oberflächlich und brutal ehrlich, was man selbst in seiner zarten Seele nicht ertragen kann und auch gar nicht möchte icon_winkle

Deshalb finde ich es so wichtig, was du schreibst: es gibt abseits der Anlage, ob jemand offen und kommunikativ ist, auch die Entwicklung, wenn jemand den Anreiz hat, bestimmte kommunikative Fähigkeiten zu lernen.
Denn das ist möglich, aber man muss üben, und wie bei allem Üben, klappt manches dann auch mal nicht so gut.
Sieht das jemand als Zurückweisung oder Verletzung, gibt es natürlich sofort den Grund zu sagen: kann ich nicht, will ich nicht!

Deine Strategien finde ich genial!
Zugewandt kann man auch ohne Worte sein.
Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass in Gruppen und Teams eben nicht alle gleich sind und sich gleich benehmen.
In netten Gruppen gibt es einen Radius von Temperament und Verhalten, den ich erfrischend finde.
Aber es gibt auch etwas, das verbindet und das gleich sein muss: ich glaube, dass ist das Gefühl, sich untereinander sich zu mögen oder zu respektieren.
Dann werden Abweichungen toleriert und man hat sogar ein gutes Gefühl dabei, dass man mit verschiedenen Menschen "kann", etwas sehr Erstrebenswertes heutzutage.

Zu deinen Fragen möchte ich später noch was schreiben, schaffe es jetzt nicht mehr.
Denn das geht echt ans Eingemachte und ist auch genau das, wo ich für mich noch keine Lösung gefunden habe.
Ich muss gestehen, dass ich bei nett gemeintem Hilfsangebot, das mich runterstuft auf Bedürftigkeit, wo ich keine bei mir sehe (oder sie diesem Menschen nicht anvertrauen will) leider nur sehr grob ablehnend reagiere, weil mich das tatsächlich sehr trifft und ich noch nicht ausgelernt habe, damit vernünftig umzugehen 647&/
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Re: Kommunikation & Abgrenzung

Beitragvon mariasuper » Mo 23. Mär 2020, 11:25

Wow, das hast du toll auf den Punkt gebracht Jamania!!

Danke für deine wunderbare Ergänzung!

Mein Blick auf die Welt, meine Art zu sein ist es wert ihren Platz zu bekommen UND ich kann mich von den anderen inspirieren lassen.
Eben total erfrischend wie du sagst!

In netten Gruppen gibt es einen Radius von Temperament und Verhalten, den ich erfrischend finde.
Aber es gibt auch etwas, das verbindet und das gleich sein muss: ich glaube, dass ist das Gefühl, sich untereinander sich zu mögen oder zu respektieren.


Da gebe ich dir recht, eine innere wohlwollende Einstellung macht vieles möglich. Das Gute, auch daran kann man bewusst arbeiten :)
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Re: Kommunikation & Abgrenzung

Beitragvon mariasuper » Do 26. Mär 2020, 12:27

Mein Post hat zwar nicht so viel Resonanz bekommen, falls das Thema doch noch wen interessiert möchte ich gerne noch ein Buch empfehlen:

* Die Kunst der Begegnung von Nana Walzer *

Ich bin darauf bei der Suche nach neuem Input zu dem Thema gestoßen, und finde es sehr ansprechend und inspirierend! 'paint#
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Re: Kommunikation & Abgrenzung

Beitragvon mariasuper » Do 26. Mär 2020, 14:18

Ich habe nicht behauptet, dass dieses Buch Pflichtlektüre für Hochsensible ist, sondern dass ich es zu dem von mir angeschnittenem Thema (Kommunikation/Abgrenzung/Begegnung) als guten Input empfinde.

Wie sich ein hochsensibler Wesenszug bei Menschen äußert ist ganz unterschiedlich, dabei Vergleiche zu psychiatrischen Störungen zu ziehen finde ich gewagt und gemein.
mariasuper
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