Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsversuch

Alles rund um die Besonderheit der Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlswelt hochsensibler Menschen.

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Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon kikilino » Do 9. Jul 2015, 15:20

beay hat geschrieben:Was der Drill Instructor aber nie tut, ist mich zu ermutigen, verletzlich, klein und weich zu werden, meinen wahren Weg zu gehen. Denn das würde sein Verschwinden bedeuten. Er ist zwar nur virtuell, aber in seiner Verselbständigung besitzt er eine mentale Wesens-Struktur. Und jedes Wesen sichert sein eigenes Fortbestehen. Und immerhin hat er mich durchs Leben gebracht. Von daher haftet an ihm ein Hauch von Unverzichtbarkeit. Aber eben auch von Selbstzerstörung. Deshalb muss er nun seinen Hut nehmen.


Geile Selbsterkenntnis...Hut ab!!
Den letzten Satz würde ich verneinen, denn ich habe die wage Vermutung, dass das nicht klappen wird. Er will leben und er wird um sein Leben kämpfen. Vielleicht wäre es ein Weg für Dich, mit ihm in einen Dialog zu treten? Du könntest ihm für seine bisheriger Unterstützung danken, seine Sorge um den 'Kleinen' respektieren wegen der er das alles tut und dann mit ihm neu verhandeln. Vielleicht muss er gar nicht 'ganz weg' sondern ist in sehr viel softerer Form sogar hilfreich? Oder aber er übernimmt eine andere Aufgabe im System? Manchmal sind solche Anteile auch sehr müde und ziehen sich gerne für eine Weile zurück um auszuruhen. Alles könnte passieren und herausfinden kann man das nur mittels des Dialogs...falls das etwas für Dich ist. Ist nur eine Idee.
kikilino
 

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon beay » Do 9. Jul 2015, 19:16

kikilino hat geschrieben:
beay hat geschrieben:Was der Drill Instructor aber nie tut, ist mich zu ermutigen, verletzlich, klein und weich zu werden, meinen wahren Weg zu gehen. Denn das würde sein Verschwinden bedeuten. Er ist zwar nur virtuell, aber in seiner Verselbständigung besitzt er eine mentale Wesens-Struktur. Und jedes Wesen sichert sein eigenes Fortbestehen. Und immerhin hat er mich durchs Leben gebracht. Von daher haftet an ihm ein Hauch von Unverzichtbarkeit. Aber eben auch von Selbstzerstörung. Deshalb muss er nun seinen Hut nehmen.


Geile Selbsterkenntnis...Hut ab!!
Den letzten Satz würde ich verneinen, denn ich habe die wage Vermutung, dass das nicht klappen wird. Er will leben und er wird um sein Leben kämpfen. Vielleicht wäre es ein Weg für Dich, mit ihm in einen Dialog zu treten? Du könntest ihm für seine bisheriger Unterstützung danken, seine Sorge um den 'Kleinen' respektieren wegen der er das alles tut und dann mit ihm neu verhandeln. Vielleicht muss er gar nicht 'ganz weg' sondern ist in sehr viel softerer Form sogar hilfreich? Oder aber er übernimmt eine andere Aufgabe im System? Manchmal sind solche Anteile auch sehr müde und ziehen sich gerne für eine Weile zurück um auszuruhen. Alles könnte passieren und herausfinden kann man das nur mittels des Dialogs...falls das etwas für Dich ist. Ist nur eine Idee.

Ja. Er könnte Urlaub machen. Transformiert werden. Dann kriegt er einen neuen Job - den "Dicken". Da muss er nicht oft etwas tun. Nur von Zeit zu Zeit, wenn es wirklich nötig ist und bei Konflikten nichts anderes wirkt, kann er die in 32 Jahren erlernte Härte nutzen und "den Dicken markieren".
Wäre so eine Möglichkeit...
"Versuch' nicht, den Löffel zu verbiegen, das ist nämlich nicht möglich. Versuch', dir stattdessen einfach die Wahrheit vorzustellen...Den Löffel gibt es nicht...Dann wirst Du sehen, dass nicht der Löffel sich biegt, sondern Du selbst." - Matrix (Film)

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Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon kikilino » Do 9. Jul 2015, 19:34

Cool, ich habe gleich ein Bild von 'dem Dicken' vor Augen, gg. Viel Erfolg bei den Verhandlungen! Du hast wirklich eine enorme Ressource in Dir, das ist richtig toll, Respekt!

Vielleicht könnte er auch einen Teil von sich zu mir schicken...ich könnte momentan einen Tritt in den A... gebrauchen, gg. na mal sehen, was sich bei mir innen noch so finden läßt. :-))
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Von der 2. zur 3. Stufe - am besten mit Geduld?

Beitragvon Parzival » Mo 13. Jul 2015, 17:40

Dieses Wochenende lief es bei mir privat recht schwierig, aber ich habe da letztlich auch eine gute Erfahrung gemacht, die ich darauf zurückführe, dass ich in letzter Zeit dem inneren Kind mehr Beachtung geschenkt habe, so dass es sich zuhause „ungezwunger“ oft bewegen konnte. Als nun meine Beziehung mal wieder sehr in der Krise war und es nun auch konkret um die Frage ging, ob es zu einer Trennung kommen wird, habe ich gemerkt, wie v.a. der Kind-Anteil dadurch sich sehr verletzt gefühlt hat, dass die Liebe nun so in Frage gestellt wird. Die Traurigkeit über die Krise ist so eigentlich vor allem über das innere Kind spürbar gewesen, was ich aber zugelassen habe als völlig richtiges verständliches Gefühl. Als ich mich da zeitweise sehr traurig und fast verzweifelt gefühlt habe, hat sich dann aber eigentlich wie von selbst der erwachsene Anteil in mir gemeldet und dem Kleinen in mir Trost gegeben und Hilfe angeboten. Es war aber nicht mehr so wie früher, dass ich den Eindruck hatte, dass ich „wählen“ muss, ob ich jetzt auf das Kind in mir oder den Erwachsenen eingehe, sondern es hat irgendwie besser zusammen gepasst. Das Kind ist da und darf sich vom Erwachsenen beschützt fühlen, aber es darf weiter spürbar dableiben. Das Trösten fühlt sich so echt an und nicht mehr wie ein Wegdrängen der Trauer.
Ich hoffe, dass das so ein Gefühl für den Übergang in die 3. Stufe sein könnte, wo der erwachsene Anteil zwar wieder mehr präsent wird, aber das innere Kind weiter auch spürbar bleibt und so auch weiter Energie ausstrahlen kann, wenn es ihm wieder gut geht.
Einerseits finde ich diese Erfahrung gut, aber ich möchte diesen Zustand auch nicht zu sehr erzwingen, weil ich Sorge habe, dass der Zugang zum inneren Kind wieder verloren gehen könnte und wieder nur der Erwachsene da ist, der sich aber so dann letztlich innerlich hohl anfühlt.
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Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon kikilino » Mo 13. Jul 2015, 19:30

Das hört sich toll an. Freue mich für Dich.
kikilino
 

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Peka9 » Mo 13. Jul 2015, 19:40

Lieber Parzival,

ich freue mich mit dir, dass du einen Schritt dir näher gekommen bist.Habe Geduld mit dir und deinem Kleinem.

Der Kleine entdeckt mit dir einen neue Welt und manchmal mag er sich wieder verstecken.

Ich wünsche dir alles Gute.

Peka9
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Verschwinden des erwachsenen Ich unter Belastung

Beitragvon Parzival » Mi 15. Jul 2015, 16:50

Leider ist die zuletzt geschilderte Erfahrung nun wieder mit einem Fragezeichen versehen worden. Denn als sich die Trennungskrise noch weiter verschärfte, ist das erwachsene Ich für mich wieder wie in schlimmsten altbekannten Krisenerfahrungen nicht mehr spürbar gewesen.
Mir hatte die Zuspitzung der Beziehungskrise, die zu Streit geführt hatte, innerlich so zugesetzt, dass ich seit vorgestern bis heute Mittag nur noch im Krisenmodus gelebt habe und gemerkt habe, dass ich da eigentlich vollständig auf mein kindliches Ich zurückgeworfen bin. Der erwachsene Anteil, mit dem ich mir am Wochenende noch helfen konnte, war einfach verschwunden. Übrig war nur noch, wie mir heute, als ich mich langsam wieder beruhigen und mehr zu mir finden konnte, das Kind in mir, das voller Angst und Verzweiflung, weil es keinen Schutz findet, agiert hat – mal mit Aggression und Wut, mal mit Traurigkeit.
Es ist mir rückblickend heute immerhin klar geworden, wie das passiert ist, aber die Hilfsmechanismen haben leider ausgesetzt. Mir scheint auch deutlich zu werden, dass ich eben wirklich, so wie ich es auch früher öfter gefühlt habe, in meinem Kern eben dieses traumatisiert verletzte Kind geblieben bin – das bleibt, wenn alles andere aussetzt. Das erwachsene Ich ist „nur“ erworben. Es kann helfen und sogar nach vorne treten, wenn es mir besser geht, aber es schwindet dahin, je größer die Gefahr ist – eigentlich ja kontraproduktiv, denn es würde da ja am meisten gebraucht. In größter Not ist es schlichtweg nicht mehr fühlbar.
Ich bin so ratlos, wie oder was mir eigentlich helfen kann. Sicher war es gut zu sehen, dass in mittelkritischer Lage der erwachsene Anteil von mir schon mehr Hilfe war als früher. Vielleicht muss ich nur einfach Geduld haben auf dem Weg, auf dem ich bin?
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Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Waldtänzerin » Mi 15. Jul 2015, 19:46

Hallo Parzival,

das, was du beschreibst - exakt so habe ich das in meiner letzten Beziehung auch erlebt. In einer wirklichen Krise konnte ich auf nichts zurückgreifen, sondern dort war nur noch ein (kindlicher? traumatisierter?) Teil, der reagierte. Zwar konnte ich von Außen beobachten und mir immer wieder sagen, dass ich da irgendwo reingerutscht bin, rein rational - aber eingreifen, reagieren - das konnte ich nicht mit einem erwachsenen Ich. Rückblickend habe ich oft den Kopf geschüttelt, weil es wie ein Wechsel war. Und wenn es sich anbahnte habe ich das irgendwann auch gemerkt und durchgeatmet. Aber verhindern lies es sich nicht - ich rutschte rein. Die ganzen Gefühle, die damit einhergingen liesen erst sehr langsam wieder nach danach.

Ich weiß bis jetzt nicht, ob es allein ein traumatisiertes Kind ist, welches getriggert wurde oder ob es vlt Umstände gibt, die einfach nicht meines sind und die ich gar nicht abkönnen muss. Ich meine - vlt passt manches so auch einfach gar nicht zusammen. Als einfaches Beispiel: ich muss nicht nachts neben einer viel befahrenen Straße klar kommen. Ich kann und darf umziehen. Aber ob das den Kern trifft - das weiß ich nicht. Vlt hat da jemand mehr Ahnung?!

In jedem Fall Danke für dein Schreiben - fühle mich zumindest mit sowas dann nicht mehr ganz so gaga. :)

LG
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Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon kikilino » Mi 15. Jul 2015, 22:50

Hallo Parzival!
Es ist doch gut, dass es sich, wie Du schreibst bereits verändert hat und Dein Erwachsenen-Ich schon etwas stärker geworden ist. Was läßt Dich daran zweifeln, dass diese Entwicklung weiter gehen wird?
Das einzige was ich raten kann ist, das Kindchen nach zu beeltern. Und dies auch in Phasen, wo gerade nichts triggert. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man damit tiefe Urgefühle die wirklich schlimm sind 'weg' bekommt. Es dauert ein wenig, aber sie werden immer besser. Eigentlich auch logisch, man holt das nach, was in der Kindheit anscheinend gefehlt hat...bedingungslose Liebe (Sicherheit, Anerkennung usw).
kikilino
 

Re: Trauma und Inneres Kind: ein dreistufiger Erklärungsvers

Beitragvon Parzival » Do 16. Jul 2015, 13:28

Danke für eure aufmunternden Postings. Besonders für kikilino müsste ich hier in diesem Thread eigentlich eine dicke Dankeschön-Kerze anzünden...
Tut immer gut in solchen Situationen zu hören, dass man nicht alleine ist mit solchen Erfahrungen und dass es wieder besser werden kann. Wo der Akutstress wieder vorbei ist, merke ich auch, dass Kraft und Balance wieder zurückkommen und der erwachsene Anteil wieder da ist und dem inneren Kind Schutz geben kann. Es scheint halt "nur" nicht in extrem belastenden Situationen zu klappen, aber in "mittleren" Stresslagen immerhin schon.
Ich denke auch, dass Geduld auf dem Weg des weiteren Nachbeeltern der richtige Ratgeber ist, denn ich spüre ja selbst, wie mir das gut tut. Da mir manches, was ich in dem Zusammenhang erlebe, doch etwas zu persönlich für den offenen Forumsbereich ist, schreibe ich evtl. zu dem Thema jetzt dann weiter & mehr in "meinem" Thread.
Parzival
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