Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken gesucht

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken gesucht

Beitragvon Yalom » Di 26. Jan 2016, 20:37

Hi @ll,

Kennt ihr das, ihr seht unschöne schreckliche Sachen und das geht einem schrecklich unter die Haut,
und ständig kommen diese Sachen. Zum Beispiel war ich auf einer Witzseite von FB und plötzlich seh ich
ein Babyhamster mit Kotwurst auf dem Rücken? WTF? Das soll lustig sein?!?!?Dieses Bild drängt sich immer wieder von neuem auf, und ich kann es nicht abschütteln aber auch nicht akzeptieren. Oder ich habe einen Film über Auschwitzund ständig steigen die Bilder von den Krematorien hoch. Wir HSP erleben sowas unmittelbarer und es gehtuns mir unter die Haut als anderen. Ich versuche jetzt schon solche Reize so viel wie möglich im Vorraus zu vermeiden. Welche Strategien habt ihr um die Wirkung der Bilder zu verringern, ich empfinde
sie als extrem quälend und hilflos bin ich auch, weil ich scheinbar nichts dagegen tun kann.

Offtopic: Ich habe gerade mein altes Passwort zurückgesetzt, und jetzt ein langes kompliziertes zugeschickt bekommen, wie kann ich mir selber ein neues machen?

Was sind eure Strategien? Tipps?

Danke für euren Input,

Yalom
Yalom
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon toolminder » Di 26. Jan 2016, 22:38

Ich habe über das Thema Humor/Witze erst gestern selbst mal nachgedacht.

Habe für mich festgestellt, wenn es welche auf Kosten anderer (z.B. Mensch, Tiere, Natur - oder manchmal Gegenstände sind) kann ich darüber gar nicht lachen. Aber Wortspiele oder das Bild im Anhang finden wir HSP'ler gut.Bild
Zuletzt geändert von toolminder am Mi 27. Jan 2016, 17:40, insgesamt 1-mal geändert.
toolminder
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon InnerLight-HH » Di 26. Jan 2016, 23:35

Hallo Yalom,

oh, das Problem kenne ich auch sehr gut und weiß mir da auch immer keinen Rat.

Gestern erst hat jemand ein Foto (mit der Bitte um Teilung zwecks ausfindig machen des Täters) von einem bekifften Typ bei Facebook geteilt, der eine kleine Katze direkt über den Kamin einer Hasch-Bong hielt.

Das Foto hat mich extrem wütend gemacht und ich habe das Foto auch gleich geteilt. Mein Abend war dann ziemlich gelaufen, bis eine Bekannte einen Link in meinen Post setzte, dass dies eine sehr alte Geschichte von 2001 war, und der Typ gefasst wurde und wg. Tierquälerei für 1 Jahr ins Gefängnis und $1000,- Strafe zahlen musste.

Trotzdem greift es mich äußerst massiv an, wenn ich Tiere (besonders Katzen) in von Menschen gequälten Situationen sehen muss. Ich versuche da auch schon immer, mich so gut wie möglich fern zu halten, weil ich weiß, dass ich dann oft tagelang davon mitgenommen werde.
Sollte ich einmal live eine Tiermisshandlung miterleben, dann würde ich völlig austicken und den Verursacher bestimmt schwer verletzen, wenn nicht gar im Affekt umbringen.....

Ich merke auch gerade, wie mich das Schreiben dieses Textes mitnimmt....

Letztes Jahr wurde ich unvermutet mit einer Bettlerin aus Rumänien konfrontiert, deren Knie extremst nach hinten durchgebogen waren. Sie stand am Eingang zum Bahnhof und jammerte mit ihrem Becherchen die vorbeigehenden Leute an - ich war total geschockt und als ich 15 Minuten später zu Hause war, hab ich erstmal meine Küche demoliert (ist so mein Abreagierort...) und alles Mögliche an die Wand geworfen. Weil es nicht besser wurde, bin ich sogar zum Arzt gegangen (war nur 2 Stockwerk unter mir), der konnte mir aber auch nicht weiter helfen, außer zuhören..... (zu der Geschichte gibt es einen Thread hier im Forum)

Ich weiß noch, als wir mit der Schule (war wohl in der 9. oder 10. Klasse) ins KZ nach Dachau sind - ich glaub ich war noch mindestens eine ganze Woche völlig von der Rolle. Es ist ja nicht nur das Sehen der schrecklichen Dinge, sondern - wer wie ich auch noch Empathin ist - das Fühlen des Leids, der Schmerzen und der Verzweiflung, was unweigerlich an solchen Orten hängt....

Wie ich mir helfe, oder dir einen Tipp geben kann?
Kann ich nicht.
Vielleicht hat jemand anderes hierzu etwas mehr zu sagen....
Was Tröstendes....
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Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon TimC1980 » Mi 27. Jan 2016, 02:56

Ich denke es gibt viele Menschen die schlimmes erlebt und oder gesehen haben. Und ja wir als HSP bekommen das natürlich viel intensiver und detailreicher mit. Aber man sollte eines bedenken. Wir HSP haben einen gesteigerten Gerechtigkeits und Ehrlichkeitssinn.
Auch ich bekomme das mit. Es ist aber auch so das ich ein kognitiver HSP bin. Ich denke über solche Dinge ganz anders nach. Ich sehe überall Systeme. Denke in sehr grossen Dimensionen.
Daher weiss ich das unsere Existenz von Gegensätzen geprägt ist. Für all das böse in unserer Welt gibt es aber auch was gutes. Im Unkehrschluss bedeutet das natürlich auch. Für all das Gute in unserer Welt muss es notwendigerweise auch das Böse geben. Daneben steht noch die Frage ihm Raum. Was ist das überhaupt Gut und Böse. Wer definiert das. Wer entscheidet das was was ist.
Glaubt ihr die Nationalsozialisten im dritten Reich haben sich als Böse Menschen gesehen. Für sie war es ihr Recht und eine gute Lösung die schrecklichen Dinge zu tun die sie getan haben. Wir hier sehen das heute anders. So wie die meisten Menschen auf dieser Welt. Wäre auch schlimm wenn das anders wäre.
Bedeutet also ergo. Böses und Gutes ist immer eine Frage der Perspektive.
Ein kleines Beispiel von mir.
Ein Mensch begeht einen Mord. Klare Aussage der Gesellschaft ein böser Mensch.
Nun hinterfragen wir mal das Motiv.
Dieser Mensch hat den Vergewaltiger seiner Tochter ermordet.
Da teilen sich dann schon die Meinungen. Der eine Teil sagt nach wie vor böser Mensch. Der andere aber. Hat er gut gemacht. Das hat der Typ verdient.
Es ist aber nach wie vor ein Mord.
Deswegen kann ich jedem nur raten. Urteilt nicht immer direkt wenn ihr etwas schlimmes seht. Sondern hinterfragt warum diese Dinge so geschehen sind wie sie geschehen sind.
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Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon Lisbeth » Mi 27. Jan 2016, 13:21

Mir geht das ähnlich mit solchen Bildern oder überhaupt mit Dingen,die ich sehe und "mit-an-sehen" muß.
Nach Möglichkeit schütze ich mich auch davor.Beim Fernsehen z.B.,wenn ich schon ahne,worauf ein Beitrag hinausläuft und welche Bilder da wahrscheinlich gleich gezeigt werden.Da schließe ich dann einfach die Augen,denn zu hören,was dann eins berichtet,reicht mir auch schon.Und manchmal wird auch das zuviel und dann schalte ich weg oder aus.

Aber manchmal "überfallen" einen ja solche Bilder auch schneller,als man weggucken kann etc.
Dann geh ich damit um,wie ich es aus der Traumatherapie gelernt hab und mache mir eben zunutze,daß ich so ein imaginärer Typ bin.
Ich stelle mir dann ganz bildlich vor,wie die Situation,die ich da gesehen hab,mit nem guten,für mich erträglichen Ende ausgeht.Und lasse es mir dann erstmal völlig egal sein,ob das auch nur annähernd der Realität entsprechen kann oder nicht.
Erstmal geht es mir darum,mich entlastet zu bekommen von den Eindrücken dieses Bildes/des Gesehenen.Emotional wieder ins Gleichgewicht zu kommen dadurch und ne innere Distanz zum Gesehenen hinzubekommen.

Dann kann ich anfangen und drüber nachdenken,bewerten,einsortieren und nem Umgang damit finden.Und ne halbwegs "sozialverträgliche" Reaktion drauf hinzukriegen.Ich kann an sowas nämlich auch ganz schön austicken,erst recht,wenn`s um Tiere geht dabei.
Lisbeth
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon free thinker » Mi 27. Jan 2016, 13:32

Hallo Yalom,

mir geht es da ziemlich ähnlich wie dir und den Anderen. Bestimmte Bilder und Gedanken können mich tage- und monatelang verfolgen. Das setzt dann bei mir direkt Gedankenspiralen in Gang ("Wie ist es denn dazu gekommen?", "Wieso sind Menschen eigentlich alle so wenig empathisch und schlecht?", "Regiere ich über? Stimmt bei mir etwas nicht?" etc. etc.).

Ich weiß noch, wie ich einmal gemeinsam mit einem guten Bekannten einen Horrorfilm angesehen habe, in dem Gewalt extrem blutig und sehr explizit dargestellt worden ist. Ich habe es ganze 10 Minuten ausgehalten, danach musste ich ausschalten und mich ganz schnell von allem äußerem Input abschirmen. Meinem Gehirn ist es da anscheinend vollkommen egal, ob es sich um echte oder fiktionale Gewalt handelt. Mein Bekannter konnte das alles natürlich gar nicht nachvollziehen. War ja alles "nur im Film".

Ich empfinde auch die Flut an "witzigen" Bildern aus dem Internet, bei Whatsapp oder welcher Plattform auch immer, als ziemlich verstörend. Bei jedem 3. dieser Bilder frage ich mich, wie fürchterlich abgestumpft man sein muss um so etwas lustig zu finden. Die Situation mit der Bettlerin, die InnerLight hier geschildert hat, kenne ich auch so ähnlich. Bilder leidender und verkrüppelter Menschen kann ich so gut wie überhaupt nicht verarbeiten.

Mir persönlich hilft es bei sowas manchmal den Input von außen auf ein Minimum zu reduzieren und mich dann mit etwas zu beschäftigen, was mich von den Gedanken / Bildern ablenkt (Bücher, positive Gedanken, mein Hund, gute Freunde, meine Arbeit). Ist sicherlich kein Allheilmittel, aber gerade bei mir als introvertierter Person sieht Vieles schon ganz anders aus, wenn ich nicht dauernd unter Stress stehe, weil Input auf mich einprasselt.

Ich freue mich auch über jeden guten Hinweis von Anderen, die gelernt haben, ihre Gedanken zu "bändigen".
Und so doof es auch ist, aber ich freue mich jedes Mal wenn ich hier im Forum lese, dass ich mit solchen Problemen nicht allein bin. _yessa_
"Not all those who wander are lost." - J.R.R. Tolkien

"Our doubts are traitors and make us lose the good we oft might win by fearing to attempt". - William Shakespeare
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Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon Cheyenne » Mi 27. Jan 2016, 17:17

Hallo Yalom,

ich möchte Free Thinker recht geben: Input reduzieren hilft! Facebook, all die Nachrichtenmagazine etc., da prasselt viel auf einen ein. Die Bilder sind oft sehr verstörend, geschmacklos und provozierend. Bei mir ist es trotz alledem allerdings sogar noch mehr die gnadenlos schnelle Abfolge der Bilder selbst, die mich nervös macht (schau mal nach rechts, so wie die Emoticons, daher schreibe ich auch nie mit solchen;-))...

Am schlimmsten ist es mit Werbung, zum Beispiel diese bewegliche, wie sie zurzeit gerade wieder mal so ein bekanntes Möbelhaus präsentiert... Dann muss ich auf die Seite des Bildschirms, wo sie läuft (das lässt sich ja oft nicht mal mehr wegscrollen) ein Tuch legen, um mich überhaupt konzentrieren zu können. Überall blinken Bilder auf, die uns suggerieren: Kauft, konsumiert und werdet glücklich... Gruselig!

Ich weiß erst seit ein paar Tagen, dass ich hochsensibel bin, und ich habe mir vorgenommen, mich nicht mehr unnötig zu quälen. Facebook reduziere ich auf ein absolutes Minimum. Und was mir dort an die Nieren geht, schmeiße ich sofort raus, zur Not auch Freunde, die irgendeinen Mist teilen. Nachrichten im TV schaue ich gar nicht mehr, und im Web nur noch zweimal täglich im absoluten Schnelldurchlauf.

Wir Hochsensiblen müssen ja auch so schon genug aushalten...
Ausblenden macht da Sinn - und tut unendlich gut:-)!

Liebe Grüße,

Cheyenne
Cheyenne
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon Yalom » Mi 27. Jan 2016, 19:21

Ja man grundsätzlich im Vorraus einiges tun, zb Horrorfilme vermeiden usw. aber letzlich gibt es keinen
perfekten Schutz. Ein Bild kann auf einer Website auftauchen ohne dass wir damit rechnen. Mir
geht es explizit um Akutstrategien die ich dann einsetzen kann. Eine wurde schon genannt, die Bilder
in einem Happyend enden zu lassen. Kennt wer noch andere? Werbung finde ich auch schrecklich, vor allem
die pornpopups bei den streamsites.

Danke,

Yalom
Yalom
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon reskimus » Mi 27. Jan 2016, 20:31

Yalom hat geschrieben:Werbung finde ich auch schrecklich, vor allem
die pornpopups bei den streamsites.

Danke,

Yalom


dafür gibts addblocker für den browser! _yessa_
reskimus
 

Re: Strategien für Umgang mit quälenden Bildern/Gedanken ges

Beitragvon Lisbeth » Do 28. Jan 2016, 09:17

Akutstrategien...
Im Prinzip hilft mir da alles,was erstmal innere Distanz schaffen kann zu den Bildern.
Kennst du solche Übungen wie "Tresor"? Sich vorstellen,man packt die Bilder in nen "Tresor" und sperrt sie erstmal innerlich weg.Ich für mich packe die Bilder meist in Luftballons und stell mir vor,wie sie an die Decke hochschweben.Weg von mir halt v.a.

Was mir auch hilft sind Achtsamkeitsübungen.Mich "verankern" können in meinem Körper und so nicht so "bestimmt" werden können im Geist von solchen Bildern und den ausgelösten Gefühlen dazu.
Aber das braucht ein bissl Vorübung,damit man das im Akutfall schneller hinkriegt.
Lisbeth
 

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