Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Bevorzugt ihr es, euren Alltag alleine zu gestalten?

Ja, definitiv
6
13%
Im Großen und Ganzen
18
40%
Teils / Teils
14
31%
Nur manchmal
6
13%
Nein, auf keinen Fall
1
2%
Sonstige Meinungen
0
Keine Stimmen
 
Abstimmungen insgesamt : 45

Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Träumerle » Di 31. Jul 2018, 22:03

Hallo zusammen,

ich persönlich merke in letzter Zeit, obwohl ich mit 16 Jahren noch bei meinen Eltern wohne, dass ich mir oft wünsche, meinen kompletten Alltag auf mich gestellt gestalten zu können. Man muss sich an die anderen richten, hat öfter mit Lärm zu tun oder handelt einfach komplett anders, hat andere Bedürfnisse oder hat vielleicht einfach das Gefühl, die anderen stören nur im Alltag und man könnte das alleine viel besser/schneller bewältigen. Ich freue mich jetzt schon auf meine eigene Wohnung, auch wenn es noch Jahre dauern wird, bis ich alleine lebe, weil ich meinen Alltag dann nach eigenen Bedürfnissen und Arten gestalten kann und freier bin.

Geht es euch ähnlich? Ich meine jetzt nicht, dass ihr gerne euer gesamtes Leben ohne Menschen verbringen würdet, aber Dinge wie z. B. Einkäufe oder das Lösen allgemeiner kleinerer Probleme, Freizeitbeschäftigungen, eben das, was einen Alltag so schmückt. Meine Familie macht mich manchmal irre, ich gerate viel schneller in Stress und stelle mir dann vor, wie entspannend und einfach es wäre, alleine Möbel zu kaufen oder die Fenster zu putzen.

Desweiteren glaube ich, geht es vielen HSP's so, dass sie sich im Alltag besser zurecht finden, wenn sie ihre eigenen Entscheidungen und Handlungen im Alltag ausleben können, da andere Menschen als Störquelle empfunden werden könnten und dann Reizüberflutungen auf sie warten.

Liebe Grüße,
Träumerle :-)
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
Träumerle
Hero Member
 
Beiträge: 739
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 16:22

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Neongrau » Mi 1. Aug 2018, 18:45

Hallo Träumerle,

vor meinem Auszug von zu Hause ging es mir mit diesen Wünschen genau so wie dir, da auch ich mir den alleine gestalteten Alltag deutlich weniger stressig und freier gestaltbar vorgestellt habe. Im Großen und Ganzen kann ich dem auch noch nach meinem Umzug zustimmen, wobei es doch einige Ausnahmen gibt die mir bei der Alltagsgestaltung auffallen. Wenn es um organisatorische Dinge wie das Einkaufen, Putzen, Aufräumen, Schlafen gehen, Aufstehen, Kochen, etc. geht, ist das alleien Wohnen meiner Ansicht nach tatsächlich ausnahmslos stressfreier im Vergleich zu meiner Zeit in der ich zu Hause gewohnt habe - klar, das ist jetzt alles ganz auf mich und meinen Rhythmus abgestimmt und entspricht daher genau meinen Vorstellungen (mal abgesehen davon dass man, wenn man alleine wohnt, ja auch manchmal Dinge machen muss auf die man gerade keine Lust hat, vor allem beim Einkaufen). Dennoch gibt es einige Punkte in denen das Wohnen bei meiner Familie durchaus Vorteile hatte (die habe ich natürlich erst im Nachhinein entdeckt), beispielsweise nehme ich mir alleine seltenst Zeit für Auszeiten. Wenn ich meine Familie besuche merke ich immer, wie entspannt das gemeinsame Essen sein kann, da ich mir dafür alleine nie viel Zeit nehme, und überhaupt aufgrund meines hohen Tempos nicht merke, wenn es mal Zeit zum Ausruhen oder langsamer werden ist.

Alles in allem überwiegen für mich die Vorteile des alleine Wohnens, aber ganz schwarz und weiß kann man sowas meiner Meinung nach nicht betrachten. Es gibt sicher auch rücksichtsvollere und besser zu meinem Rhythmus passende Menschen als es meine Familie ist, mit denen das Zusammenleben für mich vermutlich einfacher wäre als das mit meiner Familie. :-)

Viele Grüße,
Neongrau
Neongrau
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 85
Registriert: Sa 16. Dez 2017, 21:28

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Anima (Lufthauch) » Mi 1. Aug 2018, 20:10

Hi Träumerle, :-)

da bin ich ja gespannt, was schlussendlich bei der Umfrage rauskommt. – Ich schätze mal, der Schwerpunkt könnte auf den ersten drei Optionen liegen, da wir Introvertierten einfach auch gern allein für uns sind. (Na ja, aber immerhin gibt es ja auch schon 1 „Ausreißer“ von 8 Stimmen! icon_winkle )

Ich habe „teils-teils“ angegeben:

In meinem Alltag habe ich viel mit Menschen zu tun - und das gefällt mir auch. Allerdings brauche ich dann in meiner Freizeit unbedingt eine große Dosis an Ruhe und Alltags-Dinge-für-mich-tun und Alleinsein, sonst bin ich tatsächlich gar nicht „gut dran“.

Und noch was: Ich weiß noch gut, wie mir als 16-jährige meine Familie tierisch auf die Nerven gegangen ist. Das hat sich nach meinem Auszug sehr gebessert. – Später war ich dann sogar richtig froh, als mir meine Mutter mal angeboten hat, mir beim Fensterputzen zu helfen. 647&/

Dir noch schöne Ferien und liebe Grüße! :-)
Anima
Benutzeravatar
Anima (Lufthauch)
Hero Member
 
Beiträge: 866
Registriert: Do 27. Apr 2017, 20:05

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Träumerle » Do 2. Aug 2018, 10:02

Guten Morgen Neongrau und Anima :-)

Die Abstimmungsergebnisse sehen ja momentan so aus, wie Anima es vorausgesagt hat :-) . Da spielt schon sicher die Introvertiertheit mit hinein, die ja auf die meisten HSP's fällt. Extrovertierte würden da wahrscheinlich schon fast über Einsamkeit klagen. Im Grunde genommen aber geht es nicht um das Thema, sondern man könnte die Frage auch bezeichnen mit "Nerven dich deine Mitmenschen im Alltag?". Doch warten wir mal weiter - es könnte sich ja auch noch etwas an den Ergebnissen verändern...


@Neongrau: Klingt alles sehr toll, wie du deinen Alltag beschreibst und ja auch aus eigener Erfahrung sprichst. Momentan liege ich mit meiner Meinung noch bei "Ja, definitiv", da ich nie wirklich gemerkt habe, wie es ist, im Alltag auf sich gestellt zu sein, allerdings wünsche ich es mir momentan sehr oft. Deshalb kann man seine Antwort hier auch noch ändern, für alle Fälle. icon_winkle Es scheint wirklich, als würdest du das ziemlich genießen. Bei dir scheint noch ein großer Perfektionismus drin zu stecken, wenn ich mir deinen Beitrag durchlese. Kenn ich auch gut von mir, wenn ich einmal mit einer Aufgabe angefangen habe, kann ich damit nicht aufhören, ich muss sie gleich komplett beenden.

@Anima: Eine sehr gesunde Einstellung :-) . Diese Zeit nach einem Menschenkontakt ist unverzichtbar, dann könnte ich auch nicht noch mit meinen Eltern einen zweistündigen Einkauf unternehmen, wenn ich z. B. gerade aus der Schule komme. Alleine ist man im Alltag ja auch freier, man kann seine eigenen Entscheidungen treffen.


Dir noch schöne Ferien und liebe Grüße!

Danke sher :-)

LG, Träumerle

PS: Oh, blöder Schreibfehler im Thread-Titel...
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
Träumerle
Hero Member
 
Beiträge: 739
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 16:22

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon sourcream » Do 2. Aug 2018, 17:24

das Ergebnis ist für mich auch keine Überraschung.

mir ergeht es ähnlich wie euch. Als ich vor meinem Auszug stand, konnte ich es auch kaum erwarten. Mir war immer ständig schlecht. Mir wurde das wahrscheinlich auch zu viel im Alltag. Ich hatte wie jetzt auch 8 h lang nur Menschen um mir herum, nicht mal zur Pause hatte ich meine Ruhe, man musste sozusagen Pause im Pausenraum machen. Dann kommt man Heim nerven die Eltern auch wieder.

Ich wohne jetzt seit 2006 alleine, außer ein halbes Jahr mit jemanden zusammen das funktionierte aber gar nicht. Es hatte bei uns 3 Jahre gehalten, weil ich die meiste Zeit meine eigene Wohnung hatte, und als ich bei ihm wohnte, er dann immer eine Woche auf Montage war. Dann als er kurz vorm Winter jeden Tag da war, hielt ich es nicht mehr aus, und wurde richtig krank, total überreizt, und war auch gereizt. Das Gefühl sich nicht zurück ziehen zu können löste bei mir so einen Drang aus alleine sein zu wollen, das ich ausziehen musste, und somit war die Beziehung beendet. Gibt es denn heute Beziehung wo die Partner nicht zusammen wohnen und trotzdem eine liebevolle Beziehung führen können? Denn den meisten stört ja meist die Fahrerei.

immer wenn man jemanden kennen lernt heißt es, naja die will nicht mit mir zusammen ziehen, die will nur das eine. Das ist doch total quatsch. Aber so denken leider viele. Ich habe Probleme jemanden kennen zu lernen, der das gleiche Bedürfnis hat wie ich. Eine stressfreie Beziehung ist für mich so eine, wo ich weiß der andere möchte das so wie ich, sonst wird das nix, sonst stresst mich das total. Am Wochenende mal was unternehmen, aber Wochentags brauche ich meine Kraft für die Arbeit, da bin ich meist müde und geschafft. Und einen Tag brauche ich mindestens um mich vom Alltag zu erholen.So wie ich jetzt lebe fühle ich mich gut. Sitze an meinem Pc, keiner nervt, kann abschalten, muss mit niemanden reden, oder irgendwas erfüllen. Genau das störte mich am Zusammenwohnen.

Wie stellt ihr das euch vor wenn ihr einen Partner habt? Oder habt ihr bereits einen Partner und habt getrennte Wohnungen?
sourcream
Full Member
 
Beiträge: 119
Registriert: Mo 27. Mai 2013, 16:19

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Neongrau » Fr 3. Aug 2018, 20:21

Hallo ihr!

Träumerle hat geschrieben:Extrovertierte würden da wahrscheinlich schon fast über Einsamkeit klagen.


Ich habe tatsächlich schon Leute kennengelernt die auch von zu Hause ausgezogen sind, allerdings in eine WG (für mich übrigens unvorstellbar, selbst mit Menschen die ich gut kenne), für die selbst das alleine Einkaufen eine Qual sein muss - jede Woche fragen sie im Kurs herum, ob noch jemand aus ihrem Ort heute Einkaufen muss. Und als mir ein gesprächiger Mitstudent heute auf dem Heimweg in der SBahn sagte, es sei für ihn um Längen angenehmer diese kurze Strecke zusammen mit anderen Bekannten zu fahren, konnte ich innerlich wieder nur den Kopf schütteln. Dennoch sollten wir Introvertierten natürlich immer akzeptieren, dass es eben auch diese andere Seite gibt, auf der die Menschen wirklich diese enormen sozialen Bedürfnisse verspüren, und vielleicht kommt irgendwann ja auch von dieser Seite ein Bisschen mehr Akzeptanz zurück.

Träumerle hat geschrieben:Es scheint wirklich, als würdest du das ziemlich genießen. Bei dir scheint noch ein großer Perfektionismus drin zu stecken, wenn ich mir deinen Beitrag durchlese.


Tatsächlich bin ich ziemlicher Perfektionist, aber selbst trotz dem Stress den ich mir dadurch manchmal mache schätze ich das alleine Leben sehr, und hier wiegen die Vorteile meiner Meinung nach deutlich schwerer als die Nachteile, die es allerdings dennoch gibt, wie ich in meinem vorherigen Beitrag schon erwähnt hatte.

sourcream hat geschrieben:Dann als er kurz vorm Winter jeden Tag da war, hielt ich es nicht mehr aus, und wurde richtig krank, total überreizt, und war auch gereizt. [...] Wie stellt ihr das euch vor wenn ihr einen Partner habt?


Das mit der Überreizung kenne ich von mir auch sehr gut, und dementsprechend schwierig ist für mich das Zusammenleben mit mir wichtigen Menschen. Denn irgendwann bin ich so genervt und überreizt, dass ich das auch gegenüber diesen anderen Menschen herauslasse und zeige, obwohl mir die Menschen eigentlich wichtig sind und ich sie auf diese Weise gar nicht verletzen oder belasten will - so war es zum Beispiel die letzten Jahre in denen ich bei meiner Familie gewohnt habe. Eine Partnerin wäre für mich zumindest in Gedanken etwas anderes, allerdings hatte ich noch nie eine und kann diese Situation daher nicht über das Gedankenspiel hinaus beurteilen. Einerseits denke ich eben, eine Partnerin würde was das Zusammenleben angeht viel besser zu mir passen als es andere Menschen bisher getan haben (zumindest nehme ich das an, wenn es schon zu einer Partnerschaft kommt), aber andererseits gab es in meinem Leben nie eine Phase in der ich nicht Zeit für mich brauchte, und wenn die Schmetterlinge im Bauch nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren mal abgeklungen sind kommt dieses Bedürfnis früher oder später auch in einer Partnerschaft wieder durch - mal ganz abgesehen davon, dass Partnerschaften natürlich auch zwischen Menschen existieren können, die sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben haben. _läch_

Viele Grüße,
Neongrau
Neongrau
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 85
Registriert: Sa 16. Dez 2017, 21:28

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon fee » Sa 4. Aug 2018, 11:16

Lieber Träumerle,

mit deiner Frage hast du mir eine gute Denkaufgabe gestellt :) seit Tagen unterhalte ich mich gedanklich mit dir über das Thema *hihi* darum hab ich jetzt auch was gebraucht, um zu schreiben. Erst wollte ich in Ruhe vorformulieren, was ich jetzt doch verworfen habe. Mal sehen, was rauskommt.
Letztendlich bin ich der Meinung, ganz allein ist doof. Auf jeden Fall für mich.

Auch überlegte ich, ob es auf HS zurückzuführen ist oder das Auziehen—Wollen grundsätzlich Lauf der Zeit und der Entwicklung ist.

Als ich zuhause auszog wusste ich nicht, dass es HS gibt. Du hast mir in deinem Lebensabschnitt damit ganz viel voraus. Jetzt rückblickend lerne ich mich ja quasi noch mal neu kennen und analysiere viele Handlungen noch einmal neu. Aber nun zurück zur Frage.

Ich wusste als Kind schon recht früh, dass ich schnell „erwachsen“ werden wollte, um ganz schnell unabhängig sein zu können und über mein Leben selbst zu bestimmen. Mit 15 zog ich zu meinem Vater, dort hatte ich etwas andere Freiheiten und konnte schon lockerer und anders selbstbestimmter leben als zuvor. Was nicht heißt, dass ich vorher eingeschränkt war. Aber das auszuführen geht am Thema vorbei und wäre Teil meiner Biographie. Jedenfalls wusste ich auch, dass ich schnell eigenes Geld verdienen muss, um unabhängig zu sein, darum ging ich nach dem Realschulabschluss — heute MSA — in eine Lehre (bin dann später wieder zur Schule und Uni gegangen, was jetzt nichts mit dem Thema zutun hat — ich sag ja, könnte hier biographisch werden). Ab dem Moment, als es hieß, ich verdiene ja jetzt Geld, dann könnte ich ja Miete bezahlen, zog ich in eine WG. Wenn Miete, dann meine eigene.

Es war so aufregend, dass es egal war, dass im Zusammenleben mit quasi Fremden neue Konflikte auftraten. Menschen haben irgendwann irgendwelche Konflikte immer irgendwie aus Gründen miteinander, auch die harmonischen Konstellationen. Von einer WG in die andere usw.

Irgendwann wohnte ich zwei Jahre ganz alleine und ich fand es furchtbar. Zwischendurch war ich sogar im Ausland und dort einige Wochen wirklich auf mich ganz ganz ganz allein gestellt ohne Internet und Telefon. Und deutsches Fernsehen auch nicht. War doof.

In Partnerschaften wohnte ich auch zusammen, jetzt ja auch, und auch dieses Zusammenleben führte zu Konflikten. Aber ich finde solche Konflikte besser, als allein ohne Rückhalt zu sein.

Es dauerte, bis ich die richtige Person für das Zusammensein und Zusammenleben fand, doch es fühlt sich immer zu jeder Zeit richtig an. Es kommt darauf an, gemeinsam über die Rückzugsmöglichkeiten zu sprechen und so. Bist ja quasi nicht nur du, der sich an Dingen gestört fühlt, sondern die Mitmenschen vielleicht auch.

Für mich ist es einfacher, allein zu sein, wenn ich weiß, dass es da jemanden gibt, der im Nebenzimmer ist oder bald nach Hause kommt. Ich leide sogar, wenn ich paar Tage ganz allein sein muss wegen Dienstreisen oder so.

So... ich hoffe, deine Frage adäquat beantwortet zu haben.

Ganz liebe Grüße von der fee :))
und mein Leben ist sehrwohl ein Ponyhof...
... kann ich ja nix dafür, wenn das da draußen nicht wahrgenommen wird.
Benutzeravatar
fee
Gold Member
 
Beiträge: 395
Registriert: Fr 10. Nov 2017, 20:14
Wohnort: Berlin

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon sourcream » Sa 4. Aug 2018, 11:46

Neongrau hat geschrieben:Das mit der Überreizung kenne ich von mir auch sehr gut, und dementsprechend schwierig ist für mich das Zusammenleben mit mir wichtigen Menschen. Denn irgendwann bin ich so genervt und überreizt, dass ich das auch gegenüber diesen anderen Menschen herauslasse und zeige, obwohl mir die Menschen eigentlich wichtig sind und ich sie auf diese Weise gar nicht verletzen oder belasten will - so war es zum Beispiel die letzten Jahre in denen ich bei meiner Familie gewohnt habe. Eine Partnerin wäre für mich zumindest in Gedanken etwas anderes, allerdings hatte ich noch nie eine und kann diese Situation daher nicht über das Gedankenspiel hinaus beurteilen. Einerseits denke ich eben, eine Partnerin würde was das Zusammenleben angeht viel besser zu mir passen als es andere Menschen bisher getan haben (zumindest nehme ich das an, wenn es schon zu einer Partnerschaft kommt), aber andererseits gab es in meinem Leben nie eine Phase in der ich nicht Zeit für mich brauchte, und wenn die Schmetterlinge im Bauch nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren mal abgeklungen sind kommt dieses Bedürfnis früher oder später auch in einer Partnerschaft wieder durch - mal ganz abgesehen davon, dass Partnerschaften natürlich auch zwischen Menschen existieren können, die sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Zusammenleben haben. _läch_


ich konnte es mir damals ohne einen Partner auch nicht vorstellen wie es ist wenn ich tatsächlich mit einem Menschen zusammen lebe, den ich mag, und als ich jemanden kennen lernte den ich mochte, es war aber irgendwie aber auch keine richtige Liebe, versuchte ich es mit jemanden zusammen zu leben, und es es fühlte sich für mich grausam an. Das Gefühl immer ist jemand da der etwas von dir möchte, es waren ja nicht nur alltägliche Dinge im Leben wie zb einkaufen, Ausflüge machen etc, sondern auch das sexuelle, wo ich mich immer gezwungen gefühlt habe. Vielleicht lag es daran das er einfach nicht zu mir passte und keine Gefühle mehr da waren.

Letztes Jahr lernte ich jemanden kennen, und war das erste mal in meinem Leben so richtig verliebt, aber leider in einen "Narzissten". Wollte ihn nie verlieren, und fühlte es auch nie als Zwang mit ihm etwas zu machen. Sexuell war auch alles schön und genoss es. Er war sehr hilfsbereit und war sehr liebevoll. Nur leider, wurde er anfang dieses Jahres, als wir uns häufiger sahen sehr komisch. Er wollte plötzlich unbedingt bei mir einziehen, das überrumpelte mich. Er merkte das ich das nicht so möchte und fing an, ja ich wolle eh nur das eine. ich konnte das nicht von jetzt auf gleich, wenn überhaupt. Er hatte da auch andere Vorstellungen und Ziele. Aber sein ziel war eher, wie er meinte, da könne er Fahrkarten sparen wenn er bei mir mit einzieht. Toll.

Deswegen ist es nicht gut wenn beide sehr unterschiedliche Vorstellungen haben, weil einer immer zurückstecken müsste bzw der andere findet es belastend. So wie ich war passte ich ihm halt auch nicht. Könnte mich anders kleiden, und guckte anderen Frauen hinterher das die sowas eben auch tragen etc. Am ende dachte ich so mit so einem Menschen zusammen bleiben ist auch nicht gut, denn er hätte dann in jeder Situation Druck aufgebaut oder hätte versucht mich zu ändern. Es fing ja schon an, mit dem er möchte einziehen bei mir, oder mit der Kleidung. Ihm war es manchmal egal was ich möchte, viel mehr war ihm wichtig was er möchte. Am Anfang hielt er sich zurück aber gegen Ende wollte er mit aller Macht seine Wünsche durchsetzen. Er hatte am ende kein Geld mehr, kein Auto, keine Waschmaschine, alles war kaputt, und keinen Job hatte er, ich denke das war mir der einzige Grund dafür das er so schnell wie möglich bei mir einziehen wollte, denn ich habe ja alles.

Eigentlich traurig. Ich kam da sicher echt gelegen für ihn, Ich denke für ihn war es keine richtige Liebe. Er wird mich nicht selbst vermissen, aber eher das was ich ihm entzogen hab. Aber ein Püppchen wäre ihm sicher lieber gewesen, gerade so für unterwegs. Aber eine Unterkunft, ein fahrbarer Untersatz und Sex wäre ihm ausreichend gewesen. Er meinte ja mal, er würde gerne beruflich reisen, mal da hin und mal da hin.

von daher finde ich es schwierig jemanden zu finden der mich akzeptiert wie ich bin. Ich hab ihn ja auch akzeptiert so wie er war.

Allein sein ist nicht so schlecht, aber für immer möchte ich das natürlich auch nicht. Es macht halt einsam. Aber mein Selbstwert wieder jemanden zu finden ist sehr gering.

Warum hattest du noch keine Partnerin? Wie alt bist du eigentlich?
sourcream
Full Member
 
Beiträge: 119
Registriert: Mo 27. Mai 2013, 16:19

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Neongrau » Sa 4. Aug 2018, 15:11

Hallo sourcream,

was du über deinen (ehemaligen?) Partner / Lebensgefährten / wie auch immer man ihn nennen mag erzählst, klingt nach einer ziemlich starken Differenz in euren Vorstellungen vom Zusammenleben. Allerdings würde ich anhand dessen was du erzählst hast sogar daran zweifeln, ob man seine Motivation überhaupt noch als eine Motivation zum Zusammenleben bezeichnen kann, weil es ihm ja ausschließlich um seine Bedürfnisbefriedigung und finanziellen / materiellen Vorteile zu gehen schien. Jedenfalls ist es allgemein schon ein schlechtes Zeichen, wenn eine der zusammenlebenden Personen das Gefühl hat, ständig "abrufbereit" (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) sein zu müssen. Ich denke wie gut man mit dem Zusammenleben mit anderen Menschen klarkommt hängt auch davon ab, wie gut man sich selbst abgrenzen und auch mal nein sagen kann.

sourcream hat geschrieben:Warum hattest du noch keine Partnerin? Wie alt bist du eigentlich?


Wie soll ich dir denn diese Frage beantworten? _läch_ Das weiß ich selbst nicht so genau, aber mit Schuld daran ist sicher meine eher zurückgezogene und introvertierte Lebensweise, die gar nicht so viel Kontakt mit anderen Menschen zulässt. Mittlerweile ist dieses Thema für mich aber auch schon ziemlich unangenehm, da ich meine Sehnsüchte in diesem Bereich seit nun fast einem Jahrzehnt herunterschlucke und in mich hereinfresse, und da nichts aufreißen will was nicht unbedingt aufgerissen werden muss. Ich bin übrigens 21 Jahre alt. :-)

Viele Grüße,
Neongrau
Neongrau
Fleißiges Mitglied
 
Beiträge: 85
Registriert: Sa 16. Dez 2017, 21:28

Re: Seit ihr im Alltag alleine besser dran?

Beitragvon Träumerle » Di 7. Aug 2018, 17:56

Hallo zusammen,

über die rege Beteiligung freue ich mich sehr. :-)

Sourcream hat geschrieben:Gibt es denn heute Beziehung wo die Partner nicht zusammen wohnen und trotzdem eine liebevolle Beziehung führen können? Denn den meisten stört ja meist die Fahrerei.

Viele Menschen, eigentlich fast alle, haben ihre erste Beziehung, während sie noch bei den Eltern wohnen. Das scheint ja auch zu klappen. Wahrscheinlich wird kaum jemand sagen, er will noch keine Beziehung, da er noch zu Hause wohnt. Und wenn man es dann nicht mehr tut, muss man entscheiden, ob man zusammenzieht oder nicht. Ich persönlich halte eine Fernbeziehung für kein Problem, im Gegenteil. Kommt der Partner zu Besuch, freut man sich umso mehr. Außerdem kann man durch die modernen Möglichkeiten der Kommunikation in Kontakt bleiben. Jedenfalls würde ich eine Fernbeziehung nicht nur akzeptieren, sondern einer gemeinsamen Wohnung sogar vorziehen. Ich muss meine Partnerin nicht 24/7 bei mir haben, um sie zu lieben.

@Neongrau: Das von dir geschilderte Verhalten kenne ich auch. Unsere Klasse hat eine eigene What'sApp-Gruppe (die dämlichste Idee auf Erden) und da kam es auch schon ein paar Mal vor, dass jemand gefragt hat, ob noch jemand an dem und dem Ort ist. Ich verstehe sowas nicht, werde es auch nie verstehen, doch klar, es ist ja doch irgendwie eine verzweifelte, aber nette Geste und wenn man so auf Menschenkontakt abfährt, ist es ja auch nur ein normaler Versuch, seine Bedürfnisse zu erfüllen. Das ist ja so, als wenn wir Introvertierten die anderen bitten, Zeit für uns haben zu dürfen.

Ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde, aber irgendwie wird meine Familie immer nerviger und da kommt ein geordneter Tagesablauf gar nicht zustande. Ich fühle mich fast schon unterdrückt, aber das ist ein anderes Thema. Mit einer Partnerin wäre es schon ruhiger, da sie nur eine Person ist, aber ich gehe erst komplett alleine auf. Teamarbeit ist nichts für mich, ich kann in der Not zwar mit anderen kooperieren, doch ich finde daran keinen so wirklichen Gefallen. Und da auch der gemeinsame Einkauf so etwas wie Teamarbeit ist, würde ich, wenn ich könnte, diese Sachen alleine erledigen. Ich habe das Gefühl, mich dann auch besser auf die Aufgabe konzentrieren zu können, da die Reize der anderen, die mich sonst so ablenken, wegfallen.

@fee: War gar nicht meine Absicht _läch_ . Ich hoffe, das hat dich nicht negativ beeinflusst...

Konflikte gibt es bei mir zu Hause massig, da können schon Kleinigkeiten zu führen. Ich verstehe nicht, wieso man immer so schnell an die Decke gehen muss, doch die Menschen sind eben verschieden. Dann wünschst du dir also einen harmonischen, aber geselligen Alltag. Im Grunde genommen kann ich das so unterschreiben, brauche aber dringender solche Auszeiten als du. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich später meine Mitmenschen nur bei vergnüglichen Ereignissen dabeihaben, wenn die Stimmung besser ist, im Alltag würden sie mich eher hindern. So könnte ich beispielsweise tagsüber die Wäsche waschen, einkaufen, zwischendurch lesen und abends mit meiner Familie im Restaurant essen gehen. Harmonie für den ganzen Tag, Geselligkeit etwas weniger, eben die richtige Dosis für mich.

fee hat geschrieben:Für mich ist es einfacher, allein zu sein, wenn ich weiß, dass es da jemanden gibt, der im Nebenzimmer ist oder bald nach Hause kommt.

Eine gesunde Einstellung, wenn du mich fragst. Ich könnte auch nicht komplett isoliert leben, also bräuchte schon die Möglichkeit, andere zu erreichen, aber im Gegensatz zu dir ist alleine wohnen für mich angenehmer, da ich dann mehr Kontrolle habe und mich durch niemanden gestört fühlen muss. So kann ich letztendlich auch besser und motivierter meinen Pflichten nachgehen. Doch ich möchte dir deine Meinug nicht nehmen, sie ist anders, aber logisch. :-)

LG,
Träumerle
Ich weiß, ich bin ein HSP,
da ich die Welt ganz anders seh'.
Ich tue dies auf meine Weise,
nämlich ruhig und auch sehr leise.

Für mich ist's eine große Gabe,
wenn ich's auch nicht immer leicht habe.
Drum nehmt euch's nicht zu Herzen,
Ewig sind nicht mal die schlimmsten Schmerzen.

~Träumerle :-)
Träumerle
Hero Member
 
Beiträge: 739
Registriert: Mi 5. Apr 2017, 16:22

Nächste


Ähnliche Beiträge

Wie einsam seit ihr?
Forum: Hochsensibilität Allgemein
Autor: Anonymous
Antworten: 56
mit 30 wird alles besser
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 20
was sind eure Entspannungstips für den alltag?
Forum: Hochsensibilität Allgemein
Autor: Anonymous
Antworten: 7
Schön nicht alleine zu sein
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 2
schön zu wissen, dass man nicht alleine "anders" ist...
Forum: Vorstellungsrunde
Autor: Anonymous
Antworten: 3

Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron