Sind HSP Spätentwickler???

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon DrKatZe » So 9. Okt 2011, 07:12

Sumisu sprach es in seinem Willkommens-Thread an. Das Thema möchte ich gern aufnehmen und mit euch darüber schreiben.

Für mich kann ich ganz klar sagen, dass ich mich später als manch andere entwickelt habe. Meine geistig pubertäre Phase setzte erst mit 15/16 ein. Bis dahin war ich noch vollkommen kind in einem sich weiblich entwickelnden Körper. Sicherlich hatte ich auch deshalb solch arge Probleme beim Übergang in die 7. Klasse. Dort pubertierten die meisten schon in vollem Gange, testeten an sich selbst, den Lehern und vermeintlich schwächeren Schülern ihre Grenzen und die der anderen aus. So weit war ich da noch nicht und wurde demnach selbstverständlich Mobbing-Opfer.

Als ich 17/18/19 war hatte ich sowas wie eine Clique, der ich mich zugehörig fühlte und regelmäßig "auf dem Platz" traf. (Ein Spielplatz auf einem Hinterhof, wo wir uns um und auf einer Tischtennisplatte tummelten, rauchten, quatschten, lachten, Musik hörten und all den Kram, den Jugendlich eben so machen.) Meine Freunde, vor allem die Mädels, waren stets jünger: 2, 4 und 6 Jahre jünger. Die Jungs waren zumeist in meinem Alter.

Und so zieht sich das weiter durch mein Leben. Stets reifte ich später nach und umgab mich mit Jüngeren. Alles kam bei mir später.

Wie war und ist das bei euch? Könnt ihr euch als Spätentwickler identifizieren oder ist euch das eher fremd?
Gib mir Kraft, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit, geschehen zu lassen, was ich nicht verändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. .Seneca.

Ich bin verantwortlich für das, was ich sage. Aber ich bin nicht verantwortlich für das, was du verstehst.
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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Zero-11 » So 9. Okt 2011, 07:30

Äh nein absolut nicht eher früher Erwachsen als HSP ist man ja Intelligenter also von daher. Nicht-HSPs sind ja als Kinder "Kindisch" was bei mir nicht so war.
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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Kopfkino » So 9. Okt 2011, 09:45

Hallo DrKatZe!

Super Idee das Thema aufzugreifen, auch wenn meine Antwort auf die Frage vielleicht recht kurz ausfallen wird. Wobei wenn ich mir es so recht überlege, kann ich kein klares Ja oder Nein äußern. Ich muß es wohl aufteilen, aber wie? _gruebel_

Also in Puncto emotionale Intelligenz, genauer gesagt interpersonale Intelligenz (Empathie), war ich eher früh entwickelt, was die HS wohl mit sich bringt. Ich war in gewisser Hinsicht schon früh "erwachsen", auch durch die Einwirkung gewisser Umstände. Ich hatte sehr oft Freunde die älter als ich waren (tw. viel älter), da ich mit den Gleichaltrigen oft keine Gesprächsgrundlage fand, andere Interessen hatte. Ich habe vieles früher gemacht als andere, teils sehr unüberlegt, "abenteuerlustig", getrieben von einer Sehnsucht viele Erfahrungen zu machen, Menschen zu begegnen und einem leichten Hauch von Fernweh. Das konnte ich mir nicht bewahren.

Auf der anderen Seite hatte ich aber große Schwächen im Bereich der intrapersonalen Intelligenz. Eigene Gefühle, Motive (Antriebe), Stimmungen, Schwächen etc. zu reflektieren, meine Verhaltensweisen zu antizipieren. In dieser Hinsicht kann ich mich als Spätzünderin bezeichnen, da ich noch heute lernen muß, meine eigenen Belange zu sortieren, z. B. bei der Berufsfindung...Selbstfindung.

Vielleicht fällt mir später noch mehr zu dem Thema ein.

Lg,

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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Kopfkino » So 9. Okt 2011, 09:57

Habe nochmal Eure Beiträge durchgelesen und dabei ist mir aufgefallen, dass ich vergessen habe zu erwähnen, dass ich gerade in der Schulzeit arge Schwierigkeiten hatte, speziell in der 1. und der 7. Klasse. Die 1. Klasse hatte für mich sehr viel Bedrohliches, reagierte körperlich auf den Stress, welche die Erfahrungen in mir auslösten. In meinem Zeugnis stand oft, dass ich mich schlecht konzentrieren kann, leicht abzulenken bin und immer wieder zum Thema zurückgeführt werden muß."...ist im Unterricht sehr ruhig und wirkt oft abwesend, wenn man sich jedoch gezielt mit ihr zu einem Thema beschäftigt, kann sie ihr Wissen zeigen." So in etwa. In meiner weiteren schulischen Laufbahn bekleckerte ich mich auch nicht mit Ruhm. Es fehlte an Disziplin und der Fähigkeit mich selbst zu motivieren. Die 7. Klasse stellte dann wieder ein Stolperstein dar. Erst spät begriff ich, worum es eigentlich geht, dass ich meine Zukunft gestalte.

Lg,

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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon DrKatZe » So 9. Okt 2011, 10:38

Kopfkino, sehr interessant wie du das Thema angehst.

"Also in Puncto emotionale Intelligenz, genauer gesagt interpersonale Intelligenz (Empathie), war ich eher früh entwickelt, was die HS wohl mit sich bringt."

Das Thema so angegangen, stimme ich dir vollkommen zu. So ging es mir auch. In andere Personen einzufühlen, fiel mir schon als Kind nicht schwer. Sich hochschaukelnden, ich sage mal, typischen Kinderkonflikten, wusste ich frühzeitig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ein Spielen mit mir als Kind würde ich als sehr harmonisch einschätzen.
Mein Beistand, Rat und Unterstützung in der Clique war hochgeschätzt und sehr bei allen beliebt, weil ich mich vollkommen auf sie und ihre Sorgen einlassen konnte und mich in ihre Lagen vesetzte. Leider habe ich für mich selbst dabei nicht so die Grenze ziehen können, habe darüber viel Bestätigung für mich gezogen und mich auch so manches Mal ausnutzen lassen.



"Ich hatte sehr oft Freunde die älter als ich waren (tw. viel älter), da ich mit den Gleichaltrigen oft keine Gesprächsgrundlage fand, andere Interessen hatte."


An dieser Stelle war es bei mir so, dass meine gelebte Kindlichkeit von den Jüngeren sehr geschätzt war. Ich habe fast jeden (harmolsen) Unsinn mitgemacht, ohne mich zu schämen, wenn ich mich mal zum Hans gemacht habe. Habe über manche Dusseligkeit mitlachen können, wo andere nur den Kopfschütteln. Andererseits war ich, wenn es darauf ankam ernst- und gewissenhaft. Tiefe Gespräche waren auch mit mir möglich.


"Auf der anderen Seite hatte ich aber große Schwächen im Bereich der intrapersonalen Intelligenz. Eigene Gefühle, Motive (Antriebe), Stimmungen, Schwächen etc. zu reflektieren, meine Verhaltensweisen zu antizipieren. In dieser Hinsicht kann ich mich als Spätzünderin bezeichnen, da ich noch heute lernen muß, meine eigenen Belange zu sortieren, z. B. bei der Berufsfindung...Selbstfindung."


Ein bisschen geht es mir noch heute so. Allerding kann ich mich und meine Verhaltensweisen zwar recht gut reflektieren aber die Umsetzung, es besser zu machen oder günstiger für mich und meine Seele, schlägt noch oft fehl. Der Sog der Gewohnheit und die Hemmung vor dem Unbekannten sind zwei antriebsstarke Faktoren in mir, die mich ausbremsen können.


@ Zero
"Äh nein absolut nicht eher früher Erwachsen als HSP ist man ja Intelligenter also von daher. Nicht-HSPs sind ja als Kinder "Kindisch" was bei mir nicht so war."

Ich würde mich selbst auch nicht in meiner Kindheit als tump oder gedankenlos naiv bezeichnen. Eine gewisse, ich nenne es mal, intuitive Weisheit im Umgang mit anderen Kindern hatte ich seit dem ich mich erinnere. Jüngere haben und fühlen sich bei mir wohl gut aufgehoben, weil ich eine gewisse emotionale Reife ausstrahle, Beratung und aktives Zuhören biete, dass sie bei Gleichaltrigen nicht finden UND dazu ein gewisses inneres Kind, dass sich trotz des "fortgeschrittenen" Alters noch auf ebensolche Blödeleien einlassen kann, ohne solches Verhalten als bitter ernst, schwachsinnig und unnötig zu bewerten. Weiterhin weiß ich Grenzen zu setzen an denen sich diese Leute vielleicht schließlich gern orientieren. So jedenfalls meine Vermutung.

Ich kann auch als Erwachsene "kindisch" sein und lasse das voll zu (sofern es niemand anderes belästigt), einfach weil es mir Spaß macht, mich zum Lachen bring und gut tut auch mal stumpfsinnig zu sein, eben mal nicht über jedes Verhalten nachzudenken und es in brav konventionelle Bahnen zu lenken. Ernsthaft, erwachsen und weitsichtig bin ich im weiteren Lebensverlauf dennoch hochgradig und wie gesagt, kenne diesbezüglich meine und die Grenzen anderer mit denen ich umgehe.


Andererseits gibt es eben solche Dinge, die mich in meiner Entwicklung vielleicht bremsen. Die vielen Sinneseindrücke, das Ungefilterte, was auf meine Wahrnehmungsrezeptoren einströmt. Meine langsame Aneignungsfähigkeit. Ich brauche länger als manch andere, etwas zu lernen, zu verinnerlichen und muss dafür mehr Energie, Geduld und Disziplin aufwenden. Meine Denk- und Merkfähigkeit sind verzögert, überhaupt meine spontane Reaktionsmöglichkeit ist stark eingeschränkt. Von jetzt auf gleich mich an eine neue Situation anpassen müssen, tut mir fast körperlich weh, geht mir zu schnell. Da komme ich nicht mit. Ich brauche länger für Vieles.
Gib mir Kraft, zu verändern, was ich verändern kann, und die Gelassenheit, geschehen zu lassen, was ich nicht verändern kann, und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. .Seneca.

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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Kopfkino » So 9. Okt 2011, 15:44

Andererseits gibt es eben solche Dinge, die mich in meiner Entwicklung vielleicht bremsen. Die vielen Sinneseindrücke, das Ungefilterte, was auf meine Wahrnehmungsrezeptoren einströmt. Meine langsame Aneignungsfähigkeit


Das ist es wohl auch was einen HSM in gewisser Hinsicht in der Entwicklung bremst, so ganz allgemein. Je empfänglicher man für die Reize von außen ist, desto mehr hat man zu verarbeiten und umso schwerer kann man sich zentrieren. Wir sammeln viel mehr Informationen und reflektieren viel umfangreicher, so kommen wir zwar später zu Erkenntnissen, die jedoch sehr viel Tiefe aufweisen und von größerer Bedeutung sind.

Lg,

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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Sunine » So 9. Okt 2011, 17:40

Hallo miteinander. Ich zähle mich auch zu den Spätentwicklern. Meinen ersten Freund hatte ich mit 17, da haben manche Mädels schon längst ihren zweiten oder dritten Freund. Meine erste Beziehung war auch keine sexuelle das kam bei mir mit ende 17. Es hatte lange gedauert die richtige Ausbildung zu machen. Nun bin ich 22 und habe diesen Sommer mit einer zu mir passenden Ausbildung begonnen. Ich wohne noch zuhause, da das zusammenziehen mit meinem Freund mit dem ich bald 4jahre zusammen ist momentan finanziell leider noch nicht klappt. Beinahe alle meine ehemaligen klassenkameraden wohnen in einer eigenen Wohung, allein oder mit Freund und haben schon ausgelernt. Andere sind verlobt oder verheiratet und es kamen schon ihre kinder auf die welt. Ich fühle mich auch noch wie eine pubertierende die 17 ist. Liegt wohl auch an den Umständen, kann ja momentan nicht selbstständig werden...und mein Vater wird dieses Jahr schon 70...
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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Mideus » So 9. Okt 2011, 20:01

Zero-11 hat geschrieben:Äh nein absolut nicht eher früher Erwachsen als HSP ist man ja Intelligenter


Das find ich nun doch reichlich arrogant.
Im übrigen ist es ein unter HSP-lern weit verbreitetes Phänomen, das durchschnittliche "Erwachsen-Sein" verspätet zu erreichen, in der Regel mit Mitte 20. (s. "Zart besaitet")
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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Zero-11 » So 9. Okt 2011, 20:44

Das find ich nun doch reichlich arrogant.


So ist aber die Faktenlage naja als INTJ bin ich an sowas schon gewöhnt. Und wenn du schon Parlow vorziehst was verstehst du unter Erwachsen-Sein?
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Re: Sind HSP Spätentwickler???

Beitragvon Willow » Mo 10. Okt 2011, 06:48

Ich denke ich bin auch eher ein ganz schöner Spätzünder. In der Grundschule war alles super und ich war total beliebt weil ich mit jedem Menschen gut auskam. Dann kamen wir aufs Gymnasium und ich habe immer noch total gerne mit meiner Freundin "Indianer" gespielt, während die Anderen angefangen haben nur noch unglaublich langweilige Sachen zu machen. Die haben sich nur noch über Lippenstifte, Klamotten und Musik unterhalten, was ich wahnsinnig öde fand. Ich fand die Sachen, die man als Kind so macht, viel spannender. Und damit war ich plötzlich das "dumme Kind". Ich spiele übrigens bis heute gerne. Ich bin Rollenspieler und Larper (falls das jemandem was sagt^^) und springe im Sommer gerne mal verkleidet durch den Wald. Ich schaue mir "My little pony" an und finds nicht peinlich mit einem Lolli im Mund durch die Stadt zu laufen und lautstark drüber zu diskutieren warum Batman viel cooler ist als Superman.
Das heißt nicht dass ich nicht völlig vernünftig sein kann wenn ich muss, zum Beispiel was Zukunftsplanung und Geldsachen angeht. Soweit ich mich zurück erinnern kann bin ich in der Lage zu unterscheiden wann Vernunft gefragt ist und wann nicht. Deshalb habe ich auch nie verstanden warum meine Klassenkameraden mir vorwarfen ich wäre ihnen zu kindisch. Ich kam mir immer viel erwachsener vor als die mit ihrem Gekichere und ihrem völlig kindischen Gemobbe.
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