Quälen, ja oder nein?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Quälen, ja oder nein?

Beitragvon mika1983 » Mo 11. Feb 2019, 10:42

Hallo zusammen,

mich belastet mal wieder ein leidiges Thema.

Wie sehr quält ihr euch? Sprich, wenn ihr wirklich was wollt? Wo ist der Punkt, an dem ihr aufgebt? Gleich beim ersten kleinen Widerstand oder seid ihr ausdauernd und leidensfähig bis zum Schluss?

Vorallem aber, was und wie viel erwartet ihr in dieser Hinsicht von euren Mitmenschen?
Wurdet ihr schonmal darin enttäuscht, dass ihr einmal für einen Menschen euer letztes Hemd gegeben habt und andere sich für euch kein Bein ausreißen würden?

Lieben Gruß
Michael
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon izmi » Mo 11. Feb 2019, 11:26

Hm, ich kann Dir nicht ganz folgen. Hast Du vielleicht ein Beispiel?
_panik_
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Shannon » Mo 11. Feb 2019, 11:46

Hallo Michael,

trotz besseren Wissens, ich leide bis zu Schluß! Ich habe mich oft gefragt, warum das so ist, warum ich mich immer wieder ausnutzen lasse. Das Problem bei ist aber, ich merke es einfach nicht, wenn ich ausgenutzt werde. Zumindest nicht früh genug um die Notbremse zu ziehen, erst wenn ich schon sprichwörtlich am Boden liege kann ich mich aus einer unguten Beziehung befreien.

Wenn es um materielle Dinge geht, bekomme ich das, was ich gerne möchte, auch ohne Leiden, zumindest wenn es mein Portemonaie zuläßt... Nur im zwischenmenschlichen Bereich, da hapert es bei mir.

Ich hoffe, ich habe Deine Frage richtig interpretiert und Du kannst mit meiner Antwort etwas anfangen.
Liebe Grüße
Shannon
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon sol » Mo 11. Feb 2019, 17:20

Hallo Michael,

deine erste Frage: Ja, für das, was mir am Herzen liegt, leide ich bis zum Schluss und gebe nicht auf. Das kommt daher, dass ich wegen meiner extremen Dauerüberreizung von Kleinauf ohne Leid Jahrzehntelang gar nichts hätte machen können.
Es ging nur alles unter Schmerzen!

Um mich finanziell abzusichern, um ein interessantes Berufsleben, um Partnerschaft und Elternschaft erleben zu können, waren immer Selbstsabotage und irre Schmerzen nötig, das kann ich nur so hart sagen.

Erst seit 10 Jahren, seit ich Medikamente und Verhaltensanpassungen habe und seit meine Kräfte enorm geschrumpft sind, kann und muss ich schauen, soviel Entspannung wie möglich zu haben.
Abwägen, ob es lohnenswert ist, war bei meiner geringeren Belastbarkeit schon immer wichtig.

Wenn allerdings plötzlich ein wichtiger Lebensbereich in Gefahr geriete, würde und müsste ich mich wieder überfordern, ja. Aber kein Stück mehr als nötig!


Deine zweite Frage: Die Menschen in meinem Umfeld sind genauso. Selbst die "Normalos" leiden in der heutigen Hektik und Komplexität.

Deine dritte Frage: Ja, ich habe Energieräuber entlarvt und abserviert. Da ich Dauerüberreizungsschmerzen litt, labte sich so mancher im Schatten meiner eh immer vorhandenen Schmerzen an meiner Energie ohne an mich zu denken. Seitdem ich das entdeckte, bin ich klüger.

Aber Mika, wir HSP sind uns selber nicht schuld. Keiner ist sich selber schuld. Leid und Qual spricht nicht für Dämlichkeit der Ausgenutzten! Viele Leidenswege sind wir gegangen, weil die Alternativen noch mieser gewesen wären.
„There‘s a crack in everything, that’s how the light gets in.“ Leonard Cohen
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Jamania » Di 12. Feb 2019, 12:32

Was genau ist denn mit quälen gemeint?

Manche Menschen finden es eine Qual eine Sache, z.B. beruflich durchzuziehen und sich gegen Widerstände anzustrengen, um sich zu verbessern.
Andere finden das aber wichtig und glauben, dass es ohne Einsatz auch keine Verbesserung gibt und sehen darin Herausforderung, keine Qual.

Manche Menschen finden Sport Quälerei, andere mögen das Gefühl, dass man seinem Körper was zumutet und dann merkt, wie sich bestimmte Dinge dadurch verändern.

Diejenigen, die diese Dinge als quälend empfinden, argumentieren oft, dass dieses Leistungsprinzip schädlich ist und dass man nur das machen sollte, was sich gut anfühlt.

Erstaunlich finde ich, dass das meist mit der absolut konträren Haltung in emotionalen Dingen gekoppelt ist:
Also, dass man sich quält, bis es nicht mehr geht und vieles mit sich machen lässt, bis das Fass eben überläuft.

Diese Korrelation ist mir schon öfter aufgefallen.

Könnte es sein, weil durch die Schulung in den "unwichtigeren" Dingen des Lebens überhaupt kein Maß dafür da ist, was ich mir zumuten kann und wo meine Grenzen sind?
Wie sich Grenzen auch verschieben lassen und durch Schulung und Übung Widerstandskraft und Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann?

Nicht mit dem Gedanken der Leistungssteigerung als goldenes Kalb, sondern weil es Sinn macht, im Leben so was wie Resilienz zu erwerben.
Die mag manchen vielleicht genetisch gegeben sein und einige haben sie im Übermaß, aber sie sind für mich nicht das Maß der Dinge.
Ich denke dabei an all die Menschen, die das im Leben lernen müssen, wie so vieles im Leben erst gelernt werden muss.

Und dazu hilft es von den Extremen wie quälen vs. fließen lassen, etc., wegzukommen und beides als wichtige Elemente im Lebensfluss wahrzunehmen.
Und einiges, das man vielleicht als Qual wahrgenommen hat, wird so dann evtl. nur zu Anstrengung und eine Anstrengung ist auch immer Energie.
Und Energie kann Wirkung haben...
Jamania
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Erdbert » Di 12. Feb 2019, 12:59

viel interessanter fände ich nicht, wer sich (auch) quält und persönlich auspackt, sondern was dahintersteckt für diese verhaltensweisen.

eigentlich ist es doch ein alter hut dass eine besonders hohe erwartungshaltung an andere einen mangel ausgleichen soll, höchstwahrscheinlich einen mangel an liebe und respekt, der in der kindheit geprägt wurde und bis ins erwachsenenalter unzufrieden stellt, überempfindlich macht.

mika1983, dein spruch in der fussnote soll ein hinweis sein, wie man an dargebotene inhalte herangeht? soll hier ein problem erkannt oder gelöst werden, oder soll man nur gemeinsamkeiten mit anderen usern sammeln?

so wie manch anderer verstehe ich die inhalte nicht, da dein anliegen eher ungenau ankommt. _nüxweiss_

edit, typisches beispiel: leute mit narzissmuserfahrung, kinder von narzissten, die alles fürs geliebtwerden tun und nichts bis zu wenig zurück erhalten und ein leben lang das muster des erlernten mangelausgleichs oder der inneren leere wiederholen, immer wieder an ähnliche personen geraten.
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Erdbert » Di 12. Feb 2019, 20:57

Jamania hat geschrieben:Nicht mit dem Gedanken der Leistungssteigerung als goldenes Kalb, sondern weil es Sinn macht, im Leben so was wie Resilienz zu erwerben.
Die mag manchen vielleicht genetisch gegeben sein und einige haben sie im Übermaß, aber sie sind für mich nicht das Maß der Dinge.
Ich denke dabei an all die Menschen, die das im Leben lernen müssen, wie so vieles im Leben erst gelernt werden muss.

lernen ist ein dynamischer prozess, der zu relativ langfristigen veränderungen im verhaltenspotenzial eines organismus führt und ist das ergebnis von erfahrung. alles andere wäre automatische prägung (genetisch bedingte, artenspezifische verhaltensmuster + auslösereiz) oder reifung (gengesteuert).

bei diesem prozess, der nicht nur dynamisch und nicht nur produkt sondern erwerb ist, tritt verhaltensänderung nicht nur einmal, sondern mehrfach auf. momentanes befinden (ermüdung, gute/ schlechte laune) als ursache kann ausgeschlossen werden. organismen unterschiedlicher spezies können lernen, selbst kognitiv eingeschränkte individuen.

werden lernen und neue erfahrungen denn durch die HSP-theorie erwünscht oder ausgebremst wie bei der magarine werbung "ich will so bleiben wie ich bin" =>"DU DARFST"! wenn man schlank bleiben oder werden will, muss man neben margarinefuttern auch sich anstrengen, vielleicht sogar sportlich quälen, die margarine alleine hilft nicht. man kann doch nicht andere zu den eigenen bedürfnissen und mangelempfinden verantworten? tönt irgendwie unrealistisch. HSP gelten doch als neu- und wissbegierig, auch beim "scanner" dachte ich, die theorie setzt man auch praktisch um und zieht dinge durch weil man als HSP wahrnehmungs-vorteile hat.
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Jamania » Mi 13. Feb 2019, 10:13

Erdbert hat geschrieben:werden lernen und neue erfahrungen denn durch die HSP-theorie erwünscht oder ausgebremst wie bei der magarine werbung "ich will so bleiben wie ich bin" =>"DU DARFST"! .

Ich würde es nicht "ausgebremst" nennen, sondern abgefischt.

Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht zu sehr verbogen worden zu sein.
Durch Familie, Institutionen, Schule, Arbeit... es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass ein erheblicher Druck herrschen kann.
Andere wurden im Gegenzug mit dem Gegenteil gefüttert, das auch in den letzten 50 Jahren zur Hochform aufgelaufen ist, also Selbsterfahrung, -zentrierung, -verwirklichung als höchstes Ziel, dem alles entgegen steht, das sich "nicht gut anfühlt".

Zwei für mich sehr schädliche Richtungen, wenn sie zur jeweiligen Doktrin erklärt werden.

Findet sich im HS-Rahmen extrem häufig.
Besonders diejenigen, die durch negative Erfahrungen im ersten Extrem nun das 2. kennen gelernt haben und sich daraus auch nie wieder weg bewegen wollen.

Das Konstrukt HS gibt ihnen dafür Erklärung und Rechtfertigung in einem.
Deshalb ist es dort sehr erfolgreich.
Diejenigen, die genauer auf die Wechselwirkungen schauen, entwickeln generell schnell Kritik, denn unter einem sehr oberflächlichen Modell steckt nicht viel Substanz und vieles ist eben nicht haltbar.

Ganz abgesehen davon, dass - wie du ja auch schriebst - die Gefahr gegeben ist, dass man "so bleiben will, wie man ist", sprich, sich evtl. behandel- oder änderbaren Problemen auch gar nicht mehr stellt.
Und als HSP ist man ja schließlich auch was ganz besonderes!
Und wenn die Normalos das nicht kapieren, ist das ja auch der Beweis dafür, dass sie zu dumm und plump sind, um diese tiefsinnigen Nuancen überhaupt zu erkennen. icon_winkle

Erdbert hat geschrieben:HSP gelten doch als neu- und wissbegierig, auch beim "scanner" dachte ich, die theorie setzt man auch praktisch um und zieht dinge durch weil man als HSP wahrnehmungs-vorteile hat.

Ja, einer der Widersprüche im Konzept.
Davon gibt es noch so einige, aber wenn das Gehirn Strukturen meint zu erkennen, ist es sehr gut darin, die Dinge, die eben nicht passen, entweder komplett auszublenden oder sie passend zu machen icon_winkle
Jamania
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon Erdbert » Do 14. Feb 2019, 14:04

Jamania hat geschrieben:Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht zu sehr verbogen worden zu sein.
Durch Familie, Institutionen, Schule, Arbeit... es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass ein erheblicher Druck herrschen kann.
Andere wurden im Gegenzug mit dem Gegenteil gefüttert, das auch in den letzten 50 Jahren zur Hochform aufgelaufen ist, also Selbsterfahrung, -zentrierung, -verwirklichung als höchstes Ziel, dem alles entgegen steht, das sich "nicht gut anfühlt".


Jamania hat geschrieben:Zwei für mich sehr schädliche Richtungen, wenn sie zur jeweiligen Doktrin erklärt werden.

Findet sich im HS-Rahmen extrem häufig.
Besonders diejenigen, die durch negative Erfahrungen im ersten Extrem nun das 2. kennen gelernt haben und sich daraus auch nie wieder weg bewegen wollen.

wie sagt man so schön? "das gesunde mittelmass" scheint verloren gegangen.

Jamania hat geschrieben:Diejenigen, die genauer auf die Wechselwirkungen schauen, entwickeln generell schnell Kritik, denn unter einem sehr oberflächlichen Modell steckt nicht viel Substanz und vieles ist eben nicht haltbar.
glaubst du denn dass es HS nicht gibt? es gibt ja einige hinweise darauf dass wenige menschen ein höher erregbares nevensystem haben. deshalb glaube ich dass es HSP gibt.

Jamania hat geschrieben:Ganz abgesehen davon, dass - wie du ja auch schriebst - die Gefahr gegeben ist, dass man "so bleiben will, wie man ist", sprich, sich evtl. behandel- oder änderbaren Problemen auch gar nicht mehr stellt.
margarine kann man auch als schmiermittel oder transmitter zwischen zwei extremen verwenden. kommt ganz auf den benutzer an. ähnlich wie bei lebensmittel in hinsicht auf ernährung. fett wird gebraucht, um bestimmte wirkstoffe zu aktivieren. icon_winkle

Jamania hat geschrieben:
Erdbert hat geschrieben:HSP gelten doch als neu- und wissbegierig, auch beim "scanner" dachte ich, die theorie setzt man auch praktisch um und zieht dinge durch weil man als HSP wahrnehmungs-vorteile hat.

Ja, einer der Widersprüche im Konzept.
Davon gibt es noch so einige, aber wenn das Gehirn Strukturen meint zu erkennen, ist es sehr gut darin, die Dinge, die eben nicht passen, entweder komplett auszublenden oder sie passend zu machen icon_winkle
da sagste was. wir menschen sind eine seltsame spezies auf diesem komischen rotationsellipsoid.
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Re: Quälen, ja oder nein?

Beitragvon cindy sun » Do 14. Feb 2019, 14:21

Hallo Jamania und Erdbert

bitte zurück zum eigentlichen Thema oder woanders...in einem der vielen bereits vorhandenenThreads...weiterdiskutieren.
Ich möchte nicht noch einmal daraufhinweisen.


LG, cindy sun (als Mod)
.
Ich bin nicht egoistisch - ich passe nur auf mich auf! _yessa_

--- Ich nehme mein Leben zu dem Preis, den es mir gekostet hat und noch kosten wird. --- H.G. Nobis
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