Smalltalk

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

Moderatoren: Hortensie, Eule

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon Nicky » Fr 16. Sep 2011, 16:25

Hallo liebe Ja,

danke für dieses interessante Thema.

Ich finde Smalltalk ganz toll und beherrsche ihn auch hervorragend.
Er bietet für mich eine Möglichkeit, Kontakte zu pflegen, ohne diese anstrengenden Tiefsinnigkeiten preisgeben zu müssen.
Ich kann nach außen meine Rolle als standhafte, starke Persönlichkeit spielen, ohne dabei die verletzliche Seite preisgeben zu müssen, da ich ja selbst entscheide wie lange ich Smalltalk halte.

LIebe Grüße

Nicky
Das Leben ist nie festgefahren.
In jedem von uns steckt die Macht, sein Leben so zu gestalten wie man es sich wünscht!
Benutzeravatar
Nicky
Hero Member
 
Beiträge: 850
Registriert: Sa 4. Dez 2010, 01:34
Wohnort: nähe Berlin

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon bumblebee » Mo 16. Jan 2012, 20:13

Mir ist Smalltalk ein Graus. Ich hasse es. Ich führe den meinen Mitmenschen zu Liebe aber dennoch mitunter aus. Aber nur, wenn er von anderen begonnen wird. Ich kann nämlich gut und gerne schweigen, wenn es nichts zu sagen gibt. Man kommuniziert für mich bereits mit bloßem Beieinandersein. Man ist mit dem Anderen. Endloses Gebrabbel macht mich gereizt, ich kriege die Krise und werde nur noch stiller. Das ist wie das Geräusch eines Wasserbaches. Irgendwann hört man nur noch "blubb, blubb, blubb". Mit Verblüffen beobachte ich andere Menschen, wie sie sich minutenlang über Themen wie Materialien einer guten Jeans oder einen Arbeitsvorgang unterhalten, den sie seit Jahren ausführen. Ich fragte mich früher oft dann, ob diese Leute keine Hobbies haben. Dann erkannte ich, dass das für die halt wichtig ist. Drum erkläre ich mich mitunter auch dazu bereit, irgendein für mich belangloses Detail aus meinem Leben zu der Unterhaltung beizusteuern. Ich denke, wenn man wirklich merkt, dass das für andere kein bloßer Smalltalk ist, ist das Mitmachen Sozialkompetenz. Aber Herumgeglitsche, weil man sich nicht zu sagen traut, was man wirklich denkt, nerven mich.

Häufig beobachtete Verhaltensweisen von HS sind es, zu sagen was man denkt und damit anzuecken. Das ist eine Eigenschaft von mir. War es früher mehr. Heute weiß ich, wann es besser ist, sich zurückzuhalten. Aber dann sage ich auch nichts anderes. Manche Menschen reagieren verärgert, wenn sie etwas von sich preisgeben sollen. Manche wenden sich ab. Wenn mich Smalltalker mich bei meinen Wissenschaftsthemen lesen sehen, tritt ein plötzliches Schweigen ein. Dann sagen sie nur, dass sie mit der und der Wissenschaft gar nichts am Hut haben und nach einem kurzen Warten auf meine Reaktion, brabbeln sie dann fröhlich in ihren Erlebnishighlights weiter. Ich vermute, für diejenigen Smalltalker, die wirklich nur Smalltalken, weil es nichts anderes preiszugeben gäbe, sind solche für uns einfachen Highlights, einfach Highlights. Wir kaufen uns ne Hose und dann ziehen wir sie halt an. Ich hab keinen Plan, was für Marken ich eventuell trage und Sachen sind für mich einfach Gegenstände, die halt eben irgendwie funktionieren oder eben nicht. Wenn es ein Problem gibt, beende ich es und fertig ist. Ich habe nicht das Verlangen, Dinge, die für mich alltäglich sind, breit auszufächern. Ich suche immer nach Antworten. Es ist jedoch deutlich zu sehen, dass viele Leute einfach um des Willens brabbeln, dabei verbal aus einer Mücke einen Elefanten machen und das ggf vll noch garn ciht mal so empfinden oder eben doch, aber dann abtun, übergehen zum nächsten Thema.

Heute hat mich wieder mal ein fremder Mensch auf offener Straße einfach so dichtgequatscht, mit den Themen die ihn gerade beschäftigten. Ansporn fand dieser durch die neuen Bahnansagen, die ihn stören und dass es vor einigen Jahren schonmal solche Ansagen gaben, dass diese Person deshalb entschloss umzuziehen. Währenddessen Voller Euphorie, mit strahlenden Augen und voll in seiner Meinung, teilte dieser Mensch mir binnen 5 Minuten eine Menge mit. Währenddessen beobachtete ich einerseits analysierend seine Mimik und versuchte nebenbei, mich bei Laune zu halten, weil ich gerade von der Arbeit kam und der Tag sowieso schon reizüberflutend genug gewesen war. Ich sagte dem Mensch, was er hören wollte und fröhlich verabschiedete sich dieser von mir, als der Zug dann einfuhr. Unser Gespräch endete übrigens bei ihrer Schwiegertochter, die den hier örtlichen Dialekt nicht annehmen möchte. Wenigstens habe ich einen Menschen wieder glücklich machen können. Wenn auch meine Freude dabei seinen Abgang annahm. Ich trainiere da oft an mir, aber dann habe ich wieder keine Lust. Ich denke Smalltalker sollten auch mal dafür Verständnis haben, wenn wir einfach mal Schweigen wollen. Das macht die nur leider tierisch nervös. Das müssen sie, wenn sie sozialkompetenter werden wollen, auch noch lernen, wie wir ein wenig Smalltalk.
Benutzeravatar
bumblebee
Hero Member
 
Beiträge: 773
Registriert: So 4. Dez 2011, 00:33
Wohnort: Bei Koblenz i. d. Nähe

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon ellen71 » Di 17. Jan 2012, 09:01

Ich verabscheue Smalltalk generell zutiefst. Aus folgendem Grund: es ist für mich eine gedankenlose Verschleuderung von Lebenszeit, die man sinnvoller nutzen könnte!
Mir geht es dabei auch um Punkte wie Verantwortung. Ich trage Verantwortung dafür, was ich in meinem Leben mache und was nicht. Daher wähle ich sehr sorgfältig aus.
Wenn ich mit Menschen in Kontakt kommen möchte, ist es durchaus möglich, über normale und ernsthaftere Dinge zu sprechen.
Oft ist Smalltalk einfach nur dämlich, niveaulos, dass man sich schämen muss, wie gedankenlos und geradezu peinlich sich manche Menschen dabei benehmen.

Smalltalk betrachten viele Leute als eine Art freie Zone, wo alles erlaubt ist. Dabei offenbaren sie Seiten an ihrem Charakter, die Schlüsse auf ihre Persönlichkeit zulassen. - Diese Blöße gebe ich mir nicht.
Auch Gebrabbel aus reiner Langeweile lehne ich strikt ab. Wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt man eben.

Smalltalk ist für mich ein Stück weit auch Heuchelei. Gerade auf Veranstaltungen sehe ich nicht ein, warum ich mich diesem Diktat unterwerfen soll. Das ist wie bei einer Karnevals-Feier, wo alle plötzlich total lustig sein sollen.
Ich schätze den gepflegten Humor, der ist etwas aufwändiger als Smalltalk, kommt aber umso besser an. Dadurch erlangt man auch die Wertschätzung und Sympathie des Gegenübers und bleibt ihm angenehm im Gedächtnis. 1güt
Wünsche allen einen schönen Herbst! Ozapft is!
Benutzeravatar
ellen71
Gold Member
 
Beiträge: 395
Registriert: Do 22. Dez 2011, 11:13
Wohnort: (noch) München, bald Berlin

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon Zero-11 » Di 17. Jan 2012, 09:55

"Kunst" des Smalltalk _francais_ Kunst ja so kann man auch etwas bezeichnen was man nicht versteht und zwar ganz einfach, weil es keinen Sinn hat man kann einen suchen und behaupten man könnte es unter gewissen Umständen gebrauchen. Dabei ist Smalltalk doch nichts als Heiße Luft verpackt und mit einem Preisschild beklebt _läch_
Zero-11
Gold Member
 
Beiträge: 250
Registriert: Fr 14. Jan 2011, 11:01

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon ja » Di 17. Jan 2012, 10:26

hallo ihrs,


ich persönlich erlebe und lebe das unterschiedlich zu den letzten vorrednern.
Da ich mir angewöhnt habe einfach nach dem motto „was hilft/wirkt hat recht“ zu leben, halte ich smaltalk für wichtig und sinnvoll.





Ich zitire
(mich und nicky)

Die „soziale fellpflege“,
also inhaltlich völlig unbedeutend (wetter, fussball und co), allerdings nonverbal umso wichtiger da wohlwollen und freude am kontakt transportiert wird
und
„schutzschild“,
als schutz gegen verbalen „briefkasten-tanten-missbrauch“ und dem vermeiden energie in fremde lebensgeschichten zu stecken


Und

Ich kann nach außen meine Rolle als standhafte, starke Persönlichkeit spielen, ohne dabei die verletzliche Seite preisgeben zu müssen, da ich ja selbst entscheide wie lange ich Smalltalk halte.







Doch da jeder das recht hat „das rad neu zu erfinden“ bürne

ein hoch auf unsere meinungsvielfalt!!!


offene Grüße von
ja.
weniger ist mehr

-------------------------------------------------------------------------------



+ ja ist im März 2017 nach langer schwerer Krankheit friedlich eingeschlafen +
Benutzeravatar
ja
Rat der Weisen
 
Beiträge: 4598
Registriert: Sa 27. Nov 2010, 19:39

Re: Hs und „die kunst des smaltalk“

Beitragvon Kathili » Mi 8. Feb 2012, 16:11

ellen71 hat geschrieben:Ich verabscheue Smalltalk generell zutiefst. Aus folgendem Grund: es ist für mich eine gedankenlose Verschleuderung von Lebenszeit, die man sinnvoller nutzen könnte!
Mir geht es dabei auch um Punkte wie Verantwortung. Ich trage Verantwortung dafür, was ich in meinem Leben mache und was nicht. Daher wähle ich sehr sorgfältig aus.
Wenn ich mit Menschen in Kontakt kommen möchte, ist es durchaus möglich, über normale und ernsthaftere Dinge zu sprechen.
Oft ist Smalltalk einfach nur dämlich, niveaulos, dass man sich schämen muss, wie gedankenlos und geradezu peinlich sich manche Menschen dabei benehmen.

Smalltalk betrachten viele Leute als eine Art freie Zone, wo alles erlaubt ist. Dabei offenbaren sie Seiten an ihrem Charakter, die Schlüsse auf ihre Persönlichkeit zulassen. - Diese Blöße gebe ich mir nicht.
Auch Gebrabbel aus reiner Langeweile lehne ich strikt ab. Wenn es nichts zu sagen gibt, dann schweigt man eben.



besser hätte ich es nicht formulieren können, diese Sätze könnten von mir stammen!
Kathili
Neuling
 
Beiträge: 17
Registriert: Di 7. Feb 2012, 20:23

Smalltalk (Zusammgeführte threads zum Thema)

Beitragvon Rojka » Mi 31. Dez 2014, 19:18

Wie empfindet ihr das?
Manchmal ist es für mich wirklich zum Verzweifeln. Jetzt ist ja gerade diese Zeit mit vielen Feiern, Familientreffen etc. Und ich finde einfach keinen Spaß daran, stundenlang über Belangloses zu sprechen.
Sie kommen mir manchmal alle so seltsam und leer vor. Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, völlig falsch zu sein, völlig unangebracht. Können sie nur darüber reden, was sie so machen? Haben diese Menschen gar keine Zeit für ihr Inneres? Sind sie völlig von den äußeren Dingen beansprucht? Oder tun sie nur so?
Die meisten Gespräche kommen mir wie sinnfreies Auftrumpfen vor. Ich habe das gemacht, ich habe dieses interessante Ding entdeckt, ich war da und dort im Urlaub, ich kaufe dies und jenes...es ist für mich wirklich schlimm, dem zuzuhören.
Bitte nicht als Arroganz missverstehen, es ist eher ein Gefühl, ganz anders, seltsam und fremd zu sein. Ich wäre lieber so wie sie, glaube ich, sie wirken so zufrieden und ich bin dauernd unzufrieden und kann überhaupt nichts mehr sagen.
Lieben Gruß, rojka
Rojka
Full Member
 
Beiträge: 228
Registriert: Do 31. Mai 2012, 22:13

Re: Smalltalk

Beitragvon Hortensie » Mi 31. Dez 2014, 19:32

Zu diesem Thema gibt es hier schon einen Thread, Rojka! Ich schaue mal, ob ich den irgendwo ausgraben kann.
Ich erinnere mich, dass ich da auch geantwortet habe. Sinngemäß: Ich bin Meister des Smalltalk.
ABER: ...

Das Thema geistert mir ständig durch den Kopf, weil ich es für mich mehr differenzieren muss.
Ich bin in der Lage, zu jedem sofort einen Draht herzustellen, sprich: ein gemeinsames Thema zu finden. Kontaktaufnahme fällt mir also nicht wirklich schwer! Auch wenn es Fremde sind ... Außenstehende meinen dann, ich würde die Person schon ewig kennen!
Aber wirklichen Smaltalk finde ich schrecklich.
Was interessiert es mich, welche Farbe das Kleid von Tochter XY, das sie zum Abiball trägt, hat?
Ich bin damals regelrecht weggelaufen, als mir eine Bekannte begegnete, die mir damals ein Gespräch aufzwingen wollte: "Ist das nicht tragisch, was der Lady Di passiert ist?"
Mich macht so etwas fassungslos!

Ich überlege mal noch ein bisschen weiter und schreibe dann auch noch was dazu.

LG, Hortensie
pragmatisch und bodenständig
Hortensie
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 8382
Registriert: So 18. Mär 2012, 16:41
Wohnort: weit im Westen

Re: Smalltalk

Beitragvon Oha » Mi 31. Dez 2014, 19:55

Hallo

ja dieses Protzen... Urlaub..Auto.etc..Frotzeleien...diese Oberflächigkeit...der Prommikram...Themen zum weglaufen.

Wenn ich Shoppingqueen sehe...weil Tochter die Glotze anhat...nicht meine Welt.

Genauso dieses Reden über die Kleider auf Schützenfest... geh mir weg.

Andere Welt...ich meide solche Partys inzwischen, weil mich betrunkene..laute Menschen agro machen...und Lautstärke nicht mein Ding ist.

Gruss Oha
Oha
 

Re: Smalltalk

Beitragvon Rojka » Do 1. Jan 2015, 04:17

Hortensie, wow, das bewundere ich. Diese Fähigkeit hätte ich glaube ich auch gern.
Oha, ich sehe es wie du. Wobei Lautstärke jetzt nicht so sehr das Problem ist, solange ich nur eine Geräuschquelle habe. Schrecklich finde ich es, sich über laute Musik hinweg anzubrüllen, weil man sonst nichts versteht.
Bei mir ist es stimmungsabhängig, manchmal habe ich das Gefühl, dass alles sehr gut passt und Gespräche sich harmonisch ineinanderfügen, und dann wieder ist es so, als wäre das alles nicht mehr existent, und ich fühle mich alleine und fremd. Habe mir auch schon überlegt, ob es sein kann, dass ich spüre, wenn es anderen eigentlich nicht gutgeht und sie sich noch mühsam mit Smalltalk über Wasser halten, sich also an Banalitäten festhalten, um etwas anderes zu überdecken. Manchmal habe ich in einer ruhigen Minute Zeit gehabt, das für mich zu überprüfen, zB jemanden im Nachhinein zu fragen, wie es ihm oder ihr an dem betreffenden Tag gegangen ist. Und da zeigte sich dieses Muster häufig. An sich finde ich Smalltalk nicht tragisch, aber es geht für mich nur ganz schwer, wenn ich spüre, dass da ein Elefant im Raum steht, den ich sehen kann, und alle anderen reden derweil vom Muster des Teppichs und tun so, als sei der gar nicht da...das ist für mich ganz schrecklich. Und es macht mir Angst, ich fühle mich dann so falsch und schief und irgendwie aus der Welt herausgefallen.

Lieben Gruß und freue mich, von euch zu hören!
Rojka
Full Member
 
Beiträge: 228
Registriert: Do 31. Mai 2012, 22:13

VorherigeNächste


Ähnliche Beiträge


Zurück zu Hochsensibilität Allgemein

Wer ist online?

0 Mitglieder

cron