Smalltalk

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Smalltalk

Beitragvon KrautUndRüben » Mo 14. Sep 2015, 15:48

Vielleicht habe ich auch ein falsches Bild von Smalltalk. Wenn ein Gespräch über das Wetter und die obligatorische Gesundheitsfrage der gesamten Familie hinausgeht, ist das dann eigentlich kein Smalltalk mehr. Oder doch? Klar, zwei, drei Anekdoten zur aktuellen Politik, ein Schenkelklopfer über Merkels letztes Outfit. Ja, das kann ich, weil das zu meiner Schutzmauer passt. Das ist bei mir dann sehr viel Theater. Nicht dass ich nicht über das bescheid wüsste. Im Gegenteil. Aber die Themen lassen sich dort nur bedingt steuern. Wer führt schon Smalltalk über spirituelles. Das kann ja nur tiefschürfen. Also wird die Unterhaltung recht schnell langweilig. Ich möchte mein gegenüber aber nicht verletzen. Also fliegen weiter Banalitäten durch den Raum und das nervt mich dann insgeheim.
LG, KrautUndRüben

Wer mag, kann mir fünf Begriffe für meinen Kurzgeschichten-Blog per PN schicken.
Die freundlichen Spender erhalten dann auch die Adresse dazu. _rosegirl_
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Re: Smalltalk

Beitragvon sourcream » Mo 14. Sep 2015, 18:06

wenn ich mit jemanden rede den ich gut kenne, kann es schon mal sein das ich frech werde das ich ihn unbewusst verletze obwohl ich das nicht will.ich müsste das echt mal mal ablegen aber irgendwie ist das schwer immer ernst zu bleiben. Ich mache manchmal auch Scherze und andere finden das gar nicht lustig, was ich wieder lustig finde. Für die anderen kommt es dann eher denk ich wie ein schlechter Scherz vor als wie "damit macht man keine Scherze, wenn wirklich mal was passiert glaubt dir keiner mehr". Vielleicht weiß ich auch nicht so recht wie mich mich unterhalten soll, vielleicht kommt es daher das ich bei vielen Sätzen die Menschen machen überlege, war das nun erst oder nicht ernst gemeint? Ich weiß es selbst nicht.
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Re: Smalltalk

Beitragvon Seestern » Do 5. Apr 2018, 13:01

Spannendes Thema! :-)
Smalltalk finde ich unter gewissen Umständen und mit den "richtigen" Gegenübern super. Er ist der soziale Kitt, der den Alltag erträglicher machen kann. Mir macht es Spaß, hier und dort mal über das Wetter zu reden oder mit jemanden mit _sprint_ ein Gespräch zu beginnen.
So richtige Fachgespräche kann man eh nur mit den wenigsten Menschen führen, aber das ist ja normal.
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Re: Smalltalk

Beitragvon Gänseblume » Mi 25. Apr 2018, 19:34

Ich muss zugeben, dass mir - obwohl ich inzwischen auch wegen des Wissens um meine HS gelassener geworden bin - mir Smalltalk manchmal immer noch schwer fällt. Kann ich bei tieferen Gesprächen sehr gut einschätzen, wie derjenige "tickt", ob er es ehrlich meint, schauspielert oder etwas von Herzen kommt, fällt mir das bei alltäglichem Smalltalk schwer. Ich kann manchmal nicht einschätzen, ob derjenige eine Bemerkung ernst gemeint hat oder vielleicht eher ironisch oder scherzhaft, da geht es mir wie sourcream.
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Re: Smalltalk

Beitragvon Fuchur » Di 1. Mai 2018, 15:03

Golbin:
Mein Eindruck ist der, dass du anschließend gern Gespräche hättest, die viele als "tiefer" oder "ernster" bezeichen. Ich mag die Begriffe dafür nicht gern, ich mag sie lieber als intensiv bezeichnen. Meine Erfahrung ist die, dass solche Gespräche immer weniger gesucht werden; meine Vermutung ist es, dass viele Menschen Furcht davor haben - davor Farbe zu bekennen, davor Selbsterkenntnisse zu bekommen, davor, den anderen zu verletzen. Ich oberflächlichen Gesprächen ist diese Furcht nicht vorhanden, weil solche Dinge nur selten passieren. Es ist aus meiner Sicht auch ein Teil des Zeitgeistes, der auf der einen Seite von viel Hektik und Stress vor allem im Beruf geprägt ist und damit auf der anderen Seite damit die Sehnsucht nach Entspannung fördert. In eine solche Welt passen intensive Gespräche in einem privaten Umfeld nicht.

iwikx Als Einstig nehme ich mal eine Aussage von Golbin.
Ernste oder tiefe Gespräche haben für mich nicht unbedingt etwas mit Gesprächen über die eigene Psyche, Seele oder Gefühlen zu tun. Man kann auch tiefer in die Materie eintauchen, ohne dass man sich mit seinen eigenen Befindlichkeiten anderen Menschen mitteilen will. Dazu zählt Fachjargon, der ebenfalls sehr ins Detail gehen kann. Oder Transfergedanken, indem man Erkenntnisse aus einem Gebiet aufs andere überträgt und philosophiert, indem man vielleicht auch Aussagenlogik einbezieht. Man kann ein Bild oder ein Theaterstück einfach schön finden, aber man kann sie auch mit dem entsprechenden Instrumentarium oder Werkzeugen dazu analysieren. Wenn man Filme (z.B. Arthouse), Literatur oder Musikstücke analysiert, schadet es sicher nicht, wenn man sich mit Psychoanalyse bzw. dem Drei-Instanzen-Modell auskennt, mit Kameraeinstellungen und Montage und Politik, Musiktheorie... denn dafür muss man sich tiefer mit der Materie beschäftigen, als nur zu sagen "Das finde ich jetzt aber total schön und toll." und dabei unterschwellig vermitteln, wie unoberflächlich und stilvoll man ist, nur weil man das Werk kennt. Tief wäre es, wenn man schreiben kann, warum man etwas in seiner Beschaffenheit toll oder schön findet. Tiefe hat also auch etwas mit Kenntnissen, die man sich zuvor angeeignet hat, zu tun und nicht nur mit dem Reden über sich selbst. Ich finde es etwas komisch, wenn HSP von Tiefe reden, aber eigentlich nur die eigenen Befindlichkeiten meinen oder wie man die Psyche eines Gegenübers "liest" und deutet.
Ich kann ganz gut oberflächlich, also small-talk-gerecht, über Dinge sprechen und auch das bereichert mich. Wie einige schon schreiben, kann der Weg das Ziel sein und Small Talk ein guter Türöffner um überhaupt erstmal zu sehen, ob das Gegenüber überhaupt tiefer gegen mag oder kann, oder nur oberflächlich intellektuelle Tiefe mit der entsprechenden Wortwahl suggeriert. Wenn mir jemand sagt, er möge tiefe Gespräche, so sagt mir dies zunächst gar nichts, denn es kann alles oder nichts bedeuten. Kenner können sich auch sicher sehr tief mit Autotuning beschäftigen, das würde ich auch niemals als oberflächlich bezeichnen, nur weil es nicht so intellektuell und sensibel klingt, ich es nicht mag. Dabei ist es mir auch egal, ob das Gegenüber sich als HSP einschätzt oder nicht.
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Re: Smalltalk

Beitragvon Walter66 » So 20. Jan 2019, 23:15

Ich greife das Thema auf, da es mich - speziell im Beruf - betrifft.

Ich muss mich in Richtung Smalltalk überwinden. Manchmal komme ich gut rein. Mancher Smalltalk geht mehr in Richtung "Kommunikationsgeräusche" ("Na alles kla?" "Muss - und selbst?" "Auch muss - kannsse ja eh nix machen" "jo - alles klar"), da bin ich aber dann raus. Mittlerweile ist mir die soziale Komponente, Stichwort Fellpflege, klar. Es geht weniger um das Gesagte, sondern um eine auch nonverbale Herstellung einer Begegnung.

Ich muss Ende Januar alleine auf eine Fachtagung. Die meisten Teilnehmer sind fit im Fach, ich bin noch nicht lange im Thema unterwegs. Trotzdem bin ich darauf angewiesen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, da ich Fachfragen mitnehme. Meistens geht der Smalltalk so los, wie "Aus welcher Stadt kommen Sie?". Für diese Umgebung muss ich Smalltalk können. Danach werden die Gespräche zumeist fachlich, was ja auch Ziel ist.
Ich durfte in der letzten Zeit einige Angst vor Menschen verlieren. Der nächste Schritt wäre jetzt, auf so einem Seminartag mit Leuten ins Gespräch zu kommen, von denen ich niemanden kenne.

Hat jemand von Euch Tipps, wie das für mich leichter wird?

LG Walter66
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Re: Smalltalk

Beitragvon wassertropfen » Do 24. Jan 2019, 22:18

Hallo Walter66,
das verstehe ich, dass hier Smalltalk gefragt sein wird.
Eventuell kann man die Frage "Aus welcher Stadt kommen Sie?" ausweiten, indem man Fragen zur Anreise stellt. Oder über die Heimatstadt was fragt oder erzählt ("Dort gibts doch xy...?").
Oder übers Wetter? Oder über den Kaffee/das Buffet?
Dann bin ich mit meinem Latein auch schon am Ende.
Ich muss sagen, mir fiel das Smalltalken früher viel leichter. Ich weiß nicht, warum.
Es ist auch unglaublich, wie leicht das manchen fällt. Und bei oberflächlichen Runden sind diese Menschen die totalen Publikumsmagnete.
Hab letztens mit meinem Mann das gleiche Problem besprochen und er meinte zu meinem bevorstehenden Event, dass ich mit meinem Anliegen ziemlich schnell und offensiv rausrücken soll. Das deshalb, da ich manchmal das Problem habe, zu wenig schnell zu sein und mir dann SmalltalkQueens zuvor kommen und ich dann oft das Gefühl hab, mit meinem Anliegen nicht mehr zu Wort zu kommen.
Dir jedenfalls viel Glück.
LG
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Re: Smalltalk

Beitragvon Velvet » Fr 25. Jan 2019, 05:31

Walter66 hat geschrieben:...
Ich durfte in der letzten Zeit einige Angst vor Menschen verlieren. Der nächste Schritt wäre jetzt, auf so einem Seminartag mit Leuten ins Gespräch zu kommen, von denen ich niemanden kenne.

Hat jemand von Euch Tipps, wie das für mich leichter wird?...


Hallo Walter66,

wahrscheinlich wirst du schon mittendrin sein im Getümmel...

Es hilft mir z.B. wenn ich mir bewusst mache, dass die anderen auch nur ganz normale Menschen sind und irgendwann ebenso nach einem Anfang gesucht haben, um sich mit einer Thematik vertraut zu machen, wie ich gerade. Ich versuche, in solchen Situationen nicht so viel darüber nachzudenken, was die anderen wohl von mir erwarten und denken könnten, sondern eher bei mir zu bleiben und mir z.B. zu sagen: "Möglicherweise stelle ich mich jetzt ein bisschen unbeholfen an, aber was kann mir passieren? Ich bin darin nicht geübt und finde es toll, dass ich mich überhaupt so einer Situation stelle..." So in diese Richtung.

Und es ist ja wirklich meist so, dass das Gegenüber, auch in Momenten die für einen selbst unangenehm sind, ganz unbeeindruckt davon mit einem weiter redet. Zumal ich mir sicher bin, dass es viele Menschen gibt, für die es schwierig ist, auf einen Fremden zuzugehen und ihn anzusprechen. Und wie sympathisch und erleichternd ist es dann, bei seinem Gegenüber zu merken, dass es ihm auch nicht so leicht fällt und es auch nicht wie ein "aalglatter Geschäftsmann" agiert und kommuniziert.

Meist ist es wirklich nur man selbst, der sich tausend Gedanken, und vor allem Horrorszenarien, darüber macht, wie man wirkt, was grad alles schief geht, was der andere wohl nun denkt und was man für Fehler macht. Die Menschen um dich herum werden dich als einer von vielen wahrnehmen, lange nicht so kritisch, wie du dich selbst, und sind vielleicht zudem noch angetan von deiner natürlichen und eher zurückhaltenden Art.

Ich würde mich auf´s Fachliche konzentrieren und darauf, meine Fragen beantwortet zu bekommen, denn deshalb nimmst du das ja auf dich. Allem anderen würde ich, so gut es geht, keine Bedeutung beimessen.

Viel Glück und vielleicht sogar auch Spaß dabei :-)
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Re: Smalltalk

Beitragvon Walter66 » Fr 25. Jan 2019, 19:09

Vielen Dank, ihr beiden,

das sind gute Antworten. Auch mal z.B. aufmerksam Staumeldungen und so vorher mithören, auf der Fahrt Nachrichten laufen lassen, um sich ein wenig mit Themen zu füttern. Gute Idee, die Frage nach dem "woher" noch etwas zu erweitern. Und dann möglichst schnell fachlich weitermachen, das wäre das beste... :-) .

Ja, Velvet, ich werde mich einfach reinstürzen und mir weniger Gedanken um meine Wirkung auf andere machen, das ist eine gute Idee. Umgekehrt schenke ich meine Aufmerksamkeit ja auch nicht der Wirkung einer Einzelperson. Also muss ich mich auch nicht so beobachtet fühlen. Dann rollt das Dingen vermutlich von alleine an und bei der nächsten Gelegenheit wird es schon leichter. Ich werde Anfang Februar berichten. :-)

LG Walter66
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Re: Smalltalk

Beitragvon Velvet » So 27. Jan 2019, 05:36

Walter66 hat geschrieben:... Umgekehrt schenke ich meine Aufmerksamkeit ja auch nicht der Wirkung einer Einzelperson. Also muss ich mich auch nicht so beobachtet fühlen. ...LG Walter66


Ja, eben! Die meisten Menschen nimmt man ja auch nur eher am Rande wahr und steht nicht da und beurteilt jeden mit kritischer Miene nach seinem Verhalten.
Ich bin gespannt, was du berichtest :)

Ich wünsch´dir eine angenehme und informative Zeit,
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