Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Succubus » Mi 21. Aug 2013, 18:02

Ich komme grade aus dem Urlaub in der totalen Einöde zurück und es hat wirklich recht lange gedauert, daß ich nun wieder gut erholt und tiefenentspannt bin.
Allerdings fällt es mir jetzt umso mehr auf, wie laut und hektisch alles um mich herum ist und ich möchte mir meine so hart erkämpfte Grundentspannung so gerne so lange wie möglich erhalten. Nur wie???
Ich habe dummerweise die Angewohnheit alle emotionalen Regungen, allen Streß usw. von anderen Personen in mich aufzunehmen.
Das können einfach die Menschen beim einkaufen sein, die an mir vorbeirennen als auch mir nahestehende Leute.
Leider hab ich selten gut gelaunte und fröhliche Menschen um mich, denn das nehme ich zum Glück ebenso auf und mache es zu meinem Glück.
Ich habe heute, so frisch entspannt und gemütlich drauf trotz Urlaub noch ein berufliches Telefonat führen müssen mit einer Frau, die kurz vor dem Burn Out steht und nur noch superbeschleunigt denkt und redet. Ich war völlig fertig hinterher, obwohl ich schon beim telefonieren versucht habe mich abzugrenzen und all das an mir abprallen zu lassen. Ich habe fast ne Stunde gebraucht um ihren Streß von mir wieder runterzunehmen. Dummerweise hab ich mit genau der Frau die kommenden Tage regelmäßig und intensiven Kontakt.
Während ich das grade schreibe klingelt es an der Tür und ratet mal, wer vor der Tür steht. Genau diese Frau. Die wollte nur schnell was abgeben, aber nur diese Geste stört mich grade ganz immens und ich bin schon wieder platt...
Aber weiter im Text:
Danach war ich heute noch mit meinem Freund in der Stadt, gemütlich shoppen weil man ja noch so viel vom letzten Urlaubstag ohne Kind hat.
Das hat mich nun wider Erwarten völlig umgehauen. Ich hab nur Massen von Gedanken und Emotionen, Lebensgeschichten, Streßfaktoren und was weiß ich nicht noch alles gesehen und die waren alle zumeist nicht gut und angenehm.
Nun bin ich also förmlich zugemüllt mit dem Mist der anderen und bekomme ihn nur schwerlich los von mir.
Zusätzlich hab ich natürlich auch noch meinen ebenfalls durch diesen Stadtbummel völlig überforderten Aspergerfreund auf mir drauf.
Das ist zwar tröstlich, daß ich nicht alleine mit dieser Überforderung dastehe nur hilft es mir nicht.
Ich kann mich doch nicht ständig einschließen, nur um Ruhe davor zu haben oder stundenlang Selbstpflege in der totalen Stille betreiben nur weil ich mal einkaufen gehen will.
Kommende Woche muß ich wieder richtig ranknüppeln. Da ist mein quirliges Kind wieder da, ich muß mich wieder in meiner Arbeit ständig mit Menschen auseinandersetzen und ich habe viele irre stressige Projekte mit ebenso gestressten Mitstreitern zu bearbeiten.
Ich möchte mich so gerne davor schützen, weil ich meine endlich gewonnene Gelassenheit im tun und meine tiefe Entspannung so genieße. Allerdings hab ich große Angst daß das sich ganz schnell verflüchtigen wird und ich wieder an dem nervlichen Abgrund stehe, an dem ich vor meinem Urlaub stand.
Kennt ihr das und habt ihr irgendwelche Tips und Tricks für mich?
Wie kann ich "wegschauen" aus den Köpfen anderer? Wie kann ich deren Streß an mir abprallen lassen und wie kann ich mich schützen vor alledem?
Was funktioniert bei euch ganz gut?

Vielen Dank schon mal im Vorraus!
Ich fühle mich grade wirklich in Not
Succubus
 

Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Frosch » Mi 21. Aug 2013, 21:16

hallo succubus, sehr gute fragen, die du stellst, auf die ich auch so gerne antworten hätte 647&/

hm, ich denke dennoch, daß du dich vielleicht noch nicht genug abgrenzen kannst, nein sagen kannst
bist du perfektionisch und willst alles gut machen und allen gerecht werden?

wenn ich lese, was du alles so machst, das könnte ich z.b. alles nicht
ich hatte mal ein burn-out, depressionen und leide immer noch unter panikattacken bei überforderung
nur ist meine grenze der überforderung viel niedriger als deine

vielleicht nimmst du deine HS auch nicht so richtig an und willst lieber normal und belastbar sein wie die anderen?
es ärgert dich vielleicht, daß du nicht soviel in deinen tag packen kannst wie andere
und halt auch viele energien der anderen wahrnehmen kannst (wie ich auch)
wenn ich in urlaub gewesen wäre, müßte ich zuhause erstmal zeit haben, das ganze zu verarbeiten, was ich dort erlebt habe, auch wenn es
"erholung" wäre, bin ich auch dort vielen fremden reizen ausgesetzt
ich wäre nach dem urlaub nicht im stande shoppen zu gehen oder gleich telefonate oder erledigungen machen zu können

was erstrebenswert wäre, wäre inneren frieden zu fühlen, eine ruhe und gelassenheit trotz des stresses im außen.....in seiner mitte zu bleiben...ich weiß, wie schwer das ist....
gruss von FRoSCH sdj9
Frosch
 

Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon AnnaK » Do 22. Aug 2013, 09:45

...hätt ich auch gern mal ein Rezept für _%_
Ich hab grad mal wieder das Gefühl, dass alle viel zu laut schreien, ohne dass irgendeiner tatsächlich spricht.
Man kann sich wohl in einer Idee irren, man kann sich aber nicht mit dem Herzen irren. Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Seamos realistas y hagamos lo imposible. Che Guevara
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Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon ja » Do 22. Aug 2013, 10:41

Hallo ihrs,

(m)ein ewiges thema.
Für mich selbst kann ich berichten das ich mich rein pragmatisch in abwehrtechniken übe. Der erfolg hängt von meiner persönlichen stabilität ab – grob gilt je fertiger ich bin, desto weniger gelingt es mir mich zu schützen. Doch der erfolg des übens zeigt mir das es immer besser wird.

Die dritte abwehrtechnik hat sich für mich als gut erwiesen,
ich beschreib mal alle

a
der „rote kreis“,
man stellt sich eine rote linie um sich herum vor und an der prallt alles fremde ab. Im inneren befindet sich nur die eigenen belange.

b
die seifenblase
man ist umhüllt von einer seifenblase als schützendes kokon

c
der Ritterschild mit spiegelfolie
ähnlich eines schildes, ist er schützend zur abwehr gegen fremd einflüsse hochzuhalten und die spiegelung schickt die einflüsse dahin wo sie hingehören



Wie man sieht sind alles imaginationen. Eine direkt lösung habe ich noch nicht gefunden.


Geholfen hat mir – als sehr analytischer mensch – auch mich damit auseinander zusetzen, was der „gewinn“ für mich ist und was der preis dafür? Und ist es das wert _grinsevil_


Grüsschens,
ja.
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Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Stimmungsaufhellerin » Do 22. Aug 2013, 11:41

Hallo Succubus,

ich befinde mich in ähnlicher Situation wie du, nach dem Urlaub geht es nun wieder los, vom Stress wird viel gesprochen und er ist deutlich fühlbar. Was tun, um Ruhe zu bewahren und sich abzugrenzen?
Bei einer Kollegin, die mir sehr gern ihr Leid klagt, um dann fröhlich nach Hause zu gehen, hilft nur, ihr aus dem Weg zu gehen. Bei Pausenstörungen werde ich immer mutiger und sage: Es passt jetzt nicht.

Wenn ich im Gespräch merke, dass gerade viel Stress rüberschwappt, gehe ich ein Stückchen zurück und versuche, ruhig und tief zu atmen. Manchmal sage ich mir dabei: Das ist jetzt dein Stress und dein Problem. Das bleibt bei dir.
Das klappt aber nicht immer. Manchmal fühle ich mich auch gefangen in der Situation und werde wütend.
Andererseits bin ich sehr gern mit Menschen zusammen und genieße das bei der Arbeit auch.
Einen "Schlechte-Emotionen-Filter" habe ich dabei noch nicht gefunden.

Schöne Grüße,

Stine
Glücklich ist, wer vergisst,
was doch nicht zu ändern ist.
aus: Die Fledermaus, Johann Strauß
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Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Frosch » Do 22. Aug 2013, 14:21

succubus, du hättest ja auch, als es an der tür geklingelt hat, gar nicht aufmachen brauchen, das ist auch nein-sagen und abgrenzung
dann wäre dieser stress nämlich schon mal weggefallen, traue dich ruhig mal, nein zu sagen, denn sonst kommst du wirklich schnell in eine überforderung, du spürst das ja schon
danke JA für diese tollen tipps, die ich noch nicht kannte...was steht eigentlich in büchern über HS darüber? ich habe nämlich noch keins davon gelesen
was sind dort die abgrenzungs-strategien z.b.?

gruss vom FROSCH _Mij_
Frosch
 

Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Succubus » Do 22. Aug 2013, 14:46

Ach, manchmal tut es auch einfach gut zu lesen daß man nicht alleine dasteht damit. Das hilft schon ungemein.
Ich packe vielleicht wirklich etwas viel in meinen Tag, aber ich bin nunmal ein geborener Tausendsassa der stillesitzen nicht ausstehen kann.
Ich ziehe sehr viel positive Energie aus den Dingen die ich so gerne tue und werde eher energielos und matt wenn ich einfach mal 5e gerade sein lasse und aus dem Fenster schaue.
Nein sagen kann ich übrigens ganz gut. Daß ich zB. die Tür öffnete lag daran daß ich auf ein Paket wartete und überhaupt nicht damit gerechnet habe, daß ausgerechnet diese Person davor steht. Ich habe sie dann auch gebeten zu gehen statt einen Kaffee mit mir zu trinken. Was das angeht hab ich schon viel gelernt in den letzten Jahren. Ich grenze mich oft und viel ab, nur manchmal geht es halt nicht. Trotzdem übe ich das natürlich weiter...
Ich bin supergerne unter Menschen und bin total gesellig und daher möchte ich das alles gar nicht aufgeben, da es mir auch sehr viel bringt. Wenn es um Freunde geht, bin ich auch sehr dankbar diese Stimmungen wahrnehmen zu können. Aber dann kann ich auch etwas dagegen tun indem ich es anspreche oder einfach ignoriere, dann verpufft es meist. Das ist bei Wildfremden irgendwie anders. Die laden einfach alles auf mir ab und ich kann nichts zurückgeben. Ich möchte mir nur ein kleines Schutzschild vor den doofen Dingen da draußen aneignen. Ich möchte manchmal zB. gerne shoppen gehen, manchmal muß man auch mal was erledigen oder das Kind aus dem Kindergarten abholen und da kann ich nicht einfach zuhause hocken bleiben, weil mich das überfordert. Damit würde ich mir auch selber eher schaden denke ich.
Ich will nur daß diese verdammten Gedanken der anderen mich in Ruhe lassen oder daß ich lerne sie zu ignorieren, sie in mich hinein und wieder rauszulassen oder zurückzuschicken.
Bei einigen Dingen wie zB. meinem Tinnitus hab ich auch gelernt mich davon nicht auf die Palme bringen zu lassen sondern einfach wegzuhören und ihn nicht als etwas negatives zu deuten. Irgendwie suche ich das passende Handwerkszeugs in diese Richtung.
Das mit den Imaginationen und dem Hinterfragen mache ich manchmal schon ganz unbewußt. Das ist glaub ich ganz gut.
Vielleicht sollte ich mir das in Gedanken einfach noch ein bißchen schöner ausmalen damit es präsenter wird...
Ob man das trainieren kann?
Ich bin gespannt was ihr alle noch so versucht dagegen.
Danke auf jeden Fall schon mal fürs Lesen.
Succubus
 

Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Jen » Do 5. Sep 2013, 15:01

Generell kannst du auch schon ganz praktisch etwas machen, um deinen privaten Rückzugsraum zu haben, nämlich z.B. nicht ans Telefon gehen. Für die Tür gibt es auch Sprechanlagen, wo eine Kamera dran ist, so kannst du schauen, ohne dass die andere Person es weiß.
Ansonsten, ich habe irgendwie in meinem Kopf einen Modus, wo ich auf Durchzug schalte bei bestimmten Leuten und bestimmten Themen. So wie ich nicht jedesmal in Tränen ausbreche, wenn in der Tagesschau eine Katastrophenmeldung kommt. Ohne diesen Emotionalen Puffer, der mich natürlich auch teilnahmslos macht, würde ich auf so einiges niemals klarkommen.
Jen
 

Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Grognak_theBarbarian » Do 5. Sep 2013, 15:42

Einer meiner Puffer beruht auf dem Nutzen-Faktor:

"Was bringt es, wenn ich jetzt mit den Leuten im Fernsehen mitleide/
geistige Mülltonne für andere spiele (also einseitiges bloßes Zuhören)/
mir für jemanden den Arsch aufreiße?" (usw.)

Damit kann ich mich ohne schlechtes Gewissen ein großer Teil der energiefressenden Dinge entledigen.
~ Grog

"Normally I would aks you things like do you blow bubbles, and what's your favorite color, but I've learned since then that it's rude, so hi, how are you?"
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Re: Sich schützen vor den Gedanken und dem Streß anderer

Beitragvon Nimchen » Do 5. Sep 2013, 17:56

Ich hör gerne Menschen zu wenn sie wirklich etwas zu erzählen haben.
Hab Jahre lang diese sich immer im Kreis drehenden Gespräche geführt wo immer wieder die selben Themen durchgekaut wurden, man versucht hat gemeinsam das ganze aufzudröseln und trotzdem nach Jahren alles unverändert war. Es hat mir persönlich zwar keine Sorgen(so das ich da wer weiß wie lange drüber nachgedacht oder aus Mitleid möglicherweise mitgelitten hätte) gemacht, aber es war trotzdem immer ermüdend. Mit dem Resultat das ich kaum noch soziale Kontakte habe, klar halte ich mal hier nen Schwätzchen oder grüße mal da, aber näheren Kontakt pflege ich nur noch zu einem ausgesuchten Personenkreis.
Und wenn es zu Gesprächen kommt fange ich an zu differenzieren:

Ist es mein Problem? Also betrifft es mich in irgendeiner Form oder könnte es zu meinem Problem werden?
Ist es ein Problem was mein Gegenüber direkt betrifft ? Oder möchte diese Person einfach nur die Probleme anderer breit treten?

Wenn ich mir diese Fragen gestellt habe liegt es an mir und an meiner Tagesform bzw. kommt es auf die Brisanz des Themas an. Ich halte nicht viel von dieser "hinterm Rücken" Rederei, mich geht das Leben anderer nichts an ausser sie möchten mich persönlich miteinbeziehen. Mir ist es egal wer mit wem eine Affäre hat oder was auch immer. Wenn es dann um wirkliche Probleme geht bin ich gerne bereit mit nach Lösungen zu suchen. Wichtig ist immer sich ganz klar abzugrenzen und unparteiisch zu antworten, das kann eine Menge Probleme und Ärger vermeiden, denn wie oft hatte man hinterher Stress an der Backe obwohl man es nur gut gemeint hat.
Nimchen
 

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