Perfektionismus

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Perfektionismus

Beitragvon mika1983 » Fr 31. Okt 2014, 09:59

Hallo liebe HSPler, iwikx


wie hängen eurer Meinung nach Perfektionismus und HSP zusammen?
Löst ständiger Perfektionismus HSP aus, oder wird man zwangsläufig, wenn man viel wahrnimmt, auch mehr auf Fehler aufmerksam und versucht diese dann zu vermeiden? _fluch_

Liebe Grüße
mika
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Re: Perfektionismus

Beitragvon Belasi » Fr 31. Okt 2014, 11:57

Ich bin zwar HSP und Perfektionist, aber ich habe das bisher nie in Zusammenhang gebracht.
Dachte eher, dass das mit der Erziehung zu tun hat oder ähnlichem.

mika1983 hat geschrieben:Löst ständiger Perfektionismus HSP aus, oder wird man zwangsläufig, wenn man viel wahrnimmt, auch mehr auf Fehler aufmerksam und versucht diese dann zu vermeiden?

Ich könnte mir letzteres vorstellen. Man nimmt als HSP sicher auch Fehler stärker wahr.

Perfektionismus ist ja weit gefächert auf alle Lebensbereiche. Ich denke man kann das gar nicht so pauschal sagen, was da was bedingt.
Ich bin z. B. auch nicht in allen Bereichen perfektionistisch. Mich stört nicht, wenn Krümel irgendwo rumliegen, oder wenn an Kleidung eine Naht aufdrieselt und da der Faden rumhängt und meine Mutti könnte so etwas wahnsinnig machen. Dafür bin ich sehr empfindlich bei Rechtschreibfehlern und nicht nur bei meinen eigenen. Und bei meinen gemalten Bildern kann es mir nicht perfekt genug sein, wodurch ich selten mal 100%ig zufrieden bin.
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Re: Perfektionismus

Beitragvon Carolyn » Fr 31. Okt 2014, 12:17

Abgesehen davon, dass eine HSP mehr Fehler wahrnimmt: HSP reagieren stärker auf Kritik. Um negative Kritik zu vermeiden und mehr positive Kritik einzuheimsen versuche ich perfekt zu sein. Gerade im Job (Zahlen) hat es sich schon oft genug gerächt, wenn ich NICHT perfekt war. Eine Standpauke zu vermeiden ist gerade für eine HSP ein starker Ansporn für Perfektionismus. Andere Leute schütteln sich da eher ab.
Wenn Du nicht an Dich glaubst, wird es kein anderer tun. (Kruppa/Grüschow)
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Re: Perfektionismus

Beitragvon atemlos » Di 4. Nov 2014, 20:31

Hallo
Ich bin hier leider auch "vom Fach"..
mika1983 hat geschrieben:.. Löst ständiger Perfektionismus HSP aus, oder wird man zwangsläufig, wenn man viel wahrnimmt, auch mehr auf Fehler aufmerksam und versucht diese dann zu vermeiden? _fluch_

Ich seh da sicher eine Tendenz aber nicht zwingend einen Zusammenhang. Hat vielleicht auch was mit Prinzipien oder so zu tun? Z.B. Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, zu dem stehen wollen/müssen was man anderen gegenüber sagt/verspricht (weil man selbst weiß dass es nicht angenehm ist wenn andere sich so verhalten) und sich so einfach mehr anstrengt, sein Bestes gibt, es pefekt machen will...?
Carolyn hat geschrieben:Abgesehen davon, dass eine HSP mehr Fehler wahrnimmt: HSP reagieren stärker auf Kritik. Um negative Kritik zu vermeiden und mehr positive Kritik einzuheimsen versuche ich perfekt zu sein. Gerade im Job (Zahlen) hat es sich schon oft genug gerächt, wenn ich NICHT perfekt war. Eine Standpauke zu vermeiden ist gerade für eine HSP ein starker Ansporn für Perfektionismus. Andere Leute schütteln sich da eher ab.

Dem stimme ich auch zu. Denk dass die Kindheit/Jugend hier sicher auch sehr prägend ist. Wenn man z.B. bei Fehlern getadelt/bestraft wurde (Fettnäpfchen um jeden Preis vermeiden), wenn man um Aufmerksamkeit kämpfen musste (nur wenn ich perfekt bin werde ich gemocht/angenommen/beachtet/akzeptiert) oder aus Selbstschutz heraus (wenn ich keine Angriffsfläche biete, aalglatt bin, mich anpasse, nicht auffalle werde ich nicht gehänselt/traktiert). Könnte auch mit Selbstbewusstsein oder Selbstwert(gefühl) bzw. dem Mangel daran zu tun haben? Mit dem Gefühl nicht gut genug zu sein (wie 'die Anderen', obwohl die vielleicht nur blenden weil sie's nicht so mit der Ehrlichkeit haben, sich besser präsentieren) und etwas kompensieren zu müssen?

Aber, wie es schon angesprochen wurde, merke ich auch einen gewissen Perfektionismus bei kreativen Dingen/Tätigkeiten, Handwerkliches. Sachen die ich nur für mich mache und mich gar nicht mit anderen vergleiche etc. bzw. es versuche. Ich steuere dann oft bewusst dagegen um mir nicht selbst den Spaß zu verderben. Kreativität und Perfektionismus sind zwei paar Schuhe finde ich.

Zum Glück nehme ich nicht alles so genau, das wär schrecklich. Bin auch eher unordentlich. Menschen die hier zanghaft veranlagt sind, haben mein Mitgefühl! Aber bei manchen Dingen kommt bei mir der Perfektionismus wirklich stark durch (kann aber auch positiv sein).

Von Salvador Dali gibts ein gutes Zitat zu Perfektionismus (war selbst einer), aber da es mir nicht wörtlich enfällt lass ich es außen vor, weil sinngemäß ist nicht gut/perfekt genug _grin_ (Kleiner Scherz am Rande..)

Hm, mir erscheint das etwas wirr was ich geschrieben hab, hoffe man kann es trotzdem verstehen?

Viele Grüße
atemlos
 

Re: Perfektionismus

Beitragvon atemlos » Di 4. Nov 2014, 20:35

Nachtrag: icon_winkle
Have no fear of perfection - you'll never reach it. (Salvador Dali)
atemlos
 

Re: Perfektionismus

Beitragvon Sonnenblume_SS » Mi 5. Nov 2014, 00:46

Was ich gerade heute wieder feststellte:

als HSP denke ich immer, grundsätzlich mit. Ich mache selten etwas ohne Sinn - denn dann erfüllt es mich nicht.
(Wobei das Wörtchen Sinn natürlich immer im Auge des Betrachters definiert werden soll)

Ich fand schon immer dass die Faszination im Perfektionismus eben an seiner Unerreichbarkeit liegt.

Ich weiß, dass ich niemals perfekt sein werde - aber das ändert nichts daran, dass meine Ansprüche an mich selbst hoch sind.

Heute habe ich einen kleinen, dummen Fehler gemacht. Ich habe zwar mitgedacht, aber nicht ganz bis zum Ende. Dadurch hatte ich für einige Minuten die Aufmerksamkeit aller Kollegen - aber eben "negative Aufmerksamkeit."
Das hat mir ehrlich gesagt nach 8 Stunden arbeit den Rest gegeben. Ich war den ganzen Nachhauseweg über deprimiert unter dem Motto "keiner mag mich". (auch wenn mir klar ist, dass dieses Verhalten eher lächerlich ist).
Ich kann nicht abstellen, dass ich mich unendlich schlecht fühle, wenn jemand der über mir steht (im Job) mich bei einem Fehler "ertappt".
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Re: Perfektionismus

Beitragvon Sap » Fr 14. Nov 2014, 09:00

Sonnenblume_SS hat geschrieben:Ich fand schon immer dass die Faszination im Perfektionismus eben an seiner Unerreichbarkeit liegt.

Ich weiß, dass ich niemals perfekt sein werde - aber das ändert nichts daran, dass meine Ansprüche an mich selbst hoch sind.


Das ist finde ich ein gutes Ziel welches man anstreben sollte!

Bei mir hat es allerdings auch diverse Phasen gegeben wo sich mein Perfektionismus in eine Verbissenheit umgewandelt hat. Ich sehe da also keinen Zusammenhang, als HSP hätte ich ja besser erkennen müssen dass ich mich zuviel reinsteigere.

Aber niemand ist eben "perfekt".
Sap
 

Re: Perfektionismus

Beitragvon BSFlo88 » Fr 14. Nov 2014, 11:43

Auch bei mir gibt es einige Bereiche in denen ich stets Perfektionismus strebe. Wenn ich auf der Arbeite (oder früher im Studium) Texte verfasse, achte ich sehr auf die Formulierungen, korrekte Grammatik und Rechtschreibung. Fehler fallen mir relativ schnnell auf. Die Zusammenarbeit mit einem meiner Arbeitskollegen ist für mich äußerst schwierig, da er halt einfach sehr schlampig formuliert und ich dann ziemlich Probleme bekomme es zu verstehen. Dann kann ich auch schon mal ziemlich böse werden (meist allerdings nur innerlich).

Dieser "Perfektionismus" hat Vor- und Nachteile. Die Qualität meiner Texte ist so sicherlich sehr gut. Allerdings kommt es auch öfters vor, dass ich mich verheddere und so Zeit vergeude, da ich einfach zu lange über eine Formulierung grübel.
BSFlo88
 

Re: Perfektionismus

Beitragvon atemlos » Fr 14. Nov 2014, 13:11

Sap hat geschrieben:.. Bei mir hat es allerdings auch diverse Phasen gegeben wo sich mein Perfektionismus in eine Verbissenheit umgewandelt hat. Ich sehe da also keinen Zusammenhang, als HSP hätte ich ja besser erkennen müssen dass ich mich zuviel reinsteigere.

Aber niemand ist eben "perfekt".

Nicht mal im Nicht-perfekt-sein. :-O

BSFlo88 hat geschrieben:.. Dieser "Perfektionismus" hat Vor- und Nachteile. Die Qualität meiner Texte ist so sicherlich sehr gut. Allerdings kommt es auch öfters vor, dass ich mich verheddere und so Zeit vergeude, da ich einfach zu lange über eine Formulierung grübel.

Das mit dem Texte verfassen hab ich (leider) auch. Sowohl grammatikalisch als auch von der Formulierung her. Nur ist es bei mir so, dass das was rauskommt selten hochwertig ist, trotz meines (meines Glaubens hohen) Aufwandes. Ziemlich undankbar irgendwie. Arbeiten schreiben war/ist für mich auch ein Martyrium..

Aber mal anders gesehen: Ist es nicht der Perfektionismus, man könnte auch Streben dazu sagen, der uns zu großen (in welcher Hinsicht auch immer) Leistungen anspornt und wenn es sich um Sachen handelt die einen interessieren oder für die man Leidernschaft empfindet auch zu großen Genuss oder gar Erfüllung führen können? Vom Nutzen für andere mal abgesehen.

Bsp: Ich hab u.a. eine technische/handwerkliche Ausbildung und ich würde schon sagen, dass es Bedingungen für mich gibt wo ich dann sagen kann ich bin zufrieden mit dem Ergebnis/Werkstück etc. obwohl es nicht (ganz) perfekt ist. Ich weiß dass ich nicht perfekt bin (sein kann), dass auch meine Werkzeuge nicht perfekt sind und auch meine Werkstoffe. Aber stets Verbesserungspotenzial, alternative Wege etc. zu erkennen hält mich in Bewegung, motiviert mich aufs Neue, ist mein Motor. Was sich nicht bewegt ist meist tot. Wie oft spielt man ein Spiel bei dem man immer gewinnt? Was tut man wenn man stets mit allem zufrieden ist? Ist zwischen ein perfektes Ergebnis erwarten und sein Bestes geben (von zwanghaften Verhalten mal abgesehen) vielleicht ein großer Unterschied?

Ende des philosophischen Exkurses..

PS.: Bin jetzt auf Wikipedia über funktionalen/gesunden bzw. dysfunktionalen/ungesunden Perfektionismus gestoßen.. sicher lesens-, überlegenswert..
atemlos
 

Re: Perfektionismus

Beitragvon Finchen88 » Mo 17. Nov 2014, 21:56

Perfektionismus? Oh jaaaaaaa... da passe ich dazu s_032

Bestes Beispiel:
Ich wollte an einer Abendschule mein Abitur nachholen.
In meinen Kopf hatte sich festgesetzt, dass ich in den Klausuren nur Einsen schreiben will, dass ich einen Einer-Schnitt haben will....
Tja, letztendlich hab ich nach 2 Tagen die Schule hingeworfen, weil ich den Druck nicht aushielt, den ich mir auferlegt hatte... big_ohnmacht

Und ich habe keine Ahnung, wie man das abstellt...
"Never say goodbye, because saying goodbye means going away, and going away means forgetting." - Peter Pan
RIP Robin Williams

It’s not their pain you’re afraid of — it’s yours. And frightening as it can be, their pain will make you stronger if you allow yourself to feel it. Embrace it. It will make you more powerful than you ever imagined. It’s the greatest gift we have that can bear pain without breaking, and it’s born from the most human power: Hope.
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