Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon inkuku » So 29. Sep 2013, 10:49

Hallo,

neu hier und schon eröffne ich ein Thema. Ich habe jetzt auch schon das Forum durchsucht und gesehen, dass viele User hier schreiben, dass sie schnell weinen, nah am Wasser gebaut sind. Das ist bei mir genauso. Wie ist das bei euch? Wie geht ihr damit um? In welchen Situationen könnt ihr die Tränen einfach nicht mehr stoppen? Und gehört das zum 'Profil' einer HSP oder ist das differenziert zu sehen?

Kurz zu mir und meiner Heulerei: Als Kind konnte ich z.B. Bambi oder Das letzte Einhorn einfach nicht gucken. König der Löwen war mir ein Graus. Ständig stirbt irgendwer und ich war am Weinen. Streit mit einer Freundin - weinen. Streit zwischen Freunden - ich weine... Das geht mir teilweise immer noch so - Rührung jeglicher Art im Fernsehen z.B. ich weine. Bei mir ist besonderds das Gefühl für die Stimmung anderer stark ausgeprägt - und ich reagiere oft mit Tränen, nicht nur in Beziehungen, auch gegenüber Familie und Freunden. Das verunsichert meine Gegenüber natürlich immer total, aber ich kann die Tränen auch selten stoppen, was mir unangenehm ist (und natürlich zu weiteren Tränen führt). Im Job hatte ich auch schon mehrere solcher Zusammenbrüche. Ich habe schon vor diversen Chefs angefangen zu weinen und meistens ist es wenn irgendetwas auf der Beziehungs- und Kommunikationsebene mit anderen Menschen oder Teams nicht funktioniert. So etwas macht mich absolut verzweifelt. Stress kommt natürlich auch noch hinzu.

Nicht falsch verstehen, ich bin keine unkontrollierte Heulsuse, aber wenn ich etwas Negatives spüre wirkt sich das sehr stark auf meinen Körper aus, ich bekomme auch schnell Magenschmerzen. Das Weinen ist auch so ein körperlicher Effekt.

So und jetzt zu euch...
inkuku
 

Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Wasserhund » So 29. Sep 2013, 12:17

Hi Inkuku,

bei mir ist es auch so. Ich habe auch schon mehrfach in meinem beruflichen Umfeld geheult. Vor allem kann ich nicht gerechtfertigte Kritik nicht ertragen. Menschen, die egoistisch sind, die ihren Beruf nicht als Berufung sehen (was bei mir im Kulturbereich eigentlich m. E. nach so sein sollte). Ich weine auch schnell, wenn emotionaler Druck auf mir lastet. Ich kann es nicht zurückhalten. Es fängt an, im Brustbereich zu drücken und zu brennen, als wäre ich ein Dampfkessel unter Druck. Tja. ...
Schmunzetten im Fernsehen, ein Graus, ja. Gucke ich nicht. Der König der Löwen war auch bei mir der erste Heulfilm. Ich weine auch schon einmal bei einem Buch.
Das geht mir alles so nah. Ich weiß allerdings auch nicht, wie abgestumpft die Leute sein müssen, daß sie da nicht weinen.
Meine Cousine ist allerdings schlimmer. (Vielleicht doch erblich?) Das war für uns immer schwer zu verstehen, weil sie wirklich Dinge gesehen hat, die nicht waren. Sie fühlte sich übergangen, ausgeschlossen, was gar nicht der Fall war. Naja.
Wasserhund
 

Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Nimchen » So 29. Sep 2013, 19:05

hmmm... ich weiß ja noch nicht so lange das es für meine Andersartigkeit eine Erklärung gibt. Das ich nicht ganz alleine bin mit meiner Sensibilität und erstaunlich viele Menschen ähnlich ticken, aber ich erkenne auch hier wieder das es trotz aller Paralellen die ich hier zu vielen Aussagen sehe, ich mich stark von vielen unterscheide. Ich bin da gewiss nicht böse drum, denn wenn ich das so lese wird mir schon ganz anders. Ich möchte nicht in eurer Haut stecken, denn das klingt sehr unangenehm.
Es ist nicht so das ich keine Heulsuse bin, ganz sicher nicht, denn ich komm zu Spitzenzeiten locker auf 10-15 Tränenausbrüche am Tag.
Aber alles ganz easy, das sind nur noch kurze Augenblicke in denen meine Emotionen mal eben das Überdruckventil der Tränendrüse aktivieren. Heißt in meinem Fall, das mir schon mal gerne die Tränen laufen weil ich mich über etwas beeindruckend schönes freue, aber eben auch wenn ich den Schmerz und das Leid von anderen Lebewesen nach empfinden kann. Ich lasse dann einfach die Tränen laufen, ohne mich hineinzusteigern und bevor der Klos im Hals sich unangenehm breit machen kann. Mal sind es 2-3 Tränen die dann still vor sich hin laufen, manchmal ein paar mehr, aber nie wirklich lange sondern immer nur ein paar Min. und ich geniesse es. Natürlich nicht die negativen Wahrnehmungen, auf die könnte ich gerne verzichten, aber das ist ja ein anderes Thema )/898u Nein, es ist viel mehr so das ich mich darüber freue so empfinden zu können. Denn jedes Gefühl löst auch automatisch eine Erfassung und Bewertung im Gehirn aus, wenn mich etwas positiv berührt ist das genial und schützenswert, werde ich aber negativ beeinflusst versuche ich mich damit auseinander zu setzen und im besten Fall, im Rahmen meiner persönlichen Möglichkeiten, zu etwas positivem zu verändern.
Nimchen
 

Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Cloud » Mi 16. Okt 2013, 17:35

Ja! Ich! Hier _moin_

Danke für diesen Thread, hab selber schon mal überlegt ein Heulsusenthema aufzumachen, hab mich aber nicht getraut...

Als Kind hab ich schon viel geweint. Statt irgendwie aktiv zu werden, wenn etwas doof war, hab ich erst mal ne Runde geheult. Aus Hilflosigkeit. Dann war ich natürlich die Heulsuse. Zuhause war weinen auch nicht gern gesehen, das hat natürlich noch mal Druck gegeben -der sich beim nächsten Mal eben in noch mehr Tränen entlud. Das war der Grundstein für den heutigen Zustand. smitanc

Situationen in denen ich weine? Da könnte ich ne ganze Liste machen. Natürlich sind es nicht immer schüttel-heul-Anfälle, aber Momente in denen sich die Gesichtsmuskeln anspannen und der Salzwasserstand im Auge schon mal vorsorglich steigt. Je nach Umstand kann ich es mir noch verkneifen, laufen die Tränen für sich und Cloud schnieft ein bisschen, oder die Sturzbäche fließen. Auslöser sind bei mir z.B.:

- Filme (habt ihr Avatar gesehen? Ich war im Kino. Als der große Baum fiel, hab ich verzweifelt nach Taschentüchern gesucht)
- Ungerechtigkeit, Gemeinheit (nicht zwingend gegen mich)
- Abschiede
- Trennungen jeder Natur (Beziehung, Verluste)
- Glück (die seltenen Momente wenn ich das "Glück" spüren kann)
- Erinnerungen
- wenn jemand etwas sehr liebes für mich tut
- Wut, Überlastung, Angst
- Tier(schicksal)e
- die Ostsee
- Trost (kein witz, wenn jemand mich Trösten will weine ich fast noch mehr als vorher, über die Freude, dass jemand es gut mit mir meint)
...

Also im Prinzip sind meine Tränenkanäle wohl irgendwie hyperaktiv _nüxweiss_
Wenn ich versuche, das zu unterdrücken, dann hab ich einen richtigen "Stau" in mir drin. Wenn es ein paarmal hintereinander war, dann fühle ich mich richtig schlecht, weil das dann so in mir drin steckt und nicht raus kann. Dann gibt es einen kleinen Auslöser, ein paar einzelne Tränchen finden ihren Weg, einmal Nase geputzt und schon geht es besser. Lange, lange habe ich gekämpft, mich geschämt, wieder geweint weil ich es nicht geschafft habe, nicht zu weinen... Heute akzeptiere ich es, stehe dazu und freue mich, so intensiv empfinden zu können. Glückstränen sehe ich heute als Geschenk. Andere schreien, werden aggressiv, fallen in sich zusammen, gehen andere Leute an um sich zu stärken - dann doch lieber ein paar Tränen, die niemandem schaden und die Seele heilen lassen. Und je mehr ich es als Teil von mir annehme, desto mehr kann ich beobachten, dass ich das eine oder andere Mal die Tränen zurückhalten kann, in Situationen wo ich zu "Kampfzeiten" keine Chance gehabt hätte.
Schwäche zeigen ist auch eine Art von Stärke.


Wie geht ihr mit eurer Empfindlichkeit in diesem Bereich um? Schämt ihr euch? Habt ihr es "im Griff"? Weint ihr auch irgendwo "gerne", weil es befreit? Was tut ihr, wenn ihr in einer Situation seid, wo weinen eigentlich äußerst unangebracht ist und ihr merkt, es bahnt sich seinen Weg?

Oh, ich glaube das war mein längster Beitrag im ganzen Forum smirl

Freue mich auf eure Antworten!

Liebe Grüße

Cloud _flöwer_
(die die halbe Nacht einen Verlust beweint hat)
Herr, bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müßte im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, daß Schwierigkeiten, Niederlagen, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, wodurch wir wachsen und reifen, um unser Leben zu meistern.
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Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon originalC » Mi 16. Okt 2013, 18:06

Hallo,

Ach, das ist ja interessant! Ich hoffe ich stehe jetzt nicht alleine mit meiner Art des Heulens da.

Also ich bin ein "akut" beherrschter Mensch. Ich weiß, dass mein Gesicht verrät, was in mir vorgeht, deshalb hab ich mir mal angewöhnt, meine Mimik zu kontrollieren. In Situationen wo ich es brauche ist es hilfreich (Vorgesetzte, Vorstellungsgespräch etc), aber echt anstrengend.

Deshalb weine ich definitiv nicht vor anderen, weil ich es nicht ausstehen kann, wenn mich dann jemand in den Arm nehmen will. Ich bin eh ein Wutheuler. Bringt mich jemand auf die Palme, dann laufen bei mir die Augen über, ist sicher der letzte Wall bevor ich ausflippen würde. Aber auch das versuche ich allein mit mir auszumachen. Einatmen - Ausatmen...

Ich fühl mich aber auch überfordert, wenn andere vor mir weinen, kann dann immer nicht so aus mir raus. Möchte trösten, aber nicht nerven. Hm...

Aber selbst wenn ich mal weine, fühle ich mich damit unwohl. Auch alleine. Finde darin auch kein Ventil, also dass ich mich danach befreiter fühlen würde. Isch wees es nich... Verkorkst...

Interessierte Grüße oC
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Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Wasserhund » Mi 16. Okt 2013, 19:06

Ich kann es nur ganz wenig kontrollieren. Überhaupt habe ich eher wenig Selbstbeherrschung. Ich bin ziemlich emotional. *flipp*
Wasserhund
 

Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Cloud » Mi 16. Okt 2013, 19:18

Wasserhund: *handreich*
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Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Puck » Mi 16. Okt 2013, 19:46

Guten Abend,

@OriginalC
In der Hinsicht sind wir uns vielleicht sehr ähnlich.
Neun von zehn Menschen würden mich ohne Umschweif als "Pokerface" bezeichnen!
Allerdings hab ich eine sehr sehr starke Mimik, ich brauche im Alltag selten Worte um mich auszudrücken - diese Kombination verbraucht Unmengen Energie.

Mir werden nur die Augen sehr schnell feucht, weinen tue ich nie - nur wenns zu viel Wasser wird quetscht sich was raus, aber das ist doch kein weinen oder? Da gehören doch noch Gesichtsmuskel und Stimmbänder etc. dazu?

Hier wirds mir ja nicht passieren... _läch_ also:
Über Weinen bin ich "kontrollierbar/manipulierbar" - ich kanns einfach nicht sehen!
Seh ich jemanden weinen bekomme ich erst eine Art Wut und versuche dann alles, damit das aufhört!
"Alles, bloß hör um Himmels Willen damit auf!"...
Bei meinen Praktikas im KiGa gabs dann auch schon so kleine "Spezialisten", die das gemerkt haben und...naja Kinder eben. _läch_
Puck
 

Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon originalC » Mi 16. Okt 2013, 20:09

@Puck: Juhu, ich bin nicht allein!
Aber da stellt sich mir die Frage, wieso sind wir so und die anderen anders?
Uuuund: Wenn du Wasser in den Augen hast, krampft es dir dann im Hals, also der Heiße Frosch und so.
Ja, Pokerface... Ich werde oft als unnahbar oder Arrogant bezeichnet, weil ich so gucke, wie ich gucke. Sonst, wenn ich entspannt bin, kann man in meinem Gesicht auch alles lesen. Jetzt bin ich neugierig auf deine Mimik... U72(

Oh und Kinderweinen... Klasse!
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Re: Seid ihr auch so nah am Wasser gebaut?

Beitragvon Ährengast » Mi 16. Okt 2013, 21:13

originalC hat geschrieben:Hallo,

ach, das ist ja interessant! Ich hoffe ich stehe jetzt nicht alleine mit meiner Art des Heulens da.

Also ich bin ein "akut" beherrschter Mensch. Ich weiß, dass mein Gesicht verrät, was in mir vorgeht, deshalb hab ich mir mal angewöhnt, meine Mimik zu kontrollieren. In Situationen wo ich es brauche ist es hilfreich (Vorgesetzte, Vorstellungsgespräch etc), aber echt anstrengend.

Deshalb weine ich definitiv nicht vor anderen, weil ich es nicht ausstehen kann, wenn mich dann jemand in den Arm nehmen will. Ich bin eh ein Wutheuler. Bringt mich jemand auf die Palme, dann laufen bei mir die Augen über, ist sicher der letzte Wall bevor ich ausflippen würde. Aber auch das versuche ich allein mit mir auszumachen. Einatmen - Ausatmen...

Ich fühl mich aber auch überfordert, wenn andere vor mir weinen, kann dann immer nicht so aus mir raus. Möchte trösten, aber nicht nerven. Hm...

Aber selbst wenn ich mal weine, fühle ich mich damit unwohl. Auch alleine. Finde darin auch kein Ventil, also dass ich mich danach befreiter fühlen würde. Isch wees es nich... Verkorkst...
...


_Mij_

durch Deinen Beitrag kam ich intensiv erinnernd mit einem Teil meiner Kindheit in Berührung: Damals war ich schnell und ungehemmt zum weinen zu bringen.
Und, der Vergleich zu jetzt, da weine ich gar nicht mehr (habe den Eindruck, dass ichs nicht unterdrücke, sondern dass da nichts ist, seit vielleicht 25 Jahren, das ein Weinen "erzeugen" könnte).
Eine Ausnahme gab es denn doch: Das war, als es Trennung von meiner langjaehrigen Partnerin und mir kam; da weinte ich ein Mal.

Umgang mit Weinenden: Schwierig. Wenn ich wüßte, dass der weinenden Person
Trost / Zuspruch in dieser Phase guttut, wuerde ich gerne davon was geben.
Aber wenn / solange das nicht klar ist, verhalte ich mich neutral (ungefaehr also so, als wuerde Weinende nicht weinen icon_winkle ) - dabei eher wenig redend.
Ährengast
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