Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angesehen

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angesehen

Beitragvon Paperheart » So 10. Apr 2016, 21:43

Hallo ihr Lieben,

ich habe eigentlich mein Leben lang immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Sensibilität von den meisten Menschen als klare Schwäche ausgelegt wird. Oder die Sensibilität belächelt und verspottet wurde, was ich persönlich noch viel schlimmer finde. Eine sensible, mitfühlende und emphatische Person wurde/wird immer als schwache Person gesehen. Sensibilität immer mit Schwäche gleichgesetzt.

Mich würde mal interessieren, ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt?
Und wenn ja, wie ihr damit umgegangen seid?
Und was eure Gedanken dazu sind?

Schon mal im Voraus vielen Dank für eure Antworten. :)

Liebe Grüße
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Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon TimC1980 » Mo 11. Apr 2016, 08:08

Hallo Paperheart.

Oh ich bekomme das so gut wie jeden Tag mit. Und anfänglich tat ich mich sehr schwer damit. Auch heute noch kommt es sicher hin und wieder vor das eine solche Aktion meiner Mitmenschen mich aus der Bahn wirft.
Aber diese Nettigkeiten gebe ich heute auch sehr gerne wieder zurück. Ich mache mir meine Gaben zunutze um solche Mitmenschen aus der Bahn zu werfen. Ich lese ihre Gedanken und Emotionen und konfrontiere sie damit. Und zwar auf die schonungsloseste Art die ich kenne. Mit Ehrlichkeit. Wenn ich mich mit jemandem unterhalte und ich merke das mich dieser Mensch belügt. Dann sage ich. "Dir ist schon klar das ich merke das du lügst oder ?" Eigentlich alle reagieren auf sehr ähnliche Weise. Was wieso sollte ich lügen. Ist eine der häufigsten Antworten. Darauf sage ich nur. Deine Mimik und deine Emotionen schreien das förmlich heraus."
Auch bei deinem Problem das sich Menschen über mich lustig machen reagiere ich mit Ehrlichkeit.
Inzwischen haben viele Menschen Angst vor mir, weil sie wissen das sie nichts vor mir verheimlichen können, Wenn sie mit mir Kontakt haben. Andere reagieren darauf mit Vertrauen und Freund schaft. Weil endlich jemand mit ihnen ehrlich ist. Und genau das ist es letztendlich was doch zählt.
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Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon Rauhnacht » Mo 11. Apr 2016, 08:59

Gerade als Mann wird Sensibilität als Schwäche dargelegt. Das bekommt man im Alltag sehr häufig zu spüren. Mir hat es geholfen einfach nicht so viel von der sensiblen Seite zu zeigen. Gerade wenn ich einen Ferienjob mache der belastend ist oder ähnlichen Situationen. Wenn ich unter Freunden bin zeige ich meine sensible Seite schon eher, doch auch nicht komplett.
Das hängt sicher mit den Rollenbildern zusammen die man von Kindheit an eingebläut bekommt. Mann ist stark und weint nicht, Frau sensibel und gefühlvoll. Wenn du im Forum liest gibt es einige Threads worin es darum geht. Die meisten Männer haben genau das gelernt. Im Alltag immer Sprüche "jetzt stell dich nicht so an" oder "du Weichei". Und wenn man dann sensibel ist fällt man aus der Norm oder dem Bild das die Menschen vom "Mann" haben.
Mir reicht es, wenn meine Freunde mich so akzeptieren wie ich bin. Fremde müssen erstmal nicht von meiner Sensibilität wissen.
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Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon Claudia-80 » Mo 11. Apr 2016, 12:25

Hallo Ihr lieben :-)

Das kann ich auch mit einen ,,Oh ja,, beantworten.

Meine Familie machte sich darüber lustig, und wenn sie es übertrieben, kam ein Spruch ,,ach sei doch nicht so empfindlich. Ist doch alles nur Spaß!"

Sie Trauten mir auch nichts zu und sagte ich sei zu Schwach und zu dumm dazu.

In der Schule, war das ein bisschen anders. Da ich mehrer Klassen übersprang, mobbten mich die Kinder deswegen, sie schubsten mich, zogen mir an die Haare und klauten mir mein Schulbrot und schmissen es in den Mülleimer. Sie umkreisten mich und sagte wie im Chor ,,du bist nicht schlauer als wir"

Das wurde so schlimm, dass ich mich weigerte in der Schule mitzumachen.. Da weder der Lehrer noch meine Mutter an mich heran kamen und sich kein Reim aus mir machen konnten,wurde ich abgeschoben und alleine gelassen. Meine Mutter hatte so viel zutun, dass einfach keine Zeit blieb. Der Schneller weg war halt der einfachste.

(Meine Mutter sagte zu mir ,,du musst dich mehr wehren und auch mal austeilen" Aber das konnte ich nicht. Für mich war Gewalt keine Lösung und ich fand, das die Gewalt eine Schwache Antwort auf das war, was es in einen Auslöste. )

Das machte vieles in mir Kaputt, und so wurde ich zur Einzelgängerin.. Vertraute keinen mehr und wurde Still und war nur noch ein Schluck Wasser was in der Ecke saß.

Ich war mit all meinen Empfindungen alleine und konnte sie auch keinen Mitteilen. Wenn ich es versuchte, und die Person mir nicht folgen konnte, fragte sie mich aus. Und da ich mich nicht immer Erklären wollte, schwieg ich und das blieb dann auch so.


Durch das Beobachten, habe ich mir einige Verhaltensmuster von meinen Mitmenschen abgeguckt und selbst umgesetzt.
So habe ich mir selbst ein Programm geschrieben, wie ich mich meinen Mitmenschen zeige konnte und wie ich mich ausdrücken kann, ohne das ich mich erklären muss.

Ich schrieb Tagebücher um mir dadurch eine Perspektive zu schaffen, über das was mich belastet zu schreiben.
Mein Tagebuch wurde mir daher sehr wichtig.
Ich hörte Musik um mich zu Sammeln und auch in meine Träume zu versinken.
Ich hatte ein sehr großes Interesse an Kunst und konnte da auch sehr entspannen.

Ich fing dadurch selbst an zu Zeichnen und meine Zeichnungen waren wirklich sehr gut.

Als Kind musste ich in eine Diät Klinik da ich zu Übergewichtig war. Das Haus der Klinik war sehr Groß und schön, dass ich es Zeichnen wollte. Ich teilte mir ein Zimmer mit 3 Mädchen. Sie fanden meine Zeichnung sehr schön und bewundern es in allen Maßen und das machte mich skeptisch. Wie die Mädchen das Zimmer verlassen hatten, hatte ich immer noch dieses sehr komisch Gefühl gespürt. Da habe ich meine Zeichnung vorsichtshalber unter mein Kopfkissen versteckt. Wie ich das Zimmer auch verlassen haben und am Abend wieder hoch kam, lag meine Zeichnung Zerrissen auf mein Bett. Die Mädchen saßen in ihren Betten und mussten sich Ihr lachen verkneifen.

Ich rannte Weinen raus und habe mir geschworen, keine Gefühle für andere Menschen zu vergeuden.
So war es dann auch, mir war alles egal was ich sah, und wie es den Menschen ging.
Aber auf eine Seite, konnte ich es dann doch nicht durchhalten und brach mein Versprechen.

Auch wenn ich eine Schutzmauer um mich herum gebaut habe, fühlte ich alles was ich Wahrgenommen habe.
Ich konnte damit nicht wirklich gut umgehen.

Je mehr ich die Menschen aus meinen Umfeld beobachtet habe, um so besser konnte ich mit diesen Gefühlen lernen umzugehen. Ich lernte von Ihnen und das gab mir sehr viel.

Ich lernte sogar auch von den Tieren, ich guckte mir ihr Verhalten an und ab und verglich es mit den Menschen. Mir waren Reflexe und emotionale Reaktionen sehr wichtig, so konnte ich auch herausfinden, wie sie damit umgehen um mich auf sie einzustellen.
Ich nahm Rücksicht auf die Menschen und gab ihnen meine Loyalität.

Dadurch habe ich streunende Katzen, die auf der Straße lebten, eine sehr gute und Enge Bindung aufbauen können. Meine Mutter schüttelte immer den Kopf, wenn ich von Katzen umzingelt war. Sie sagte ,,hast du Honig am POPO?" sie konnte diese Bindung nicht nachvollziehen.

Aber das alles hat auch zwei Nachteile, ich kann mich nicht Öffnen und habe Angst, dass zu Zeigen was ich wirklich kann und drauf habe.

Meine Erfahrungen und das was ich von meinen Mitmenschen lernte:

Machte mich zu einen anderen Menschen. Ich kann heute ihre Gefühle besser verstehen und auch besser damit umgehen.
Ihre Hintergründe erahnen und ihnen dadurch schneller Helfen, falls ich helfen möchte. Denn ich habe nicht wirklich den Zwang ihnen zu Helfen.
Ich kann Ihren Kummer für mich besser neutralisieren.
Da ich aber auch eine ehrliche haut bin, habe ich mir auch angewöhnt, meine Ehrlichkeit auf sie abzustimmen.
Ich gehe nur so auf einen Menschen ein, wie viel er auch verkraftet. Wenn ich merke, dass die Person mit mir überfordert ist, mache ich ganz langsam.


Ich weiß nicht wie viel Zeit noch vergehen muss, bis die Menschen verstanden haben, dass Sensibilität keine Schwäche sonder eine Stärke ist. Aber ich denke, wir Menschen mit einer so großen Fähigkeit, können Berge in dieser Welt versetzen. Ich bin nicht immer so Positiv verstrickt, aber ich versuche aus den Negativen das Positive rauszufiltern..

Meine Gedanken dazu:

-Auch wenn diese Zeit nicht schön für mich war, und ich mich doch so durch mein Leben Quälte, konnte ich mir einige Erfahrungen aneignen.

-Ich kann fast alle Menschen verstehen, aber sie mich nicht. Womit ich mich teilweise abgefunden habe, da ich mich eh nicht Öffne, es sei denn, ich bin gerade da, wo diese Fähigkeiten gebraucht werden.

-Ich hasse meine Gedanken und die Gefühle die ich spüre. Weil ich nicht weiß, wohin damit.
-Ich würde gerne all meine Gedanken teilen, kann es aber nicht, da ich manchmal nicht weiß, wie ich mich ausdrücken soll.



Sorry für den halben Roman.. sollte eigentlich nicht so lang werden.
Claudia-80
 

Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon yingyang » Mo 11. Apr 2016, 13:09

Hallo Claudia,

vielen Dank für den wunderschönen Beitrag. Du sprichst mir aus der Seele, mir geht es genauso und ich könnte es besser nicht ausdrücken.
Ich kann auch kaum meine Gefühle zeigen (durch ähnliche Erfahrungen wie Du), empfinde aber viel Empathie für andere - das kann ich dann auch mitteilen, wenn es gute Freunde sind. Umgekehrt habe ich aber häufig den Eindruck, dass sie mich nicht verstehen, und ich komme mir dann ziemlich ungeliebt vor. Auch wenn es vielleicht gar nicht der Fall ist und sie einfach nicht anders können, da sie nicht diese Fähigkeiten besitzen. Und ja, mit Katzen geht es mir genauso. Bin schon als "crazy cat lady" bekannt, aber damit kann ich leben. Ich lächele dann nur still in mich hinein, wenn ich merke, dass ich einen Draht zu Tieren habe, sie zu mir kommen, aber nicht zu anderen Menschen.

LG, yingyang
On ne voit bien qu'avec le coeur, l'éssentiel est invisible pour les yeux (A. de Saint-Éxupery)
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Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon Claudia-80 » Mo 11. Apr 2016, 14:40

Hallo yingyang,

Ja deine Beschreibung mit deinen freunden ist mir bekannt. Es kommt doch einen manchmal so vor, als ob wir einen Fremdsprache sprechen würden, und unsere Freunde haben noch nicht mal einen Übersetzer dabei.

Das Gefühl unbeliebt zu sein, hatte ich früher ganz oft. Ich wollte ja nicht, dass die Menschen mich lieben oder mir zu Füßen liegen, ich wollte einfach auch ( mal) dabei sein, mit spielen und Spaß haben.

Heute lerne mich meine Freunde zwar selbstbewusst kennen, aber in mir drin sieht es ganz anders aus.
Wie sagt man so schön ,,Harte Schale, weicher Kern"

Ja es ist schon auffällig, wenn Menschen einen nicht folgen können. Oder wenn man selbst Vorausdenkt, und es sein gegenüber erwähnt, bekommt man mit, dass sein Gegenüber erst mal ein dickes Fragezeichen auf den Kopf trägt.

Der Name ,, "crazy cat lady,, ist echt übertrieben. Das sind wieder mal die Menschen, die nur das sehen, was sie sehen wollen.. Wenn sie genau hingesehen hätten, hätten sie gesagt ,, the is the cat lady"

Deswegen finde ich persönlich den Umgang mit gleichgesinnte so wichtig.. Sie verstehen einen auch ohne große Worte. Und genau unter diesen Umständen sage ich oft mal´s ,,mir kommt es vor, als ob ich in zwei Welten leben" Und das konnte ich auch schon zu oft erklären, da es viele nicht verstanden haben..

Die Menschen mit deinen Augen sehen lassen, ist auch eine Fähigkeit der HS..



LG Claudia
Claudia-80
 

Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon nebelkraehe » Mo 11. Apr 2016, 19:58

Hallo ihr Lieben, ich schalte mich nun als Mitleserin auch mal ein - ich war auch immer die 'Andere', hab nicht dazugehört und wurde entweder sehr misstrauisch behandelt oder ausgegrenzt. Es tut weh, und es verschließt einen auf eine gewisse Art und Weise. Aber wie ihr Gleichgesinnten auch schon angemerkt habt, lernt man aus diesen Zeiten im Leben. Momentan bin ich in einer dieser schwierigen Zeiten - es geht allerdings eher nicht um andere, die meine Sensibilität als Schwäche sehen - sondern darum, dass ich selbst mich als schwach und irgendwie "unwürdig" empfinde. Eigentlich will ich einfach nur alleine sein, weg von allem, auch von mir selbst. Hat irgendjemand hier Erfahrungen mit sowas?

Tut mir leid, und jetzt *offtopic off*

Also zum Thema nochmals: ja, es gibt definitiv viele, die aufgrund gesellschaftlicher Konditionierungen Sensibilität als Schwäche sehen. Aber wir wissen auch, dass wir in einer nicht funktionierenden Gesellschaft leben; deren Meinung man sich nicht beugen sollte.
Ich denke, wir tragen einen ganz wesentlichen Teil zum Geschehen in dieser Welt bei - ich empfinde uns sensis als eine Art Energiekatalysatoren. Wir machen sichtbar, was für andere noch nicht so offensichtlich (wie für uns) war. Wir bringen Ehrlichkeit - und deshalb haben viele Angst vor uns, lehnen uns ab. Doch ich bin zuversichtlich, dass auch deren Fassade bald bröckeln wird, und sie unsere authentische, natürliche "Superkraft" zu schätzen - oder zumindest, zu akzeptieren - lernen.
(nein, ich hebe uns nicht auf ein Podest - jeder hat eine "Superkraft", jeder ist wertvoll. aber auf so ein Thema einzugehen erfordert einen besonderen Blickwinkel.)
nebelkraehe
 

Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon Equilibrium » Mo 11. Apr 2016, 20:27

"Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angesehen"
Ich weiß das es nicht so sein muss. Insofern könnte man diese Überschrift auch als Glaubenssatz sehen, der hinterfragt werden könnte.
Findet euch selbst, seid ihr selbst, folgt euren eigenen Eingebungen und Impulsen, nichts und niemand anderem. Zerstört alle Bilder, die ihr euch von euch selbst, von den anderen und von den Rollen der Geschlechter gemacht habt, und vertraut dem Wildwuchs eurer eigenen Natur.
Safi Nidiaye


-->Ich bin hier nicht mehr aktiv. Du darfst mir jedoch gern eine Email schreiben. Ich bin offen für Austausch über das Nichtalltägliche.
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Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon Claudia-80 » Di 12. Apr 2016, 22:35

Hallo nebelkraehe,

Deine Empfindungen zu deiner Äußerung, kann ich sehr gut nachvollziehen.. Habe viele Erfahrungen gemacht und Sammeln können.. Was ich persönlich Interessant finde ist, wenn Menschen die es als Schwäche ansehen, wie sie darauf reagieren und wie sie damit versuchen umzugehen. Ich kann sagen, dass ich Glück hatte, da ich als Kind ein Weg eingeschlagen bin, was mir heute sehr nützlich ist..

Wenn andere versuchen in dieser Welt gleich zu Leben, tue ich dies nicht. Ich denke über vieles und jenes nach. Ziehe meine Vorteile daraus und überspringen einfach meine Gefühle. Was eine reine Übungssache ist. Alles ist Trainierbar und umsetzbar, man muss nur lernen wie.. Und das konnte ich alleine nur durch das Beobachten herausgefunden.
Claudia-80
 

Re: Sensibilität wird von anderen immer als Schwäche angeseh

Beitragvon OhneMusikGehtsNicht » Mi 13. Apr 2016, 14:45

Rauhnacht hat geschrieben:Gerade als Mann wird Sensibilität als Schwäche dargelegt. Das bekommt man im Alltag sehr häufig zu spüren. Mir hat es geholfen einfach nicht so viel von der sensiblen Seite zu zeigen. Gerade wenn ich einen Ferienjob mache der belastend ist oder ähnlichen Situationen. Wenn ich unter Freunden bin zeige ich meine sensible Seite schon eher, doch auch nicht komplett.
Das hängt sicher mit den Rollenbildern zusammen die man von Kindheit an eingebläut bekommt. Mann ist stark und weint nicht, Frau sensibel und gefühlvoll. Wenn du im Forum liest gibt es einige Threads worin es darum geht. Die meisten Männer haben genau das gelernt. Im Alltag immer Sprüche "jetzt stell dich nicht so an" oder "du Weichei". Und wenn man dann sensibel ist fällt man aus der Norm oder dem Bild das die Menschen vom "Mann" haben.
Mir reicht es, wenn meine Freunde mich so akzeptieren wie ich bin. Fremde müssen erstmal nicht von meiner Sensibilität wissen.


Ich nehme diesem Beitrags als Anlass, besonders auf die Problematik als Mann erneut einzugehen.
@Rauhnacht: Könntest Du die erwähnten Threads auch noch verlinken?

Ich selbst bin bei einigen Dingen schon abgehärtet und entgegne mit Distanz: "Jup, ich bin ein Weichei oder eine Memme. Such Dir was aus." Viele dieser Sprüche wie, "Wasn mit Dir los?" oder "Biste ein Mann oder ne Maus?" sind einfach derart übertrieben und als Hochsensibler merke ich auch schnell wie solche Sprüche dazu verwendet werden, die eigene Unsicherheit zu überspielen. Ich frage mich und auch die Runde oft: "In welchem Jahrhundert leben wir denn?"
Ich bin dabei, die Sensibilität bei anderen so zu platzieren, dass sie merken, dass ich mehr mitbekomme als sie und dadurch vielleicht ein detailliertes Bild meiner Umwelt habe. Natürlich habe ich mit meinen Eindrücken nicht immer Recht, aber wenn ich es habe - und das passiert des Öfteren - sind die "Männer" ganz platt.

Nunja, diese Verhaltensweise zeigt eben immer noch den Zustand unserer Spezies: "Ich stark. Du schwach. Ich Muskeln. Ich hauen Dich platt." Mit vielen Selbstgesprächen versuche ich mich immer wieder auf den STandpunkt zu bringen: Mach es nicht so sie. Versuche in besonderes Charakteren eine Chance und ein Potential zu sehen. Das ist nicht immer leicht, aber - so glaube ich - die nächste Stufe von uns Menschen.

Es bleibt schwierig.
OhneMusikGehtsNicht
 

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