Psychosomatische Beschwerden

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon KN » Di 3. Dez 2019, 12:13

Hallo, ich hoffe ich poste hier am richtigen Ort. Ich bin Kian (m/25) und habe ein Problem zu dem ich gerne eure Meinung hören würde.
Und zwar habe ich vor ungefähr 3 Jahren zum ersten Mal von Hochsensibilität erfahren als mein Vater mir
ein kleines Infobuch dazu in die Hand drückte und ich errinere mich noch an das fassunglose Gefühl als ich mich
zu fast 100% darin wiedererkannte nachdem ich die Hoffnung längst aufgegeben hatte jemals zu erfahren was mit mir
"nicht stimmt".
In den folgenden Jahren habe ich mit einer begleitenden Psychotherapie langsam aber sicher mein Leben umstrukturiert,
gelernt mehr auf mich zu achten, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen, Grenzen zu setzen und anderen Leuten "Nein" zu sagen.
Ich habe mein Leben um einige Aktivitäten und Menschen reduziert die mir nicht gut taten (was mir sehr schwer fiel),
und soweit möglich durch Dinge die mir gut tun ersetzt.
Vor allem war ich sehr viel draußen und habe viel Sport gemacht und wurde auch insgesamt lockerer und geselliger.
Der letzte Schritt kam dann mit einer Ernährungsumstellung (Ich bin seit gut einem Jahr Veganer und ernähre mich auf Raten
meines Arztes glutenfrei).
Danach explodierte meine Energie geradezu, ich war fast jeden Tag aktiv und gut gelaunt, mir ging es so gut wie nie.
Ich habe sehr viel gemacht und unternommen, habe aber nach wie vor immer auf mein Gefühl gehört und bin gegangen oder
habe mal einen gemütlichen Tag eingeschoben wenn mir danach war, hatte also fast nie das Gefühl über meine Grenzen zu gehen.
Da ich mein Abitur in dieser Zeit auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt hatte (damals musste ich die Schule aufgrund von Überlastung leider abbrechen)
,beschloss ich zu studieren.
Ich fand dann einen Studiengang der mich sehr interessierte, der aber in meiner Heimatstadt nicht angeboten wurde. Also beschloss ich umzuziehen, das passte
für mein Gefühl eines Neustartes und vor allem dem Ablösen von vielen alten Dingen und Menschen eh ganz gut.
Jetzt war ein Problem von mir schon immer dass ich sehr oft und lange krank geworden bin, Wochen brauchte bis ich wieder fit war. Da ich aber jetzt schon viele Monate am Stück super fit war, mich gesund ernährte und Sport machte hatte ich allerdings gehofft dass sich das nun ändern würde.
1 1/2 Monate bevor der Umzug anstand wurde ich aus dem Nichts krank. Den Umzug haben meine Eltern (zum Glück habe ich die besten Eltern der Welt) für mich geregelt,
und in meiner neuen Heimat wohnen meine Großeltern, die mich etwas unterstützt haben und weiterhin tun. Erst war es eine normale Erkältung mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten. Dann verschwanden alle Symptome außer dass ich noch gut 5 Wochen eine starken Reizhusten hatte und mich unwohl und schwach fühlte. Zuletzt
fühlte ich mich nur noch unwohl und schwach, ein Hustenreiz war bei Körperlcher Betätigung (nicht Sport, sondern alleine schon Laufen oder überhaupt was machen außer im Bett zu liegen) oder Kälte vorhanden. Meine Energie schwankte etwas, war aber quasi nonexistent. An schlechten Tagen kann ich nur im Bett liegen
Fahrrad fahren ist nicht möglich und selbst nennenswerte Strecken zu Fuß sind meistens nicht drin. Ich muss meine gesamte Energie sparen um einmal am Tag mit dem Bus zur Uni zu fahren, manchmal ist auch das nicht möglich und ich muss gefahren werden oder zuhause bleiben. Der restliche Tag ist dann gelaufen. Mein Studium läuft dementsprechend, ich gehe nur zur knapp der Hälfte der Veranstaltungen (ca. eine pro Tag).
Das ich krank wurde ist jetzt um die 3 Monate her und ich bin immer noch nicht wieder fit.
Ich war natürlich beim Arzt und wurde im Laufe der Zeit auf so ziemlich alles getestet, aber scheinbar bin ich völlig gesund. Jetzt geht die Überlegung Richtung Psychosomatik
und da dachte ich wieder an die Hochsensibilität, weil ich meine gelesen zu haben dass HSP dafür auch eher anfällig sind.
Nur irritiert mich so dass ich mich ja eigentlich total super gefühlt habe und überhaupt nicht über meine Grenzen gegangen bin, jedenfalls nach meinem Gefühl und auf das konnte ich mich eigentlich bis jetzt immer verlassen wenn ich denn darauf gehört habe.
Also im Endeffekt ist meine Frage einfach: Habt ihr irgendwelche Gedanken oder Ideen dazu, vielleicht auch selber Erfahrungen gemacht?
Ergänzend fällt mir gerade noch ein dass ich lange (bis vor ca. einer Woche, im Zuge der Erkrankung) ein ganz unangenehmes Körpergefühl hatte, dass ich nicht besser als als "falsch" bezeichnen kann, und mich so beeinträchtigt und gestört hat da es die ganze Zeit im Vordergrund war und wie eine zusätzliche dauerhafte negative Reizquelle gewirkt hat, was jetzt zum Glück verschwunden ist und dass ich wieder deutlich empfindlicher auf Geräusche reagiere (gehe momentan nicht ohne Ohrstöpsel aus dem Haus).
Danke schon mal an alle die sich die Mühe machen das durchzulese und liebe Grüße
KN
Neuling
 
Beiträge: 5
Registriert: Mo 2. Dez 2019, 00:28

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon Hortensie » Di 3. Dez 2019, 16:20

Hallo KN,

herzlich willkommen hier im Forum!
Auf was wurdest du denn alles getestet bzw. was wurde ausgeschlossen?

LG, Hortensie
pragmatisch und bodenständig
Hortensie
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 8524
Registriert: So 18. Mär 2012, 15:41
Wohnort: weit im Westen

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon KN » Mi 4. Dez 2019, 15:19

Hallo, danke :)
Ich versuche mal mich an alles zu errinern: großes und kleines Blutbild, Mineralstoffanalyse, Ekg, Ultraschalluntersuchung der Organe, die weißen Blutkörperchen wurden nochmal speziell untersucht aufgrund der Infektanfälligkeit, speziell auf einige Viruserkrankungen wie HIV, Epstein Barr und Keuchhusten, diverse Allergien (einzig positiv waren Gräserpollen) und ein Atemtest für die Lungenfunktion wurde auch gemacht. Mehr fällt mir gerade nicht ein, kann allerdings sein dass ich etwas vergessen habe.
Ich überlege jetzt ob ich mich vorsichtshalber wieder nach einer Therapie umschaue, allerdings soll hier alles völlig überlaufen sein und es ist ja so schon immer nicht einfach was zu finden und dann muss es ja zwischenmenschlich auch noch passen... Das wäre also wohl erst in ein paar Monaten :/
Liebe Grüße
KN
Neuling
 
Beiträge: 5
Registriert: Mo 2. Dez 2019, 00:28

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon songbird86 » Do 5. Dez 2019, 01:13

Hallo Kian,

erst einmal ein herzliches Willkommen im Forum.

Irgendwie erinnert mich dieses plötzliche Erschöpftsein mit Halsschmerzen usw an das chronische Erschöpfungssyndrom. Das ist leider schwer zu diagnostizieren.
Benutzeravatar
songbird86
Full Member
 
Beiträge: 132
Registriert: Sa 23. Feb 2019, 19:57

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon aSa » Do 5. Dez 2019, 02:22

Hallo KN,

Psychosomatisch kann ich mir bei Dir nicht wirklich vorstellen, wenn Ärzte div. Untersuchungen machen welche von Infektionsgefahr über Allergie, Lungentest etc. und vieles mehr checken. 5 Wochen Reizhusten, ganz schön happig finde ich.
Dazu noch Umstieg auf Vegan ...... wo schon wichtig ist alle Mineralstoffe und Vitamine etc. die man braucht zu beachten.

Nur mal als Impuls, ohne das ich es groß erklären will, spreche Deinen Hausarzt mal auf das Thema Autoimmun an, er wird dann schon das entsprechende Blutbild mit den dazu notwendigen Parametern (CRP u.ä.) anfordern - sollte es eine Option sein, für Deine Probleme.

Auch ich bin seit Jahren sportlich gut unterwegs, rauche seit 18 Jahren. nicht mehr, wenig Alkohol. Trotzdem hat es mich vor einem Jahr erwischt - Rheumatoide Arthritis sowie einer chronischen Polyarthritis. Bin zwar mittlerweile gut eingestellt - trotzdem habe ich auch nie vorher gekannte schlechte Tage wo ich kaum in die Puschen komme.
Autoimmunkrankheit kann z.B. auch Lunge, Schilddrüse ( dann aber Hashimoto) und andere Organe betreffen, oft auch versteckt.

Nochmals ... nur als Impuls - ich bin kein Arzt, aber irgenwie lässt mich das bei der Vielzahl Deiner Symptome und Diagnosen Deiner Ärzte nicht los.

nadenn ..... grüssle iwikx
Benutzeravatar
aSa
Neuling
 
Beiträge: 10
Registriert: Fr 4. Okt 2019, 19:09

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon KN » Do 5. Dez 2019, 14:37

Hallo, erstmal viel Dank für eure Antworten!
Kurzes Update: also es ist jetzt in den letzten Tagen doch leicht besser geworden, der Lungenarzt hatte mir ein Spray gegen den Hustenreiz verschrieben (hab ich vergessen zu erwähnen) das scheint langsam zu wirken, ich Huste weniger und das kratzige Gefühl hat etwas nachgelassen. Gestern war ich 3 Stunden bei der Uni und habe es später trotzdem noch zum Einkaufen geschafft (jeweils mit dem Bus). Ich liege auch etwas weniger im Bett. Allerdings fühle ich mich nach wie vor körperlich nicht belastbar, an längere Strecken oder Radfahren ist nicht zu denken, geschweige denn Sport.

@Songbird86: Auf das chronische Erschöpfungssyndrom bin ich in der ganz schlimmen Zeit wo gar nichts mehr ging auch gestoßen und habe schon Angst bekommen, da hätte das auch wirklich gut gepasst mit dem vorherigen Infekt und der niedrigen Energie die sich so extrem langsam regeneriert, aber es hat sich dann ja doch (zum Glück!) etwas verändert und passt dann doch nicht mehr so gut würde ich sagen. Wobei es da natürlich auch verschiedene Schweregrade gibt, aber irgendwie glaube ich nicht so recht daran...

@aSa: Oh, das tut mir Leid, dann hoffe ich du kommst weiterhin gut damit zurecht!
Kann es sein dass es da um Entzündungswerte im Blut geht? Das wurde bei mir nämlich auch getestet und aufgrund dessen ein bakterieller Infekt mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Die Schilddrüse wird bei mir auch immer mal wieder untersucht, da ich früher mal eine leichte Unterfunktion hatte.

Liebe Grüße
KN
Neuling
 
Beiträge: 5
Registriert: Mo 2. Dez 2019, 00:28

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon Hortensie » Do 5. Dez 2019, 16:26

Hallo KN,

ich halte deine Beschwerden auch nicht psychosomatisch, dies kommt gerne als Erklärung, wenn die Ärzte auch keinen Rat mehr wissen!

Du schreibst, dass es dir mit dem Spray schon viel besser geht, das ist gut so. Vielleicht kannst du dich noch an einen Lungenfacharzt wenden?
Mit dem kleinen bzw. großen Blutbild sind so ziemlich alle Werte getestet, die einem so einfallen können: Entzündungsmarker, Schilddrüsenwerte, Mineralstoffe etc. Wurden denn auch Vitamin B und Vitamin D getestet? Wenn man vegan lebt, sollten B-Vitamine zugeführt werden. Außerdem kommt es schnell zu einem Vitamin-D-Mangel, wenn man sich viel in Räumen aufhält bzw. es Winter wird.

Gute Besserung.

LG, Hortensie
pragmatisch und bodenständig
Hortensie
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 8524
Registriert: So 18. Mär 2012, 15:41
Wohnort: weit im Westen

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon KN » Do 5. Dez 2019, 16:54

Hallo Hortensie,
also bei einem Lungenfacharzt war ich, das war derjenige der mir das Spray verschrieben hat.
Vitamin D lag im unteren Normbereich, B war soweit wohl auch alles in Ordnung. Ich nehme auch seit einigen Wochen täglich Vitamin B-Komplex (B12 hatte ich seit der Ernährungsumstellung supplementiert) und Vitamin D ein.
Danke für die Ideen und guten Wünsche und liebe Grüße
KN
Neuling
 
Beiträge: 5
Registriert: Mo 2. Dez 2019, 00:28

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon Velvet » Mo 9. Dez 2019, 05:35

Hallo KN,

gestern ist mir dieser Artikel begegnet und ich musste an deine hier geschilderten Beschwerden denken (eine junge Frau beschreibt ihr chronisches Fatique-Syndrom) :

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... ket-newtab

Vielleicht kann dir das hilfreich sein.

Gute Besserung wünsch´ich dir!

Velvet
.Einfachheit ist das Resultat der Reife. Friedrich Schiller (1759- 1805)
Velvet
Gold Member
 
Beiträge: 409
Registriert: Mi 11. Feb 2015, 10:12

Re: Psychosomatische Beschwerden

Beitragvon KN » Mo 9. Dez 2019, 10:38

Hey Velvet, das ist lieb, lustigerweise bin ich auch schon durch Zufall auf den Artikel gestoßen!
Wie ich auch weiter oben schon kurz erwähnt habe sehe ich einerseits viele Parallelen aber auch doch einige glaube ich recht wesentliche Unterschiede.
Ich hatte z.B kein Fieber oder nennenswerte Konzentrationsstörungen und Schlafprobleme.
Nun war es bei ihr natürlich so dass sie auch vorher schonmal lange krank war und dann fürs erste für längere Zeit wieder halbwegs fit, aber da möchte ich mir jetzt lieber keine unnötigen Sorgen machen...
Es geht jetzt bei mir auch zum Glück wirklich langsam aber stetig bergauf und ich habe mittlerweile die Hoffnung dass ich in ein paar Wochen wieder im normalen Rahmen voll einsatzfähig bin.
Was natürlich bleibt ist die Ungewissheit. Was war/ist das, wird es wieder kommen? So eine monatelanges Ausfallen kann man sich ja nun wirklich nicht oft leisten, ich habe Glück dass ich "nur" studiere und familiäre Unterstützung habe...
Ganz liebe Grüße
KN
Neuling
 
Beiträge: 5
Registriert: Mo 2. Dez 2019, 00:28



Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron