Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Anno » So 7. Okt 2012, 14:13

Hallo zusammen,
nachdem ich grade den Thread "Hab da mal eine Frage bezüglich Filmen" gelesen hab - ich hab auch eine, die mich schon länger verwirrt:
Ich hab vergleichsweise (!) wenig Probleme mit Gewalt in Filmen. Natürlich sind Action / Horror usw. auch nicht gerade meine Lieblingssparten, aber ich komm zumindest besser damit klar als mit etwas Anderem: emotional unangenehme Situationen in Filmen. Zum Beispiel ist es ja häufig in Filmen der Fall, dass sich jemand in irgendwelche Lügen verstrickt und dass dann irgendwann ans Licht kommt. Sowas kann ich kaum mit ansehen, selbst wenn mir die Figur unsympathisch ist... wenn möglich, gucke ich es mir auch nicht an und verlasse z. B. das Wohnzimmer.
Peinliche Situationen sind ähnlich, wie heftig Fremdschämen bei mir ausfällt möchte ich erst gar nicht beschreiben _%_
Oder wenn jemand bloßgestellt wird. Ich würd mir eher einen Actionfilm als eine Castingshow angucken.
Geht das irgendwem ähnlich? Ich war ein bisschen irritiert, dass eine äußerst hochsensible Freundin von mir, die einen Film kaum noch mögen kann, sobald in irgendeiner Form Gewalt vorkommt, das nicht kannte.
Übrigens habe ich auch generell eine gewisse "Furcht" vor Filmen, weil sie mich schnell mehr aufwühlen, als mir lieb ist. Im Fernsehen gucke ich deshalb in erster Linie zwei Dinge (im Kino war ich schon ewig nicht mehr): Informationsprogramme / Dokus sowie Comedy (wie man an meiner Signatur sieht _grin_ Wenn ich das auf DVD gucke, überspringe ich aber auch da gerne mal Szenen...) Filme sind fast immer zu heftig, wenn sie nicht selbst ausschließlich Comedy sind, aber dann taugen sie selten was^^
In einiger Zeit werde ich "gezwungen" sein, "Persepolis" zu gucken - den hab ich schon mal gesehen und es gibt kaum einen berührenderen Film. Weil er auch sehr, sehr schön ist, freu ich mich auch ein bisschen drauf, aber ich hab auch, sagen wir mal Respekt davor _gruebel_
Anno
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon angsthase » So 7. Okt 2012, 18:51

Hallo Anno,
das kann ich sehr gut verstehen. Das war der Grund dafür, daß ich
seit ca. 15 Jahren gar kein Fernsehen mehr schaue. Aber ganz selten , wenn meine Kinder evt. mal die Guckkiste anhaben, geschieht es schon mal, daß ich einige Sekunden mitbekomme.
Da bin ich dann immer voller Entsetzen. Ich kann das emotionell gar nicht mehr ertragen.
Aber ich habe es auch völlig verlernt zu schauen und bin überhaupt nicht traurig darüber.
LG Angsthase
angsthase
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Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Mitch O'Neil » Mo 8. Okt 2012, 18:00

Ich kann das auch sehr gut nach voll ziehen.
Filme sind für mich überwiegend auch emotionaler Overkill.

Ganz schlimm ist es,
wenn bewusst eine Emotion provoziert wird,
wie bei Schnulzen oder Kriegsfilmen.
Auch Talkshows finde ich extrem peinlich und nervenaufreibend.

Filme versetzen mich in ein Ohnmachtsgefühl,
da ich nichts an dem Verlauf ändern kann,
so sehr mir dieser auch widerstrebt.
Ich bin dem Film ausgeliefert,
obwohl ich weiss,
dass Filme immer einen Konflikt auf zu bauen versuchen.

Mal ganz ehrlich,
kein normaler Mensch schaut sich Filme an,
in denen alles harmonisch und konfliktfrei ist.
Normale Menschen brauchen wohl ein Mindestmaß an Disharmonie,
um nicht in den unangenehmen Zustand der Langeweile zu geraten.

Das ist wie im Wartezimmer des Hausarztes.
Schon mal die anderen beaobachtet,
wie die mehr schlecht als recht mit der Ruhe klar kommen?
Ganz beliebt ist,
das Handy zu befummeln,
oder unkontrolliert in der erstbesten Zeitschrift herum zu blättern.
Okay,
ich schweife ab,
diese Thema ist durchaus eines neuen Themas wert,
finde ich...

Ich befinde mich in Sachen Filme durchaus in einer Umbruchsphase,
die gut denkbar in dem jetzigen Zustand von angsthase enden wird,
wenn ich keinen akzeptablen Kompromiss für mich finden kann.
Mitch O'Neil
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Mitch O'Neil » So 21. Okt 2012, 05:54

Ich habe gestern festgestellt,
dass mich selbst ein Film ohne Altersfreigabe,
wie "Grosse Haie-Kleine Fische",
gefühlsmäßig völlig ausrasten lässt.

An dem FSK-Logo kann ich mich somit nicht orientieren,
und es wird wohl bei einer zeitaufwändigen Einzelprüfung bleiben.

Was ich immer wieder feststellen muss,
sind die "künstlich" erzeugten Konflikte,
die in Filmen erzeugt werden.
Um beim Beispspiel "Grosse Haie-Kleine Fische" zu bleiben,
Fischmädchen liebt Fischjunge,
der merkt es aber trotz "Wink mit dem Zaunpfahl" nicht,
und stürzt sich in unglaubliche Schwierigkeiten,
um in die Welt der Reichen zu gelangen.

Das mit ansehen zu müssen,
ist für mich,
als vorwiegend rationell denkendem Menschen,
unerträglich.

Ich sortiere weiter aus,
und es bleiben vermutlich nur sehr wenige Filme übrig,
die mich emotional nicht überfordern.
Mitch O'Neil
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Salia » So 21. Okt 2012, 15:58

Hallo ihr,

mir geht es da ähnlich. Ich kann Gewalt im Film noch halbwegs gut vertragen, solange sie nicht zu detailliert ist, aber wenn z.B. eine Filmfigur über längere Zeit hinweg ungerecht behandelt wird, wird mir regelrecht übel. Das betrifft aber nicht nur Filme, sondern auch Bücher (z.B. Harry Potter Band 1, wie seine Verwandten da mit ihm umgehen).

Ansonsten nehmen mich auch emotionale Szenen meistens recht stark mit, oder wenn ich mich aus irgendwelchen Gründen mit der Figur verbunden fühle. Das ist aber je nach Film sehr unterschiedlich. Faszinierenderweise lässt mich z.B. Titanic völlig kalt, während ich, als ich das erste Mal Findet Nemo im Kino gesehen habe, mehr oder weniger den ganzen Film über wie ein Schlosshund geheult habe.

Für mich ist immer noch schwierig einzuschätzen, was genau mich so stark mitnimmt und was nicht. Das Problem bei unbekannten Filmen ist ja auch, dass man sie vorher noch nicht kennt (logisch).
Ich vermeide bisher nicht bewusst, ins Kino zu gehen oder TV zu gucken, aber von Zeit zu Zeit erwischt es mich dann doch eben. Einige besonders unangenehme Szenen hängen mir dann zum Teil jahrelang noch nach...
Salia
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Fidel » So 21. Okt 2012, 18:28

Oh ja das kenne ich auch.
Gewalt oder Actionszenen machen mir nicht so viel aus. Aber wenn es zu emotional wird kann ich es überhaupt nicht mehr ertragen. Kennt jemand den Film "Message in a Bottle"? Den finde ich wunderschön aber ich kann es nicht ertragen ihn mir ein zweites Mal anzusehen. Das zerreißt mich fast. Oder der Film "Wie im Himmel". Er ist absolut toll und einer meiner Lieblingsfilme aber ich weiß nicht ob ich ihn mir ein zweites Mal ansehen könnte.

Was mich übrigens auch total wahnsinnig macht ist diese aggressive Werbung im Fernsehen. Ich gucke auch seit Jahren kaum mehr Fernsehen. Wenn überhaupt gucke ich mir die Nachrichten und Natur - und Tierdokumentationen an. Ansonsten habe ich meine Lieblingsfilme und Serien fast alle auf Kassette oder DVD und wenn mir danach ist gucke ich sie mir an. Hab auch noch nie DSDS oder Bauer sucht Frau oder so einen Schwachsinn geguckt. Das geht wirklich an meine eigene Peinlichkeitsgrenze und ich kann es nicht ertragen mir mit anzusehen wie sich andere Menschen zum Affen machen.
Fidel
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Anno » So 21. Okt 2012, 19:00

Salia hat geschrieben:Faszinierenderweise lässt mich z.B. Titanic völlig kalt

Mich auch!
"Wie im Himmel" hab ich gesehen, als ich 14 war, und konnte für den Rest des Abends praktisch keinen klaren Gedanken mehr fassen _läch_
Anno
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon yeoldecranky » So 21. Okt 2012, 21:16

Wenn hier schon Filmtitel geworfen werden - wie ist Eure Meinung zu
Alice in Wonderland (1951)?

Als Kind, vielleicht mit zwölf, habe ich den mal gesehen und fand den,
naja, drollig, vielleicht etwas schrill.

Dann habe ich ihn noch mal mit Ende 30 gesehen und war völlig
erschüttert. Der Film ist ein Alptraum, im Wortsinn. Das war für mich
kaum auszuhalten.
E-Mail: cah­neece(at)web.de

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Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon WhiteDevil » Sa 27. Okt 2012, 12:03

Bei Liebesbeziehungen in Filmen erlebe ich ein Gefühl von Melancholie. Ich finde es schön anzusehen und wünsche es mir für mich selbst, da dieser Wunsch aber so fern erscheint, fühlt sich diese Emotion am ehesten nach "bittersüß" an.

Gewaltdarstellungen, sofern sie nicht den Tod beinhalten, machen mir nichts aus. Vor dem Tod selber habe ich Angst, das endlose Nichts. Furchterregend und nicht umgänglich. Eine Konfrontation damit wühlt mich immer sehr auf.

Horrorfilme kann ich überhaupt nicht ertragen. Während der spannenden Phasen tritt bei mir ein Overkill ein, kann es nicht anders beschreiben. Die Nerven liegen blank. Ich muss pausieren oder den Raum verlassen, je nachdem.

Wenn jemand bloß gestellt wird, z.B. bei Talk-Shows oder sowas, kann ich mir das auch nicht ansehen.
WhiteDevil
 

Re: Mitfühlen mit Filmfiguren nicht aushalten?

Beitragvon Cassy5 » Sa 27. Okt 2012, 12:36

Also mir geht es da komplett anders. Ich kann alles sehen außer horror. Aber das auch nur weil ich dannach so schieß hab das ich nicht mehr schlafen kann _yessa_

Ich kann von vorneherein entscheiden ob die Serie etwas für mich ist. Denn ich fühle mit jeder Person und lebe für den Moment die Serie. Ich bin da vollkommen drin. Wenn jetzt also meine Leiblingsperson stirbt oder der Partner meiner Lieblingsperson trauere ich mit. Und wenn alles so dramatisch dargestellt wird, dann weine ich eben auch mit _grin_
Ich weiß das es nicht echt ist, aber die Schauspieler die echt sind sind mir komplett egal es geht mir um diese PErson in dem Film um ihre Geschichte, ihre Ängste usw.

Ich ziehe daraus meine Lehren erfahre was Gemeindschaft wirklich heißt usw.

Und worauf ich hinaus will ist die folgende FRage:

Wenn ihr (dennen Filme zusetzten) einen Film mit Happy end seht ist das dann immernoch so schlimm? WEil ich kann mir das nicht wirlich vorstellen nach einem Happy end leg ich mich meist in mein Bett und bin vollkommen erfüllt von dem Glück der Personen in dem Film. Wie ist das bei euch?

Lg Cassy
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