Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegenteil?

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegenteil?

Beitragvon Weltfremder » Sa 10. Aug 2019, 03:05

Hallo nochmal,

ich meine, ich hätte das hier schon mal irgendwo kurz erwähnt, dass ich wohl ein totaler Einzelgänger bin. Es hat sich im Laufe meines Lebens so ergeben, dass ich mich nach und nach von Menschen komplett abgewandt habe bzw. dass andere irgendwann nicht mehr da waren- verstorben oder zerstritten, je nachdem. Irgendwie scheint das mein Schicksal zu sein- ich glaube ohnehin, dass vieles im Leben schlichtweg vorbestimmt ist, man selbst kann nur an bestimmten Stellschrauben drehen, sozusagen. Und mein Schicksal ist es anscheinend, irgendwann völlig alleine dazustehen. Ich kann von selbst überhaupt nicht auf Menschen zu gehen, keine Kontakte herstellen oder gar über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Wahrscheinlich habe ich es auch nie richtig gelernt. Ich denke, wenn man immer zurückgezogener lebt, wird man auf Dauer sowieso sonderbar, auch als ziemlich normaler Mensch. Ich bin so eine Art Robinson Crusoe. Würde ich ein Buch schreiben über mein Leben oder so, dann könnte der Titel lauten: "Allein unter Menschen". Wobei es eben auch so ist, dass ich mit den allermeisten Menschen gar nichts zu tun haben möchte, von den meisten würde ich am liebsten nichts hören und nichts sehen. Das ist eigentlich traurig, aber so wie die Menschen sind, muss ich mich von Ihnen fernhalten. Weder passe ich zu ihnen noch sie zu mir. Ich habe ohnehin kaum Anknüpfungspunkte, ich beschäftige mich mit ganz anderen Dingen als die Menschen es üblicherweise tun.

Ich muss sogar sagen, Menschen finde ich auf eine seltsame Art und Weise sogar unheimlich. Es laufen zwischen den Menschen Sachen ab, die ich nicht wahrnehme oder nicht verstehe. Das macht mir Unbehagen. Am schlimmsten finde ich Gruppen, und leider sind die Menschen sehr oft in Gruppen anzutreffen, das sieht man doch schon in der Schule. Dort ist man entweder in einer Clique oder ein Außenseiter und als solcher grundsätzlich ein potentielles Angriffsziel. Es ist wissenschaftlich verwiesen, dass sich Menschen in Gruppen krasser verhalten als alleine.Aber ich zog es immer vor, ein Außenstehender zu sein, denn ich würde sowieso in keine Gruppe passen. Ich bin ein Fremdkörper in der Welt.

Nun ist es aber so, dass ich die absolute, komplette Einsamkeit aber genau so wenig aushalte, das beschrieb ich bereits in einem anderen Thread "Kann nicht mit Menschen, aber auch nicht ohne", auf den es leider bisher kaum Resonanz gab.

Aber vielleicht sollte ich mich an die Einsamkeit gewöhnen? Es wird mir langfristig nichts anderes übrig bleiben, denn wenn meine Eltern nicht mehr leben, stehe ich völlig alleine da, und ich glaube kaum, dass ich in diesem Leben noch so etwas wie enge Freunde finden könnte. Es ist wohl, wie gesagt, mein Schicksal. Andere sind erst in hohem Alter allein, ich bin es schon im jungen Erwachsenenalter.

Es ist beides nicht leicht- völlig allein zu sein, genau so, wie sich als Teil der Gesellschaft abzuquälen, obwohl man es unter Menschen nicht aushält.

Worauf ich hinauswollte: Ich dachte, womöglich wären Hochsensible auch eher die Einzelgänger, denn ich kann es mir schwer vorstellen, dass ein HSP jemand mit vielen Freunden ist. Wenn ich da z.B. an die Schule denke, wo man, wie erwähnt, einer dieser mir sehr suspekten Cliquen angehören muss, um dann andere mitzumobben (und büßt seine Individuität ein), oder man bleibt außen vor, und wird dann oft von den anderen gemobbt. Das sind m.E. keine Systeme, in die HSPs gut hereinpassen. Es sei denn, man stößt auf ein sehr positives Umfeld oder sammelte sich eine Zahl von handverlesenen Freunden an. Ich würde an einen Freund sehr hohe moralische Ansprüche stellen, die nur die wenigsten Menschen erfüllen.

Aber was sind HSPs denn dann für Menschen? Ist das unterschiedlich von Person zu Person oder gibt es da klare Tendenzen? Sind HSPs sogar die Gruppenmenschen?

Noch was anderes: Kann man eigentlich HSP und schizoid sein? Auf mich treffen nämlich auch Merkmale der schizoiden PS zu, die sich ebenfalls mit Asperger unterscheidet. Auch dachte ich früher, Asperger wären die typischen Einzelgänger, doch auch das scheint so pauschal nicht immer zu stimmen.

Kann denn hier jemand meinen von sozialem Rückzug, zunehmender Vereinsamung und tiefster Enttäuschung über die Mitmenschen gezeichneten Lebensweg ansatzweise nachvollziehen oder hat selbst einen ähnlichen Lebensweg gehabt? Ich weiß nicht, wie es mit mir noch weitergehen soll, ich sehe für mich schwarz, ich kann mir nicht vormachen, dass es auch wieder besser werden würde, das wäre völlig unrealistisch. Diese Illusion, eines Tages würde es für mich schon besser werden war es ja, mit der ich mich durch meine Schulzeit geschleppt habe, solange es mir noch möglich war, das war mein unterbewusster Antrieb. Inzwischen bin ich aber wie ein leerer Luftballon. Rückblickend wundert es mich, dass ich das alles noch so lange aushalten konnte. So groß kann die Macht der Gedanken sein . Sie treiben einen an, bis sie sich als Bluff, als Selbstbetrug herausstellen. Zudem hatte ich früher noch Leute, die mir Kraft und Antrieb gaben, das alles habe ich nicht mehr, denn meine Eltern z.B. sind mir keine Hilfe, sondern haben mit ihren eigenen Problemen zu tun.
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon Hortensie » Sa 10. Aug 2019, 09:12

Hallo Weltfremder,

vielleicht findest du in diesen Themen/Links auch Antworten für dich:

11590502nx46300/hochsensibilitaet-allgemein-f8/hsp-und-freundschaften-t682.html

11590502nx46300/hochsensibilitaet-allgemein-f8/hsp--ler-und-ihre-beziehung-zu-ihren-schattenseiten-t10398.html

11590502nx46300/hochsensibilitaet-allgemein-f8/introvertiert-t8063.html

Das ist nur eine kleine Auswahl. Wenn du als Schlagwort "Einzelgänger" in die Suche eingibst, erscheinen noch andere Threads, in denen das schon einmal Thema war. Diese Stränge dürfen gerne fortgeführt werden.

LG, Hortensie
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon DesdiNova87 » Sa 10. Aug 2019, 11:06

Hi Weltfremder,

Weltfremder hat geschrieben:Aber was sind HSPs denn dann für Menschen? Ist das unterschiedlich von Person zu Person oder gibt es da klare Tendenzen? Sind HSPs sogar die Gruppenmenschen


Denke das ist auch bei HSPs unterschiedlich von Person zu Person.

Weltfremder hat geschrieben:
Kann denn hier jemand meinen von sozialem Rückzug, zunehmender Vereinsamung und tiefster Enttäuschung über die Mitmenschen gezeichneten Lebensweg ansatzweise nachvollziehen oder hat selbst einen ähnlichen Lebensweg gehabt? Ich weiß nicht, wie es mit mir noch weitergehen soll, ich sehe für mich schwarz, ich kann mir nicht vormachen, dass es auch wieder besser werden würde, das wäre völlig unrealistisch.


Für mich haben deine Posts etwas von einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Aus meiner Sicht lebst du in einem selbst gezimmerten Gefängnis, mit Denkverboten und vorgegebenen Sichtweisen. Nur du selbst hast den Schlüssel dazu, dich aus diesem Gefängnis zu befreien.. Ein Therapeut kann sicher dabei helfen, habe aber den Eindruck, das dein Leidensdruck noch nicht groß genug ist um einen Therapeuten aufzusuchen und das ganze Konzept der Hilfe durch andere Menschen noch ablehnst.

Ich glaube dir gerne, dass du schlechte Erafahrungen gemacht hast, du schreibst z.B. immer wieder von Mobbingerfahrungen. Das ist nicht schön und viele Menschen haben in der Schulzeit ähnliches durchgemacht. Der Unterschied zu dir ist, dass viele Menschen diese negativen Eindrücke überwunden und hinter sich gelassen haben, während du dich darauf zu fixieren scheinst und dich generell auf negative Dinge fokussierst, statt auf positive. Damit trainierst du dein Gehirn darauf pessimistisch zu denken und bewegst dich immer weiter in diese Richtung.

Meiner Erfahrung nach gibt es eben auch Menschen, die sich gerne in ihrem Leid wälzen, und anderen ihr Klagelied vortragen, statt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich weiß nicht ob du so einer bist, das wäre auch vermessen von mir, nach einigen wenigen Internetposts so eine Einschätzung vorzunehmen, der Eindruck drängt sich aber schon auf.

Daher frage ich mich, was genau du für eine Hilfe von uns erwartest, wenn du deinen Weg bereits als vorgezeichnet und unveränderbar prognostizierst.

Ich hingegen bin davon überzeugt, dass jeder Mensch sein Schicksal selbst beeinflussen kann und das es sowas wie Karma gibt, in dem Sinne, das derjenige der mutig in die Welt hinausgeht, auch stets dafür belohnt wird. Willst du all diese tollen Erfahrungen einfach an dir vorbeiziehen lassen? Fremde Länder bereisen, eine aufregende Frau kennenlernen, zusammen mit Arbeitskollegen etwas erschaffen?

Das Leben wird dich reich belohnen, wenn du deine Scheu überwindest und deine negativen Erfahrungen einfach mal beiseite schiebst und vorurteilsfrei auf neue Menschen zu gehst. Es erfordert viel Mut, aber es lohnt sich. Es gibt bestimmt auch bei dir in der Nähe Clubs und Vereine, die sich mit Dingen beschäftigen, die dich auch interessieren. Es gibt für jedes Spezialinteresse Communities. Nur weil du dir bisher nicht die Mühe gemacht hast diese Menschen zu finden, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt und alle Menschen gleich sind, wie du uns immer wieder glauben machen willst.

Ich bin damals z.B. zum Englisch-Stammtisch in meiner Studentenstadt, ganz alleine und ohne geringste Ahnung was mich erwartet. Dort habe ich interessante Menschen aus unterschiedlichen Kulturen kennen gelernt und mich auf Englisch mit ihnen ausgetauscht, was mir persönlich eine große Freude macht. Ich bin mehrere Male dort hingegangen und habe es nie bereut, sondern jedesmal neue Menschen und ihre Geschichten kennen lernen dürfen.

Es wird für dich auch etwas geben, was dir Freude im Umgang mit anderen Menschen bereiten kann. Das findest du letztendlich nur durch ausprobieren und das Sammeln von Erfahrungen heraus. Dafür musst du Mut aufbringen, deine Abwehrhaltung überwinden und in die richtige Welt hinausgehen, dass kann keiner für dich übernehmen.

Viel Erfolg,
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon >>•PanTaLaiiMooN•<< » Sa 10. Aug 2019, 11:58

Also ich bin definitiv ein Einzelgänger!!!
Ich hab soo viele Enttäuschungen durch...so viel Leid und so viel Schmerz...
Ich hab Internet Kontakte und halt meine Betreuer meinen SubstitutionsArzt aber sonst keine Kontakte!!!
Ich hab gelernt das man alleine zwar einsam ist aber man wird nicht verletzt!!!
Da ich Asexuell bin is das eh kein Thema bei mir und ich bin auch
•Beziehungsanarchist• und wir lieben eh auf ne ganz andere Weise...
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon Weltfremder » Mo 12. Aug 2019, 01:51

DesdiNova87 hat geschrieben:Ich glaube dir gerne, dass du schlechte Erfahrungen gemacht hast, du schreibst z.B. immer wieder von Mobbingerfahrungen. Das ist nicht schön und viele Menschen haben in der Schulzeit ähnliches durchgemacht. Der Unterschied zu dir ist, dass viele Menschen diese negativen Eindrücke überwunden und hinter sich gelassen haben, während du dich darauf zu fixieren scheinst und dich generell auf negative Dinge fokussierst, statt auf positive. Damit trainierst du dein Gehirn darauf pessimistisch zu denken und bewegst dich immer weiter in diese Richtung.


Das weiß ich nicht, wie die das machen. Mir haben diese Erfahrungen schon früh das wahre Gesicht der Menschen gezeigt und, dass man ihnen nicht vertrauen kann. Ich will eigentlich ja seitdem schon nichts mehr mit Menschen zu tun haben, nur später hat sich mir immer mehr gezeigt, und zeigt sich immer noch, dass ich absolut nicht zu dieser Gesellschaft passe. Ich bin nicht wie die Menschen, ich habe mit ihnen nichts gemeinsam, auch ganz abgesehen von Mobbing und solchen Sachen. Das sehe ich besonders stark im Hinblick auf die jüngere Generation , also die, die etwa in meinem Alter sind oder auch schon deutlich älter. Nirgends fühle ich mich fremder als unter diesen Menschen. Mit Leuten aus der Generation meiner Großmutter bin ich dagegen gut zurechtgekommen. Vielleicht, weil aus der fast nur noch Frauen lebten(?). Ich hatte seit Jahren eigentlich nur noch sie gehabt, sie war wie eine gute Freundin für mich. Seit sie tot ist, geht es mir nur noch schlechter. Meine restliche Verwandtschaft kann man mehr oder weniger vergessen. Es ist traurig, wenn man niemanden hat. Aber ich ertrage Menschen auch einfach nicht. Man kann sich über die Menschheit nur aufregen. Ich brauche nur vor die Tür zu gehen, schon begegnet mir bestimmt jemand, über den ich mich wieder aufregen könnte. Aber man braucht sogar noch nicht mal vor die Tür zu gehen, um sich über Menschen aufzuregen. Dafür reichen Bücher, Radio, Fernsehen und erst recht heute das Internet völlig aus. _%_

DesdiNova87 hat geschrieben: Meiner Erfahrung nach gibt es eben auch Menschen, die sich gerne in ihrem Leid wälzen, und anderen ihr Klagelied vortragen, statt ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Ich weiß nicht ob du so einer bist, das wäre auch vermessen von mir, nach einigen wenigen Internetposts so eine Einschätzung vorzunehmen, der Eindruck drängt sich aber schon auf.Daher frage ich mich, was genau du für eine Hilfe von uns erwartest, wenn du deinen Weg bereits als vorgezeichnet und unveränderbar prognostizierst.
Ich hingegen bin davon überzeugt, dass jeder Mensch sein Schicksal selbst beeinflussen kann und das es sowas wie Karma gibt, in dem Sinne, das derjenige der mutig in die Welt hinausgeht, auch stets dafür belohnt wird. Willst du all diese tollen Erfahrungen einfach an dir vorbeiziehen lassen? Fremde Länder bereisen, eine aufregende Frau kennenlernen, zusammen mit Arbeitskollegen etwas erschaffen?


Ja, das kann schon sein, ich jammere gerne und oft, aber ich kann gar nicht anders. ich empfinde das Dasein auf dieser Welt als eine Art Strafe.
Man kommt hier als rechtschaffener Mensch nicht weit. Ich will lieber überhaupt keine Erfahrungen mehr machen, als noch mehr schlechte. Ich habe die Menschen satt. Ich will auch keine Frau, ich wüsste auch gar nicht, wie ich eine kennenlernen sollte, ich werde wohl für immer allein bleiben. Aber heutzutage lassen sich doch sowieso alle scheiden, wenn es denn überhaupt noch bis zur Hochzeit gehalten hat. Auf so einen Mist kann ich verzichten.

Und ich würde auch gerne auf Arbeitskollegen verzichten, nur scheinen heute alle Jobs zu 100% aus Teamarbeit zu bestehen. Als Einzelgänger wird man überall aussortiert. Soll ich mich eigentlich bei der Gesellschaft auch noch bedanken, dass sie mich
aufs Abstellgleis setzen will?! iwikx

Wenn ich daran denke, dass mich wohl gut 50 Jahre Arbeitshorror erwarten, sofern ich nicht schon vorher völlig erwerbsunfähig geworden bin und schon vor der zukünftigen Regelaltersrente von 70 aufs Sozialamt muss, dann könnte mir echt schlecht werden. In der Schule wird man zwar auch schon gemobbt, aber auf dem Arbeitsmarkt wird man zusätzlich auch noch ausgebeutet. Die meisten Berufe kann man gar nicht jahrzehntelang machen, vorher versagt der Körper. Aber diese Berufe werden immer wichtiger werden, da andere infolge der Digitalisierung wegfallen. Doch mein persönliches Problem Nr. 1 wird sein, dass ich mich auch unter den Kollegen fühlen werde wie ein Alien, ich will gar nicht dran denken, was ich von denen auf unterschiedlichen Arbeitsstellen innerhalb von Jahrzehnten alles angetan bekommen könnte.(

... (Fortsetzung)...
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon Weltfremder » Mo 12. Aug 2019, 01:55

DesdiNova87 hat geschrieben:Das Leben wird dich reich belohnen,wenn du deine Scheu überwindest und deine negativen Erfahrungen einfach mal beiseite schiebst und vorurteilsfrei auf neue Menschen zu gehst.[...]Nur weil du dir bisher nicht die Mühe gemacht hast diese Menschen zu finden, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt und alle Menschen gleich sind, wie du uns immer wieder glauben machen willst.


Ich hätte früher auch gedacht,dass nicht jeder so gleich ist und Vorurteile nicht unbedingt stimmen, aber ich wurde eines besseren belehrt. Die Menschen sind doch reine Stereotype. Von der jungen Generation sind alle sowas von gleich, ich weiß gar nicht, was bei denen überhaupt der Unterschied sein soll. Habe ja schon in der Schule gesehen, dass die alle wie austauschbar sind. Die hatten doch alle im Grunde die selben Interessen, Hobbys und Einstellungen. Das ödete mich an und frustrierte mich. Es war auch so, wenn z.B. neue Mädchen in die Klasse kamen, die waren dort gleich so, als hätten sie schon immer dazugehört, weil es einfach keine nennenswerten Unterschiede gab. Die haben vom ersten Tag an zusammengeklebt mit der restlichen Mädchenclique, ja, sie waren einfach alle gleich.Verstehst du, was ich meine?

Bei den Jungs war es auch nicht völlig anders, nur sind die eher etwas distanzierter. Ich dagegen blieb in allen Klassen bisher ein Fremdkörper, ich kam mir fast vor wie ein Gast. Mein Glück, dass die Hauptziele teils andere Personen waren, die sich auffälliger verhielten als ich. Da ich mich oft verhalten habe, als sei ich gar nicht da, wurde ich von den meisten Leuten wenigstens geduldet. Viel mehr aber auch nicht. Bei den meisten Mitschülern war ich eh froh, dass ich sie nur vormittags sehen musste.

Ich will ja generell mit kaum jemandem zu tun haben. Als Christ lehne ich im Prinzip diese Gesellschaft ab, wie mir auch immer klarer wurde. Ich möchte eigentlich nur noch mit Leuten zu tun haben, die meine Werte und meine Moral teilen.

Das, also v.a. die Religion; und Politik sind auch meine beiden wichtigsten Gesprächsthemen. Ich rede aber meistens mit niemandem, das würde nur zu Streit und Problemen führen, denn viele Menschen sind eh auf Smalltalk fokussiert. Ich habe auch keine Lust mehr,mit meinen kontroversen und kritischen Ansichten immer auf negative Reaktionen zu stoßen. Die Menschen sind dafür zu Mainstream und zeitgeistfixiert.


Nur weiß ich nicht, wie ich irgendwann völlig allein zurechtkommen soll, ich kann mir das gar nicht vorstellen. Ich werde regelrecht auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Ich muss dazu sagen, bei mir überwiegt ganz klar der Autismus, HS ist nur eine zusätzliche Komponente bei mir. Ich bin auch offenbar nicht nur leicht, sondern eher mittelschwer betroffen, nur habe ich das früher immer nur ein bisschen mitbekommen, da ich ja kaum mehr mit anderen zu tun hatte. In der Kindheit und in der eigenen Familie ist das noch nicht so stark aufgefallen. Es war in dieser Hinsicht vielleicht auch für diese Zeit gut, dass ich mit anderen Kindern kaum noch etwas zu tun hatte, wäre ich beliebt gewesen, einer mit mehreren Freunden, ich hätte mich spätestens im Verlauf der Pubertät von ihnen lossagen müssen, weil ich deren Verhalten nicht mehr hätte mittragen können.

Ich wüsste auch gar nicht, wie ich auf andere zugehen sollte, schließlich habe ich das nie gelernt. Ich bin mit Sozialkontakten im Grundschulalter oder sogar Kindergartenalter stehen geblieben, schon damals war es schwierig, was ja dann auch zur Isolation führte. Dadurch hat man natürlich auch diverse Entwicklungen verpasst und manches womöglich verlernt. Die meisten Menschen haben mich sowieso immer abgelehnt.Und was sollte ich denn eigentlich Leuten erzählen, wenn ich sie näher kennenlerne? Sowas, wie das man gar keine Freunde hat und schon als kleines Kind gemobbt wurde, traut man sich ja kaum zu erzählen. Das macht ja gleich einen ganz sonderbaren Eindruck, schlimmstenfalls wird man ausgelacht und sogar von den Leuten angegriffen, die man kennenlernen wollte. Ich habe mir schon vor Jahren gedacht, dass ich in so einem Fall in Erklärungsnöte komme. Hätte ich mich z.B. auf der weiterführenden Schule mit jemandem getroffen in Klasse 5, dann wäre doch sicher die Frage nach anderen Freunden, aus der Grundschule usw., aufgekommen. Was hätte ich da sagen sollen, ohne gleich mein Gesicht zu verlieren?

In dem Ort, wo ich wohne, kennt man sich, gerade die Kinder, und es muss wohl zumindest in den Jahrgängen ein paar Jahre vor und nach mir bekannt sein, was ich so für einer bin, in der Grundschule haben ja auch andere mitbekommen, dass ich gemobbt wurde, oder sogar teilweise mitgemacht, und auch welche, die fünf Jahre jünger sind wissen das vermutlich vom Hörensagen, haben ja auch z.T. ältere Geschwister, die mich kannten.Insofern bin ich meiner Einschätzung nach in meinem Ort unter allen Gleichaltrigen unten durch, ich muss wohl fast so etwas wie der "Dorfdepp" sein. Immerhin werde ich nicht verfolgt und gejagt, sondern "nur" ignoriert. Selbst wenn ich trotz allem mit jemandem in Kontakt käme, nehme ich an, dass mir das schnell durch ich nenne es mal Rufmord light,kaputt gemacht würde.

Außerdem ist es immer so, dass Leute, die ich sympathisch finde, mit Leuten zu tun haben, die sich asozial verhalten und die einfach nur grässlich sind. Ich weiß nicht, was an solchen Leuten so toll sein soll. Entweder ist jemand selbst so, oder seine Freunde sind so. Und ich möchte mich von solchen Leuten komplett distanzieren und abgrenzen. Das geht nicht, wenn ich Leute kenne, die mit so welchen genauso befreundet wären wie mit mir. Ach, ich wünschte mir, die ganze Menschheit würde aus lauter Einzelgängern bestehen, das wäre eine Welt auf der ich mich wohlfühlen würde.

Wenn überhaupt hätte ich gerne ein paar enge Freundschaften anstatt einem Haufen oberflächlicher Bekanntschaften, darauf kann ich verzichten. Ersteres ist jedoch ohnehin jahrelange Arbeit, der ich nicht gewachsen bin.
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon kunvivanto » Mo 12. Aug 2019, 15:56

Zur Titelfrage:
Etwa 1/3 sind eh extrovertiert (wie z.B. meine Tochter, und ich außerhalb meiner Phase einer sozialen Phobie).
Etwa 2/3 sind introvertiert, was aber nicht heißt, dass sie Einzelgänger sein müssen. Ihnen fällt es nur schwerer, geeignete Kontakte zu finden.

DesdiNova87's Meinung schließe ich mich komplett an.
Ich gehe nur noch auf ein Paar Details ein:

Weltfremder hat geschrieben:Ich kann von selbst überhaupt nicht auf Menschen zu gehen, keine Kontakte herstellen oder gar über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten. Wahrscheinlich habe ich es auch nie richtig gelernt.

Das ist plausibel. Normalerweise lernt man das in der eigenen Kindheitsumgebung. Und selbst wenn man es gelernt hat, kann man es durch mangelnde Gelegenheit verlernen (wie es mir geschehen ist).
Aber man kann es auch wieder lernen. Das hab ich auch geschafft. Allerdings geht das nicht in einer Umgebung, in der man bereits abgestempelt ist. Ich habe mich erst psychisch aufgebaut, und dann einen Abteilungswechsel und einen Wohnortswechsel genutzt, um mich dort völlig anders zu verhalten als vorher. Beim Abteilungswechsel ging es nur zum anderen Ende des Großraumbüros, die alten Kollegen haben mich noch gesehen - und gestaunt.
Weltfremder hat geschrieben:Ich denke, wenn man immer zurückgezogener lebt, wird man auf Dauer sowieso sonderbar, auch als ziemlich normaler Mensch.

Richtig. Man verlernt es.
Weltfremder hat geschrieben:so wie die Menschen sind, muss ich mich von Ihnen fernhalten.

Du meinst: So wie Du sie wahrnimmst.
Weltfremder hat geschrieben:ich beschäftige mich mit ganz anderen Dingen als die Menschen es üblicherweise tun.

*seufz* Das Problem habe ich auch. Aber ich bemühe mich.
Weltfremder hat geschrieben:Ich muss sogar sagen, Menschen finde ich auf eine seltsame Art und Weise sogar unheimlich. Es laufen zwischen den Menschen Sachen ab, die ich nicht wahrnehme oder nicht verstehe.

Und das als HSP????????
Weltfremder hat geschrieben:ich kann es mir schwer vorstellen, dass ein HSP jemand mit vielen Freunden ist.

In der Regel nicht viele, weil das überfordert, die aber qualifiziert.
Eine Erweiterung dessen ist, mit möglichst den meisten Menschen wenigstens freundlich umgehen. Lächeln, wenn man jemand anschaut, ist schon ein erster Schritt. Und eine aufrechte Kopfhaltung hilft dabei.
Weltfremder hat geschrieben:Ich würde an einen Freund sehr hohe moralische Ansprüche stellen, die nur die wenigsten Menschen erfüllen.

Darf er keine Schwächen haben, keine Fehler machen?
Weltfremder hat geschrieben:Aber was sind HSPs denn dann für Menschen? Ist das unterschiedlich von Person zu Person

Eindeutig ja. Es gibt alle möglichen Charaktere unter ihnen. Das Einzige, was sie als Gruppe von anderen Menschen unterscheidet, ist die intensivere Wahrnehmung.
Weltfremder hat geschrieben:Noch was anderes: Kann man eigentlich HSP und schizoid sein?

Ja natürlich. (Siehe vorige Bemerkung.)
Und gerade, wenn man sich zum Einzelgänger entwickelt, besteht diese Gefahr.
Weltfremder hat geschrieben:Kann denn hier jemand meinen von sozialem Rückzug, zunehmender Vereinsamung und tiefster Enttäuschung über die Mitmenschen gezeichneten Lebensweg ansatzweise nachvollziehen oder hat selbst einen ähnlichen Lebensweg gehabt?

Nachvollziehen ja. Ähnlich nur hinsichtlich sozialer Rückzug, aber ohne Vereinsamung und Enttäuschung. Ich habe in dieser Phase nichts vermisst, mir genügten die Alltagskontakte.
Weltfremder hat geschrieben:Ich weiß nicht, wie es mit mir noch weitergehen soll,

Was DesdiNova87 über Therapeuten geschrieben hat, kann ich nur unterstützen.
Wenn Du davor Hemmungen hast, empfehle ich das Buch
Da gehen doch nur Bekloppte hin. – Aus dem Alltag einer Psychotherapeutin.
Autor: Andrea Jolander

Die Autorin beleuchtet die Psychotherapie aus verschiedenen Blickwinkeln. Zwar sehr informativ und lehrreich, aber in einem derart witzigen Stil, dass es einem heiteren Roman gleichkommt.
Weltfremder hat geschrieben:Mir haben diese Erfahrungen schon früh das wahre Gesicht der Menschen gezeigt und, dass man ihnen nicht vertrauen kann.

Kennst Du die Geschichte von den Leuten aus Belar, die von zwei unterschiedlichen Menschen völlig unterschiedlich wahrgenommen wurden?
Die Leute
Es gibt ein Sprichtwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus". Die meisten Menschen reagieren vorwiegend auf das, was man selbst vorgibt.
Weltfremder hat geschrieben:Ich brauche nur vor die Tür zu gehen, schon begegnet mir bestimmt jemand, über den ich mich wieder aufregen könnte.

Du sagst es: Du regst Dich auf.
Weltfremder hat geschrieben: heutzutage lassen sich doch sowieso alle scheiden,

Die Quote in D ist meines Wissens langfristig 1/3.
Ich selbst bin diesen Monat 38 Jahre verheiratet, obwohl meine Frau Borderlinerin ist. Wenn man von der Materie keine Ahnung hat, wie ich die ersten 30 Jahre, ist es auf Dauer die Hölle. Aber man kann sich informieren, oder sogar Hilfe suchen. Gibt für alles und jedes Selbsthilfegruppen.
Weltfremder hat geschrieben:Soll ich mich eigentlich bei der Gesellschaft auch noch bedanken, dass sie mich aufs Abstellgleis setzen will?!

Jetzt muss ich mal ganz streng werden:
Du bist nur einer von 7,5Mrd. Menschen. Warum sollen sich die anderen nach Dir richten?
Du selbst bist es, der sich aufs Abstellgleis stellt.

Aber keine Sorge. Irgendwann wird der von DesdiNova87 erwähnte Leidensdruck so hoch sein, dass Du Dir doch noch professionelle Hilfe suchst.
Aber fall nicht auf irgendwelche Scharlatane rein. Qualifikation entweder Psychologischer Psychotherapeut oder Facharzt für Psychotherapie. Alles darunter ist ungeeignet.
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon >>•PanTaLaiiMooN•<< » Mo 12. Aug 2019, 19:44

Ach ja is doch immer wieder schôn einfach überlesen zu werden war mir klar das es hier genauso läuft wie in allen anderen Foren!!!!!!
>>•PanTaLaiiMooN•<<
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon kunvivanto » Di 13. Aug 2019, 05:56

>>•PanTaLaiiMooN•<< hat geschrieben:einfach überlesen zu werden
Nicht reagieren heißt nicht, überlesen zu haben.
Wenn einfach nur eine Information drin steht, zu der man nichts sagen kann, und auch keine Fragen gestellt werden, auf die man etwas antworten könnte, könnte eine Reaktion nur noch nutzloser Smalltalk sein.
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Re: Sind Hochsensible typische Einzelgänger oder das Gegente

Beitragvon hermes2019 » Di 13. Aug 2019, 06:21

Hallo,

ich kann den Eingangstext und die Frage darin durchaus verstehen,auch die Verbitterung und die Enttäuschungen,die man so als Hochsensitiver/Hochsensibler erfährt..
ich verstehe Weltrfremder.

Ich glaube auch nicht,dass man/frau unbedingt psychotherapeutische Hilfe braucht,nur weil man/frau abgegessen vom Großteil der Menschen ist.

Auch ich bin ein Einzelgänger,und das wird sich wohl auch nicht mehr groß ändern.
Ich bin anders,zwar auch besonders,und einzigartig,aber halt auch anders,und viele Menschen kommen auf Dauer einfach nicht klar mit mir und meiner Art...(abgesehen davon,dass ich auch mit den meisten Menschen nicht viel anfangen kann.)

Ich lebe zum Glück in einer Partnerschaft,und gestern morgen musste ich wieder mal bitter weinen über meine Isolation und Einsamkeit,so dass ich zu ihr gesagt habe:" Bisher sind noch alle Menschen davon gelaufen.."

Das hat nichts mit Selbstmitleid zu tun,sondern beschreibt einfach meine soziale Realität.
Ich bin 44 Jahre alt und stehe,was Freunde angeht,total isoliert da.Das tut mir oft weh,doch mittlerweile versuche ich dieses Los auch wirklich anzunehmen.ES scheint mein Weg zu sein,und deshalb ist man nicht therapiebedürftig oder gestört.

Grüße,Hermes
hermes2019
 

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