Phänomen "Anspannung"?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon ButterHart » Mi 30. Nov 2011, 09:42

Hallo liebes Forum,

je mehr ich mich mit dem Thema HSP beschäftige, um so mehr fallen mir Eigenheiten bei mir auf, die ich zwar schon lange kenne, aber bisher nicht einordnen konnte. Mich würde also interessieren, ob das folgende Phänomen der HSP zugeordnet werden kann:

Ich habe als Student mal an einem Versuch teilgenommen, bei dem ich an einer Universitätsklinik eine "objektive Audiometrie" bekommen sollte. Das Prinzip dabei ist (soweit ich mich erinnern kann), dass man Einschränkungen des Gehörs nicht nur subjektiv wahrnehmen kann (klassischer Hörtest), sondern auch von außen messen kann (z.B. für kleine Kinder, Tiere oder Menschen im Koma). Dabei werden Messelektroden in der Nähe des Ohres außen an der Haut angebracht und erfassen elektrische Signale aus dem Ohrbereich. Wenn der Körper ganz entspannt ist und die Halsmuskeln in dem Bereich nicht aktiv sind, dann zeigen sich vom Ohr/Gehör wahrgenommene Töne/Geräusche in minimalen elektrischen Signalen außen am Ohr. Wenn also ein ganzes Frequenzband an Tönen über Kopfhörer abgespielt wird, erkennt man, ob das Ohr in jedem Bereich dieses Frequenzbandes mit elektrischen Signalen reagiert und kann auf Hörstörungen schließen.

Jedenfalls sollte das bei mir gemacht werden, um anderen Studenten das Untersuchungsprinzip vorzuführen. Ich wurde in einen dunklen, warmen und schallisolierten Raum gelegt und sollte zunächst 10 Minuten liegen, bevor die Messung gestartet wurde, damit meine Muskeln ihre Grundanspannung verlieren und das Mess-Signal nicht überlagern. Nach rund 15 Minuten bin ich schläfrig geworden und war für meine Verhältnisse absolut entspannt. Nach 40 Minuten kam der Arzt herein und sagte mir, die Messung könnte nicht durchgeführt werden, weil meine Muskeln sich einfach nicht entspannen, sie wären sogar in höchstem Maße aktiv, unabhängig von akustischen Reizen. Das wäre in seiner beruflichen Laufbahn in 15 Jahren noch nie vorgekommen und spätestens nach 20 Minuten wäre bei JEDEM anderen Probanden die Grundspannung und -aktivität der Muskeln weg.

Nun muss ich sagen, dass ich zwar eigentlich das Gefühl hatte, entspannt zu sein, aber ich weiß, dass ich praktisch den ganzen Tag "hochtourig" laufe, das heißt, meine Körper und mein Geist arbeiten ständig und immer vor sich hin. Das wirkt sich natürlich auch auf meine gesamte Muskulatur aus. Ist das ein Symptom der HSP? Ein typisches? Hat so was ähnliches hier noch jemand, außer ich?

Jetzt frage ich mich, wie spezifisch diese nicht nachlassende Muskelanspannung für HSP ist. Vielleicht ist das sogar eine mögliche Untersuchungsform, ein diagnostisches Indiz für eine HSP??

Übrigens zeigt sich bei mir auch bei der Untersuchung der Herzratenvariabilität, dass ich ein Ungleichgewicht im vegetativen Nervensystem habe. Mein Sympathikus ist zu dominant. Der steuert ja die Aktivität, Anspannung und "Flucht-Tendenz". Passt also insgesamt ins Bild. Wobei ich komischerweise von anderen Menschen im Alltag als sehr ausgeglichen und "in mir selbst ruhend" beschrieben werde. Dieser "Stress-Aspekt" könnte also tatsächlich auch durch die ständige Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt kommen.

Liebe Grüße
Christian
ButterHart
 

Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon BurningDiamond » Mi 30. Nov 2011, 12:40

Hallo Butterhart :)

Das klingt echt interessant, ich koennte mir das bei mir fast auch vorstellen, da ich so richtig nicht wirklich zur Ruhe komme.
Es sollten in der Tat mal noch andere HSP´s getestet werden?

Wenn du am Tag so hochtourig laeufst, kann es dann sein, dass du ein HSP/HSS bist? Wir haben ja hier im Forum auch einen Thread dafuer.
Oben bei "Teste dich"

Ganz Liebe Gruesse :)
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon ButterHart » Mi 30. Nov 2011, 12:59

BurningDiamond hat geschrieben:Wenn du am Tag so hochtourig laeufst, kann es dann sein, dass du ein HSP/HSS bist?


Über 190 Punkte. Und die Beschreibungen von HSP treffen auf mich auch zu. Ich denke, ich bin dabei _10_
ButterHart
 

Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon tootsie » Mi 30. Nov 2011, 14:35

Hallo Butterhart (witziger Name!!!).

Ich kann nur so viel sagen, dass ich ganz oft die Hände ineinander verkrampfe oder die Zähne aufeinander presse oder die Beine ineinander verknote. Das ist meine Daueranspannung, in unangenehmen Gesprächen verstärke ich das auch noch. Hätte meine liebste Schwester mich nicht mal darauf hingewiesen, wäre es mir garnicht auf gefallen. Jetzt versuche ich, das abzubauen und bewusst mich auch mal entspannt hinzusetzen und meine Muskulatur zu entspannen.

Diesen "äußeren NErvenmesser" habe ich noch nie verwandt oder bin auch nie einer Untersuchung dergleichen begegnet, so dass ich konkret dazu nichts sagen kann.

Mich würde interessieren, wie viel Schlaf Du brauchst und ob Du eher hohen oder niedrigen Blutdruck hast. Ich brauche viel Schlaf ( mehr als 9 Stunden, wenn möglich) und habe mir in den vergangenen Zeit zurechtgereimt, dass dieser Bedarf womöglich daher rührt, dass mein Körper und Nerven tagsüber so stark angespannt sind, dass dann die Ruhephase auch sehr lang sein muss.

Hm, was meinst Du?
LG, Tootsie
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon Anke » Mi 30. Nov 2011, 14:39

Huhu,

also ich bin eine einzige große muskuläre Verspannung! Mein Kiefer ist dauerverkrampft, ich beiße auch die Zähne dauernd aufeinander. Mein Rücken, Schulter und die Halsmuskulatur sind knochenhart, genau wie der Bauch...

Das wäre ja mal eine Erklärung, wenn auch das irgendwie mit der HS zusammenhängt...

Verspannte, aber liebe Grüße

Anke
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon ButterHart » Mi 30. Nov 2011, 14:48

Anke hat geschrieben: ich beiße auch die Zähne dauernd aufeinander.


Hallo Anke, jetzt wo Du es sagst, fällt mir das auch wieder ein: Mein Zahnarzt hat neulich zu mir gesagt, dass die Schmerzempfindlichkeit meiner Zähne von nächtlichem Zähneknirschen kommen. Ich hab gesagt, dass ich das noch nie gemacht hätte, zumindest hat mir meine Frau davon nie erzählt. Aber wenn das so ist, dann wäre der Zusammenhang naheliegend. Die Frage ist halt immer, wie spezifisch das mit HS zusammen hängt.
ButterHart
 

Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon tootsie » Mi 30. Nov 2011, 14:53

@ Zähneknirschen: das ist auf jeden Fall stressbedingt.
Aber der Stress hat natürlich etliche Ursachen. Eine davon kann die - durch HSP erhöhte - Tendenz sein, sich zu sorgen oder Dinge verarbeiten zu müssen.

Ich habe eine Anti-Knirsch-Zahnschiene. Das Knirschen kann man übrigens nicht immer laut hören. Es reicht schon ein aufeinander-pressen und reiben der Zähne. Achtet mal darauf, ob ihr manchmal morgens "Muskelkater" im Kiefer habt.

Viele Grüsse,
Tootsie
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon kopfchaos » Mi 30. Nov 2011, 17:04

Hallo zusammen,

solche Untersuchungen habe ich auch noch nicht gemacht, aber das ist ja zweitrangig.

Ich bin immer angespannt, gerade Schultern-Nacken-Bereich ist ein riesiges Problem. Alles was ich mache, egal ob Salat putzen oder Gemüse schneiden, Bad saubermachen, alles, wirklich alles wird mit höchster Muskelkraft gemacht und ich weiß nicht warum? mukkies

Es ergibt auch keinen Sinn, aber ich kann nicht anders. Mein Körper läuft geistig und körperlich immer im höchsten Gang und dementsprechend müde bin ich dann auch nach einem normalen Tag, schlafe dann so ca. 1,5 Stunden am späten Nachmittag und das Spiel geht von vorne los, diese Energie hält dann aber nicht mehr so lange an, sodass ich dann doch meine 8-9 Stunden Schlaf bräuchte, die ich aber nur am Wochenende ausleben kann.

Dieser Schlafstau macht sich über den Wochenverlauf sehr bemerkbar, sodaß ich am Donnerstag oder Freitag ziemlich schlapp bin, aber nicht richtig durchschlafen kann.
Ein Teufelskreis.

Entspannungsübungen mache ich schon, aber der durchschlagende Erfolg blieb bisher aus, bzw. funktioniert nur sporadisch.

Angespannte Grüsse
kopfchaos
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon tootsie » Mi 30. Nov 2011, 19:24

Liebes Kopfchaos,
liebe Alle,

wirst Du nur schlapp und müde gegen Ende der Woche oder steigt auch Dein Hang zur Gereiztheit?

Bei mir ist es nämlichs so: Leider bin ich ohne genügend Schlaf dermaßen reizbar, dass ich meine ganze Energie darauf verwenden muss, möglichst niemanden anzufauchen. Ohwei, dabei find ich das garnicht schön. Mir gehn dann plötzlich die kleinsten Details (z.B. wenn jemand krachend in einen Apfel beißt) TIERISCH AUF DEN KEKS _bash_ . Kennst Du das auch?

Lieben Gruss,
Tootsie
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Re: Phänomen "Anspannung"?

Beitragvon Hamlet » Mi 30. Nov 2011, 21:05

Ich stelle mich auch mal in die Reihe: Habe ein großes Schlafbedürfnis (8-9 Stunden), ich knirsche mit den Zähnen, mein Kiefer ist immer angespannt...dafür habe ich aber niedrigen Blutdruck.

LG,
Hamlet
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